Glühwürmchen-Höhlen

Rundgang in der Glühwürmchen-Höhlen und Blackwater Rafting

Gegen Mittag, als wir das Flachland vor Hamilton durchqueren, wird das Wetter besser, und beim Tanken spüre ich sogar Sonnenstrahlen auf der Haut. Doch in Otorohanga, dem „Tor“zu den Glühwürmchenhöhlen, relativiert sich das wieder. Beim Besuch des hiesigen Visitor Centres werden wir wieder mal nass.

Wir erkundigen uns nach „Black Water Rafting“, von dem wir gelesen haben: Man lässt sich auf dicken Gummireifen durch unterirdische Höhlen treiben und kann dabei die leuchtenden Würmchen bestaunen. Das wollen wir machen, haben wir uns vorgenommen. Die freundliche Dame im Informationszentrum schlägt uns zwei Touren vor: eine leichte und eine schwerere. Die zweite ist verbunden mit Höhlenkletterei und Abseilen, und das lassen wir erst mal noch sein. Uns genügt die einfache Schwimmtour. Da wir auch die Höhlen selber noch per pedes besuchen wollen, buchen wir eine Black-Water-Rafting-Tour für morgen früh um neun Uhr (das frühe Aufstehen im Urlaub ist zwar lästig, aber wenn’s sein muss…). Heute nachmittag schauen wir uns die Höhlen dann erst mal so an.

Es sind noch einige Kilometer Fahrt bis dahin, für die wir uns mit einigen Muffins stärken. Leider kriegen wir die Papierförmchen kaum von den Dingern ab, so dass wir sie gar nicht richtig genießen können. Aber der leckere Cinnamon-Donut entschädigt dafür! Um 15 Uhr erreichen wir die „Caves“ – die Höhlen von Waitomo, und die Sonne kommt schon wieder durch und brennt dieses mal so richtig auf unsere blanken Stirnen. Das Wohnmobil stellen wir fast am Ende des abschüssigen Parkplatzes ab. Es stehen doch einige Fahrzeuge – auch Campervans! – bedenklich schief auf der asphaltierten Fläche. Wenn man da auf der falschen Seite einsteigt, kippen die bestimmt um!

Tipps

  • Im Visitor-Centre von Otorohanga kann man Eintrittskarten für die Glühwürmchen-Höhlen kaufen sowie Blackwater Rafting-Touren verschiedener Couleur buchen!
  • Ein Rundgang durch die Höhlen lohnt sich! Insbesondere die Fahrt auf dem unterirdischen See mit Millionen Leuchtpunkten über den Köpfen der Besucher ist beeindruckend!
  • Gegenüber dem Eingang zu den Waitomo-Höhlen führt ein unscheinbarer Weg den grünen Hügel hinauf. Dahinter liegt ein interessantes kleines Tal, von dessen Anhöhen man einen wunderbaren Blick auf die umliegende Landschaft hat!
  • Nahe den Höhlen, Richtung Otorohanga, liegt ein hübscher Campingplatz inklusive Pub mit leckerem Eis und Bier!
  • Packen Sie gleich beim ersten Großeinkauf einen Satz Gummihandschuhe ein, die Sie dann beim Entleeren der Chemie-Toilette und des Abwassertanks überziehen! Besser ist das!
  • Blackwater Rafting sollte man unbedingt ausprobieren, wenn man nicht allzu wasserscheu oder klaustrophobisch veranlagt ist! Macht riesig Spaß!

