Atemberaubendes Fjordland erleben während des Urlaubs

Um zehn Uhr machen wir uns auf den Weg zu einem weiteren Highlight unserer Neuseeland-Tour: Wir wollen heute noch den berühmten Milford Sound erreichen und auch dort eine Kajaktour machen. In den einschlägigen Büchern findet man die Empfehlung, abends dort anzureisen, um dann bereits den nächsten Morgen zur vollen Verfügung zu haben, bevor die Touristenmassen in Dutzenden, in der Hochsaison sogar bis zu 70(!) Reisebussen pro Tag herbeiquellen.

Bevor wir losgefahren sind, habe ich noch einmal den Toiletteninhalt geleert und bemerkt, dass uns die Chemikalien ausgehen. Leider bekommen wir im Shop des Campingplatzes und auch in einem Outdoor-Laden in der Stadt nichts. Bleibt zu hoffen, dass wir in Te Anau erfolgreicher sein werden, ansonsten löst sich das ganze stinkende Zeug in der Plastikpfanne unter der Kloschüssel nicht auf… Unangenehmer Gedanke.

Lake WakatipuBei strahlendem Sonnenschein verlassen wir Queenstown, anscheinend eine Schönwetter-Oase mitten auf der Südinsel, wenn nicht gerade Hochwasser herrscht… Die Strecke am südlichen Ufer des Lake Wakatipu und den Ausläufern der Remarkables entlang bietet viele wundervolle Aussichten, allerdings wird es zusehends windiger, und es ziehen Wolken auf. Irgendwann werden wir von einer Schafherde, welche die Straße blockiert, aufgehalten. Durch abwechslungsreiche Landschaft aus Bergen, Wiesen, Feldern und weiten Steppen mit Tussockgras, vorbei an kleinen und noch kleineren Ortschaften erreichen wir um 12 Uhr Te Anau. Auch ein sehr kleiner Ort, der immerhin einen großen Supermarkt bietet, in dem wir unsere Vorräte für die nächsten paar Tage auffrischen, einen Imbiss, in dem wir wohlschmeckende Quiche erstehen, und eine Reihe von Shops mit Souvenirs und Campingartikeln. Und hier bekommen wir tatsächlich auch unsere „Toilet Chemicals“. Die täglichen Sitzungen sind gerettet…

Milford Sound StraßeIm Visitor Centre wird uns bestätigt, was man uns schon in Queenstown erzählt hat: Es gibt einige Campervan-Stellplätze direkt im Milford Sound. Laut Reisehandbüchern ist das nicht der Fall. Wir reservieren einen Platz für heute abend und auch gleich eine begleitete Kajaktour, die uns morgen früh durch den Sound führen wird. Wir interessieren uns auch für eine Tour im wilden Doubtful Sound und erkundigen uns, ob man so etwas auch alleine machen kann. Daraufhin klärt man uns auf, dass es weniger darauf ankommt, wie oft man schon im Kajak unterwegs war, um solch eine Tour auf eigene Faust zu machen, als auf die Kenntnis der Umweltbedingungen, was das Wasser und Wetter angeht. Okay, da haben wir natürlich noch wenig Erfahrung. Und so bleiben wir bei dieser einen geführten Tour. Aber irgendwann…

Tipps

  • Richten Sie es so ein, dass Sie abends am Milford Sound ankommen und dann den ganzen nächsten Tag Zeit haben!
  • Es gibt tatsächlich Campervan-Stellplätze im Milford Sound! Die acht Plätze der Milford-Lodge können zumindest vom Visitor Centre in Te Anau aus reserviert werden, was auch ratsam ist!
  • Kajaktouren im Milford oder Doubtful Sound bucht man im Visitor Centre in Te Anau.
  • Falls Sie sich länger entlang der Milford Road bewegen wollen, dann kaufen Sie in Te Anau noch einmal richtig ein, und tanken Sie voll!
  • Besorgen Sie sich frühzeitig Toilettenchemikalien für den Campervan! Die gibt es nicht in allen Outdoor-Läden. Am besten gleich bei Abholung des Wohnmobils nach einer Zusatzpackung fragen! Sonst steht man irgendwann da und weiss nicht wohin mit dem Sch…
  • Am Lake Gunn gibt es einen „wilden“, kostenlosen Platz zum Campen am Kieselstrand.
  • Der Lake Marian Walk ist anstrengend, wird aber belohnt. Wer sich abschleppen möchte, sollte Zelt mitnehmen, eine einsame Nacht am See verbringen und das Morgenerwachen erleben! Bitte berichtet mir dann davon!
  • Im Milford Sound sind die Sandflies so lästig wie sonst nirgends! Schützen Sie sich gut! Selbst die einheimischen Mittelchen wirken immer nur für Minuten. Am besten schützt lange Kleidung und eine Mütze!
  • Eine Kajaktour im Milford Sound lohnt sich selbst bei mäßigem Wetter!
  • Der Key Summit Walk belohnt mit einer grandiosen Sicht auf die umliegende Bergwelt. Man gerät unweigerlich ins Staunen!
  • Hübsch gelegen ist der Kawarau Falls Campground am Rande von Queenstown. Besonders geeignet ist er, wenn man nicht in die Stadt möchte. Ansonsten sind die beiden Plätze in der Stadt am Fusse des Ben Lomond zu empfehlen.

