Abel Tasman Coastal Track

Drei herrliche Tage in der Wildnis von Neuseeland unterwegs

Als wir am nächsten Morgen, am Montag, dem 22.11., selbstgemachte Sandwiches und abgepackte Cerealienportionen in die Rucksäcke quetschen, scheint die Zeit dann doch noch knapp zu werden. Aber als wir bei strahlend blauem Himmel abmarschbereit am Old-MacDonalds-Office stehen, tut sich noch nichts. Das Wohnmobil konnte ich auf einem abgeschlossenen Areal des Campingplatzes abstellen, so dass wir für die nächsten Nächte, die wir auf dem Wanderweg verbringen werden, keinen Stellplatz auf dem Campingplatz bezahlen müssen.

Um 9 Uhr geht es dann endlich los. Wir sind die ersten, die auf den Anhänger des blauen Treckers steigen dürfen. Nachts hat es mal wieder geregnet, und der Naturbursche von Fahrer schüttelt die Abdeckplane, die als Dach fungiert, erst einmal richtig aus, bevor wir lostuckern. Mit Dieselgestank in der Nase geht es zum Park Café, wo die nächsten Passagiere zusteigen. Anschließend führt die Fahrt weiter bis zum Bootsableger an der Sandy Bay, von der heute morgen nicht viel zu sehen ist: Es ist Flut. Und es dauert noch etwas, bis das Schiff kommt, teilt man uns mit. Indes bestaune ich die Reihe der Traktoren, die da mitsamt ihrer Anhänger zu dieser frühen Stunde und ob des Wasserstandes arbeitslos am Straßenrand stehen. In Reih und Glied glänzen sie in der Vormittagssonne.

Schließlich kommt unser Boot doch. Um 9 Uhr 35 schippert man uns mit einem kleinen Motorboot zu der recht großen Fähre – zu groß, um selber an dem Steg anlegen zu können. Dabei stelle ich fest: Es ist verdammt noch mal nicht ganz einfach, mit einem prall gefüllten Rucksack im Nacken und einer Fototasche vor dem Bauch in eine schwankende Nussschale wie diese einzusteigen!

Bis 12 Uhr 30 tuckert das Schiff die Küste hoch; es ist wirklich ziemlich langsam. Hinzu kommt, dass an den zahlreichen Anlegestellen nicht nur Passagiere aussteigen, sondern auch neue aufgenommen werden. Und dafür muss das kleine Motorboot z.T. mehrmals zwischen Küste und Linienschiff hin- und herkreuzen. Dabei geht eine Menge Zeit drauf. Währenddessen begnügen wir uns damit, den schrecklichen Instantkaffee der minimalistischen Bordküche zu genießen (so weit man das sagen kann), und misstrauisch und mit dem Schlimmsten rechnend dem Treiben der Schulklasse an Bord zuzusehen. Immer wieder reißt einer aus dem Haufen an dem riesigen Berg Gepäck und Zeltmaterial auf der anderen Seite des Ganges herum, so dass einige Teile sich verdächtig bewegen und langsam auf unsere Rucksäcke zielen. Und da sind verdammt spitze Teile dabei! Da ich das Unheil schon kommen sehe, bringe ich unsere Rucksäcke erst mal in Sicherheit.

