Streifzug durch Neuseelands Hauptstadt

Uah, war das eine kalte Nacht, und ich habe verdammt schlecht geschlafen; meine Füße und Beine haben die ganze Zeit gekribbelt, haben wahrscheinlich immer noch die 17 Kilometer gespürt. Um 7 Uhr 30 wachen wir auf, erneut ohne Handy. Der Wecker hat’s wieder nicht getan! Was ist nur los?

Bevor wir uns um halb elf auf den Weg Richtung Süden machen, entleeren wir noch einmal den Schmutzwassertank. Das ist eine Qual! Der Schlauch ist echt sch… – äh, ungeeignet, meine ich. Zwei Knicke hat der, und das Dreckwasser staut sich immer genau dort. Und bei der dicken und steifen Schlauchwandung ist das richtig anstrengend, ihn geradezubiegen. Lena bleibt dann immer mit dem Fuß auf einem Knick stehen. Den anderen halte ich mit der Linken gerade, während ich mit der Rechten aufpasse, dass der enge Schlauch nicht von dem Auslassventil abrutscht. Macht echt keinen Spaß!

Fähre zur SüdinselHeute ist Sonntag, der 14. November, und am Dienstag morgen geht unsere Fähre hinüber zur Südinsel. Somit wollen wir uns schon auf den direkten Weg nach Süden machen, um am Montag noch etwas Zeit für Wellington zu haben. Wir nehmen die in den ADAC-Broschüren empfohlene Strecke über einige Maori-Dörfer am Wanganui-River entlang, bereuen dies aber bald. Die Dörfer sind total uninteressant und der Highway eine schreckliche Schotterpiste. Sage und schreibe 64 Kilometer legen wir auf dieser unbequemen Straße zurück, die wir keinem weiterempfehlen können! Fahrt lieber den direkten Weg Richtung Wanganui. Auch der Fluss selber ist nicht besonders schön. Wir jedenfalls sehen nur braunes Brackwasser!

Stadt WanganuiEndlich erreichen wir die Stadt Wanganui, und unseren Hunger stillen wir um 13 Uhr 50 im Pizza Hut. Schon komisch: Lena meinte, sie habe Hunger auf eine Pizza, und daher sind wir auf Deubel komm raus in die Stadt hineingefahren, Ausschau haltend nach Pizza Hut. Und gerade als wir aufgeben wollten und um eine Ecke fuhren, haben wir das rote Schild gesehen. So ein Zufall aber auch!

Das Essen ist reichlich; zur großen Wagenrad-Pizza mit dünnem Boden gibt es eine Schale Pommes als Beilage. Nur sauberer könnte es hier sein; beim Verrücken meines Stuhls greife ich in irgendwas Klebriges – bah. Schnell die Hände gewaschen.

Unser nächstes Ziel ist die Kapiti Coast, das angeblich schönste Stück Westküste hier auf der Nordinsel. Wir machen einen Abstecher Richtung Otaki Beach, um heute wenigstens noch etwas vom schönen Wetter zu haben. Es ist mal wieder typisch: Heute sind wir fast den ganzen Tag im Wohnmobil unterwegs, und es ist herrlichstes Wetter! Schön warm, sonnig und vor allem trocken!

Am Strand ist es herrlich. Ein Kanu tanzt hier auf den Wellen, ein paar Rettungsschwimmer machen Übungen und zwei Jugendliche jagen mit ihren Mofas über den groben Sand, eine stinkende Benzinfahne hinter sich herziehend. Die Idylle verschwindet spätenstens, als wir beinahe über eine tote Robbe stolpern…

Tipps

  • Nehmen Sie vom Tongariro National Park nach Wanganui die direkte Strecke über den Highway 4! Die 64 Kilometer lange Schotterpiste über die kleinen Maori-Dörfer kann man sich beruhigt schenken! Lohnt nicht, ist stellenweise äußerst eng und schlecht zu befahren. Macht keinen Spaß!
  • Zwischen Wanganui und Wellington braucht man sich nicht lange aufzuhalten. Eine Stippvisite am Strand genügt.
  • Der Wellington am nächsten liegende Campingplatz ist derjenige im Vorort Lower Hutt. Gute Busverbindung zur Hauptstadt.
  • Bus-Haltestellen erkennt man an einem kleinen grünen Verschlag oder Häuschen am Straßenrand!
  • Besuchen Sie das Museum Te Papa! Hier wird einem vieles geboten, und der Eintritt ist gratis! Und im zugehörigen Souvenirshop werden Sie vielleicht fündig, dort gibt es schöne Sachen!
  • Ein Bummel durch Wellingtons Innenstadt ist nett. Fahren Sie mit dem Cable Car zum Botanischen Garten hinauf.

Weiter geht es nach Waikanae, wo wir einen Campingplatz für heute nacht zu finden hoffen. Als wir aber direkt vor dem Deich stehen und nicht weiterwissen, halten wir am Straßenrand und studieren unsere Karten. Plötzlich klopft es am Türfenster, und ein älterer Mann bietet uns seine Hilfe an. Er habe vom Balkon aus gesehen, dass wir wohl etwas suchen würden. Und dann empfiehlt er uns den Campground in Lindale, einige Kilometer weiter den Highway 1 hinunter.