Um kurz vor zwei fahren wir weiter Richtung Milford Sound, vorbei am Startpunkt des berühmten Tracks, für den man lange im voraus buchen muss. Wir haben es gar nicht versucht, muss ich zu meiner Schande gestehen. Ein unentschuldbares Versäumnis, aber auch ein Grund, noch einmal herzukommen, um dieses sicherlich einmalige Erlebnis nachzuholen…

An mehreren Stellen wird die Straßendecke geteert, und bald erreichen wir die erste Attraktion der Milford Road: die Mirror Lakes, bekannt durch ihre Spiegelungen. Aber kein Vergleich mit dem Lake Matheson! Und die Oberfläche ist auch viel zu unruhig. Vielleicht muss man hier auch sehr früh morgens bereitstehen.

Die „Divide“ scheint ihren Namen zu Recht zu tragen, denn hinter diesem Pass ändert sich die Landschaft und wird spektakulärer. Die Straße, stellenweise von nicht ungefährlichen Auswaschungen verunstaltet, windet sich an hohen, steilen Felswänden entlang, und wir gelangen zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen herrlichen, weiten Blick über das Hollyford Valley hat. Irgendwo dort unten muss auch der entsprechende Fluss dahindümpeln, begleitet von dem Hollyford Track, der bis an die Westküste der Südinsel führt.

Plötzlich bekommen wir Besuch: Ein papageiengroßer, grüner Kea hüpft um unser Wohnmobil herum und knabbert an den Reifen! Wir können ihm gerade noch entkommen…

Lake MarianDie Straße ist ziemlich belebt. Sage und schreibe 27 Reisebusse zählen wir, die uns aus dem Fjord entgegenkommen! Bevor wir aber dorthin fahren, machen wir noch einen Abstecher zum Lake Marian. In einem der Reiseführer habe ich schöne Bilder dieses in einem hochgelegenen Talkessel versteckten Bergsees gesehen: Dort will ich hin. Lena kann ich nicht überreden, mitzukommen, erst recht nicht, als sie hört, dass der Weg nicht ganz einfach sein soll. Es ist fast 16 Uhr, und für eine Strecke soll man etwa eineinhalb Stunden brauchen. Ich kündige Lena an, dass ich schneller sein werde, und mache mich samt Fototasche und kleinem Snack auf den beschwerlichen Weg. Über eine wackelige Hängebrücke und vorbei an den Stromschnellen des Marian Creek, wo der Pfad noch gut sichtbar und mit Holzstegen ausgebaut ist, geht es schnell tief hinein in den Dschungel. Der Weg wird bald nicht nur zusehends schwieriger zu begehen, sondern auch zu finden! Nicht selten muss ich mich erst ein paar mal umschauen, um die entsprechende Markierung ausfindig zu machen! Der Pfad ist stellenweise so schmal und windet sich zwischen den Bäume hindurch und den Hang hinauf, dass man ihn kaum erkennt. Wahrhaft abenteuerlich! Ich durchquere ein trockenes, steiniges Flussbett, wo ich den Weg fast endgültig verliere, und denke alle fünf Minuten: Jetzt bin ich aber oben! Aber Pustecake. Dennoch gelange ich tatsächlich schneller als angegeben ans Ziel: Um zehn nach fünf erreiche ich schwer atmend eine Lichtung, und vor mir öffnet sich der Talkessel. In grünlichem Blau spiegelt der wildromantische See die umliegenden Berggipfel wieder, und ich werde wieder einmal von meiner Fotoleidenschaft gepackt. Ich bin hier oben ganz allein, es ist herrliches Wetter, der Himmel fast wolkenlos. Eigentlich ein ideales Plätzchen für eine Zeltnacht unterm Sternenhimmel. Ich stelle mir vor, wie es wäre, morgens vor solch einer Kulisse aus dem Zelt zu treten und die herrlich kühle Bergluft einzuatmen, umgeben von absoluter Stille… Solche Momente der Zweisamkeit mit der Natur muss man eigentlich nutzen. Ein andermal, sage ich mir, und kehre seufzend zu Lena  zurück.

