Abel Tasman Nationalpark

Die Astrolabe Tour im Abel Tasman Nationalpark

Um halb sechs macht sich dann auch Lenas Handy unangenehm mit seinem Weckton bemerkbar, und ich quäle mich aus dem Sitzeckenbett heraus, steige über Lena hinweg und in meine Klamotten und bin nach einer Katzenwäsche mit meiner gesamten Fotoausrüstung draußen.

Und da sehe ich dann das Malheur: Der Himmel ist weitestgehend bedeckt, wahrscheinlich kommt gar kein morgendlicher Strahl hindurch. Aber nun bin ich schon mal auf, und vielleicht ergibt sich ja doch was. Also los. Stativtasche über die Schulter gehängt, und ab geht’s. Irgendwie bin ich ruckzuck am Parkeingang. Es ist noch fast ganz dunkel, und aus einem Mülleimer bei den Informationstafeln höre ich ein Rascheln. Als ich näher hinschaue, erkenne ich dort ein Exemplar einer Art Sumpfhuhn, das dort drinnen herumscharrt und nach Nahrung sucht!

Ich konzentriere mich wieder auf den Sonnenaufgang und baue mein Stativ auf dem Holzsteg hinter dem Park Café auf. Überraschenderweise ergeben sich einige interessante Augenblicke, als am Horizont die Wolkendecke aufreißt, und prompt klebt mein Finger am Auslöser. Leider fängt es dafür direkt über mir an zu regnen! Auch das noch. Es nieselt zwar nur leicht, aber es reicht zum nass werden, denn ich habe zwar meine Jacke dabei, aber nicht die Regenhose. Seufzend packe ich zusammen und marschiere zu Lena zurück. Irritierenderweise erscheint mir der Rückweg dabei ungleich länger als der Hinweg. Kurz nach sieben bin ich wieder im Trockenen, und da sich scheinbar wieder alles gegen uns verschworen hat, lege ich mich wieder zu Lena ins warme Bett.

Heute scheint wieder so ein trostloser Tag zu sein, der zu nichts besonderem einlädt. Wir hatten uns so auf eine Kajaktour hier im Abel Tasman Nationalpark gefreut; Freunde von uns hatten schon davon geschwärmt. Vielleicht wird das Wetter ja morgen besser, dann ist ja auch Sonntag!

Tipps

  • Einen Großeinkauf macht man am besten in Motueka. An der Hauptstraße befindet sich ein großer Supermarkt. Besonders zu empfehlen: leckerer schokoladiger Mud-Cake!
  • Abel Tasman Kajaks in Marahau ist eine gute Wahl, wenn man vor Ort Kajaktouren machen möchte.

Da wir eh einkaufen müssen für die nächsten Tage und die Unternehmungen, die wir geplant haben, fahren wir nach Motueka zurück, das etwa 15 Kilometer vor Marahau liegt. Alles liegt irgendwie vor Marahau, denn der windige Garten liegt am Ende der Welt.

Abel Tasman Coastal TrackBei der Einfahrt in den kleinen, aber geschäftigen Ort entdecken wir schnell das Hinweisschild auf das Visitor Centre und folgen ihm. Nicht weit von der einzigen Hauptstraße finden wir das Gebäude und erkundigen uns drinnen nach dem Wetter für die nächsten Tage, den Kajaktouren und den Bedingungen auf dem Abel Tasman Coastal Track. Der junge Angestellte meint, das Wetter würde besser werden und nickt verständnisvoll ob unserer Besorgnis über matschige Wanderwege, als ich ihm von meiner kleinen Verletzung auf dem Queen Charlotte Walkway erzähle…

Wir erkundigen uns danach, ab wann man geeignet dafür sei, alleine mit dem Kajak zu fahren. Das sollen wir am besten direkt mit den Verleihern absprechen, erhalten wir als Auskunft. Die können das am besten abschätzen, auch, welche Tour die beste ist, wenn man nicht alleine fahren möchte. Also werden wir nach dem Einkaufen direkt zu Abel Tasman Kajaks fahren, die ihre Basis in Marahau haben. Wir glauben uns blass daran zu erinnern, sie gestern auf der Herfahrt gesehen zu haben.

Kurz darauf schieben wir einen großen Einkaufswagen durch die Gänge eines der beiden Supermärkte des Ortes. Wir haben denjenigen mit dem größeren Parkplatz gewählt, das ist bei unserem Fahrzeug immer ein gutes Argument. Allerlei Leckereien packen wir ein: Obst, weißes Brot (gibt ja nix anderes!) und eine Fertig-Würzmischung für eine Pilzpfanne. Dann einen sehr schokoladig aussehenden Mud-Cake, bei dessen Anblick mir schon das Wasser im Munde zusammenläuft… Und so weiter, und so weiter. Man kann sich daran gewöhnen, dass man hier in jedem Supermarkt mit der Kreditkarte bezahlen kann. Unser Bargeldbedarf hält sich echt in Grenzen. Nie habe ich mehr als 200 Dollar auf einmal am Geldautomaten – oder „Money Machine“, wie sie hier heißen – gezapft.

