Tawhai Falls

Wandern im Tongariro National Park

Der Highway 47, auf dem wir Richtung Whakapapa Village fahren, dem Zentrum des Tongariro Nationalparks, ist nicht nur eine logische Grenze, sondern bildet auch eine physische in bezug auf die Landschaftsform und die Vegetation. Während rechts der Straße noch Gras und Bäume wachsen und Schafe ihren Hunger stillen, finden sich auf der gegenüberliegenden Seite nur brauner Boden und ein paar niedrige Büsche. Die Erde dort scheint richtiger Lavaboden zu sein, auf dem nicht sehr viel gedeihen kann.

Tongariro National Park TrekAls wir auf den Highway 48 einbiegen, der zu dem kleinen Örtchen führt, geraten wir in dichten Nebel. Alles ist grau in braun und wird mystisch von einem nebligen Schleier bedeckt. Wir passieren eine Baustelle und erreichen dann auch schon den Ort, der am Fuße des Ruapehu liegt, dem mit 2797 Metern höchsten Vulkan Neuseelands. Whakapapa Village bietet nur das nötigste, aber für uns auch wichtigste: einen Campingplatz, ein Visitor Centre, ein Pub sowie als Draufgabe einige Häuser und das berühmte Hotel „Chateau Tongariro“ mit eigenem Golfplatz.

Im Visitor Centre gibt man uns im wesentlichen die uns schon bekannte Auskunft über das Wetter morgen, und so beschließen wir, früh aufzustehen, den Kopf gen Himmel zu recken und dann zu entscheiden, ob wir den Track wandern oder noch warten wollen. Dann müssen wir den Shuttle-Bus kriegen, der uns um 8 Uhr zum Startpunkt des Wanderweges bringt und nachmittags vom Endpunkt wieder abholt. Diesen Service muss man schon in Anspruch nehmen, denn der 17 Kilometer lange Tongariro Crossing Track ist keine Rundwanderung, und Anfang und Ende liegen 25 Auto-Kilometer auseinander!

Es ist noch nicht so spät, und irgendetwas muss ich noch tun. Trotz des ungastlichen Wetters wage ich dann, dick eingemummelt, einen kleinen Abstecher zu den Tawhai Falls, einige Kilometer vor dem Örtchen gelegen. Lena  widmet sich derweil wieder einem ihrer vier mitgenommenen Wälzer. Wenn sie so weitermacht, hat sie bald alle durch.

Tipps

  • Den Tongariro Crossing Track muss man wandern! Ein einmaliges Erlebnis.
  • Idealer Ausgangspunkt für die Wanderung ist der hübsche Campingplatz von Whakapapa Village. Plant von vornherein mindestens zwei Übernachtungen ein!
  • In Whakapapa Village gibt es nur einen winzigen Shop im Office des Campgrounds. Kauft besser vorher noch einmal groß ein, in Turangi etwa!
  • Nutzt den Shuttle-Service zum Tongariro Crossing Track! Er ist günstig und praktisch. 8 Uhr morgens geht es am Visitor Centre in Whakapapa Village los, zurück geht es um 16 Uhr 45 vom Endpunkt des Tracks. Es gibt auch einen Shuttle-Service von Turangi aus, aber die Anfahrt ist wesentlich länger.
  • Wer die Möglichkeit hat, sollte so früh wie möglich aufbrechen, um die Morgenstunden zu nutzen. Das Wetter ist meist noch schön, und es sind noch nicht so viele Leute unterwegs!
  • Auch wenn der Himmel morgens klar ist: Nehmt für alle Bedingungen Kleidung mit auf den Track! Auch Handschuhe, denn es kann auf den Gipfeln und in den Kratern erbärmlich kalt werden!

Um 18 Uhr quartieren wir uns endlich auf dem Campground ein. Zum Abendessen braten wir einige Hoki-Steaks in der Pfanne, und als Krönung gibt es je eine große Schale von dem mysteriösen Hokey-Pokey-Eis, das wir in Rotorua gekauft haben: Vanille mit Caramelstückchen drin – ziemlich süß, aber lecker!

Mt. NgauruhoeErneut wecken mich die Vögel mit ihrem Gezwitscher. Als erste Aktion des Tages ziehe ich den Vorhang zur Seite, und mein Blick fährt in tiefblauen, klaren und wolkenfreien Himmel. Ich bin begeistert! Es wird bestimmt allen Wettervorhersagen zum Trotz ein schöner Tag! Bereits gestern abend waren die ersten Sterne am Himmel zu sehen.