Die Strecke bis zum Homer-Tunnel bietet weitere faszinierende Ansichten. Die Berglandschaft um uns herum wird zunehmend wilder und atemberaubender. Der enge Tunnel selber soll eine richtige Wetterscheide sein, und wir sind gespannt, was uns dort erwartet. Auf dieser Seite ist es herrlich, und auf der anderen… diesig. War ja klar. Bei unserem Glück!

Milford LodgeÜber mehr als einen Kilometer führt die schmale Straße in zahlreichen Serpentinen zum Fjord hinunter, den man aber von hier aus nicht einsehen kann. Schnell erreichen wir die Milford Lodge, wo sich auch unser reservierter Stellplatz befindet. Aber irgendwie hatten wir uns unter einer Lodge etwas anderes vorgestellt. Die Behausung kommt uns eher etwas behelfsmäßig vor; sie besteht aus einem Haupthaus mit einigen Schlafsälen und einer Art Café sowie zwei Anbauten mit den Waschräumen und weiteren Unterkünften. Wir sind froh, nicht in einem dieser Schlafräume übernachten zu müssen, denn die Fenster stehen weit offen, und schon beim Aussteigen stürzen sich Abermillionen der kleinen Plagegeister, auch Sandflies genannt, auf uns. Wir können uns ihrer kaum erwehren. Es steht zwar geschrieben, dass es hier am Fjord ganz schlimm sein soll mit diesen lästigen Insekten, aber man kann sich das so schlecht vorstellen. Bis man dann die Viecher nicht mehr los wird und beim Ein- und Aussteigen höllisch aufpassen muss, dass sie nicht ins heilige Innere unseres Rolling Home eindringen… Leider kann man das trotz aller Vorsicht nie ganz unterbinden. Sind halt klein und flink, die Bestien! Und manchmal scheint’s, als wollten sie einen auffressen! Das merken auch die Jugendlichen, die nur ein paar Minuten lang versuchen, auf dem Vorplatz der Lodge Frisbee zu spielen. Dann geben sie es entnervt auf…

Insgesamt acht Stellplätze für Wohnmobile gibt es hier, jeweils vier rund um einen Pfahl mit Stromanschlüssen herum angeordnet. Man muss halt irgendwie geschickt einparken, damit alle heran- und auch wieder wegfahren können.

Wir nutzen das restliche Tageslicht, um dem Fjord heute noch einen Besuch abzustatten. Es ist nicht mehr weit, nur ein paar Minuten, bis wir die hochtrabend Milford Sound Town heißende Ansammlung von wenigen Häuschen und einem Hotel erreichen. Hier ist nix mehr los. Kein Mensch ist zu sehen, so dass sich der atemberaubende Fjord in aller Stille vor uns ausbreiten kann. Selbst bei diesem Grau in Grau kann man seine Schönheit erahnen. Links und rechts ragen fast senkrecht die Felswände empor. Krampfhaft halten sich Bäume an den Hängen fest. Zahlreiche kahle Stellen deuten darauf hin, dass nicht alle Pflanzen dieses lange aushalten. Das Wasser ist etwas unruhig, obwohl keines der Ausflugsschiffe mehr unterwegs ist; alle ankern bewegungslos im nicht weit entfernten kleinen Hafen. Hoffentlich ist das Wetter morgen wieder etwas freundlicher hier unten…

Am nächsten Morgen klingelt das Handy um 7 Uhr und reißt uns aus unseren Träumen, denn bereits um 8 Uhr 30 werden wir von einem Kleinbus abgeholt. Bei der Buchung des Kajaktrips haben wir gleich angegeben, dass wir von hier mitgenommen werden wollen, denn eigentlich beginnt die Tour in Te Anau! Aber da wir ja bereits vor Ort sind, wäre alles andere Quatsch gewesen.

Die Wolken hängen tief an diesem Morgen; das war ja fast zu befürchten nach den gestrigen Eindrücken. Nahezu pünktlich biegt ein kleiner japanischer Minibus auf den Parkplatz der Milford Lodge ein. Der Fahrer, ein großgewachsener Blonder mit schulterlangem, welligem Haar begrüßt uns mit etwas mürrischer Miene und lässt uns zusteigen. Wir begrüßen die anderen Fahrgäste, die sich als neuseeländische Zwillingsschwestern, einem amerikanischen Pärchen und einem weiteren, jungen Tourbegleiter des Veranstalters herausstellen.