Tipps

  • Den Abel Tasman Coastal Track begeht man am besten wie folgt: Man fährt mit dem Schiff oder Wassertaxi nach Totaranui, lauft über den Gibbs Hill und der Whariwharangi Bay zur Anatakapau Bay, welche ein idealer Platz für die erste Übernachtung ist. Dann geht es weiter südwärts bis nach Marahau. Unterwegs gibt es zahlreiche Zeltplätze, sodass man sich die die Etappen nahezu beliebig einteilen kann.
  • Bucht die Schiffsfahrt und kauft Zeltplatztickets im Office von Old MacDonalds Farm!
  • Die meisten Wanderer fahren nach Totaranui und laufen sofort wieder Richtung Süden, verpassen aber das wunderbare Stück des Weges im Norden! Lassen Sie es sich nicht entgehen; Sie sind dort wahrscheinlich fast alleine unterwegs!
  • Für den Fall, dass Sie die Wanderung vorzeitig abbrechen wollen oder müssen, erkundigen Sie sich im voraus nach den Abfahrtsorten und -zeiten der Wassertaxis!
  • Besorgen Sie sich eine Tidentabelle für die Überquerung des Awaroa Inlets! Achtung: Ganz trocken wird es nicht! Nehmen Sie sich Sandalen mit, gehen Sie nicht barfuss über die scharfkantigen Muscheln!
  • Steht einmal früh auf und genießt einen Sonnenaufgang am Strand!
  • Das Stück vom Awaraoa Inlet zur Onetahuti Bay ist nicht zu unterschätzen. Kommt man von der Anatakapau Bay, ist der Weg zu lang. Tretet kürzer und macht Stop an der Awaroa Hut! Überhaupt: Nehmen Sie sich Zeit, und setzen Sie sich mal hin; genießen Sie die Umgebung!
  • Belohnen Sie sich nach der Rückkehr mit einem schönen Abend im nett gestalteten Park Café! Hier gibt es leckeres Essen und Getränke aller Art.

Totaranui ist die letzte Station, die das Schiff anläuft, und so steigt auch die Schulklasse vor uns aus – und das dauert vielleicht einmal! Wenigstens bemühen die sich und bilden eine lange Kette, um die Unmengen Gepäck schnell aus dem Schiff herauszubekommen. Dieses mal kann das Schiff glücklicherweise direkt bis an den Strand fahren. Man stelle sich nur vor, die Dutzende Rucksäcke, Zelte, Vorräte und was sonst noch alles dazu gehört hätten mit dem kleinen Motorboot an den Strand gebracht werden müssen…!

Endlich erreichen wir unser Ziel und finden dort einen schmalen Strand und ein kleines Info-Häuschen des D.O.C. vor. Unser Weg führt direkt von dem Strand weg in die Wildnis hinein, erst ein Stück der sandigen Straße folgend, bis er sich langsam, aber stetig den Gibbs Hill hinaufwindet. Vierhundert Höhenmeter liegen vor uns, und es ist ganz schön warm heute! Aber über die Temperatur wollen wir uns nicht beschweren, wir haben ja lange genug darauf gewartet, dass es mal so kommt.

Wainui BayDer Weg hinauf gestaltet sich als einfach, aber wirklich anstrengend. Die Last auf unseren Rücken macht sich doch bemerkbar, und wir brauchen 2 Stunden bis zum höchsten Punkt, wo wir erst einmal eine Mittagspause einlegen. Gott, tut das gut! Von hier oben haben wir eine herrliche Sicht über das versandete Wainui Inlet in der gleichnamigen Bay. Riesige Baumfarne säumen den Weg hinunter Richtung Whariwharangi Bay. Endlich wird das Laufen angenehmer. Weiter geht es durch schattenspendenden Wald, bis wir die Whariwharangi Hut erreichen, wo wir erstmals unseren Katadynfilter verwenden, um Trinkwasser zu filtern. Das klappt auch prompt sehr gut, und nach einer kleinen Pause legen wir noch die letzten Meter bis zum Strand zurück. Besonders schön ist der aber nicht, über und über mit Holz bedeckt, aber eben richtig ursprünglich. Ein auf einen Holzstumpf gemalter Fuß bringt uns wieder auf den richtigen Weg, der uns erneut einen Hügel bezwingen lässt. Als wir den aber geschafft haben, sehen wir die goldene Sichel des Strandes an der Anatakapau Bay vor uns liegen: ein wahnsinnig schöner Anblick. Der Abstieg geht schnell vonstatten, und wir stellen fest, dass wir hier in diesem kleinen Stück Paradies ganz alleine sind!

Es gibt nicht viel Platz zum Zelten, und der Boden ist nicht besonders geeignet, aber wir haben ja die freie Auswahl. Einige Meter neben der hölzernen Tisch-Sitzbank-Kombination, die wir auch hier vorfinden, bauen wir unser blaues Tatonka-Tunnelzelt auf und breiten alle Rucksackinnereien auf der Tischplatte aus. Nicht weit entfernt ist auch eine Baustellentoilette aufgebaut, und ein Wasserhahn mit ungefiltertem Wasser ist ebenfalls vorhanden. Gut ausgestattet ist der Platz hier! Das haben wir gar nicht erwartet.