Nun, wie spät mag es wohl sein? Und warum haben mich die Vögel geweckt und nicht das Handy? Wir haben den Wecker auf 6 Uhr 30 gestellt, um uns nicht allzu sehr abhetzen zu müssen, sollte das Wetter schön sein. Ein Blick auf die Uhr treibt mir das Entsetzen ins Gesicht: Es ist 10 nach 7, und der Bus fährt schon um 8 Uhr ab! Und einige Sachen einpacken müssen wir auch noch. Vergessen sind die eisige Nacht und das kalte Kopfkissen…

Jetzt nur schnell raus, damit wir den Bus nicht verpassen. So schnell wie nie sind Lena und ich mit der Morgenwäsche fertig. Wir haben sogar noch Zeit für Kaffee und eine Schale Cornflakes, machen uns noch Sandwiches für unterwegs und checken dann um 7 Uhr 50 an der Rezeption des Campingplatzes aus. Normalerweise ist das zwar nicht nötig, aber hier haben wir gegen Pfand einen Schlüssel für die Waschräume bekommen, den wir wieder abgeben müssen.

Alles passt hervorragend. Wir stellen unser Gefährt auf dem Parkplatz gegenüber dem Visitor Centre ab, wo der Shuttle-Bus auch abfahren wird. Mit uns warten an der Haltestelle mindestens Tausend weitere Leute mit großen und kleinen Rucksäcken, mit kurzen Hosen und dicken Jacken auf den Bus. Und der kommt pünktlich um 8 Uhr. Und einige Minuten später sogar ein zweiter, wie es scheint, ein umgebauter Militärtransporter. Es dauert etwas, bis sich alle auf die zwei Gefährte verteilt haben, aber alle finden Platz, und es geht der Reihe nach und ruhig ab. Um halb neun geht es los, und etwa 25 Minuten später werden wir am Startpunkt des Tongariro Crossing Tracks abgeladen. Ich vergewissere mich beim Fahrer noch einmal, wann wir abgeholt werden, dann beginnt für uns ein weiteres großes Abenteuer hier in Neuseeland!

Vielleicht haben wir heute endlich mal Glück: noch ist herrliches Wetter, der Himmel strahlt blau über uns, und die Luft fühlt sich angenehm kühl an. Aber bereits jetzt sieht man die Wolken, die sich heranpirschen und am Gipfel des Mount Ngauruhoe hängen bleiben. Ansonsten sind weit und breit keine weißen Flecken am Himmel zu sehen.

Wir sind nicht die einzigen, die den berühmten Track wandern wollen. Außer den Insassen der zwei Shuttle-Busse machen sich noch zahlreiche weitere Wanderer auf den Weg, die ihre Wagen am Rand der schmalen Zufahrtstraße geparkt haben. So gleicht denn die Reihe der Marschierenden einem Pilgerzug durch die dürftige Lavalandschaft, immer mit Blick auf den schroffen Gipfel und die steilen Hänge des Vulkans vor uns. Rechts von uns, Richtung Süden, erkennen wir den ebenfalls wolkenumhangenden und schneebedeckten Gipfel des Mt. Ruapehu, der noch vor ein paar Jahren Rauch und Asche spuckte. Ob wir heute Zeugen eines ähnlichen Geschehnisses werden? Wäre ja schon spannend, wenn auch nicht ganz ungefährlich. Aber was ist schon ungefährlich?

Zunächst wandern wir durch eine flache Ebene, durchqueren schmale, niedrige Bäche und ersteigen kleinere Felsgruppen. An der nicht weit entfernten Mangatepopo Hut gesellen sich weitere Wanderergruppen dem bunten Lindwurm hinzu, der sich dem Sattel zwischen den beiden Vulkanen Mt. Ngauruhoe und Mt. Tongariro entgegenschlängelt. Wir wundern uns mal wieder über einige unserer Mitwanderer: In T-Shirts und kurzen Hosen wagen sie dieses Abenteuer, wobei wir uns für (fast) alles gewappnet haben. Gestern im Visitor Centre sagte man uns ja auch noch, in 1600 Metern Höhe könne heute durchaus Schnee fallen…! Aber das wollen wir mal nicht hoffen, und das Wetter heute morgen sieht ja auch nicht danach aus.