Black Water RaftingDer Eingang zur leuchtenden Attraktion ist ganz nett aufgemacht: ein Torbogen aus dicken Baumstämmen und ein kleines Besucherzentrum. Für unsere Gutscheine vom Otorohanga-Visitorcentre, wo wir für den Besuch schon bezahlt haben, bekommen wir unsere Eintrittskarten, und schon geht es los. Ein sehr junger Mann, der maorischer Abstammung zu sein scheint, begrüßt uns und führt uns zusammen mit etwa 15 anderen Besuchern durch den niedrigen Eingangsbereich in die Höhlen hinein. Leider verstehen wir kaum, was er erzählt. Und so konzentrieren wir uns auf unsere Umgebung: die tropfenden Stalaktiten, die mächtigen Stalagmiten, die irgendwelche Figuren darstellen sollen, ein laut quengelnder kleiner Junge – halt das übliche in Tropfsteinhöhlen. Bis wir dann zum ersten mal die Glühwürmchen sehen, bzw. ihre Fäden mit dem Leuchteffekt: Von einer kleinen Plattform aus sehen wir sie zu Abertausenden an der niedrigen Decke über dem angrenzenden unterirdischen See hängen! Ein faszinierender Anblick im Dunkeln. Aber das war noch nicht alles. Weiter geht es, tiefer hinein in das Höhlensystem zur wahren Attraktion: einem unterirdischen See, über den wir mit einem kleinen Boot fahren. Als unsere Gruppe einsteigt, kriegt es der kleine lärmende Junge von vorhin mit der Angst zu tun und fängt laut an zu schreien, so dass seine Mutter mit ihm wieder aussteigen muss. Er soll ja mit seinem Geheul nicht die ganze Höhle zum Einsturz bringen. Ja, ja, erst so vorlaut, und dann Schiss inne Bucks – Memme!

Unser Führer steht auf dem Bug und steuert das Boot in die Dunkelheit hinein, indem er sich entlang kreuz und quer gespannter Seile dahinhangelt. Und dann sehen wir plötzlich Sterne über uns: unzählige Lichtpunkte an der keiner-weiß-wieviel-Meter-hohen Decke, alles Mückenlarven auf Nahrungsfang. Die leuchtenden Fäden dienen ihnen als Köder. Es ist einfach atemberaubend. Alle halten die Luft an, und leise gluckernd gleitet das Boot über das ruhige Wasser. Plötzlich hören wir ein Geräusch, so als ob etwas ins Wasser gefallen wäre. Ein Fahrgast hinter uns kommentiert dies mit einem „She finally lost patience“ und erntet leises Gelächter…

Waitomo HöhleAls wir die Höhle verlassen, scheint draußen richtig herrlich die Sonne, und wir marschieren den Hügel gegenüber den Höhlen hoch. Ein Wegweiser deutet auf einen kurzen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt hin. Natürlich nehme ich meine üppige Fototasche mit – allzeit bereit, ein oder auch mehrere schöne Fotos zu machen. Mit dem Effekt, dass Lena mir öfters einige Meter voraus ist. Als wir den Wald, durch den wir die Steigung hoch marschieren, verlassen, hänge ich einige Minuten mit Fotokamera im Anschlag vor der sich bietenden Szenerie, während Lena schon den Hang gegenüber erklimmt. Als ich sie oben wieder einhole, stehen wir vor einer mit Kühen bevölkerten Wiese und beschließen, hier eine kleine Pause zu machen und dann wieder umzukehren. Endlich mal ein paar schöne Blicke über die Landschaft, die sich uns hier bieten: überall saftiges, kräftiges Grün und darüber eine dicke Schicht flauschiger, weißer Wolken. Ein toller Anblick!

Unweit der Höhlen liegt ein Campingplatz, auf dem wir auch ohne Probleme einen Stellplatz für die Nacht bekommen. Aus dem Pub auf der anderen Straßenseite holen wir uns vor dem Abendbrot noch ein Eis und je zwei Flaschen Ice Beer und Rheinecke Lager – genau das Richtige zum Essen. Das schmeckt uns auch gleich viel besser als dieser komische australische Rotwein, den wir im Supermarkt in Auckland gekauft und an unserem erstem Wohnmobil-Abend probiert haben – richtiger Fusel war das, den wir ganz entgegen unserer Gewohnheit nicht einmal leer getrunken haben!