Bevor wir das Abendessen zubereiten, ist aber ein Strandspaziergang Pflicht! Der sandige Strand ist bestimmt zehn Meter breit, aber anhand der angespülten Vegetation erkennen wir, dass das nur an der Ebbe liegt. Zahlreiche Fußspuren verunstalten den reinen Sand und rauben ihm seine Unschuld, und wir tragen auch noch dazu bei.

Plötzlich zischt etwas an meinem Kopf vorbei, und Lena zeigt begeistert auf den Kormoran, der vermutlich seine Abendgymnastik macht und hier Kreise zieht. Und dann fällt mein Blick auf den großen Baum, der direkt am Strand steht: Vier dieser schönen Vögel hocken im Geäst und lassen sich von uns überhaupt nicht stören, sondern machen sich anscheinend für die Nachtruhe bereit. Natürlich werden die sofort Opfer meiner Fotografierwut…

Am südlichen Ende des Strandes ragen einige Felsen aus dem Wasser, und Lena  kann es nicht lassen – sie muss auf ihnen herumklettern! So langsam sinkt die Sonne dem Horizont entgegen, und wir machen uns auf den Weg zurück zum Zeltplatz, wo wir dann einmal mehr Fertignudeln in heiße Milch einrühren. Das ist nicht besonders einfallsreich, aber praktisch, einfach und gut zu transportieren. In Ruhe essen können wir aber nicht, denn scheinbar Abertausende von Sandfliegen und kleinen Mücken wollen sich gleichzeitig an uns laben… Lästige Angelegenheit, das!

Kaum verschwindet die Sonne hinter dem bewaldeten Hügel, von dem wir herabgestiegen sind, kommt heftiger, frischer Wind auf. Als ob er nur darauf gewartet hätte! Wir müssen echt kämpfen, dass uns nicht die ganzen Tüten weggeweht werden, die wir hier so schön ausgebreitet haben!

Im Nordosten geht gerade der Mond auf, und ich ahne, welch schönes Motiv das geben könnte: Der Schatten eines auf einem Ast sitzenden Kormorans vor der hellen Mondscheibe, dazu das von der gerade untergegangenen Sonne erzeugte rötlichblaue Licht… muss ein Wahnsinnsanblick sein. Schnell hole ich mein Stativ und postiere mich mehr oder weniger direkt unter dem riesigen Baum. Mit einigen lauten Tönen scheuche ich die Vögel etwas auf, damit sie den Kopf heben – wirkt auf dem Foto doch viel besser! Einige Minuten verbringe ich so bei den gefiederten Gesellen und lasse sie noch nicht zur Ruhe kommen, aber dann begebe ich mich auch zum Zelt zurück, wo Lena sich schon so langsam auf die Bettruhe, nein: Isomattenruhe vorbereitet. Es ist schnell sehr frisch geworden draußen, und ich ziehe mich auch in meinen kuscheligen Schlafsack zurück. Morgen will ich nämlich früh aufstehen, um den Sonnenaufgang über unserer einsamen Bucht zu erleben…!

Es ist barbarisch früh, als der Handy-Wecker klingelt. Um 5 Uhr 35 reißt er mich aus dem Schlaf. Noch trunken von demselben raffe ich meine Trekkingklamotten zusammen und mummele mich gut ein, denn draußen ist es saukalt! Schnell noch meine Fototasche samt Stativ geschnappt, und ab geht’s zum südlichen Ende des Strandes, wo sich so langsam die Sonne über der hügeligen Küste bemerkbar macht. Lena überlasse ich derweil weiter ihren Träumen.

