Zum Abschluss nicht mehr als ein Pub und die Antarktis?

Am nächsten Morgen haben wir wieder schönes Wetter. Das wechselt hier tatsächlich sehr schnell! Da wir morgen leider schon wieder nach Deutschland zurückfliegen, bitte ich das Mädchen an der Rezeption des Campgrounds, für uns den Rückflug zu bestätigen. Wir erfahren, dass der Flug schon etwas früher geht: bereits um zwanzig vor neun abends.

Bei diesem Sonnenschein bekomme ich die berühmte Kirche am See bestimmt gut aufs Bild, denke ich mir, und wir fahren noch einmal dort hin. Leider sind wieder viel zu viel Leute dort. Allerdings bieten die vielen bunten Lupinen unterhalb der Kirche mit dem See im Hintergrund ebenfalls ein schönes Bild! Besonders, wenn ich Lena mitten rein setze…

Die Gegend bis Christchurch ist nicht besonders aufregend. Nur einige Kleinigkeiten erregen unsere Aufmerksamkeit, etwa der „Shoe Fence“ bei Fairlie: An einem Zaun direkt an der Straße hängen hier über etwa zwei Dutzend Meter dicht gedrängt Hunderte von Schuhen verschiedenster Art…! Ein seltsames Kunstwerk.

Wir merken, dass wir uns einer Großstadt nähern, denn die Orte werden zunehmend größer und der Verkehr dichter. In Ashburton entdecken wir endlich einen KFC. Wir wollten schon immer mal einen Burger bei „Kentucky Fried Chicken“ probieren, sind aber hinterher eher enttäuscht.

ChristchurchChristchurch selber ist tatsächlich eine richtige Großstadt, in der es schon ein kleines Abenteuer ist, mit einem Wohnmobil herumzukurven. Aber ich habe jetzt genug Erfahrung mit dem Ding, dass das alles kein Problem ist. Ein Problem für uns ist es allerdings, den zentralen Campingplatz zu finden, den wir uns ausgesucht haben. Nachdem wir einige Straßenzüge kennen gelernt haben, erreichen wir endlich den wunderschön angelegten „Holiday Park Meadow“, der eine Menge bietet. Auch ein Spa, das wir endlich einmal ausprobieren wollen. Hier kann man den Whirlpool halbstundenweise anmieten, und ich reserviere ihn für uns um halb neun heute abend.

Hier auf dem Campground steppt der Bär, stellen wir schnell fest. Zahlreiche Schulklassen scheinen ebenfalls vor Ort zu sein, und der Lärmpegel ist dementsprechend. Wir entschließen uns, dem Zentrum von Christchurch einen Besuch abzustatten, und begeben uns zur nahegelegenen Bushaltestelle. Um halb drei steigen wir ein, und ich frage nach dem Preis für zwei Rückfahrkarten. Der Fahrer antwortet nuschelnd, und ich verstehe kein Wort. „Sorry, I don’t understand“, entgegne ich ihm, und er wiederholt sein Nuscheln. Es ist mir ja unangenehm, aber ich hab keine Ahnung, was er mir da sagen will, und wiederhole mit einem entschuldigenden Lächeln meinen eben genannten Spruch. Mit einem auffallenden Seufzer atmet der Busfahrer hörbar durch und spricht dann plötzlich ganz klar und deutlich. Sie kosten 3 Dollar 60, aber eigentlich gebe es keine. Nun verstehe ich wieder nichts… Also nehmen wir zwei Einwegkarten und setzen uns irritiert hin.

Tipps

  • Der Holiday Park Meadow ist ein schöner Campground in Christchurch, der eine Menge bietet. Nutzt den Whirlpool!
  • Ein Päuschen im Botanischen Garten von Christchurch ist angenehm. Probiert doch mal das Punting aus!
  • Der Pub „Dux de Lux“ ist mehr seiner Biere als des Essens wegen interessant!
  • Das Antarktis-Zentrum in Christchurch ist sehenswert! Nehmen Sie sich Zeit dafür!
  • Wenn Sie beim Aufräumen des Wohnmobils Dinge finden, die man noch verwerten kann, wie Reinigungsmittel, noch nicht angebrochene Konserven oder dergleichen, werfen Sie sie nicht weg, sondern versuchen sie, sie bei der Wohnmobilrückgabe an einen gerade angekommenen Urlauber weiterzureichen!