Lenas kurz vor dem Urlaub erworbenes Handy ist sehr vielseitig. Man kann damit telefonieren (okay, diese Bemerkung war wohl überflüssig), man kann damit aber auch Radio hören (schon interessanter, gell?!), und es dient uns als Wecker! Genial, das Teil. So stehen wir dann auch rechtzeitig auf, um vor unserer heutigen Abenteuertour (Lena ist schon ganz aufgeregt…!) das erste Mal unsere Campervan-Chemie-Toilette zu leeren, sprich: zu „dumpen“. Auch dies ist hier in Neuseeland anders als in Kanada (zumindest bei diesem Modell): Kein Schlauch, über den wir die Exkremente abfließen lassen können – hier nehme ich gleich den ganzen Toilettenkasten mit dem Zeug aus dem Wagen und kippe ihn dann über dem entsprechenden Gulli aus. Ich habe in Kanada dazugelernt und im Supermarkt gleich Gummihandschuhe eingepackt, die ich hier mal wieder gut gebrauchen kann. Boh, das stinkt bestialisch! Ich atme mit offenem Mund, damit ich hier nicht lang hinschlage… Die Chemie-Tabletten im Tank haben Exkremente und Toilettenpapier schön verflüssigt und sorgen so für einen guten Ausfluss. Schnell noch nachgespült, damit auch wirklich alles raus ist, und schnell wieder rein damit ins Wohnmobil. Selbstverständlich von außen, es gibt auf der linken Seite – hier also die Beifahrerseite – eine kleine Tür direkt unter dem Toilettensitz, wo der Kasten hingehört. Ist schon geschickt konstruiert, unser Gefährt! Übrigens hier in Otorohanga.

Um 8 Uhr 45 erreichen wir das wenige Kilometer entfernt liegende Black Water Café, wo wir uns für das anstehende Black Water Rafting einfinden sollten. Badezeug haben wir schon untergezogen, und auch Handtücher haben wir dabei. Insgesamt sind wir dann zehn, zwölf Leute, als wir abgeholt werden. Man führt uns in den Hinterhof, wo sich offenbar das Black-Water-Rafting-Zentrum befindet. Hier werden wir zunächst einmal alle begrüßt, und man erklärt uns, was uns in den folgenden Stunden erwartet. Als erstes dürfen wir uns umziehen. Jeder bekommt passende Wasserkleidung, die aus einem zweiteiligen Ganzkörperkondom, einer Schwimmweste, löcherigen Stramplern, einem Paar Gummischuhe und einem Helm besteht, wie ihn Höhlenforscher benutzen: Eine Lampe ist auch dran. Wir ärgern uns, dass wir keinen Fotoapparat mitgenommen haben, denn wir sehen bestimmt total bescheuert aus…! Aber wenigstens sind wir zweckmäßig angezogen. Noch ein Gruppenfoto, dann geht es in einen Kleinlaster, der uns zum einige Kilometer entfernten Startpunkt bringt. Hier muss sich jeder einen dicken Gummireifen nehmen, in den er sich praktisch hineinsetzen kann. Vorgeführt wird das mit viel Witz und in lockerer Atmosphäre von unseren Betreuern Jack und Katie: Man beugt sich nach vorne und zieht sich dann den prallen Reifen über den Hintern bis unter die Achseln. Ein Wahnsinnsanblick! Und dann dürfen wir hier an dem kleinen Fluss Trockenübungen machen. Es gibt zwei Sprungbretter am Ufer, und wegen des niedrigen Wasserstandes betreten wir nacheinander das untere, drehen uns mit dem Rücken und dem Reifen über dem Po Richtung Brackwasser und springen ab. Mit dem Gedanken bin ich bei Guardia, als ich mit lautem Klatsch unter der Oberfläche versinke und gleich wieder frei atmen kann. Bah, klitschnass bin ich jetzt! Aber spaßig ist es!

Als wir alle einmal das Element zu spüren bekommen haben, in dem wir uns gleich für mehr als eine Stunde bewegen werden, geht es einen Trampelpfad entlang den Berg hinauf zur Einstiegsstelle in die Höhlen.