Einige Minuten später halten wir am Deepwater Basin. Hier gibt es einen flachen Strandabschnitt, der ideal ist für das Zuwasserlassen der Kajaks. Während der Blonde – ich hab seinen Namen gar nicht richtig verstanden und nenne ihn mal Bob – und sein junger Kollege Ted die Kajaks vorbereiten, dürfen wir anderen etwa 1000 Klamotten anziehen. Erst putzige Ganzkörperkleidung als Grundierung, dann unsere eigenen kurzen Hosen und T-Shirt oder Pulli, und schließlich die Schwimmwesten mit Triller-Pfeife und einer Snack-Notration. Zu guter Letzt stülpen wir uns wie Pommestüten aussehende Fleece-Mützen à la Lappland über den Kopf. Diese Kappen sind nicht als Kopfschmuck gedacht, sondern als Schutz vor Wind und Wetter, denn es kann sehr ungemütlich in dem Fjord werden, wie Bob uns mitteilt.

In dieser Montur bieten wir ein Bild für die Götter! Mit Paddel in der Hand posiere ich noch kurz wie ein einheimischer Krieger für das Fotoalbum, bevor wir uns ausgiebig mit Mückenschutz einreiben. Abermillionen der kleinen Monster sind nämlich ebenfalls schon früh am Morgen aktiv und attackieren uns während unserer Tourvorbereitungen ständig. Bob stellt uns in Aussicht, dass sich die Mückenplage auf dem Wasser relativieren wird. Dort sei es nicht mehr ganz so schlimm, versucht er uns zu trösten.

Endlich lassen wir die Kajaks zu Wasser. Lena und ich fahren wieder gemeinsam in einem Zweier; das hat ja im Abel Tasman Nationalpark auch ganz gut funktioniert. Ich sitze hinten und steuere das Bötchen durch die Wellen. Hey, bereits die ersten Schläge verheißen Spaß, aber wir merken sofort, dass das Boot anders ist als jenes, mit dem wir im Abel Tasman Nationalpark gefahren sind. Die ersten Meter sind noch etwas wackelig und unruhig, aber dann haben wir uns daran gewöhnt und ziehen gekonnt durch das Wasser. Die beiden Zwillinge geben ordentlich Gas und düsen vorneweg.

Bald treibt uns Bob zusammen, um uns Unterricht in „Wie klettere ich nach dem Kentern ins Boot zurück?“ zu erteilen. Hoffentlich müssen wir das Gelernte nicht gleich umsetzen; bisher sind wir ja ohne Kentern ausgekommen. Aber irgendwann ist ja bekanntlich immer das erste Mal. Und Bob teilt uns mit, dass wir während unserer Tour den Fjord einmal quer durchfahren werden, wobei das Kreuzen der Wellen und die vorbeifahrenden Ausflugsschiffe zum Problem werden können. Die Schiffe sind dann auch der Grund, warum man hier niemanden alleine mit dem Kajak fahren lässt, sondern nur geführte Touren anbietet.

Gemeinsam geht es zunächst am südlichen Rand des Fjords entland Richtung Westen. Es macht wieder enorm viel Spaß, und das Paddeln fällt uns richtig leicht. Meine Schultern schmerzen dieses mal nicht; anscheinend habe ich jetzt die richtige Technik.

Trotz des mäßigen Wetters – es ist diesig und die Sonne durchdringt die Wolkenschichten nicht, aber immerhin gibt es keinen Regen – bestaunen wir die steilen Fjordwände, die neben uns hoch aufragen. An einigen Stellen ergießen sich Sturzbäche in den Fjord, und Bob erzählt uns eine Menge über die hiesige Natur. Zum Beispiel, dass das eigentliche maritime Leben im Fjord erst in 5 Metern Tiefe beginnt, weil das Wasser darüber zu wenig salzhaltig ist. Das resultiert aus den hohen Niederschlägen, die für eine ständige Schicht Süßwasser auf dem Fjord sorgen. Oder dass die Bäume, die an den granitenen Felswänden wachsen, sich nur in kleinen Ritzen halten können und irgendwann hinunterstürzen, auf den Meeresboden sinken und dort zu Nahrung werden.