Ich versuche, unsere Fahrtroute auf dem Stadtplan zu verfolgen, und irgendwann in der Nähe des Zentrums steigen wir aus. Viel Aufregendes entdecken wir nicht, das Netteste sind noch ein paar Cafés und Pubs, aber die Gebäude und Läden sind eher unansehnlich. Irgendwie gefällt uns die Stadt nicht. Irgendwo in einem nicht sehr schönen Café trinken wir einen Latte, einfach, um mal Pause zu machen und den Durst zu löschen. Auf dem Weg zum Botanischen Garten entdecken wir die gigantische Weihnachtsdekoration in der Stadt: An einem Baum hängen überdimensionale Geschenke – das ist alles. Der Garten selber ist allerdings sehr schön. Ein kleiner Fluss schlängelt sich hindurch, auf dem die Besucher „Punting“, auf deutsch „Staken“ genießen können: Ähnlich wie in einer venezianischen Gondola treibt der Bootsführer das Gefährt langsam mit einer Stange über das Wasser, während die romantisch veranlagten Passagiere die Umgebung oder einander auf sich wirken lassen…

Von einer gemütlichen Parkbank aus beobachten wir das Treiben um uns herum ein wenig, z.B. auch den indischen Vater mit seinen Söhnen, die sich im Kajakfahren versuchen. Einer der Jungen hackt dabei immer hektisch mit dem Paddel ins Wasser und bringt das Boot doch nicht voran…

Dux de LuxWir kehren ins Zentrum zurück und erkundigen uns in einem Informationsbüro nach dem Pub „Dux de Lux“, der in einem Reiseführer als besuchenswert genannt wird. Den Namen spreche ich automatisch französisch aus, aber die Frau auf der anderen Seite des Tresens korrigiert mich lächelnd, als ob sie das schon öfters so erlebt hat. „Dax de Lax“ wird der Name des Pubs ausgesprochen, der nicht zuletzt aufgrund der verschiedenen selbstgebrauten Biere, von denen wir natürlich auch probieren wollen, empfohlen wird. Hunger haben wir auch, also ein idealer Ort für den letzten Abend in dem Land der langen weißen Wolke!

Das schöne Wetter hat sich gehalten, und so finden wir den Pub richtiggehend belagert vor. Die Tische und Bänke auf dem Vorplatz sind ziemlich bevölkert, aber irgendwo finden wir ein freies Plätzchen. Viele Asiaten sind wieder darunter. Für die ist es ja auch nicht so weit bis nach Neuseeland. Das Bier bestelle ich an der Bar. Hier muss man aufpassen, denn der Pub hat zwei Eingänge: einen zum Restaurant und einen zur Bar mit dem vielen Bier. Ein junger Asiate, der seine Volljährigkeit nicht durch das Vorzeigen eines Ausweises beweisen kann, bekommt keinen Gerstensaft kredenzt, ich hingegen darf sogar zwei Sorten probieren, weil ich noch nicht weiß, was ich nehmen will. Toller Service! Alleine die Namen der Biere sind schon witzig. Schließlich nehme ich je ein Glas von dem „Blue Duck Draught“ und von dem „Black Shag“, welches ein „Chocolate Dark Ale“ ist…

Zum Essen gehen wir dann doch ins Restaurant, wo wir ebenfalls an der dortigen Bar ordern müssen. Die Mexikanische Platte für 2 Personen, die wir verzehren, ist meines Erachtens zwar ziemlich knapp bemessen, aber lecker.

Den richtigen Bus für die Rückfahrt zum Campground finden wir dann irgendwie nicht (nein, nein, das liegt nicht am Bier!), und so entschließen wir uns für ein Taxi, das uns ruckzuck an unser Ziel bringt.

Um halb neun stehen wir in Badelatschen und mit Handtuch vor der verschlossenen Tür zum Whirlpool, der offensichtlich noch besetzt ist. Wir klopfen, und ein Pärchen kommt, sich entschuldigend, heraus. Der Innenraum der hölzernen Hütte besteht aus einer kleinen Umkleidekammer, einem riesigen Whirlpool mit über zwei Metern Durchmesser und einer Dusche. Styroporplatten decken das warme Wasser ab, und wir müssen sie erst einmal beiseite räumen, bevor wir in das Nass hineinsteigen können. Neben dem Becken sind zwei Knöpfe, mit denen man das Sprudeln ein- und ausschalten kann. Kaum sitzen wir bequem im Wasser, lassen wir’s blubbern. Herrlich! Ich will auch einen eigenen Whirlpool haben! Die halbe Stunde, die nur 8 Dollar gekostet hat, geht viel zu schnell um. Das hätten wir schon viel eher mal ausprobieren müssen! Wir duschen uns ab und kehren dann zu unserem letzten Abend im Wohnmobil in unser Gefährt zurück.