Es ist schon früher Nachmittag, und wir haben Hunger. Die meisten Läden haben geschlossen; Samstag nachmittags ist das wohl nicht so üppig mit den Servicezeiten. Aber da: ein Fisch-Imbiss hat offen. Drinnen bestellen wir uns Fish&Chips zum Mitnehmen und erhalten zwei Riesenportionen in Papier eingewickelt. Die lassen wir uns im Wohnmobil gut schmecken. Mhm, so richtig dicke Pommes sind das, und dazu die Sandwich-Soße aus Mayo-Senf-Mischung – richtig lecker!

Abel Tasman KajaksAuf diese Art gestärkt machen wir uns auf die Suche nach der Basis von Abel Tasman Kajaks. Irgendwo vor Marahau (klar!) fahren wir rechts ab, denn von hier sind wir gestern gekommen, und wir glauben, dass sie dort irgendwo am Berg liegt. Aber wir irren uns. Nirgendwo ist was von Kajaks zu sehen, und wir landen bald in dem kleinen Küstenort Kaiteriteri, wo es auch Kajakverleiher gibt. Aber da wir eh nach Marahau zurück müssen und uns von allen Prospekten die Touren von Abel Tasman Kajaks am besten gefielen, kehren wir um und durchqueren ganz Marahau, bis wir am Ortsausgang schließlich das Lager entdecken, keinen Kilometer vor Old MacDonalds Farm! Meine Güte, das hätten wir heute mittag auf der Fahrt Richtung Motueka doch sehen müssen! Nicht zu fassen. Aber nun gut. Wir stellen unser Gefährt gegenüber den großen Schuppen ab, wo viele Kajaks stehen und zahlreiche junge Leute am Werkeln sind: Kajaks reinigen, Utensilien zusammenräumen und dergleichen. Ziemlich viel los hier. Wir betreten das Office und teilen unser Anliegen mit. Zwei Touren kommen für uns in Frage. Die eine endet an der Bucht „The Anchorage“, von wo aus wir mit dem Wassertaxi nach Marahau zurückfahren würden, bei der anderen würden wir anschließend von der Torrent Bay aus auf dem Coast Track zu Fuß weitermarschieren. Für uns also nur die Frage, was uns besser passt. Schließlich entscheiden wir uns für einen trockenen Abend nach der Kajaktour, denn wer weiß, wie das Wetter morgen ist. Wir ziehen es vor, dann übermorgen früh auf jeden Fall gut getrocknet die Wandertour beginnen zu können, und melden uns für die sog. „Astrolabe-Tour“ bis „The Anchorage“ an.

Sandy Bay MarahauVor dem Abendessen machen wir noch einen Spaziergang in der Sandy Bay, am ortseigenen Strand von Marahau, wo wir das einmalige Schauspiel betrachten können, wie die Wassertaxis bei Ebbe von Traktoren aus dem Watt auf die Straße gezogen werden. Die Trecker stehen dabei im kniehohen Wasser, die Boote fahren auf die Anhängerladefläche, werden irgendwo festgehakt, und schon tuckert die Zugmaschine los. Auf der Straße bleibt das Boot auf dem Anhänger und die Fahrgäste im Boot; der Trecker fährt die Leute dorthin, wo sie abgesetzt werden wollen. Hier liegt ja alles nicht weit auseinander, da macht sich die Langsamkeit eines Traktors nicht so negativ bemerkbar. Im Gegenteil: Sie wirkt richtig beschaulich. Fürwahr ein faszinierendes Schauspiel, das wir da staunend betrachten. Mit Interesse beäugen wir auch die Kajakfahrer, die ihre Boote auf vierrädrigen Karren aus dem Watt mitbringen. Scheint anstrengend zu sein…

Endlich stehen wir wieder auf unserem Stellplatz bei Old MacDonald. Tatsächlich auf dem gleichen wie gestern. Das war gar nicht so sicher, denn hier ist freie Platzwahl zu dieser Saison. Bald brutzelt unsere Pilzpfanne auf dem Gasofen, und wir lassen es uns mal wieder so richtig gut gehen. Dann noch der Mud-Cake als Nachtisch – und der Abend ist perfekt und wir pappsatt.

