Neuseeland

Reisevorbereitungen für unseren Neuseeland Urlaub

Wahnsinn, was da alles auf dem Flur steht: zwei fast aus den Nähten platzende 70-Liter-Rucksäcke, ein großer Koffer, zwei kleine Tagesrucksäcke und meine nigelnagelneue Fototasche. Dazu zwei Paar Wanderschuhe und zwei Trekkingjacken. Alles zusammen ein ganz schöner Haufen – äh – Berg Klamotten. Das, was wir nicht als Handgepäck nehmen können, wiegt schon mehr als 44 Kilo…

Aber wir bauen auf die Kulanz der Korean Air-Mitarbeiter und packen nicht noch mehr aus den Taschen heraus. Wir haben bereits eine gewichtsreduzierende Vorauswahl hinter uns, und nun ist es genug. Wahrscheinlich stellt sich hinterher wieder einmal heraus, dass wir auch dieses mal noch zu viel Klamotten mitgenommen hatten. Aber es sieht schon anders aus als bei früheren Reisen. Ich habe mir kurz vorher eine neue Kamera, eine Nikon mit allerlei Drum und Dran, u.a. einem Stativ gekauft, und die muß natürlich mit, samt 50 Diafilmen, die belichtet werden wollen… Somit nimmt die Fotoausrüstung allein schon ungefähr 8 Kilo ein… Lena schüttelt den Kopf. Wenigstens kann sie dann auf ihren Fotoapparat verzichten und noch ein Buch mehr einpacken. Wenn ich mit der Kamera auf die Pirsch gehe, will sie ja schließlich auch was zu tun haben!

Dafür haben wir an der Kleidung dieses mal echt gespart. Hauptsächlich unsere Trekkingklamotten haben wir eingepackt, dazu noch eine Jeans, zwei T-Shirts, einen Pullover und natürlich Unterwäsche. Zweitschuhe und Outdoor-Sandalen müssen auch mit… Eine von mir neu erstellte Checkliste hat uns bei der Auswahl geholfen.

Tipps

  • Korean Air bietet von Düsseldorf, Köln und Bonn einen im Flugpreis inbegriffenen Shuttle-Service nach Frankfurt an!
  • Nehmen Sie sich etwas zu Lesen mit, wenn Sie sich längere Zeit im Kimpo-Airport von Seoul aufhalten müssen! Sonst wird’s langweilig…

Es ist Mittwoch, der 3.11., und uns steht ein langersehnter Traumurlaub bevor: Für fünf Wochen geht es nach Neuseeland. Zig Reiseführer habe ich durchgewälzt und unendlich viele Notizen gemacht, um festzustellen, welche Gegenden denn am interessantesten seien und was man wo machen kann. Denn so ungefähr muß man seine Route ja schon kennen… Zum zweiten mal nach unserem Kanada-Urlaub in den Rocky Mountains werden wir mit einem Wohnmobil unterwegs sein, frei von irgendwelchem Zeitdruck, der durch Vorausbuchungen von Hotels oder dergleichen gegeben sein würde. Das einzige, was wir fest buchen mussten, ist der Tag der Überfahrt von der Nord- zur Südinsel, da die Fähre stark genutzt wird. Evtl. können wir vor Ort eine Umbuchung arrangieren, wenn wir länger – oder kürzer – als vorgesehen auf der Nordinsel bleiben wollen. So Pi mal Daumen habe ich 10 Tage für die Nordinsel recherchiert, und somit steht vorerst der 17.11. als Termin für die Überfahrt fest.

FFM Flughafen Bahn

Zum ersten mal fliegen wir nicht von Düsseldorf ab, sondern von Frankfurt. Korean Air bringt uns dann über Seoul nach Auckland. Alles in allem etwa 24 Stunden netto im Flugzeug. Hoffentlich stehen die Sitzreihen weit genug auseinander, so dass man (und frau) auch mal die gequälten Beine ausstrecken kann. Schließlich sind die Asiaten im Durchschnitt ja eher kleiner als wir Europäer, und wer weiß, wie sich das auf die Flugzeugbestuhlung auswirkt…?! Aber der Preis für den Flug war gut und die Kritiken für die Airline auch – also haben wir zugeschlagen. Positiv ist auch, dass im Flugpreis die Fahrt in einem Shuttle-Bus von Düsseldorf nach Frankfurt enthalten ist, so dass wir keinen Zubringerflug oder Rail&Fly buchen mussten.

