Rundfahrt auf der Coromandel-Peninsula

Erste Bekanntschaft mit dem neuseeländischen Wetter
Wie es scheint, fahren wir genau Richtung Regen. Vor uns düsterer Himmel, alles grau in grau. Was soll das, he? Die Landschaft ist noch recht unspektakulär, sehr grün, aber halt nicht besonders aufregend. Leicht welliges Hügelland am Straßenrand. Dann geht es plötzlich über eine lange Brücke, und wir sind auf der Halbinsel. Die erste Stadt – oder besser: das erste Städtchen, das wir erreichen, ist Thames. Man merkt hier, dass heute Samstag ist, denn scheinbar Hunderte Autos säumen den Straßenrand, und auf einer angrenzenden Wiese findet ein großangelegtes Barbeque mit Kinderbelustigung statt. So sieht also die Wochenendidylle hier aus…

Landschaft auf der Coromandel-Halbinsel
Die kurvenreiche Straße, der Highway 25, verläuft direkt an der Küste, und bald erreichen wir Waiomu, wo wir eine Campervan-Site für heute Nacht mieten. 19 Neuseeland-Dollar kostet der Spaß.

WaiomuZum ersten mal muss ich das Wohnmobil an den Strom anstöpseln. Nach dem Rückwärtseinparken (das sehr gut geklappt hat!) öffne ich eine der zahlreichen Türchen an der rechten Seite unseres Gefährts und krame ein etwa sechs Meter langes, dickes Stromkabel heraus. Der Stecker sieht schon sehr merkwürdig aus: Im Dreieck angeordnet ragen aus der blauen Plastikverkleidung zwei dicke und ein noch dickerer Metallfinger hervor, die Gott sei dank nur auf eine Art und Weise eingestöpselt werden können. Etwas gedrückt und gerüttelt – so, das hätten wir. Und nun zu den beiden Schaltern auf der Verkleidung: Da steht einmal „Reset“ und einmal „Test“ drauf. Hm. Ich drück einfach mal einen, mal schau’n, was passiert. Lena prüft innen mit kritischem Blick, ob die Mikrowellenanzeige aufleuchtet – der beste Test dafür, ob der Strom fließt.

„Nichts“, ruft sie heraus. Ich drücke unkontrolliert die eine, dann die andere Taste, und irgendwann leuchtet das Lämpchen auf dem Stecker auf. „Jetzt ist sie an!“ höre ich. Aha, jeden Schalter einmal gedrückt, oder so, bis das Lämpchen leuchtet, dann klappt’s! Muss auch unbedingt sein, denn Heizung und Kühlung für den Wohnmobil-Innenraum funktionieren nur mit 240 Volt.

Tipps

  • Coromandel Town bietet einige kleine Läden mit ungewöhnlichen Andenken. Wenn Sie Platz im Garten haben und wissen, wie Sie sie nach Deutschland mitbekommen, dann sollten Sie sich die Skulpturen im Garten eines der Läden näher anschauen!
  • Vorsicht auf Schotterstraßen! Es ist nicht nötig zu schleichen; es geht nix kaputt. Dennoch vorsichtig und nicht zu schnell fahren, es könnte rutschig sein!
  • Unterschätzt die Fahrzeiten nicht! Die Straßen auf der Coromandel-Halbinsel sind kurvig; mit dem Wohnmobil kommt man nicht so schnell voran!
  • In Hahei kann man die Zufahrtstraße zum Startpunkt der Cathedral Cove-Wanderung leicht verfehlen. Das Schild ist sehr unscheinbar. Wenn man in den Ort hinein und auf den Parkplatz an der Küste zu fahrt, dann ist es die letzte Straße links rein!

Just in diesem Moment öffnet sich der graue Himmel und „erfreut“ uns mit kühlendem Nass von oben. Dabei war es heute gar nicht so warm, dass es unbedingt nötig täte. Und rings um uns herum streunen zahlreiche Enten und wollen anscheinend herein, oder wenigstens Brotkrumen schnorren. Aber wir sind geizig und genießen unser erstes Campervan-Abendessen allein. Dann geht es auch schon bald daran, die Sitzecke zur Schlafgelegenheit umzubauen: Tisch hochheben, einziges eisernes Standbein aus der Halterung ziehen und neben dem Schaltknüppel in der Fahrerkabine verstauen. Dann das Sitzkissen der Bank vor dem Rückfenster abnehmen und auf den Beifahrersitz legen/setzen/stellen. Tischplatte zwischen den seitlichen Sitzbänken einrasten. Rückenlehnen der seitlichen Sitzbänke auf die Tischplatte und etwas unter die Rückenlehne der hinteren Sitzbank schieben. Anschließend Laken möglichst ohne Falten, die einem Rückenschmerzen bereiten könnten, auf der Liegefläche ausbreiten und durch Anheben der flachgelegten Sitzbankrückenlehnen festzurren, Kopfkissen entweder nach rechts oder links werfen, und zu guter Letzt die Decke über die inzwischen schnell auf das Traumbett gehüpfte Lena legen. Mann, mann. Und das jeden Abend. Fünf Wochen lang. Und jeden Morgen rückwärts! Na denn, gute Nacht…