Mitre PeakNoch weit vor dem Mitre Peak, welcher mit 1692 Metern Höhe der größte Berg der Welt ist, der aus dem Wasser herausragt, bereitet uns Bob auf die Überquerung des Fjords vor. Er erklärt uns, wie wir unsere Kajaks in die Wellen hineindrehen und diese kreuzen können. Mittlerweile sind die Ausflugsboote ausgelaufen und tuckern in ausreichender Entfernung an uns vorbei. Mit leichtem Nervenkitzel, aber letztlich ohne Probleme erreichen wir die nördliche Fjordseite und landen auf einem kleinen Kieselstrand, um eine Pause einzulegen. Es gibt nicht viele Gelegenheiten im Fjord, um anzuhalten, und diese hier ist die einzige während unserer gesamten Tour. Beim Aussteigen zeige ich leichte Koordinierungsprobleme, verfange mich mit meinen Trekkingsandalen zwischen den großen Kieseln und falle auf den Allerwertesten.

Kaum haben wir es uns etwas gemütlich gemacht und unseren Mittags-Snack ausgepackt, stürzen sich erneut Unmengen kleiner Flugbestien auf uns und versuchen, uns bei lebendigem Leibe aufzufressen. Wieder schmieren wir uns mit dem schrecklichen, einheimischen Mückenmittel ein, dass wir im Visitor Centre von Punakaiki erstanden haben. Immerhin zeigt es eine Zeit lang Wirkung.

Auf dem Rückweg lernen wir auch noch die Fauna des Fjords kennen: einige gelangweilt auf Felsen dösende Robben sowie zwei kleine Rotaugenpinguine, die vor uns flüchten. Vorbei an den 160 Meter in die Tiefe stürzenden Bowen Falls erreichen wir wieder das Deepwater Basin, von dem aus wir gestartet sind. Lena  und ich haben uns noch mal so richtig ins Zeug gelegt und die Zwillinge hinter uns gelassen. Das hat richtig Spaß gemacht, und ich kam wir fast wie ein Profi vor. Auf den letzten Metern lassen wir es dann noch einmal ruhig angehen, und wir unterhalten uns noch etwas mit Bob, so von Boot zu Boot. Er zeigt ein ehrliches Interesse an unserer Herkunft und die Wiedervereinigung Deutschlands und erkundigt sich ausführlich, was wir denn in der Heimat so machen. Schließlich wünscht er uns ein gutes nächstes Jahrhundert. Mensch, der Junge ist ja richtig nett und aufgeschlossen, stellen wir dabei fest. Wo er uns zuerst so mürrisch und selbstverliebt vorgekommen ist…

Um halb drei ist die trotz des nicht perfekten Wetters sehr schöne Tour zu Ende, und nachdem unsere Mitstreiter uns an der Milford Lodge abgesetzt haben und sich auf die 119 Kilometer lange Fahrt nach Te Anau begeben, können wir uns schon eine ausführliche Dusche in den (natürlich getrennten) Waschräumen der Lodge gönnen. Anschließend brechen wir unsere Zelte, oder besser das Wohnmobil, ab und fahren noch einmal in den Fjord hinein, um in dem einzigen Café des winzigen Ortes noch eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen.

Es ist viertel vor fünf, und alles liegt wieder still und ausgestorben vor uns. Nur eine Handvoll Menschen sind noch hier, die Massen sind schon wieder weg; außer den Schiffen auf dem Wasser haben wir nichts von ihnen mitgekriegt! In dem leeren Selbstbedienungsrestaurant genehmigen wir uns Kaffee und Kuchen sowie eine kleine Tüte Chips(!), während in der Ferne das letzte Ausflugsschiff in den Hafen zurückkehrt. Der Hafen liegt etwa einen halben Kilometer Luftlinie entfernt auf der anderen Seite eines kleinen Seitenarms des Fjords, und so bekommen wir hier nicht viel von dem Geschehen dort mit.

Draußen stellen wir fasziniert fest, dass es hier eine reguläre Buslinie gibt, welche die vier Stationen Hafen, Hotel, Airport und Parkplatz anfährt. Zumindest Hotel und Parkplatz liegen aber so nahe beieinander, dass eine Fahrt mit dem Bus nun wirklich nicht lohnt. Aber wo um alles in der Welt ist der Flughafen…?

Schließlich machen wir uns auf den Weg und verlassen den Fjord. Schade, dass wir dieses Highlight Neuseelands nicht bei schönerem Wetter erlebt haben, aber da wir ja schon so viel Pech hatten, fällt das fast gar nicht mehr auf.

