Mt. Aspiring National Park

Action und Spaß im Zentrum der Südinsel

Unser nächstes Ziel ist die Gegend von Queenstown, dem „St. Moritz“ Neuseelands. Glücklicherweise erfuhren wir in Punakaki, dass sich die Hochwassersituation dort normalisiert hat, und dass die Straßen frei sind. Es muss dort schlimm gewesen sein; in einer Zeitung haben wir einmal ein Bild von einem Kajakfahrer gesehen, wie er durch eine Einkaufspassage paddelt…

Queenstown ist berühmt für die vielfältigen Möglichkeiten der touristischen Zerstreuung von Bungee Jumping über Paragliding bis zum Jet-Boat-Fahren. Letzteres wollen wir auch unbedingt ausprobieren. Diese Spezialboote scheinen interessant zu sein.

Highway 6Zunächst jedoch führt uns der Highway 6 am streckenweise sehr windigen und staubigen Flussbett des wenig Wasser führenden Haast River entlang. Wir entdecken sogar eine Windhose und bewundern den Wirbel. Die Strecke ist aber nichtsdestotrotz sehr schön und bietet herrliche Blicke auf die Berge der Southern Alps und des Mt. Aspiring Nationalparks, an dessen nördlichen Rand sie entlang führt. Nach etlichen Kilometern knickt der Highway nach Süden ab, direkt in den Nationalpark hinein. Plötzlich sind drei bis vier Touristenbusse um uns herum, und Dutzende Touristen – vor allem Deutsche! – marschieren auch zu den Wasserfällen, die wir uns anschauen. Das ist einfach zu viel. Wir fahren bald weiter zu den Gates of Haast, den berühmten Stromschnellen, die wir aber nicht so eindrucksvoll finden, und überqueren den Haast Pass. Hier geraten wir in eine wunderbare Bergwelt, und da es noch ein langer Weg bis nach Wanaka ist, legen wir einen Snack-Stop auf einem idyllisch am Makaroa River gelegenen Campingplatz ein, der einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge bietet. Die Luft ist großartig, und das Wetter spielt weiterhin mit! Toll hier.

Tipps

  • Schauen Sie sich etwas genauer im Mt. Aspiring National Park um! Ich werde es beim nächsten Besuch in Neuseeland auf jeden Fall tun.
  • Fahren Sie auf den Gipfel des Ben Lomond und amüsieren Sie sich während einiger Fahrten mit der Luge! Das ist lustig! Und anschließend eine Runde Minigolf am Fusse des Berges! Für die ganz Tollkühnen muss ein Paraglider-Flug oder ein Bungee-Sprung von diesem Berg aus großartig sein.
  • Jet-Boat-Fahren im Shotover Canyon macht Spaß, ist dann aber doch wenig für’s Geld. Ich würde beim nächsten mal eine Jet-Boat-Tour in den Mt. Aspiring National Park hinein machen!
  • Nehmen Sie eine Auszeit im Botanischen Garten, den Queenstown Gardens, und schauen Sie sich von dort den Sonnenuntergang über dem Lake Wakatipu an. Anschließend ein Ale im nahen Pig&Whistle-Pub; – herrlich!

Weiter geht’s, vorbei an saftigen grünen Berghängen, auf denen zahlreiche Schafe und Rinder weiden, und als wir den Lake Wanaka erreichen, der durch sein Hochwasser für die Überschwemmungen verantwortlich sein soll, finden wir immer noch im Wasser stehende Bäume vor. Stellenweise ist die Straße am Ufer abgerutscht und wird repariert. Wir überqueren einen kleinen Pass und geraten auf die hübsche Uferstraße des benachbarten Lake Hawea, bis wir wieder an den Lake Wanaka gelangen, der übrigens der größte See der Südinsel ist, und in den Ort Wanaka hineinfahren. Es ist bereits viertel vor fünf nachmittags, und wir erreichen das Visitor Centre kurz bevor es schließt. Man teilt uns hier mit, dass wegen des Hochwassers in dieser Gegend alle Jet Boat-Fahrten eingestellt wurden. Vielleicht würden wir direkt in Queenstown mehr Glück haben.