Am nächsten Morgen ist es mal wieder früh für uns. Um sieben Uhr schwingen wir die Keulen aus den Federn und machen uns für unsere erste Kajaktour auf neuseeländischem Boden, oder besser in neuseeländischen Gewässern, bereit. Viertel vor neun sind wir an Ort und Stelle und stehen parat mit Handtuch, Fotoapparat und Sonnenschutzmittel, die wir in dem kleinen Rucksack, der eigentlich zu meiner Fototasche gehört, verstaut haben.

Es ist ein herrlicher Tag, die Sonne lacht, und wir scheinen endlich mal Glück zu haben. Hoffentlich bleibt es heute so! Wir werden zu einem runden Tisch geschickt, wo bald Rich zu uns stößt, der für heute unser Begleiter sein wird. Dann treffen auch die anderen ein, die an der Tour teilnehmen wollen: Ein US-amerikanisches und ein Schweizer Pärchen sowie ein Engländer und eine Amerikanerin komplettieren unser Team. Nach der Anfangsbesprechung erhalten wir unsere Kajakbekleidung wie Spritzdeckchen und Schwimmwesten und die anderen Dinge, die man noch so braucht auf dem Wasser: die Paddel natürlich, und ganz wichtig, zumindest für mich: eine wasserdichte Box für den Fotoapparat. Da ich aber ein vorsichtiger Mensch bin, habe ich trotzdem nur meine alte automatische Kamera eingepackt, nicht meine neue Nikon F90X, die ich mir rechtzeitig für diese Reise zugelegt habe. Bloß kein Risiko eingehen, nicht bei dem Preis, den ich dafür bezahlt habe!

Und dann geht es los. So wie wir es gestern gesehen haben, schieben heute wir unsere Kajaks auf den putzigen Karren Richtung Strand. Gott sei dank herrscht hier morgens Flut, so dass wir es nicht weit haben bis zum Wasser!

Ist das ein Gefühl, mal wieder in so einem kleinen Bötchen auf dem Meerwasser zu treiben! Nur mühsam gehen die ersten Paddelschläge von der Hand, und bald schmerzt meine linke Schulter enorm. Irgendwas mache ich falsch. Aber ich versuche, nicht daran zu denken und mich auf das Paddeln zu konzentrieren. Lena sitzt hinten und lenkt unser Zweierkajak. Obwohl wir uns nach unserem Kajakabenteuer in Kanada vor zwei Jahren gesagt haben: „Nie wieder Zweier!“, sitzen wir schon wieder im selben Boot! Ist aber eigentlich auch besser so, und es klappt auch besser als gedacht. Dieses mal kommen wir uns nicht mit den Paddeln in die Quere.

Zunächst gleiten wir gemächlich aus der Bucht von Marahau heraus. Der Name „Sandy Bay“ hat Berechtigung, denn bei Ebbe ist der Strand sicher hundert Meter und mehr breit. Unter uns entdeckt Rich einen riesigen Schwarm Fische, der einen unheimlichen Schatten im Wasser erzeugt…

Fisherman Island und Adele IslandUnsere ersten Ziele sind die beiden der Bay vorgelagerten Insel Fisherman Island und Adele Island, die wir dann auch umrunden. Es ist fantastisch, auf dem grünblauen Wasser dahinzugleiten! Bald sehen wir die goldgelben Strände vor uns liegen, drum herum das Grün des Urwalds… eine wahre Wonne! Auf Adele Island machen wir einen Picknick-Stop, und es gibt einen heißen Drink, der an Kakao erinnert, aber keiner ist. Sehr lecker. Nach einer halben Stunde sitzen wir wieder in den Booten, die sehr stabil und gut zu fahren sind. Lena und ich haben getauscht, so dass ich jetzt die Füße am Ruder habe, das mir gleich Probleme bereitet. Ich ziehe und zerre an dem Verbindungsseil, aber es will und will sich nicht ins Wasser senken. Bis dann unser Schweizer Freund mir hilft. Das Zugseil wird beim Landgang immer festgezurrt, dafür gibt’s extra eine metallene Lasche, in der das Seil festgehakt wird. Tja, und da hakte es halt bei mir immer noch… Aber nun geht es weiter. Rich führt uns um Felsen herum, durch schmale Passagen hindurch, bei denen unser Boot unweigerlich Felsberührung bekommt – ein schreckliches, scharrendes Geräusch am Rumpf. Aber die Kajaks sind ja stabil und halten was aus! Kein Riss, kein Leck entsteht so schnell, wenn man mal auf Grund läuft oder über Steine schleift.