Bevor wir den Homer-Tunnel erreichen, legen wir noch einen Stop bei „The Chasm“ ein, einer kleinen Schlucht mit surrealen Felsformationen, ausgespült durch einen der hier zahlreich fließenden Bäche. Als wir den Homer-Tunnel erreichen, bietet sich uns ein faszinierendes Bild: Die umliegenden Gipfel sind von dichten Nebelschleiern verhangen. Wie Geister, die einem Gefängnis zu entfliehen versuchen, klettern die Wolken an den steilen, scheinbar endlos in die Höhe wachsenden Felswänden empor…

Als wir in der Ebene hinter dem Tunnel eine kurze Rast einlegen, gesellt sich sofort einer unserer neuen gefiederten Freunde zu uns. Während ich ein Foto der Umgebung mache, setzt sich ein Kea auf den Außenspiegel der Beifahrerseite und beobachtet Lena, die im Wohnmobil geblieben ist. Man könnte meinen, er lauere auf Beute und warte nur, bis Lena herauskommt… Vielleicht ist es dann aber doch meine Gegenwart, die ihn wieder vertreibt. Was für ein neugieriger Kerl!

Lake GunnWir passieren The Divide und suchen uns auf dem Campingplatz am Lake Gunn einen guten Stellplatz. Eigentlich ist es nur ein Rastplatz, eine freie Fläche am kieseligen Ufer des Sees, die man nach einigen Metern Fahrt durch den Wald erreicht. Kein Campingplatz mit Bewachung und Service und so… Aber dafür umso romantischer, wilder, aufregender. Endlich sind wir quasi Wild-Camper, und außer uns befindet sich nur noch ein weiteres Fahrzeug hier, ein Pkw, der von seinem Fahrer fast ins Gebüsch gesteuert wurde.

Es ist schön hier am See. Die Berge im Hintergrund bieten ein wundervolles Panorama für einen ruhigen Abend mit Nachos und Regen. Da wir hier leider keinen Strom haben, funktioniert die Mikrowelle nicht, und wir können die mexikanischen Chips nicht mit Käse überbacken. Dafür haben wir aber noch Guacamole und Salsa-Soße von „Aztec“ und „Craig’s Chili Beans“ (lecker!). Nach ein, zwei Flaschen von Speight’s Old Dark, einem Malt Ale, und einigen Partien Rummikub haben wir dann auch genügend Bettschwere, um den Abend abzuschließen.

Das erste, was wir am nächsten Morgen sehen, ist strömender Regen. Seufz. Eigentlich wollten wir noch ein Stückchen des Hollyford Tracks laufen, aber bei dem schäbigen Wetter packen wir lieber wieder die Rummikub-Steine aus und spielen nach dem Frühstück weiter. Eine richtige Spielsucht erfasst uns, bis wir dann um 11 Uhr beschließen, doch noch loszufahren. Um halb zwölf erreichen wir nach einigen Kilometern auf einer holprigen Seitenstraße der Milford Road den Anfangspunkt des Tracks: eine etwa zwanzig Meter lange Hängebrücke über den Hollyford River. Wir wollen bis zur Hidden Falls Lodge wandern und dann zurückkehren; ein etwa vierstündiger Marsch. Mit wetterfester Ausrüstung, Fototasche, Stativ und Snacks marschieren wir dann auf dem gut markierten und ausgebauten Weg, immer den Fluss entlang. Ein richtiger Urwald, aber von anderer Art als diejenigen im Abel Tasman oder Paparoa Nationalpark umgibt uns. Überall ist es feucht, und der ruhig dahinfließende Fluss leuchtet stellenweise in herrlichem Blau und Grün. Weit hinter dem gegenüberliegenden Ufer ragen im Dunst des Nieselregens die Berge Fjordlands in die Höhe. An manchen Stellen führt der Weg über Holzbohlen, die an einer Felswand angebracht wurden; ein etwas heikles Stück des Weges, zumal teilweise repariert werden müsste…

Irgendwann erreichen wir die tatsächlich recht versteckt liegenden Wasserfälle, und da alles ringsum rutschig und matschig ist, komme ich nicht einmal an eine gute Stelle für ein vernünftiges Foto. Nachdem wir eine weitere Hängebrücke überquert haben, erreichen wir die Lodge, wo wir uns ein Mittagessen zubereiten wollen. Schließlich brauchen wir bei dem erneut einsetzenden Nieselregen ein Dach über den Kopf, um im Trockenen kochen zu können.

Die Hütte sieht richtig heruntergekommen aus. Innen riecht es muffig, und die zur Verfügung stehenden, reichlich angefressen wirkenden Schlafplätze würden wir nie verwenden wollen. Da ist Zelten auf jeden Fall besser!