Wir nehmen nicht die direkte, kurze Strecke nach Queenstown, sondern die besser ausgebaute über Cromwell. Allerdings führt sie zunächst durch eine staubtrockene, ausgedörrte und trostlose Landschaft. Kaum zu glauben, dass unweit von hier alle unter Wassermassen gelitten haben…

Lake DunstanBald erreicht die Straße den Lake Dunstan, und an seinem südlichen Ende finden wir zahlreiche Obstgärten und Verkaufsstände, sogar richtige Hallen, bei denen wir auch endlich wieder auf Touristenbusse treffen. Anscheinend gehört für viele ein Stop bei den Obstplantagen dieser Region zum Programm. Wir halten jedoch nicht, und in der engen, aber schönen Kawarau-Schlucht finden wir uns plötzlich zwischen zahlreichen Bussen und Lkws wieder. Die Schlucht ist tief und die Straße zum Teil sehr schmal. An einigen Stellen wird sie gerade ausgebessert. An Weinbergen vorbei gelangen wir schließlich nach Queenstown mit seinen zahlreichen kleinen Vororten. Über eine windige Brücke fahren wir in die lebendige Stadt hinein, die für neuseeländische Verhältnisse schon recht groß zu sein scheint. Wir haben keine Ahnung, wo wir jetzt einen Stellplatz für die Nacht finden, und so halte ich erst einmal an einer Tankstelle mitten in der Stadt, fülle Kraftstoff nach (ja, Diesel!) und kaufe einen Stadtplan. Wir entscheiden uns dann für einen Campingplatz, der etwas oberhalb des Stadtzentrums am Hang von Queenstowns Hausberg Ben Lomond liegt.

Nachdem ich etwas habe warten müssen, da die Rezeption auch Buchungsstelle für Ausflüge und Unternehmungen aller Art ist, bezahle ich 22 Dollar für einen schönen Stellplatz mit Blick über die Stadt. Ansonsten ist es auf dem Campingplatz ziemlich beengt und voll. Den Abend verbringen wir vor Ort und gönnen uns eine leckere Portion Tandoori mit Pappadums und Wein. Schnell besorge ich noch etwas Informationsmaterial über Jet-Boat-Fahrten, das wir anschließend durchsehen. Für welche Tour sollen wir uns nur entscheiden? Es gibt Dutzende…

Am nächsten Morgen buchen wir eine Fahrt auf dem Shotover River, wo es mit atemberaubender Geschwindigkeit durch enge Schluchten gehen soll. Für diese Tour brauchen die Fahrer eine spezielle Lizenz, weil sie so schwierig ist… Bevor wir uns gegen 16 Uhr diesem todesmutigen Abenteuer stellen, schauen wir uns aber noch in Queenstown um. Einen kurzen Fußmarsch vom Campground entfernt liegt die Talstation der Bergbahn, mit der wir hoch zum Gipfel des Ben Lomond fahren, vorbei an einem Bungee-Sprungturm, der aus der Felswand ragt. Oben angekommen gewinnen wir einen Eindruck davon, was für ein Wahnsinnsgefühl das sein muss, von diesem Turm abzuspringen, den wunderschön, aber neunhundert Meter tiefer gelegenen Lake Wakatipu und die kleine Stadt unter sich… Verrückt.

Lake WakatipuEine wirklich herrliche Aussicht hat man von hier oben. Das blaue Band des schmalen Sees windet sich zwischen den Bergen hindurch, die Queenstown umgeben. Im Hintergrund ragen die ihrem Namen alle Ehre machenden „Remarkables“ in die Höhe. Plötzlich rauscht es über unseren Köpfen: Gleitschirmflieger stürzen sich von einer Plattform in die Tiefe. Zahlreiche Schirme schweben plötzlich in der Luft, hoch über dem Tal, und ein schriller Schrei löst sich bei einer huckepack mitfliegenden jungen Frau. Hinter uns ertönt eine Stimme, und ein junger Mann mit einem gigantischen Rucksack vor den Füßen fragt uns, ob wir nicht auch mitfliegen wollen. Aber wir lehnen dankend ab. Dabei hat Lena doch immer davon geschwärmt, auch mal mit so einem Ding durch die Luft segeln zu wollen…

Eine andere Attraktion lockt uns hier oben: die Luge, eine putzige Rodelbahn mit zwei Spuren: eine für Anfänger und eine für Profis, die schon etwas aufregender aussieht: kurvenreicher und steiler. Bei unserer ersten Fahrt müssen wir, wohl aus Sicherheitsgründen, die Einsteigerbahn nehmen. Wir amüsieren uns königlich: Total albern sehen wir aus mit den merkwürdigen Helmen, und die Strecke ist schnell geschafft. Wir brauchen doch etwas mehr Nervenkitzel und stürzen uns daraufhin gleich noch zweimal die Profistrecke hinunter. Das macht gleich viel mehr Spaß, und ich gerate in einen kleinen Geschwindigkeitsrausch. Unten angelangt, müssen wir unweigerlich schmunzeln, als wir sehen, wie sich eine japanische Gruppe abmüht, um vorwärts zu kommen. Denn das Lenk- und Bremssystem ist gar nicht so unkompliziert: Drückt man den Lenker nach vorne, so ist das, als wenn man die Handbremse anzieht. Zieht man den Lenker zu sich heran, so bremst man zusehends. Eine gelungene Mittelstellung sorgt hingegen für eine rasante Abfahrt. Damit haben unsere asiatischen Freunde ernste Probleme, und sie blockieren die ganze Anfängerstrecke. Aber sie nehmen das mit Humor und lachen sich dabei schlapp.