Der nächste Tag beginnt schon sehr früh. Um sechs Uhr wecken mich die Vögel – das Gezwitscher ist so ungewohnt! Nein, nicht unangenehm. Im Gegenteil: In diesem Moment fühlt man so richtig, dass man weit weg und im Urlaub ist. Zuhause hört man so etwas nämlich nicht.

Zwischen dem klassischen Zwitschern und Pfeifen hört man immer wieder mal einen Ton, der sich fast wie ein „Kuckuck“ anhört. Ist das dieser Bellbird, von dem wir schon gehört haben…?!

Nach dem Gewurschtel beim Rück-Umbauen des Bettes zur Sitzecke überlasse ich Lena unsere kleine Nasszelle, während ich mich in die zum Campground gehörigen Waschräume begebe. Ganz akzeptabel, was ich da vorfinde. Und (noch) ganz für mich allein. Da kann ich mich in Ruhe rasieren.

Nach der üblichen allmorgendlichen lästigen Prozedur können wir endlich unser erstes Campervan-Frühstück einnehmen: Instantkaffee für mich, Tee für Lena, vorneweg ein Schälchen gemischte Cerealien mit Milch und geschnittenen Kiwis (also die Früchte jetz’; schließlich gibbet ja drei Sorten Kiwis hier in Neuseeland: die Vögel, die Früchte – die ja eigentlich gar nicht von hier stammen, wie man an dem ursprünglichen Namen „Chinesische Riesenstachelbeere“ unschwer erkennen kann – und die Einheimischen), und schließlich ein oder zwei Scheiben schlabberiges Brot, das sich schon beim Bestreichen mit Butter in Krümel auflösen will. Gibt man noch eine Messerspitze Honig oder Nutella (ja, das gibt es hier tatsächlich – ist nur zwei Mark teurer als in der Heimat) hinzu, kapituliert es ganz: Ein Teil bleibt auf dem Tellerchen haften, der andere klebt am Messer… Eine wahre Freude. Aber wir haben kein anderes Brot bekommen. Wird etwa nur in Deutschland vernünftiges Brot gebacken?

Coromandel TownGestärkt geht es um 9 Uhr auf die lange Reise nach Norden, immer die Küste entlang, Richtung Coromandel Town. Nur an wenigen Sonnenscheinmomenten können wir uns erfreuen, die meiste Zeit regnet es. Hinter dem kleinen, oder besser sehr kleinen Örtchen Kereta führt der Highway von der Küste weg ins Landesinnere hinein. Die Landschaft ist schon sehr schön, unheimlich grün, und die Hänge der Hügel beinahe terrassenförmig angelegt. Die Kühe stehen fast wie auf Stufen. Die trockenen Momente nutze ich, um meine neue Kamera auszuprobieren. Zum ersten mal versuche ich mich auch mit dem Warmfilter, durch den alles wie durch meine Sonnenbrille aussieht. Für grauen Himmel scheint das sehr gut zu wirken.

So gegen 11 Uhr erreichen wir Coromandel Town, wie wir feststellen, ein sehr hochtrabender Name: Die Stadt ist eigentlich eher mickrig, im wesentlichen eine einzige Straße, an der die ganzen Läden und Restaurants liegen. Wir lassen unser Wohnmobil am Straßenrand stehen (hier hat man wenigstens keine Probleme mit der Parkplatzsuche) und begeben uns auf die Pirsch nach geeigneten Souvenirs. Im ersten Laden gibt es viel Kitsch. Hier holen wir uns lediglich einige Postkarten (ja, wir müssen ja immer reichlich verschicken!). Auch im zweiten Geschäft finden wir nichts besonderes, aber das liegt eigentlich daran, dass die interessanten Dinge draußen im Hinterhof stehen und viel zu groß und zu teuer sind: einige sehr hübsche Skulpturen, die sich im Garten sehr gut machen und so manchen Blick auf sich ziehen würden… Alles andere ist wirklich sehr ungewöhnlich hier, so z.B. die aus Draht geformten Riesenschaben… Halt Geschmacksache. Der Laden muss ein Hobby sein, denn Gewinn wirft der doch bestimmt nicht ab, denke ich mir so.