Wir sind nicht alleine hier. Ein wortkarger Eremit, etwa Mitte dreißig, mit Vollbart und zerschlissenen Schuhen hat Feuer gemacht und brutzelt sich irgendwas. Irgendwie fühlen wir uns nicht animiert, ein Gespräch mit ihm anzufangen, und so beginnen wir unsere Nudeln zu kochen. Der Primus-Gaskocher will irgendwie nicht so recht Funken werfen und das Gas entfachen. Auf dem Herd neben dem Öhi sehe ich einen Stapel Streichholzpäckchen, stehe auf und greife mir eines davon. Den Seitenblick des putzigen Kerls bemerke ich kaum. Mit den Hölzchen kriege ich das Gas dann problemlos zum Brennen. Plötzlich stellt Lena in den Raum, ob die Hölzer denn nicht vielleicht dem Bärtigen gehören, und ich stutze. Artig frage ich diesen dann und entschuldige mich, aber er winkt höflich ab. Na sowas; ist doch eigentlich gar nicht meine Art – ich hab einfach gedacht, die Streichhölzer gehören zur Hütteneinrichtung…

Bei den Nudeln handelt es sich wieder um solche, die in Milchsuppe zubereitet werden müssen. Doch entsetzt registrieren wir, dass wir keine Milch dabei haben. Und müssen zähneknirschend feststellen, dass nur mit Wasser zubereitet diese Fertigmahlzeit überhaupt nicht gut schmeckt…

Der Hinweg zur Hütte kam uns recht lang vor, länger als in der Literatur beschrieben, doch ich habe ja auch mal wieder so einige Fotos gemacht. Zurück sind wir schneller und erreichen um 18 Uhr 15 unser Wohnmobil. Auf dem Rückweg zum Campingplatz am Lake Gunn halten wir kurz am Parkplatz von „The Divide“, dem Startpunkt des Routeburn und des Greenstone Tracks, von dem man auch den „Key Summit“ beginnt. Ich studiere etwas die ausgehängten Karten in dem Holzunterstand, der wohl eine Bushaltestelle darstellen soll, werde aber nicht schlauer. Einige Leute machen sich an den Aufstieg, und da man Deutsche schon von weitem erkennt, komme ich sofort mit einem jungen Wanderer ins Gespräch, der mit seiner Freundin den Routeburn-Track begehen will. Er gesteht mir, dass er nicht der Aussicht wegen wandert, sondern wegen der Qual… Die arme Freundin – ob die weiß, worauf sie sich einlässt…?!

Den Abend verbringen wir dann erneut am Lake Gunn. Morgen will ich den Key Summit bestreiten, der einen fantastischen Blick über das Hollyford Valley bieten soll, und so hoffe ich inständig auf besseres Wetter. Wir sind ja eh nur noch ein paar Tage in diesem schönen, aber feuchten Land…

Der erste morgendliche Blick nach draußen lässt gleich hoffen. Als ich die Vorhänge beiseite schiebe, sehe ich über dem See und den Bergen wunderbar blauen Himmel, doch als ich aus den restlichen Fenstern schaue, entdecke ich wieder Wolken und trübsinniges Grau direkt über uns. Also spielen wir das gleiche Spiel wie gestern und warten bei einigen weiteren Runden Rummikub, bis das Wetter sich um kurz vor elf gebessert hat. Dann heißt es: Nix wie los, und nach ein paar Minuten erreichen wir den schon bekannten Parkplatz. Lena hat nicht so recht Lust auf den nicht ganz leichten Marsch, der hin und zurück etwa drei Stunden in Anspruch nimmt, und bleibt mit ihrer Lektüre als Bewachung im Wohnmobil zurück. Ich schnappe mir mein wichtigstes Utensil – meine Fototasche – und stapfe los.

Es geht nur aufwärts. Allerdings ist der Weg gut ausgebaut, teilweise geteert und überaus gut begehbar. Es geht aber eben nur nach oben. Nun, ich wollte es so. Bisher ist noch jede Plackerei belohnt worden. Ich bin nicht alleine unterwegs hier, und entgegen meiner Gewohnheit überhole ich sogar ein paar Wanderer, die allerdings mit schwerem Gepäck gehandicapt sind. Mit gewichtigem Rucksack wäre ich sicherlich noch langsamer als diese Gruppe vorangekommen. Mit Respekt marschiere ich an einer Oma vorbei, die sich ebenfalls an den Aufstieg gemacht hat. Wenn ich das in dem Alter noch kann, dann wäre ich zufrieden.