Nachdem wir uns einen kleinen Snack gegönnt und uns etwas in dem Souvenirshop umgesehen haben, fahren wir wieder hinunter ins Tal. Auf dem Weg haben wir eine interessante Minigolfanlage gesehen, die wir sofort aufsuchen, aber hier will man nur Cash. Da wir nur noch 5 Dollar in der Tasche haben, gehen wir direkt weiter in den Ort hinein, um uns dort etwas umzusehen und die Bargeldvorräte aufzufrischen.

Die Innenstadt ist z.T. recht hübsch. Überraschend wenige Souvenirshops wetteifern mit unzähligen Büros, in denen man Ausflüge und Aktivitäten buchen kann, und buhlen um die Kunden. Restaurants aller Art vom Chinesen bis zum unvermeidlichen McDonalds säumen die Straßen. Eine kleine Fußgängerzone zieht sich fast bis zum See hinunter. An ihrem Ende entdecken wir die Spuren, die das Hochwasser hinterlassen hat. Einige Straßen sind abgesperrt und mit Gerümpel übersät. Die Erdgeschosse der Häuser sehen regelrecht verwüstet aus, und überall wird repariert. Im Hafen erkennen wir, dass der Lake Wakatipu immer noch Hochwasser führt; ein Holzsteg führt etwa eine Handbreit unter der Wasseroberfläche vom Ufer weg.

Vom Visitor Centre sind wir etwas enttäuscht. Wir fragen nach Wanderungen im Fjordland Nationalpark, die auch für Tagesausflüge geeignet sind, aber man nennt uns lediglich den Kepler-Track und „The Divide“, die man ohne Vorausbuchung begehen kann. Anschließend genießen wir am Seeufer bei schönem Sonnenschein riesige Muffins und einen leckeren Kaffee. Leider werden wir von Enten und anderen Vögeln gierig beäugt, und weil wir ihnen nichts abgeben, werde ich im Vorbeiflug auf dem Rücken beschissen…

Um 16 Uhr warten wir vor „The Station“, dem Sammelplatz für den Jet-Boat-Ausflug. Niemand sonst erscheint, und gerade als wir hineingehen wollen, um dort nachzufragen, werden wir auch schon hereingeholt. Wir hätten drinnen warten sollen! Immer diese Missverständnisse…

Shotover CanyonZusammen mit einigen anderen Abenteuerlustigen werden wir mit einem nicht mehr ganz jungen Bus zum 15 Fahrminuten entfernten Shotover Canyon gekarrt. Hier finden wir als Basiscamp ein kleines Gebäude vor, das etwas oberhalb des idyllisch dahinfließenden Shotover Rivers liegt. Links davon türmen sich die Felswände zum berühmten Shotover Canyon auf. Unten am Wasser geht dann alles ganz schnell. Kaum dort angelangt, dürfen wir uns lange, wasserdichte Kittel und Schwimmwesten anlegen. Plötzlich ertönt ohrenbetäubender Lärm aus dem Canyon, und eines der Jet-Boote rauscht heran. Wie ein Pfeil schießt es über die Wasseroberfläche, hüpft dabei leicht auf und ab. Kurz vor dem Bootsanleger dreht es aus voller Fahrt um 360 Grad, und einige von uns erleben die Flussfeuchtigkeit jetzt schon am eigenen Leibe! Das wird bestimmt ein Spaß!