Tja, aber wo Berge sind, ist das Wetter sehr wechselhaft, und das bekommen wir auch bald zu spüren. Die wenigen Wolken, die sich an den Hängen der Berge festgeklammert haben, lassen sich nach und nach in die Ebene hernieder, und es wird zunehmend grauer und düsterer über uns. Als wir den Aufstieg Richtung South Crater erreichen, ist es fast schon neblig. Der Aufstieg ist recht steil und anstrengend, wir müssen öfter mal ein Päuschen einlegen. Wenigstens sind wir nicht die einzigen, die hier nicht leichten Fußes heraufpreschen! Fast oben angelangt wird der Nebel so richtig dicht, und die Sichtweite sinkt unter 30 Meter. Dem D.O.C. sei dank ist der Weg gut mit Holzstangen markiert, die eineinhalb Meter aus dem Boden ragen und an ihrem Kopf rot gefärbt sind. Hier oben sind die Abstände zwischen diesen Markierungen ausreichend gering, so dass man ihnen auch bei schlechter Sicht gut folgen kann.

Tongariro National ParkAls wir den Sattel erreichen, haben wir seit unserem Start etwa 500 Höhenmeter zurückgelegt, davon die letzten 260 auf dem steilen Anstieg. Hier oben zieht es mächtig, und der Nebel verwandelt sich in lästigen Nieselregen. Wir verschanzen uns hinter einem großen Felsen und machen uns wetterfest: Regenhosen an, Kapuzen tief ins Gesicht ziehen und die Fototasche mit dem Regenschutz zudecken. Von hier aus könnte man den Gipfel des Mt. Ngauruhoe ersteigen, es wären noch etwa 400 Höhenmeter durch dichten Nebel zu bewältigen, was einige unserer Mitwanderer auch zu beabsichtigen scheinen. Wir wollen uns das aber nicht antun, erscheint uns bei den Sichtverhältnissen auch nicht ratsam. Außerdem frieren uns jetzt schon fast die Pfoten ab. Das nächste mal nehmen wir für alle Fälle auch Handschuhe mit. Kaum zu glauben, kann aber echt nicht schaden! Stattdessen marschieren wir weiter durch den South Crater, durch eine karge, mystisch anmutende Mondlandschaft. Nebelschwaden kommen und gehen, und irgendwo rechts neben uns soll der Kratersee liegen, den wir aber nirgends entdecken können. Ich möchte einige Schritte seitlich des Weges mal schauen, aber Lena hat Angst, dass ich dann abstürzen könnte. Also gut, dann eben nicht. Man sieht ja wahrscheinlich sowieso nichts. Hat uns das schlechte Wetter also mal wieder eingeholt! Aber dieser graue Nebelschleier, der hier alles zudeckt, hat auch seinen Reiz und erscheint richtig geheimnisvoll. Alles sieht irgendwie verwunschen aus, aber auch trostlos. Irgendwie faszinierend.

Leute kommen uns aus dem Nebel entgegen und entschwinden wenige Meter hinter uns wieder unserer Sicht. Auf der anderen Seite des Kraters müssen wir wieder klettern. Auf zum Teil sehr schmalen Graten und Wegen geht es Richtung Red Crater. Wir begegnen eingemummelten Gesichtern, die uns freundlich lächelnd begrüßen, während wir uns an besonders engen Stellen an Felsvorsprüngen festhaltend entlang hangeln. Hier oben merkt man auch, dass Trekker eine große Familie sind: Hier grüßt fast jeder jeden Wanderfreund mit einem freundschaftlichen „Hi!“ oder „Hallo!“.

Plötzlich reißt der graue Vorhang aus kleinsten Wassertröpfchen auf, und wir erkennen unter uns im Süden den Kratersee und stellen fest, dass wir tatsächlich nur wenige Meter an ihm vorbeimarschiert sind. Wenige Augenblicke später wird der Vorhang wieder zugezogen, so als habe uns jemand nur mal schnell einen Blick gönnen wollen auf das, was uns aus nächster Nähe verwehrt geblieben ist.