Es wird wieder ein herrlicher Tag werden, das sieht man jetzt schon. Am Himmel sind keine Wolken zu sehen, was in Neuseeland äußerst selten der Fall ist. Die ersten Sonnenstrahlen streicheln bereits die Küste südlich des Strandes, und je später es wird, desto mehr wandert die Grenze des nächtlichen Schattens auf dem goldenen Strand in meine Richtung. Mein Stativ habe ich in der Nähe der muschelbewachsenen Felsen aufgestellt, noch innerhalb des Schattens, den die Küstenlinie wirft. Fast wäre ich gar nicht bis hierher gekommen, denn zwei kleine schwarze Vögel mit gefährlich dolchartig aussehenden orangefarbenen Schnäbeln haben mich auf meinem Weg nahe an das Wasser herangetrieben. Ihr hektisches, aggressives Geklapper und die scherenartig schnappenden Schnäbel haben mir Respekt abgenötigt, so dass ich einen weiten Bogen um die beiden Tiere gemacht habe. Sie schützen ihr Gelege, habe ich dabei festgestellt.

Mitunter findet man ja interessante Dinge am Strand. Heute morgen ist es eine Neonröhre, die mit gelbweißen Muscheln übersät ist, deren Innenleben in der Morgensonne immer wieder aus den Schalen herausleckt. Ich positioniere mich mit meinem Stativ direkt über dem Schauspiel und warte, bis der erste Sonnenstrahl die Tiere erfasst hat, und drücke den Auslöser. Um mich herum warten schon die ersten Möwen darauf, dass ich ihr Frühstück freigebe…

Bis 7 Uhr 30 halte ich am Strand aus, staune, dass die Sonne immer weiter nach Norden wandert statt nach Süden und fange die begeisternde Stimmung des erwachenden Tages ein. Schließlich kehre ich zu Lena zurück mit dem Gedanken, jetzt könne ich sie endlich wecken. Aber von wegen – sie hockt schon hellwach vor dem Zelt und wartet auf mich, damit wir endlich frühstücken können.

Als wir gerade unsere Sachen zusammenpacken wollen, um unseren Weg fortzusetzen, erscheint ein Parkwächter an der Bucht und kontrolliert unsere Parktickets, die wir bei Old MacDonalds Farm gekauft haben. Ein junger Bursche ist es, der offensichtlich zu Fuß hierher gekommen ist; eine andere Möglichkeit gibt es ja nicht. Respekt! Er erkundigt sich noch, ob wir alleine hier gewesen seien und macht sich dann wieder von dannen. Dies ist wirklich der letzte Ort, wo wir erwartet hätten, kontrolliert zu werden. Wahnsinn!

Eine halbe Stunde später machen wir uns wieder auf den Weg die Küste entlang, weiter Richtung Süden, zurück in die Zivilisation. Nachdem wir uns an den erneut laut klappernden Vögeln vorbei gemogelt haben, erreichen wir die hübsche Anapai Bay, wo wir einen Felsen entdecken, der den Figuren auf den Osterinseln alle Ehre gemacht hätte. Der weitere Weg verläuft oberhalb der felsigen und manchmal steilen Küste, bis wir gegen Mittag wieder Totaranui erreichen. Hier kühlen wir unsere gequälten Füße unter eiskaltem Wasser und füllen unsere Wasservorräte auf. Hier ist das kostbare Nass sogar gefiltert, teilt mir die Dame im Info-Centre mit.

Awaroa InletsDie Sonne scheint kraftvoll auf uns herab, und entsprechend ist unser Flüssigkeitsbedarf. Das nächste Stück Weg führt u.a. durch das Awaroa Inlet, das nur bei Ebbe zu durchqueren ist. Ich habe bereits im Info-Centre von Motueka eine Tidentabelle eingesteckt, damit wir uns auf die Gezeiten einstellen können. Anhand dieser Tabelle sehen wir, dass wir noch genügend Zeit haben, und dehnen unsere Mittagspause entsprechend aus. Um 13 Uhr marschieren wir dann gemächlich weiter und teilen uns den Weg nun mit zahlreichen anderen Leuten, die ihre Wanderung in Totaranui begonnen haben.