Ich komme ganz gut voran, und nach 45 Minuten erreiche eine Abzweigung. Geradeaus führt der Routeburn Track in die Bergwelt hinein, und eine magische Hand zieht mich in diese Richtung. Eigentlich würde ich gerne weitermarschieren, vier Tage durch die Wildnis, nur mit Zelt, Fotoausrüstung und Milchnudeln. Und Lena. Tja, und die sitzt unten am Fuß des Berges. Also nehme ich den Pfad nach rechts, einen schmalen Weg, der richtig steil zum Gipfel hochführt. Hier werde ich zum Angriffsobjekt für den heftigen Wind, der über die Flanken zieht und Wolken mitbringt. Hoffentlich bleibt es wenigstens trocken, denke ich mir.

Nach einigen anstrengenden Minuten erreiche ich das Gipfelplateau. Der Blick in die Ferne ist überwältigend, und hätte es das Wetter besser mit mir gemeint, hätte ich mich sicherlich erst einmal hingehockt und gestaunt. Vor mir Richtung Norden erstreckt sich das weite Tal des Hollyford River, vor 14000 Jahren von einem Gletscher geformt. Wäre er noch da, so stünde ich 500 Meter unter(!) seiner Oberfläche. Kaum vorstellbar. Links vor mir, also Richtung Westen, ragen die Darran Mountains in die Höhe, und in ihrer Mitte erkenne ich eine glitzernde Fläche. Plötzlich reiße ich die Augen auf, als ich erkenne, dass es sich dabei um den Lake Marian handelt, der in jenem hängenden Tal liegt. Wahnsinn! Da bin ich gewesen! Und von hier aus kann ich direkt in das Tal hineinsehen. Es ist einfach atemberaubend!

Langsam konzentriere ich mich wieder auf meine nähere Umgebung. Auf dem Hochplateau ist ein schöner Nature Walk angelegt, und zahlreiche Erläuterungstafeln beschreiben die alpine Vegetation, die man hier oben bewundern kann. Als ich mit Fotografieren beginne, fordern mich drei am Wegesrand sitzende Frauen mittleren Alters auf, sie ebenfalls abzulichten. Seien ja auch Blümchen…

Trotz der wieder trüber werdenden Licht- und Wetterverhältnisse genieße ich den Aufenthalt in dieser Höhe, bevor ich mich an den Abstieg mache. Gegen zwei Uhr erreiche ich dann den Parkplatz, auf dem gerade eine Busladung Touristen abgeladen wurde. Und sofort erkenne ich einige Exemplare dieser Gesellschaft wieder. Es ist eine der Gruppen, die wir im Mt. Aspiring Nationalpark getroffen haben. Die Welt ist klein…

Lena freut sich über meine Rückkehr, schließlich hat sie bald nichts mehr zum Lesen. Frohen Mutes jagen wir dann mit dem Campervan über die Milford Road nach Te Anau, wo wir erst einmal ein paar Einkäufe tätigen und uns mit leckerem Kuchen stärken. Schließlich geht es auf die letzte Etappe des heutigen Tages nach Queenstown zurück, wo wir auf dem nächstbesten Campingplatz übernachten wollen. Wir sind mit unserem Fahrzeug nicht die schnellsten auf der Strecke, obwohl ich längst nicht mehr so schonend und zögerlich fahre wie zu Anfang. Drei große Reisebusse ziehen locker an uns vorbei, bevor wir den Kawarau Falls Campground vor den Toren von Queenstown erreichen. Er liegt idyllisch am Wakatipu-See, und wir quartieren uns für die Nacht ein. Auch hier kann man noch Spuren des Hochwassers erkennen.

Das Abendessen müssen wir uns erst hart verdienen. Zunächst bringe ich meine Nase mit den wohlriechenden Düften beim Dumpen wieder zum Verzweifeln, und anschließend ist noch große Wäsche angesagt. Irgendwie werden die Klamotten aber selbst im Trockner nicht so richtig trocken. Bestimmt haben wir zu viel auf einmal reingeschmissen. Wir breiten einige Kleidungsstücke im Wohnmobil aus, damit sie sich über Nacht von ihrer klammen Feuchtigkeit trennen können, und konzentrieren uns anschließend auf einen kulinarischen Genuss der besonderen Art: Es gibt „Creamy Tandoori Chicken“ von „Roselli“. Natürlich wieder Fertigessen, aber echt lecker! Ja, diese Aromastoffe… Das stärkt mich derart, dass ich anschließend ein Rummikub-Spiel nach dem anderen gewinne.

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