Ein Taxi bringt uns – beladen wie wir sind – zum Worringer Platz, wo die Fernbusse starten. Es stehen schon zwei Busse dort, aber die fahren irgendwie nach Kroatien oder so; da wollen wir dann doch nicht mit. Um 15 Uhr 23 kommt endlich unser Bus. Wow, ein fetziges Teil von Neoplan, fesch und schrill aufgemacht. Außer uns steigen nur zwei weitere Paare und zwei Asiaten ein. Wahrscheinlich Koreaner, aber ich kann das nicht beurteilen… Ah, vielleicht doch Japaner, denn vor dem Einsteigen wird erst noch ein Abschiedsfoto gemacht!

Die Fahrt ist angenehm und der Fahrer sehr freundlich; man bietet uns sogar etwas zu Trinken an, aber vor so einem langen Flug will ich die Leistungsfähigkeit meiner Blase nicht überstrapazieren.

Pünktlich sind wir in Köln am Dom, wo noch ein paar Asiaten einsteigen. Zwanzig Minuten haben wir Aufenthalt (warum eigentlich?), und wir nutzen die Zeit, unsere leicht knurrenden Mägen mit McD-Futter zu beruhigen. Schließlich war der Tag bis hierhin schon recht lang, und heute mittag haben wir auch nichts rechtes gegessen. Weiter geht’s zum letzen Pick-Up nach Bonn, und um 19 Uhr steigen wir direkt vor dem Terminal 2 am Frankfurter Flughafen aus. Wir brauchen nur geradeaus in die Halle zu gehen und stehen schon vor dem Check-In von Korean Air. Das ist ja praktisch! Wir sind begeistert.

Nicht so begeistert sind wir von einem jungen Mann, der mit einem Mikrofon bewaffnet das Paar hinter uns in der (kleinen) Schlange vor dem Schalter zu dem jüngsten Flugzeugunglück vor der amerikanischen Küste befragt – ob sie denn mit einer Boeing 767 fliegen würden und so. Als er auch uns fragen will, winke ich ab – „muss nicht sein“. Natürlich weiß man, dass immer etwas passieren kann, aber darüber nachdenken möchte ich jetzt wirklich nicht. Die Maschine der Egypt Air ist erst vor kurzem abgestürzt, und ich muß schon sagen, dieses mal kam mir zum ersten mal in den Sinn, dass uns ja auch so etwas passieren könnte. Aber irgendwie schiebt man solche Gedanken dann doch wieder beiseite. Sonst kann man sich ja gleich in die Kiste legen…

Unser Gepäck von 44,1 Kilogramm wird nicht beanstandet, sehr kulant, denn eigentlich können wir nur jeder zwanzig Kilo mitnehmen – nicht viel für fünf Wochen, wenn man auch Foto- und Campingausrüstung mitschleppen muss. Wenn ich bedenke, dass wir sonst – ohne Foto- und Campingkram – auch schon jeder locker die 20 Kilo vollgemacht haben, was haben wir denn da bloß immer eingepackt?

Wir haben noch viel Zeit, schauen uns etwas um und gehen um 20 Uhr durch die Kontrolle in die Duty-Free-Zone. Der Wachmann meint zu mir: „Alles raus aus den Taschen – auch Münzen, Fishermans und so…“ Kann der hellsehen? Schließlich habe ich nahezu immer Fishermans in der Tasche… Nun, er vielleicht auch. Eine verwandte Seele…?!

Schon wieder meldet sich der Magen, aber hier gibt es echt nichts zu essen! Nur ein ultrateures Bistro in amerikanischem Stil und ein Spezialitätenladen, wo wir uns dann Wasser und ein Sandwich gönnen sowie ein Mars als Nachtisch. Was für Delikatessen!

Die Zeit wird lang, und Lena kauft sich noch ein Buch. Schließlich wird dessen Gewicht jetzt nicht mehr registriert. Ich habe auch eines in der Hand – einen Millennium-Wälzer über die zusammenbrechende Finanzwelt. Fast hätte ich ihn mitgenommen. Aber ich denke, der eine Konsalik, den ich dabei habe, genügt mir. Endlich, um 22 Uhr 20, geht es los. Gott sei dank keine Boeing 767, sondern ein klassischer Jumbo-Jet, der gar nicht so groß erscheint, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe. Die dritte Person in unserer Sitzreihe ist ein älterer Herr, der kurz nach dem Start sofort in den freien Mittelteil flüchtet. Ich weiß nicht, liegt es an den „EarPlanes“, die ich mir für den Start- und Steigvorgang in die Ohren gesteckt habe? Ich muß damit aussehen wie ein Außerirdischer mit blauen Antennen in den Gehörgängen. Lena jedenfalls amüsiert sich königlich. Oder ist es wegen meiner Füße, die erst einmal richtig Dampf ablassen, als ich die Wanderschuhe ausziehe? Nee, ich denke, es ist einfach zu eng für drei. Die Beine haben zwar Platz genug, aber meine Schultern sind wohl zu breit…