Im benachbarten Imbiss, wo es von Kuchen über Sandwiches bis zu Fish&Chips alles zu geben scheint, genehmigen wir uns eine heiße Schale Latte und „toasted sandwich“ mit Pilzen und Schinken und so. Recht lecker, allerdings eine schmierige Angelegenheit, weil die ganzen Innereien dem Toast zu entrutschen suchen…

Als der Regen wieder einsetzt, machen wir uns weiter auf den Weg rund um die Halbinsel. Wenn uns nichts Schönes aufhält, wollen wir heute möglichst noch bis Hahei an der Ostküste fahren, um die vielgenannte Cathedral Cove zu besuchen. Und da erfahren wir, was die gelbe Färbung des nun anstehenden Highway-Abschnitts im Straßen-Atlas zu bedeuten hat: 11 Kilometer „gravelroad“ beginnen kurz hinter dem Ort, aber seit dem Kanadaurlaub haben wir den Respekt vor Schotterstraßen abgelegt. Auch diese Strecke überwinden wir, nur etwas rutschig und auch matschig ist es stellenweise. Immer wieder regnet es etwas, und hin und wieder halten wir an, um Luft zu schnappen und wenigstens auf diese Weise einige Eindrücke von der Landschaft und der Natur hier zu erlangen. Als wir an die Ostküste gelangen, umfahren wir ein großes Sumpfgebiet, und immer wieder geraten Buchten in unser Blickfeld. Kurz hinter der Abzweigung nach Matarangi halten wir dann endlich an einem langen Sandstrand für einen ersten Strandspaziergang auf der anderen Seite der Erdkugel. Es ist 14 Uhr, und das Wetter spielt gerade einigermaßen mit – es regnet nicht, die Sonne schaut mal vorbei, und in den Wolken ist ein recht großes Loch zu sehen, durch das man hellblauen Himmel erkennen kann.

Ich schnalle mir meine prallgefüllte Fototasche um, Lena ihren Discman, und so machen wir uns auf Entdeckungsreise auf den Felsen und im Sand… Kleine Fische in den Pfützen zwischen den muschel- und algenbewachsenen Felsen sowie Schnecken finden sich hier, aber auch sauber abgenagte Fischköpfe und halbe Hummer… tolle Mischung. Als Highlight können wir einen Reiher beobachten, der sich auf einem Felsen in der Brandung am Kopf kratzt und ansonsten recht desinteressiert tut. Wir lassen’s ruhig angehen und kehren nach etwa einer Stunde zum Wohnmobil zurück. Lena fällt sofort meine rote Stirn auf. Eigentlich verrückt, aber sie beneidet mich. Dabei sollte man hier doch sofort Sonnenschutzcreme auflegen, wo wir uns doch extra starke mitgenommen haben, vom Hautarzt empfohlene…!

WhitiangaWeiter geht die Fahrt, und in Whitianga mit der tollen Bucht und der möglichen Überfahrt zum Mercury Beach gießt es plötzlich so richtig. Regelrechtes Sauwetter herrscht hier: ‘s ist kalt und windig. Hier bleiben wir nicht, gleich wieder rein ins Wohnmobil und weitergefahren. Dabei verlieren wir aber nicht aus den Augen, dass wir auch noch Gaskartuschen für unseren Campingkocher benötigen – schließlich wollen wir ja auch irgendwo noch mal zelten. Also rein zur Tankstelle und gefragt, aber die haben nichts: Wir sollten es mal in einem „hardware store“ versuchen, sagt man mir. Aber der hier im Ort hat zu, weil Sonntag ist. Nix 24-Stunden-7-Tage-die-Woche-Service – aber wozu hier auch.

Bei Fahrtzeiten kann man sich hier ganz schnell verschätzen. So viele Kilometer sind es gar nicht bis nach Hahei, aber die kurvige Straße zieht sich ganz schön hin. Am späten Nachmittag erreichen wir den kleinen Ort und den dahinterliegenden Strand. Irgendwo hier muss der Weg beginnen, der zur Cathedral Cove führt. Nur wo? Es gibt keinen Informationsstand, nur eine Tafel, die uns aber auch nicht weiterhilft. Gut, dass ich so viele Reiseführer eingepackt habe. Den letzten habe ich ja noch im Flugzeug durchgearbeitet, zumindest für die Nordinsel: ein Buch über die zahlreichen National- und Forestparks samt Wanderwegen sowie Pflanzen- und Tieraufkommen. Da habe ich gelesen, dass vor dem Ort eine Straße links zu einem Parkplatz führen solle. Auf der Fahrt in den Ort hinein ist uns aber kein Schild oder dergleichen aufgefallen. Also fahren wir wieder ein Stück aus dem Ort raus und fahren dann nacheinander drei Straßen links hinein. Die ersten beiden sind unmarkierte Sackgassen, und an der dritten erkennen wir schließlich ein kleines Schild an einem Zaun, der auf den Parkplatz hinweist. Die Straße zieht sich einen Hügel hoch und mündet oben tatsächlich in dem erwähnten Parkplatz. Ein Hinweisschild teilt uns mit, dass wir ungefähr 40 Minuten pro Strecke brauchen würden, und da es bereits 17 Uhr 30 ist und es hier früh dunkel wird, haben wir nicht mehr besonders viel Zeit für die kleine Wanderung. Schnell noch Fototasche und für alle Fälle Trekkingjacke umgebunden, und los geht’s.