Es ist großartig! Meine Schulter beruhigt sich so langsam, obwohl wir nun auch einige Strecken haben, auf denen wir kräftiger paddeln müssen. Die See wird etwas unruhiger, als wir uns der Te Pukatea Bay nähern, wo wir lunchen wollen. Dort angekommen, bereitet Rich uns ein Festessen zu. Was er nicht alles an Behältern aus den Kajaks zaubert! Schließlich sitzen wir alle um einen lecker gedeckten Mittags“tisch“ herum: Es gibt Pita mit Lamm, Tofu und diversen Salaten und Gemüsen. Und Chow-Chow, eine süßsaure Soße, die superlecker schmeckt. Munter kauend meine ich so zu Rich, dass bei uns in Deutschland „Chow-Chow“ ein kleiner Hund sei. Wär’ ja ein Spaß gewesen, wenn er geantwortet hätte: „Bei uns auch…“

Wir lassen uns das Essen gut munden und langen kräftig zu. Schließlich ist das im Preis inbegriffen. Alleine sind wir hier am Strand allerdings nicht; es ist noch eine weitere Gruppe Kajaker hier gestrandet. Sowieso ist hier von einsamen Stränden nicht viel zu merken. Wo man mit dem Kajak hingelangen kann, da finden sich auch Leute.

Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Ausflug in die Umgebung. Rich hat von einem Pfad erzählt, der oberhalb der Bucht herführt und einen tollen Blick auf den Strand bietet. Und tatsächlich: Nach wenigen Minuten Steigung erhaschen wir durch den dichten Blättervorhang der üppigen Vegetation einen famosen Blick auf den halbmondförmigen, gelben Sandstrand unter uns. Einsam liegen die Kajaks am Wasser und warten darauf, wieder in die Wellen geführt zu werden…!

Kaum sind wir wieder unten bei den anderen, geht es auch schon weiter. Wir müssen um den Pitt Head herumfahren, durch ein rauhes Stück See, was einige Kraft kostet, aber wahnsinnig viel Spaß macht. Hier kann man sich mal so richtig ins Zeug legen…

Schließlich erreichen wir die große weite Bucht von The Anchorage. Hier lassen wir unsere Kajaks zurück und besteigen das 16 Uhr-Wassertaxi, mit dem wir nach Marahau zurückkehren. Die Kajaks werden später abgeholt.

Mit einem Mordstempo schießt das Boot, in dem etwa 15 Menschen Platz haben, über das Wasser. Ein Dach hat das Taxi nicht, und jeder Fahrgast muss eine Schwimmweste tragen. Könnte ja sein, dass man rausgespült wird… Jedenfalls schluckt man ganz schön Wind, und für einen kurzen Moment wird mir etwas übel, obwohl ich mit Seekrankheit gar nichts am Hut habe. Aber in Marahau angelangt, ist das vergessen, und nun sind wir dran, mit dem Traktor quer durch den Ort gefahren zu werden. Ein witziges Gefühl! An der Abel Tasman Kajak-Basis werden wir abgesetzt, und nachdem wir noch einen Abschiedssaft getrunken haben, verlassen wir die Runde und kehren zurück zu unserem Campingplatz.

Ein herrlicher Tag war das, und trotz der Beschwerden in der Schulter hat das Kajakfahren mal wieder enorm viel Spaß gemacht! Und das Wetter hat endlich mal mitgespielt! Wir freuen uns schon auf morgen, wenn wir unsere drei- bis viertägige Wanderung auf dem Abel Tasman Coastal Track beginnen. Das wird bestimmt gigantisch, wenn das Wetter so bleibt! Wir haben vor, morgen mit dem Wassertaxi so weit wie möglich nach Norden zu fahren, nach Totaranui, um von dort aus dann einen Bogen über den Gibbs Hill zu schlagen und anschließend an der Küste entlang nach Marahau zurückzukehren.

Old MacDonalds FarmVor dem Abendessen marschiere ich noch mal hinunter zum Office von Old MacDonalds Farm, um die Bootsfahrt zu reservieren. Ich treffe dieses mal den Alten selber an, und er bestätigt mir, dass die Route, so wie wir sie geplant haben, die beste sei. Die ganze Strecke kann man auch problemlos in drei bis vier Tagen schaffen. Als er beim Wassertaxi-Unternehmen anruft, um den Transport für morgen vormittag dingfest zu machen, müssen wir allerdings feststellen, dass das kleine Boot ausgebucht ist, so dass wir auf das langsamere, aber komfortablere und größere Schiff der Abel Tasman Enterprises zurückgreifen müssen. Das ist nicht so schlimm, denn es ist auch noch einige Dollars günstiger. Schließlich löse ich pro Person noch je zwei Tickets, damit wir im Nationalpark zelten dürfen. Also: Morgen früh um viertel vor neun geht es hier direkt vor dem Office los…

Nach dem Abendessen packen wir die Rucksäcke, und ich sortiere noch einmal meine Fotoausrüstung. Essen für den Trip wollen wir morgen früh einpacken. Muss reichen. Lieber noch ein wenig entspannen und faulenzen vor den -zig Kilometern, die wir da vor uns haben!

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