Wir müssen über einige Felsen klettern, bis wir in einer großen Runde im Halbdunkel auf feuchten Steinen oder bereits im Wasser sitzen. Ringsum tropft es überall von der Decke, und unweit hören wir schon das leise Rauschen fließenden Gewässers. Ein witziges Gefühl, hier zu hocken. Wir kommen uns wie kleine Höhlenforscher vor, verloren in einem Felsloch.

Jack erzählt noch ein bisschen, und dann dürfen sich alle der Reihe nach vorstellen. Ich staune, wie gut alle englisch sprechen und auch zu verstehen scheinen, auch die Holländer unter uns. Neben mir stellt sich der Knabe als halb Däne, halb Holländer vor, und als ich darauf anspielend meine Vorstellung damit beginne, dass ich vollständig Deutscher bin, ernte ich amüsiertes Gelächter. Kurz darauf beginnt das Abenteuer so richtig: Nachdem wir ein Stückchen weiter in die Höhle hineingeklettert sind, müssen wir uns nacheinander im niedrigen Wasser auf den Rücken legen. Den Kopf in den Nacken, und dann werden wir von Jack über eine Strecke von zwei Metern durch eine klaustrophobische Enge gezogen: Im spärlichen Licht meiner Helmlampe erkenne ich, dass die Decke des Durchbruchs nur wenige Handbreit über meiner Nasenspitze schwebt… Da kann einem schon etwas mulmig werden. Aber ruckzuck ist dieser Moment vorüber, und Lena und ich stehen mitsamt den anderen in einer größeren Höhle, in der wir alle gut Platz haben. In Kniehöhe fließt der unterirdische Fluss, dem wir folgen werden, und vor uns geht es etwas in die Tiefe. Was uns wohl erwartet…?

Aber Jack und Katie führen unsere Gruppe gut durch die engen, nassen und rutschigen Höhlen und Schläuche. Wir springen kleine Vorsprünge hinunter (mit den angelegten Reifen, so wie wir es trainiert haben), lassen uns durch unheimliche, tropfende Kanäle treiben und schwimmen in absolutem Dunkel durch riesige unterirdische Höhlen. Und plötzlich sind über uns Abermillionen von Leuchtpunkten zu sehen: die Glühwürmchen. Ein fantastischer Anblick, der für mich nur dadurch getrübt wird, dass meine Brille ständig nass ist. Viele Lichtpunkte sind verwaschen, und ohne Brille sehe ich natürlich gar nichts – zumindest nicht im Dunkeln. Dennoch erahne ich die Großartigkeit dieses Augenblicks: Wir sind hier unten, tief unter der Erde, gefangen im feindlichen Element Wasser, nur geschützt durch Gummi- und Stoffhäute. Gott sei dank hat niemand Platzangst!

Otorohanga CampingEin putziges Spielchen treiben wir auch noch: Wir bilden eine lange Kette, indem der Vordermann die ausgestreckten Beine des Hintermanns festhält, und ziehen als Bandwurm durch das Wasser. An einer engen Stelle, wo wir alle in eine Sackgasse geraten, klettert Jack plötzlich auf einen Felsvorsprung, nestelt an seinem wasserdichten Rucksack mit der Erste-Hilfe-Ausrüstung, und plötzlich klatscht irgendetwas dicht neben mir ins Wasser. Ein Griff, und ich halte eine Art Schoko-Fisch in der Hand. Robbenfütterung ist wohl angesagt. Ja, ist schon lustig, diese Gesellschaft!

Das Gefühl für die Zeit geht hier unten irgendwie verloren, aber nach ungefähr einer Stunde sehe ich am Kopf der Gruppe zum ersten mal wieder Tageslicht. Ein kurzes Blinzeln, dann hat man sich wieder dran gewöhnt. Noch ein kurzes Stück in dem Brackwasser-Fluss, in dem wir unser Training absolviert haben, dann können wir unsere Reifen wieder ablegen, und der Kleinbus bringt die tropfende Schar zurück zum Basislager. Hier bekommen wir nach einer heißen Dusche noch eine warme Suppe und getoastete Donut-Brötchen – eben Brötchen mit Loch drin – und verabschieden uns gegen Mittag vom bunten Rest der Truppe.

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