In manchen Momenten zerrt der Wind richtig an uns, und wenige Minuten später erreichen wir in 1800 Metern Höhe eine weitere Weggabelung. Auf einem Holzschild wird auf den Pfad zum 1967 Meter hohen Gipfel des Mt. Tongariro hingewiesen. Wir aber marschieren weiter den markierten Weg entlang und erreichen einen ausgesetzten, schmalen Grat, der hoch über dem Red Crater liegt. Und als ob uns jemand etwas Gutes tun wollte, lichtet sich der Nebel, die Wolken scheinen kurz innezuhalten, und tief unter uns ergibt sich ein fantastischer Anblick. Wie eine blutige Wunde klafft ein gigantischer Riss im weiten Rund des Kraters und lässt die Kräfte erahnen, die hier bei einem Ausbruch walten. Ein grandioser, unvergesslicher Anblick!

Kaum haben wir den Grat, der uns erst so richtig zur Angriffsfläche für den heftigen Wind macht, überquert, scheint hinter uns eine Tür zugefallen zu sein. Denn hier ist nicht nur das Wetter wunderbar: die Sonne scheint und spendet Wärme, es herrscht kein Nebel, und die Wolken scheinen allesamt die Überquerung des bedrohlichen Roten Kraters zu meiden. Auch die Aussicht erfährt noch eine Steigerung. Vor uns liegen die berühmten grün-blauen Emerald Lakes, und in der Ferne erkennen wir das strahlende Blau des entsprechend benannten Blue Lakes. Dazwischen eine weite Lava-Landschaft, der Central Crater des Mt. Tongariro. Die schroffen Gipfel im Hintergrund machen den anmutigen Anblick komplett.

Der 100-Meter-Abstieg ist schnell erledigt; der Weg besteht mehr oder weniger aus Lava-Geröll, und wir können auf den Hacken wie auf Skiern hinuntergleiten. Das macht Spaß! An den bunten Seen angekommen, lege ich einen Fuji Velvia ein. Während andere Wanderer hier ein Päuschen machen, um ihre mitgebrachten Sandwiches zu verzehren, bemühe ich mich, die herrliche, karge Gegend aus verschiedenen Perspektiven reizvoll auf Diafilm zu bannen.

Oturere HutHinter den Seen kann man einer Abzweigung folgend zur Oturere Hut gelangen, die an dem Rundwanderweg liegt, auf welchem man die beiden Vulkane binnen dreier Tage einmal ganz umkreisen kann. Hier schlagen gerade einige Wanderer ihr kleines grünes Zelt auf, passend zur Farbe des Sees. Das Wasser hier ist allerdings nicht genießbar, weil es sehr viel Schwefel enthält. Überall an den Hängen des Berges sieht man auch Dampf aufsteigen, und oft riecht es verdächtig so wie in Rotorua bei den Schwefelquellen. Will man hier mehrere Tage unterwegs sein, so muss man sein ganzes Trinkwasser schon mitnehmen. Da ist nichts mit Filtern oder Abkochen!

Aber wir wollen ja nur einmal quer hindurch. Weiter geht es durch die weite Ebene des Central Crater. Lena ist mir mehrere Hundert Meter voraus, während ich noch versuche, mit kleinster Blende das Namensschild des Kraters und den zerrissenen Gipfel des Red Crater im Hintergrund gleichermaßen scharf auf ein Bild abzulichten. Bei diesem Anblick wird einem erneut bewusst, welch enorme Naturgewalten im Spiel sind, wenn sich die Erde Luft macht, hustet und Auswurf hervorbringt. Von hier aus erscheint es, als sei die ganze Spitze eines Berges weggesprengt worden, und nun klafft dort ein riesiges Loch. Gespenstisch.

Der Central Crater scheint eine wahre Schönwetteroase zu sein, denn während ich die Steigung zum Blue Lake erklimme und zu Lena aufschließe, kommen wieder einige graue Wolkenschleier auf. Nach der Umrundung des Sees, der seinen Namen wirklich verdient hat, beginnt der lange Abstieg Richtung Ketetahi Hut, von der aus es noch einmal einige Kilometer zu dem Parkplatz hinunter geht, wo uns der Bus um 16 Uhr 30 abholt. Die Wolken verschwinden wieder, und wir haben einen tollen Blick auf den fernen Lake Rotoaira, an dessen Ufer wir am Vortag noch im Regen Sandwiches gespeist haben. Entlang der Hänge des North Crater geht es gemächlich hinunter, und bald erreichen wir die Holzhütte inmitten weiter Tussock-Gras-Felder. Zahlreiche Wanderer pausieren hier oder faulenzen im Gras. Wir aber marschieren weiter, ein langer Abstieg steht uns noch bevor. Der letzte Teil des Weges, der Ketetahi Track, scheint auch der anstrengendste zu sein. Es geht wirklich nur bergab, und das oft über Stufen hinweg, was uns so richtig auf die Knie geht. Plötzlich knicke ich mit dem linken Fuß um. Ein höllischer Schmerz durchzuckt meinen Knöchel, und ich fluche leise. Vorsichtig trete ich auf – es scheint alles in Ordnung zu sein. Der Schmerz bleibt zwar, aber ich kann trotzdem normal weitermarschieren. Ich atme tief durch. Das fehlte noch, dass ich mir hier den Knöchel verstauche, oder gar schlimmeres…