Wir brauchen nur etwa eine Stunde, um die Awaroa Bay zu erreichen, und müssen noch eine weitere Stunde ausharren, bis die ersten Wanderer mehr oder weniger trockenen Fußes drüben angelangt sind. Also schnallen um viertel nach drei auch wir unsere Wanderstiefel an die Rucksäcke und schlüpfen in die Sandalen. Die Hosen noch schnell hochgekrempelt, dann marschieren wir über den sandigen und nassen Untergrund der Bucht. Es knackt laut bei jedem Schritt – Millionen von Muscheln bedecken hier das Watt, und immer wieder sieht man kleine Miniaturkrebse zwischen ihnen hin und her flitzen. Ohne Sandalen schneidet man sich bestimmt an den Muscheln die Füße auf, und so manch anderer Wanderer, der die Bucht hier durchquert, hat offensichtlich keine Latschen dabei…

Das Wasser reicht uns teilweise doch bis an die Waden, und nach etwa zwanzig Minuten, in denen wir nicht besonders schnell vorangekommen sind, erreichen wir das andere Ufer in der Nähe der Awaroa Hut. Hier heißt es Füße sauber machen und trocknen, und dann geht es weiter, am Sawpit Point vorbei, stetig die Hügelkette hoch. Ein sehr anstrengendes Wegstück bis zum Tonga Saddle, zumal wir auch schon einige Kilometer hinter uns haben. Die Entfernung vom Awaroa Inlet zur nächsten Zeltmöglichkeit an der Onetahuti Bay haben wir offensichtlich unterschätzt. Das letzte Stück des Weges führt durch den tiefen Sand der Bucht, und ich schleppe mich nur noch mühsam vorwärts, während Lena einige hundert Meter vor mir marschiert. Mein im Tongariro National Park umgeknickter Fuß macht sich auch mal wieder bemerkbar und schmerzt leise vor sich hin… Aber ich tröste mich damit, dass auch andere Wanderer schlapp machen und sogar hinter mir zurückfallen.

Onetahuti BayUnd dann, endlich, um 18 Uhr 15 erreichen wir nach einem langen Tag den Zeltplatz. Hier sind wir leider nicht mehr allein, es befindet sich schon etwa ein Dutzend Zelte dort. Direkt neben uns campt ein anderes deutsches Pärchen, deren Abendessen aus selbstgepflückten Muscheln besteht. Gemüse und alles haben die auch dabei und veranstalten eine richtige Koch-Session. Als die beiden endlich fertig sind mit dem Putzen der Zutaten, liegen wir fast schon satt im Zelt. Natürlich gehe ich nicht schlafen, ohne noch einige schöne Fotos versucht zu haben. Der Mond steht tief über der Bucht, und mit dem gerade angekommenen Kajak im Vordergrund könnte er ein schönes Bild liefern.

Das Pärchen, das noch so spät am Abend mit dem Bötchen hier eingetroffen ist, teilt mir kurz darauf mit, dass hier Possums herumstreifen, und als ich anschließend mit der Taschenlampe vom Zelt zur Wasserstelle unterwegs bin, huscht solch ein Viech an mir vorbei. Schnell halte ich den Strahler in seine Richtung, und wie vom Blitz getroffen bleibt das Tier in Männchenhaltung stehen. Putzig sieht es aus mit seinen großen roten Augen und spitzen Ohren. Und ziemlich groß, bestimmt einen halben Meter lang, den Schwanz nicht mit eingerechnet! Ich mache das Licht aus, und prompt setzt sich das Tier wieder in Bewegung und beginnt, flink einen Baum hinaufzuklettern. Sofort schalte ich die Lampe wieder an und halte erneut drauf. Und wieder stoppt das Tier brav im Lichtkegel und schaut mich groß an. Bisher haben wir die Tiere immer nur in plattgefahrenem Zustand auf der Straße gesehen; hier bietet sich somit eine seltene Gelegenheit, die Tiere einmal lebendig zu erleben. Aber eigentlich muss das auch nicht sein, denn die Viecher sollen Diebe sein und Dinge aus den Zelten herausziehen. Wir stopfen also alles möglichst in und unter die schweren Rucksäcke und hoffen, am nächsten Morgen noch alles vorzufinden…

