Pancake Rocks

Pfannkuchen und Dschungel an der Westküste

Was für ein Wochentag ist denn heute? Donnerstag. Mensch, jeden Tag muss man neu überlegen. Aber es ist ein gutes Zeichen, wenn man die Zeit vergisst. Finde ich jedenfalls.

Heute verlassen wir Marahau und den Abel Tasman Nationalpark. Der Abschied fällt schwer, weil wir hier sehr schöne Tage verbracht haben, aber schließlich gibt es noch unendlich mehr zu sehen auf der Südinsel. Wir wollen weiter an die Westküste, und um 11 Uhr fahren wir los. Zunächst müssen wir uns allerdings noch etwas mit Proviant ausstatten, und so führt uns der erste Gang gleich noch einmal in den bereits bekannten Supermarkt in Motueka.

Buller GorgeDer Weg Richtung Westküste ist nicht besonders spektakulär. Das schönste Stück führt uns durch die Buller Gorge, die Schlucht, durch die der Fluss Buller fließt. Diese Gegend ist landschaftlich wirklich herrlich!

Die Westküste erreichen wir am späten Nachmittag bei wunderbarem Wetter. Die Sonne scheint, und die felsige Küste bietet einen traumhaften Anblick. Zahlreiche Fotostops sorgen dafür, dass ich meine Nikon F90-X gut beschäftigen und Lena in ihrem Buch weiterlesen kann…

Unser erstes Ziel ist der kleine Ort Punakaki mit den berühmten Pancake-Rocks, den Pfannkuchen-Felsen, die aus übereinander geschichteten Steinplatten bestehen. Ich habe mir vorgenommen, sie bei Sonnenuntergang zu fotografieren. Um 19 Uhr 40 erreichen wir das kleine Informationszentrum von Punakaki, das dem Eingang zu dem kleinen Park mit den an der Küste gelegenen Felsen direkt gegenüber liegt. Nach einem kurzen Spaziergang durch einen üppig grünen Park mit betoniertem Fußweg, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist, stehen wir direkt an den faszinierenden Felsen. Die Sonne senkt sich langsam dem Horizont entgegen, und die fiesen kleinen hungrigen Fliegen machen sich unangenehm bemerkbar. Ich lasse mich davon nicht beeindrucken und stelle das Stativ an einer günstigen Stelle auf. Ein goldgelber Schein liegt über den Steintürmen unter uns und taucht sie wie ein kleines Manhattan in abendliches Licht. Ein toller Anblick. Ich bin begeistert – die Bilder werden bestimmt super! Erst als die Sonne untergegangen ist, kann ich mich von der Szenerie lösen.

Tipps

  • Nehmen Sie sich etwas Zeit für die Buller Gorge, ein wirklich hübsches Stück Neuseeland!
  • Besuchen Sie die Pancake Rocks bei Sonnenuntergang, und erleben Sie tolle Augenblicke!
  • Der Campingplatz in Punakaki ist gute Basis für den Paparoa Nationalpark. Nett ist der nahe Pub an der Straße.
  • Wenn Sie den Pororari River Track nicht vollständig laufen wollen, dann gönnen Sie sich wenigstens eine Stunde auf dem durch faszinierenden Dschungel führenden Pfad!
  • Den Pororari River kann man auch per Kajak erleben! Probiert es aus! Ich würde es beim nächsten mal tun.
  • In der Umgebung von Punakaki kann man sich ruhig etwas aufhalten, insbesondere wenn das Wetter gut ist! Hier ist es nämlich meistens feucht!

Pororari River TrackAuf dem Campground in Punakaki finden wir einen Stellplatz für die Nacht. Dabei haben wir noch Glück, denn es sind nicht mehr viele frei. Der Platzwart erzählt mir, dass sehr viele Deutsche hier seien. Das glaube ich sofort.