Wir kommen an den privaten Ketetahi Hot Springs vorbei, stinkenden und dampfenden Schwefelquellen, sowie an von Algen rot gefärbten Steinen, die sich am Wegesrand von der Sonne bescheinen lassen. Oder haben sie vielleicht Sonnenbrand? Also ich bestimmt schon wieder, auch von dem bisschen Sonneneinstrahlung, das wir heute nur hatten.

Der Abstieg scheint kein Ende nehmen zu wollen, und wir glauben schon, uns verlaufen zu haben. War doch irgendwo eine Abzweigung? Aber mit einem Blick auf die Karte finde ich den Bach, an dem wir gerade in gutem Tempo entlang marschieren, direkt neben der markierten Route. Also sind wir richtig. Es zieht sich halt etwas hin. Wenn Lena einmal im Tritt ist, dann marschiert sie drauf los. Der Abstand zwischen uns wird immer größer, und als ich endlich meine Jacke ausziehe, weil mir der Schweiß schon auf der roten Stirn steht, verschwindet sie aus meinem Blickfeld. Aber 16 Uhr 20 erreichen wir dann gemeinsam den Parkplatz, wo schon Dutzende anderer Leute, die alle richtig fit und frisch aussehen, auf den Abtransport warten. Einige von ihnen waren mit uns gestartet. Sie haben aber wohl nicht so viel fotografiert wie ich. Und außerdem geht es ja nicht darum, die Strecke in Rekordzeit zu absolvieren, sondern den Weg zu genießen. Na ja, bei dem Abstieg von insgesamt 1000 Metern seit dem Blue Lake fällt das Genießen schon schwer… Ich bin jedenfalls fix und alle. Nur hinsetzen…!

Whakapapa VillagePünktlich kommt unser Shuttle-Bus, und ab geht es Richtung Whakapapa Village, wo wir uns sofort wieder auf dem hiesigen Campingplatz für den Abend einmieten. Als ich dem Mann an der Rezeption sage, dass wir „eine weitere Nacht“ bleiben wollen, fragt er mich: „Whereabouts are you now?“ Ich höre nur „whereabouts“ und glaube eine Frage wiederzuerkennen, die mir schon früher gestellt worden war. „Two“, antworte ich, ernte aber nur Kopfschütteln. Ich streiche die erste Vermutung und hole eine zweite hervor. Aber auch die Antwort „Germany“ scheint den Menschen nicht zufrieden zu stellen, und er beginnt zu erklären: Auf welchem Stellplatz wir nun seien… Und da fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren, und ich entgegne, dass wir heute morgen schon ausgecheckt hatten… So haben wir uns gegenseitig verwirrt und ich mal wieder mein großartiges Verständnis der englischen Sprache bewiesen. Aber was zum Teufel soll denn auch dieses „whereabouts“…?

Nachdem wir uns auf unserer neuen Site einquartiert haben, geht Lena erst einmal duschen. Währenddessen besorge ich einige Kleinigkeiten für das Abendessen, wie z.B. Suppe aus dem kleinen Shop des Campingplatzes und – ganz wichtig – vier Flaschen Bier aus dem Pub, der nur 800 Meter weiter südlich an der Straße liegt. Aber 800 Meter sind nach 17 Kilometern Fußmarsch weiter als man denkt, und als ich zum Wohnmobil zurückkehre, steht Lena schon frisch geduscht und erwartungsvoll vor dem verschlossenen Gefährt. Beim Abendessen ist der Durst groß und das leckere Bier schnell geleert, so dass wir anschließend gut schlafen können.

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