Als wir einsteigen, meint Lena, der Blondschopf am Lenker erinnere sie an einen Schauspieler. Jedenfalls scheint das ein ganz lustiger Naturbursche zu sein. Zwölf Personen passen in das rote Boot, und ich sitze hinten links in der Ecke. Gleich bei der ersten 360-Grad-Drehung, die uns dann nach rasender Fahrt zuteil wird, spüre ich den Nachteil dieses Sitzplatzes: Während der Drehung bleibe ich trocken, aber in dem Moment, wo das Boot zur Ruhe kommt, stürzen die Wassermassen auf mich ein. Nach mehreren Rotationen läuft mir das Nass bis in den Nacken und den Rücken herunter, und ich bin froh, als der Fahrer die Drehung endlich einmal anders herum ausführt. So lustig find ich das dann auch nicht mehr. Aber die rasante Fahrt durch den Canyon ist wiederum ganz aufregend. Nur eine Handbreit trennt uns bei aberwitziger Geschwindigkeit von den Felswänden, und ohne das Können des Lenkers würden wir gnadenlos zerschellen… Alles in allem ist das ganze aber dann doch eher etwas enttäuschend. Zwischen den Sprints und Drehungen, die sich dann einfach nur wiederholen, werden kleinere Smalltalk-Pausen in ruhigerem Gewässer eingelegt, und bereits nach 25 Minuten ist der Spaß vorbei. Etwas durchgeweicht entledigen wir uns der Schutzbekleidung, die ihrem Ruf nicht so ganz gerecht wurde, und holen uns im Shop die Fotos ab, die man von uns geschossen hat. Natürlich sind die nicht umsonst, sondern ein lukratives Nebengeschäft: 20 Dollar löhnen wir für zwei Bilder, aber immerhin sind es einmalige Dokumente… Die Tour selber hat auch schon siebzig Dollar pro Person gekostet; also kein ganz billiger Spaß, das ganze! T-Shirts und andere Andenken kann man hier auch noch erstehen, aber das geht uns dann doch zu weit. Die müssen sich hier dumm und dusselig verdienen…!

Zurück in Queenstown gehen wir dann der etwas gemütlicheren Beschäftigung nach, die uns am Mittag entgangen war: Minigolf. Eine wirklich hübsche Anlage mit liebevoll gestalteten Kunstrasenbahnen nötigt uns unser ganzen Können ab. Die Tatsache, dass ich jahrelang aktiv in einem Bahnengolfverein gespielt habe, macht sich doch bemerkbar, und ich zocke Lena ab…

Anschließend gönnen wir uns im einladend wirkenden Pig&Whistle-Pub ein Dark Beer, das uns gut mundet, bevor der Hunger im Wonton-Noodle-Restaurant gestillt wird. Gott, sind die Singapur-Nudeln scharf! Das muss die Original-Version sein, nicht die lasche europäische… Nachdem ich von Lenas Hühnchen mit Cashew-Nüssen gekostet habe, kehren mein Gaumen und die Geschmacksnerven zu den Lebenden zurück.

Pappsatt begeben wir uns zu einem Verdauungsspaziergang in die wunderschönen Queenstown Gardens, dem Botanischen Garten der Stadt. Ein hübscher See mit vielen interessanten und ungewöhnlichen Bäumen wie dem Monkey-Puzzle-Tree drum herum bietet Idylle zum Entspannen. Der Park wird durch einen schmalen Seitenarm des Lake Wakatipu vom Zentrum Queenstowns getrennt, und als die Sonne sich langsam dem Horizont nähert und dabei auf wundersame Weise immer weiter nach links wandert, setzen wir uns an das steinige Ufer, um diese Augenblicke zu genießen. Ich kann das natürlich nicht, ohne Fotos von diesem atemberaubenden Anblick zu machen, und Lena kramt wieder ein Buch hervor… Aber es ist wirklich herrlich hier. Gegenüber in der Stadt beginnen die Lichter anzugehen, und ein dünnes Band aus Leuchtpunkten übersät das Ufer.

Auf dem Rückweg in die Stadt sehen wir, dass der Uferweg mit viel Treibholz verschüttet ist, ein weiteres Überbleibsel des Jahrhundert-Hochwassers. Anscheinend haben wir wirklich eine außergewöhnliche Zeit hier erwischt: In Rotorua tagelang Regen wie seit Jahren nicht mehr, und hier im Süden sogar Überschwemmungen. Wäre gar nicht nötig gewesen, diese Ehre…

Das schlimmste hier ist aber Gott sei dank vorbei. Obwohl in der Presse anscheinend immer noch in der Art berichtet wird, als herrschten hier katastrophale Bedingungen. Jedenfalls hat sich die Frau im Kiosk der Minigolfanlage darüber beschwert. Die ganzen Touristen bleiben weg, klagte sie. Aber wenigstens wir sind da…!

Den Abend beenden wir mit einem weiteren leckeren Bier im schon bekannten Pig&Whistle-Pub, das wir an der frischen Luft zu uns nehmen. Irgendwann wird es uns dann aber zu frisch, und wir erklimmen die Steigung zum Campground und die Stufen in unser mobiles Heim. Das war wirklich ein ereignisreicher Tag heute…

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