Zu späterer Stunde im Zelt hören wir es denn auch manchmal im Laub rascheln, aber mehr quälen mich meine juckenden und kribbelnden Beine. Es fühlt sich an, als ob im Schlafsack Unmengen der kleinen Sandfliegen sind, die uns schon beim Abendessen so gequält haben. Trotzdem gelingt es uns irgendwie, einzuschlafen…

Am nächsten Morgen entdecke ich dann das Unheil. Meine Füße sind übersät mit Tausenden Mückenstichen und Fliegenbissen. Und das juckt! Meine Güte, so schlimm hab ich das ja noch nie gehabt. Seit wann bin ich denn Opfer dieser Untiere? Das ist doch sonst nur Lena… Kein Wunder, dass ich so schlecht geschlafen habe. Und nach einem Blick vor’s Zelt stellen wir fest, dass das Wetter heute auch dazu passt: grau in grau zeigt sich der Himmel zwischen den Baumkronen, und leichter Nieselregen senkt sich auf die bunten Planen ringsum.

Was soll’s, nützt ja alles nichts. Frühstücken und zusammenpacken können wir noch halbwegs im Trockenen, aber als wir dann gegen halb zehn aufbrechen, haben wir aus unseren Erfahrungen gelernt und gleich die Regenhosen angezogen. Kurz darauf öffnen sich die Himmelsschleusen.

Auf unserem Weg Richtung Bark Bay hört es nicht auf zu regnen. Es ist viertel nach elf, als wir auf der High Tide Route, die teilweise auch schon unter Wasser steht, die wunderschöne Bucht umrunden und die Bark Bay Hut erreichen, in der sich zahlreiche Wanderer tummeln. Auch wir treten ein und wärmen uns etwas auf. Dabei kommen wir mit einem netten deutschen Pärchen ins Gespräch. Wir haben keine Lust, bei diesem Wetter zu zelten und beschließen, mit dem Wassertaxi nach Marahau zurückzukehren; wir sind eh total durchnässt.

Allerdings weiß keiner so genau, wo das Boot anlegt. Einige hundert Meter von der Hütte entfernt liegt eine kleine Campingstelle, und dorthin marschieren wir im Laufschritt, denn das Wassertaxi kann jeden Moment ankommen. Auf dem schmalen Landstrich finden wir eine bewohnte Hütte vor, wahrscheinlich die des Campingplatzwartes. Dort erhalten wir die Auskunft, dass das Boot in zehn Minuten kommt. Da haben wir ja noch mal Glück gehabt. Aber es kann immer noch sein, dass für uns kein Platz mehr im Taxi ist und wir zu Fuß weitermarschieren müssen. Doch erneut haben wir Glück! Es sind noch Plätze in dem kleinen Schnellboot frei, und barfuss stapfen wir durch den nassen Sand und das niedrige Wasser, um einsteigen zu können. Irgendwie fühlen wir uns wie Schiffbrüchige, die gerade gerettet werden. Im Eiltempo geht es zurück Richtung Marahau. In der Bucht von The Anchorage werden weitere Schiffbrüchige aufgenommen, aber bei denen scheint der Begriff zu stimmen. Es handelt sich um ein Pärchen, das mit einem Kajak unterwegs war. Das Kajak wird hinter der letzten Sitzbank quer über das Boot gelegt und festgezurrt, und weiter geht’s. Hoffentlich hebt das Wassertaxi jetzt nicht ab, wo es doch Flügel bekommen hat…

Im Windigen Garten werden wir wieder per Traktor durch den Ort kutschiert und steigen am Park Café aus, nicht weit von Old MacDonalds Farm entfernt. 40 Dollar hat der Spaß gekostet, aber das war er uns wert. Nun können wir erst mal herrlich warm duschen…

Anschließend belohnen wir uns selber: Zuerst mit dem letzten Stück Mud Cake aus dem Supermarkt in Motueka und anschließend mit einem herzhaften Abendessen im netten Park Café, das mit würzigem Bier heruntergespült wird. Und zum Nachtisch ein Riesen-Banana-Split, den ich kaum alleine auf kriege. Ah, lecker! Ein krönender Abschluss für unseren Besuch im Abel Tasman Nationalpark!

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