WellingtonHier, nur wenige Kilometer vor Wellington, ist der Verkehr zum ersten mal richtig dicht, auch für europäische Verhältnisse. Man merkt, dass wir in Großstadtnähe sind. Um kurz nach sechs erreichen wir den hübschen Campingplatz und finden eine lustige Barbeque-Stimmung vor. Der alte Mann, der uns die Stellplätze zeigt, ist schon etwas angeheitert und kommt mit der Kreditkartenmaschine nicht zurecht, so dass ich zum ersten mal freiwillig bar bezahle. Auch hier kostet es uns 20 Dollar für die Nacht. Das scheint hier so der Durchschnittspreis zu sein.

Am Abend haben wir weiterhin tolles Wetter, und wir können unser Abendessen sogar draußen auf der hölzernen Sitzecke zu uns nehmen, die zum Stellplatz dazugehört. Den Campingtisch und die -stühle, die wir bei Maui gemietet haben, haben wir bis heute nicht ein einziges mal gebraucht!

Am nächsten Morgen sind wir mal wieder spät dran, und erneut finden wir Wolken am Himmel. Um 11 Uhr machen wir uns auf Richtung Wellington. Unser Ziel ist zunächst ein Campingplatz im Vorort Lower Hutt, der am nächsten zur ort liegt. Von dort aus wollen wir dann mit dem Bus nach Wellington hineinfahren.

Nachdem wir einmal die Ausfahrt verpasst und uns schon fast im Zentrum der Hauptstadt wiedergefunden haben, erreichen wir gegen Mittag den Campingplatz. Probleme haben wir anschließend auch, die Bushaltestelle zu finden, die irgendwo an einem nahegelegenen Kreisel liegen soll. Hier ist nichts, was auf eine Bushaltestelle hindeutet! In einer Imbissbude ziehen wir Erkundigungen ein, und man weist uns auf einen kleinen grünen Unterstand auf der anderen Seite hin – dort halte der Bus. Meine Güte, das muss man auch wissen!

Museum Te PapaDer Busfahrer ist nett, und er bringt uns fast bis vor den Eingang von Neuseelands neuestem, größtem und teuerstem Museum: Te Papa, das mit freiem Eintritt lockt. Und ein Besuch lohnt wirklich. Die Ausstellungen zeigen eine Menge über die Siedlungsgeschichte in Neuseeland, aber auch über die Naturphänomene und die Tierwelt. So gibt es hier zum Beispiel ein kleines Häuschen, das alle paar Minuten wie bei einem Erdbeben wackelt. Das ist ein Gefühl! Draußen finden wir neben einem künstlich angelegten Dschungel mit einer Hängebrücke auch eine Nachbildung der Glühwürmchenhöhlen vor. Zur Stärkung bietet sich ein Besuch der Cafeteria an, die u.a. mit leckeren Sandwiches und Muffins sowie Café Latte aufwarten kann. Zum Abschluss betreten wir noch den Souvenirshop im Museum, ohne Hoffnung, etwas wirklich interessantes zu finden. Aber da täuschen wir uns. Neben dem üblichen Kitsch finden wir jeder etwas Tolles: Ich begeistere mich sofort für einen herrlichen großen Teller aus Rimu-Holz, der an einem Rand mit drei Opal-Einlagen und am anderen mit drei schwarzen Holzeinsätzen versehen ist. Fantastisch! Ein toller Blickfang. Lena ist mehr von den kunstvollen Anhängern fasziniert, welche die Maori nach „Bonecarving“-Art herstellen. Lena kauft sich ein sehr hübsches Exemplar. Aus Knochen wohlgemerkt!

Nachdem wir einige Stunden hier im Museum verbracht haben, beginnen wir am späten Nachmittag, durch die Innenstadt und die Einkaufsstraßen zu bummeln. Lena schaut sich etwas in einem CD-Laden um, in dem die gepressten Scheiben sogar zum Teil teurer sind als bei uns. Ansonsten ist das Preisniveau ähnlich wie zuhause. Das praktische Umtauschverhältnis von fast eins zu eins zwischen D-Mark und Neuseeland-Dollar macht das Einkaufen dann noch leichter. In einer Passage finden wir unser beliebtes „Starbucks Coffee“ vor: Idealer Augenblick und Ort für eine Latte- und Muffin-Pause. Der riesige Schoko-Muffin, den ich mir gönne, ist einfach göttlich!

Cable CarMit dem Cable Car fahren wir dann den Berg hoch, an dem die Innenstadt Wellingtons liegt, und spazieren nach einem staunenden Blick über das unter uns liegende Szenario durch den hier beginnenden, sehr hübschen Botanischen Garten wieder hinunter Richtung Zentrum. An einem bunten Rosengarten vorbei erreichen wir wieder die Hauptstraße Lambton Quay, wo wir um 19 Uhr, als schon alle Geschäfte geschlossen haben, in der schummrigen Bar der Restaurant-Kneipe „Paris“ mit Käse überbackene Nachos und Potato-Wedges mit einer leckeren Salsa-Soße zu uns nehmen. Dazu ein leckeres Bierchen – ach, uns geht’s gut!

Auf den Bus müssen wir dann bis halb neun warten, aber dafür beeilt der sich anschließend richtig, fährt fast schon ein Rennen gegen sich selbst. Gott sei dank erreichen wir den Campingplatz heil! Tja, dies ist unser letzter Abend auf der Nordinsel; morgen früh fahren wir mit dem Interislander über die Cook Strait zum angeblich schöneren Teil Neuseelands hinüber. Wir hoffen, dass es das Wetter dann auch besser mit uns meint!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.