Der Weg führt oberhalb der Küste einen mit niedrigen Büschen und roten Lupinen bewachsenen Hügel hinunter, durch einen dichten Wald und schließlich über eine Schafweide, die wir durch ein Sicherheitsgatter betreten und auch wieder verlassen. Unter der Wolkendecke ist es recht warm, und ich komme schon beim ersten leichten Anstieg ins Schwitzen. Wir sind ja auch noch gar nicht im Training, fangen gerade erst an mit unseren Urlaubsaktivitäten, von denen wir uns eine Menge vorgenommen haben: Wandern auf jeden Fall reichlich, dann auch Kajakfahren – Sea Kayaking heißt es – und Black Water Rafting… Aber alles zu seiner Zeit am richtigen Ort.

Wer bergauf wandert muss meistens auch wieder runter, besonders, wenn er an die Küste will. Die letzten Meter führen sogar über Holz-Stufen bis auf den sandigen Strand hinunter. In sanften Wellen rollt die Brandung heran und umspült einige einsame Felsen. Zu unserer Linken entdecken wir einen riesigen Durchbruch in den uns überragenden Felsen, durch den man auf den benachbarten Strand gelangen kann: das ist Cathedral Cove. Spektakulärer finde ich aber den gigantischen spitz aufragenden Steinbrocken, der nebenan den Wassergewalten trotzt, aber schon reichlich abgespült aussieht. Die Pflanzen oben drauf lassen ihn fast wie ein versteinertes Haupt erscheinen. Was im einen Moment noch etwas heikel aussieht, ist im nächsten schon wieder trivial: Um hinzukommen, müssen wir abwarten, bis sich die Wellen hinter Cathedral Cove zurückgezogen haben, und die sich dann bietenden zwei Meter nassen Sand nutzen wir, um halbwegs trockenen Fusses drüben anzukommen. Auf dem Rückweg dasselbe Spielchen. Abenteuer heute en miniature!

Hot Water BeachDie Nacht verbringen wir einige Kilometer entfernt auf dem Campingplatz am Hot Water Beach. Besondere Attraktion sind hier die heißen Pools, die man sich bei Ebbe in den Strandsand buddeln kann; die Schaufeln dafür gibt’s an der Rezeption. Ebbe ist morgen so gegen Mittag, aber da werden wir schon nicht mehr hier sein. Während unseres Abendspazierganges fängt es eh’ schon wieder an zu regnen, und morgen ist nicht mit besserem Wetter zu rechnen. Außerdem habe ich ehrlich gesagt auch gar keine Lust, mit Dutzenden Hitzesüchtiger im kalten Wind in irgendwelchen Erdlöchern zu hocken…

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Süden. Ein mögliches Ziel wäre White Island gewesen, die berühmte Vulkaninsel, die Freunde uns empfohlen hatten. Aber bei schlechtem Wetter lohnt sich die Fahrt dorthin nicht, zumal diese Attraktion ziemlich abseits unserer Route liegt. Also beschließen wir, direkt Richtung Rotorua in das Zentrum der Nordinsel zu fahren. Vulkane gibt es ja auch im Tongariro Nationalpark, und dort wollen wird dann auch wandern: den beliebten Tongariro Crossing Track, der oft auch als schönste Tageswanderung Neuseelands bezeichnet wird.

Aber bis dahin haben wir noch einige andere Ziele vor Augen – Rotorua zum Beispiel. Die Fahrt ist zäh und kurvenreich, und es regnet fast ständig. Plötzlich finden wir uns Paeroa wieder, einer Stadt, die eigentlich gar nicht auf unserer Route liegen sollte. Wir stutzen und studieren die Karte… Mist, wahrscheinlich sind wir in Waihi falsch abgebogen, aber da waren Schilder auch Mangelware! Nun, was soll’s. Wir ändern unsere Pläne kurzerhand, denn nun liegen die Waitomo Glühwürmchenhöhlen näher als Rotorua.

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