Der Campingplatz ist großzügig angelegt und befindet sich direkt an der Küste. Vor dem Abendessen gehe ich noch etwas an die frische Luft und genieße den Sternenhimmel. Um ihn unbeeinträchtigt von den hellen Lampen betrachten zu können, marschiere ich die Straße hinunter, die Richtung Strand führt. Als ich den Kopf in den Nacken lege, wird mir erst so richtig klar, dass wir uns hier auf der anderen Seite der Erdkugel befinden. Eigentlich habe ich das Kreuz des Südens gesucht, aber mein Blick bleibt fasziniert und staunend an dem Orion hängen, der knapp über dem Horizont steht – und zwar auf dem Kopf! Das Schwertgehänge zeigt nach oben! Ich kann den Blick kaum lösen, so unglaublich erscheint mir das. Die Erde ist also doch keine Scheibe…

Um diese Feststellung zu feiern und als genussreiche Zutat für das Abendessen brauchen wir noch etwas Bier, dass ich aus dem Pub besorge, der direkt an der Hauptstraße liegt. Recht interessant sieht es dort drinnen aus, und ich überrasche Lena mit je zwei Flaschen Lion Ice und Steinlager, die uns bisher sehr gut geschmeckt haben.

Seit dem Kajakfahren quält mich mein linker Arm, den ich wohl überanstrengt habe. Lena schmiert Salbe drauf und bandagiert ihn, und ich hoffe, dass ich ihn bald wieder voll einsetzen kann. Kaum zu glauben, dass ich vielleicht die Kamera nicht mehr heben kann!

Den Abend beschließen wir dann mit leckeren Nachos mit Salsa- und Guacamole-Soße – ein göttlicher Snack nach einem kilometerreichen Tag!

Am nächsten Morgen fahren wir noch einmal zu den Pancake Rocks, um sie bei Tageslicht begutachten zu können. Gestern abend haben wir auch nichts von den vielzitierten Blowholes gesehen, in denen das Meerwasser wie gigantische Fontänen in die Luft spritzen soll. Aber auch zu dieser frühen Stunde – okay, es ist auch schon wieder zehn Uhr – ist der Wasserdruck nicht groß genug. Immerhin der Touristendruck ist größer als gestern abend, wo nur eine Handvoll Sonnenuntergangsinteressierte den Abgang des Lichtspenders genossen haben.

Truman TrackEine Empfehlung aus einem der zahlreichen Neuseelandbücher ist der Truman Track, ein Spaziergang auf der anderen Seite von Punakaki, der uns durch schönen Regenwald an die Küste führt, wo wir die Gischt des Meerwassers gegen die Felsen ankämpfen sehen können. Total begeistert bin ich anschließend von dem Pororari River Track, dem wir etwa eine Stunde folgen. Am schönsten ist aber das Stück, das man die erste halbe Stunde kennen lernt. Hier bieten sich dem Auge wunderbare Blicke auf erhabene Steilwände aus Kalksandstein. Man wandert durch einen ursprünglichen Regenwald, der eine ganz andere Qualität hat als z.B. im Abel Tasman Nationalpark. Die Sonnenstrahlen, die durch das dichte Dach aus Palmenblättern zu uns herabdringen, verleihen der Szene etwas Zauberhaftes. Der Fluss neben uns gurgelt leise, und ab und zu erlangt man den Eindruck, dass es hier tatsächlich nicht ungefährlich sein könnte. Es wird nämlich ausdrücklich davor gewarnt, die Wege zu verlassen, denn es können urplötzlich Flüsse aus irgendwelchen Sinklöchern treten oder in ebensolche verschwinden. Wir hören es hin und wieder verdächtig rauschen und plätschern, als Wasser plötzlich irgendwo unterhalb des Ufers austritt und sich in den Fluss ergießt. Schon alles sehr merkwürdig, aber faszinierend.

Bei jener Holzbank, die man nach einer Stunde Marsch erreicht, bietet sich ein herrlicher Anblick über den Fluss, den ihn umgebenden Regenwald und die Felsen, die alles hoch überragen. Ein idealer Platz für eine Pause. Weiter zu marschieren lohnt sich allerdings nicht, und der Weg wird zunehmend schwieriger.

Um 15 Uhr 30 verlassen wir Punakaki Richtung Süden und erreichen um viertel vor fünf Shantytown, jenes Freilichtmuseum, das einer Goldgräberstadt nachempfunden ist. Leider hat es bereits geschlossen, und so suchen wir uns in Greymouth auf dem nächsten Campingplatz ein Nachtlager. Der Platz ist längst nicht so schön wie in Punakaki, aber es wird trotzdem ein gemütlicher Abend. Die Sonne meint es noch mal gut mit uns, und wir können unser Abendessen im Freien zu uns nehmen.

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