Die „EarPlanes“ sind so eine Sache – eine Apotheken-Empfehlung. Ich habe ja immer Probleme mit meinen Ohren beim Starten, vorwiegend aber nach dem Landen. Durch den Druckunterschied schließen sich die Gehörgänge, und ich höre fast nichts mehr. Manches mal wird das sogar äußerst schmerzhaft. Mein Ohrenarzt konnte nichts feststellen und hatte nur den Tipp für mich, den Kopf auf die Brust zu legen, die Nase zuzuhalten und dann kräftig Luft in die Nase zu blasen. Das würde helfen. In der Apotheke sagte man mir dann, das solle man nur bei freier Nase machen (also brauchte ich ein Nasenspray, weil mein Riechorgan eh’ immer zu sitzt) und empfahl mir die neuen EarPlanes, die den Druckausgleich in den Ohren regulieren sollten. Für 6 Euro habe ich sie einfach mal mitgenommen – s’ist ein Versuch wert.

Tja, beim Start war es ja nie so schlimm, auch wenn es ständig knackt in meinen Ohren. Als wir unsere Reiseflughöhe von 11000 Metern erreichen, nehme ich die blauen Stöpsel heraus. Ein kritischer Blick meinerseits – nein, kein gelbliche Verfärbung festzustellen. Ich habe mir heute morgen ja auch die Ohren sauber gemacht.

Ich höre alles. Nichts tut weh. Aber wie gesagt, die großen Beschwerden habe ich immer erst bei der Landung. Und wir werden zweimal landen…

Der Service an Bord ist gut und die Stewardessen jung und hübsch. Der Flug ist nicht so anstrengend wie befürchtet; ich kann sogar etwas schlafen. Nach dem Mittagessen (es gab koreanisches Pibimbab – ganz passabel) landen wir um 16 Uhr Ortszeit in Seoul. Lauter Wohntürme strecken sich uns entgegen, als wir die Landebahn anvisieren. Sieht auf den ersten Blick nicht sehr einladend aus, die Stadt.

Zwei Stunden Aufenthalt haben wir hier. Was tun? Der Flughafen selber bietet nicht viel, sieht schon recht veraltet und kalt aus. Es gibt eine Halle mit einer Reihe von Duty-Free-Ständen, wo scheinbar Hunderte von Koreanerinnen in Verkäuferuniform mit Pralinenschachteln bewaffnet auf die Reisenden einreden. Doch was ist denn das für eine Schrift auf der Leuchttafel?! Da steht ja Lotte! Ich bin entzückt. Der Duty-Free-Laden hier heißt tatsächlich wie mein Heimatort… Klein ist die Welt. Zum Beweis für diesen seltsamen und amüsanten Zufall sortiere ich eine von zwei uniformierten Verkäuferinnen zwischen meine Kamera und den Stand und drücke ab. Als Dreingabe bekomme ich ein Kaugummi mit dem historischen Schriftzug „Lotte Kimpo Airport Duty Free Shop“. Das wird einen Ehrenplatz im Fotoalbum erhalten…

Die Zeit geht einigermaßen schnell rum, und um 19 Uhr 20 Ortszeit steigen wir in die gleiche Maschine, die uns schon nach Seoul gebracht hat. Weitere 10 Stunden Flug, diesmal über Japan, die Philippinen, weite Strecken des Pazifik und Neu-Kaledonien ertragen wir ehrenvoll, dazu das gleiche Essen wie auf dem ersten Flug (komisch, obwohl wir nur sitzen, haben wir doch immer Hunger…), bis schließlich unter uns Land erscheint, total von Wolken bedeckt. Das muss Aotearoa sein – das Land der langen weißen Wolke: Neuseeland, denn schließlich sind es nur noch wenige Minuten bis zur Landung. Es ist schon witzig: Über der See keine einzige Wolke, aber über dem Land tummeln sie sich alle.

Kurz vor 10 Uhr morgens Aucklander Ortszeit stoßen wir dann aus etwa 11 Kilometern Höhe auf die Landebahn herunter und ich mir die EarPlanes in die Hörmuscheln. Die Landung ist perfekt, aber dieses mal erlebe ich wieder meinen typischen Hörsturz: Die eigene Stimme höre ich dann am schlechtesten, wie durch gigantische Wattebäusche hindurch; alles andere geht einigermaßen. Wenigstens habe ich keine Ohrenschmerzen, das ist ja auch schon was wert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.