Am nächsten Morgen macht sich so langsam Aufbruchstimmung in uns breit. Heute abend geht es nach Hause, bzw. erst mal zum Flughafen, wo uns anschließend wieder ein langer Flug und ein lästiger Zwischenstop im uninteressanten Flughafen von Seoul erwarten. Nach dem Frühstück an unserem letzten Morgen auf neuseeländischem Boden geht es ans Aufräumen, Einpacken und Saubermachen. Schließlich müssen wir unser Wohnmobil, das wir inzwischen lieb gewonnen haben, heute auch noch in akkuratem Zustand zurückgeben. So streng wie damals in Kanada ist man hier aber nicht; es genügt, dass wir den Innenraum sauber hinterlassen.

Überrascht bin ich dann aber doch, als wir unser gesamtes Gepäck und die reichlichen Souvenirs problemlos im Koffer und den Rucksäcken unterkriegen. Die Delfinskulptur ist ja extra verpackt, und alle anderen Andenken haben tatsächlich noch Platz gefunden. Ich möchte aber nicht das Gewicht wissen…

Beim Aufräumen versuchen wir, ökologisch zu denken und schmeißen nicht gleich alles weg, was vielleicht andere noch gebrauchen können. Einige Sachen, wie z.B. Toilettenchemikalien, Putzmittel und nicht verbrauchte Tütensuppen, packen wir in eine große Tüte und wollen sie dann bei Maui abgeben, in der Hoffnung, andere Touristen haben vielleicht noch Verwendung dafür. Das scheint uns eine sinnvolle Tat zu sein.

Antarctica ZentrumUm 11 Uhr entleere ich ein letztes mal den Toilettenkasten und den Abwassertank, und anschließend fahren wir mit geöffnetem Ventil, aus dem es noch heftig dröppelt, Richtung Antarctica-Zentrum. Wir haben ja schließlich noch etwas Zeit, bis wir heute nachmittag den Campervan abgeben müssen. Das Antarctica-Zentrum soll sehr sehenswert sein, und da von Neuseeland aus zahlreiche Expeditionen in die Antarktis gestartet sind, bietet es sich an, dort mal hineinzuschauen. Außerdem liegt es nicht weit entfernt von der Wohnmobil-Station von Maui und dem Flughafen.

Relativ problemlos finden wir das Gelände, das riesengroß ist. In der Eingangshalle versuchen wir uns zu orientieren, müssen uns dann aber doch erklären lassen, was man hier alles sehen und erleben kann. Es gibt mehrere Möglichkeiten, u.a. kann man eine umfangreiche Ausstellung über die Antarktis besuchen, in der man eine Menge sehen und lernen kann, oder aber man kann auch mit Expeditionsfahrzeugen mitfahren und so weiter. Aufgrund unserer beschränkten Zeit entschließen wir uns dazu, es bei dem Besuch der Ausstellung bewenden zu lassen. Und die stellt sich als wirklich gelungen und interessant heraus. Wirklich empfehlenswert. Man erfährt nicht nur viel über die Lebensbedingungen und die Tierwelt dort, sondern auch über die Expeditionen. In Erlebnisräumen kann man die Umweltbedingungen am eigenen Leibe erfahren. Es gibt z.B. einen vereisten Raum mit Minustemperaturen, den man nur in dicken Mänteln gehüllt betreten kann. Vor einer Windmaschine kann man sich den Stürmen am Südpol aussetzen, oder aber auch das Innere eines Expeditionszeltes kennen lernen. Alles in allem macht es viel Spaß, hier drinnen herumzulaufen. Wirklich sehr kurzweilig! Besonders gefällt mir auch die Dia- oder besser Multivisions-Show mit wirklich faszinierenden Aufnahmen von Pinguinen vor zartblauen Eisstrukturen und anderen tollen Bildern.

Insgesamt harren wir über zwei Stunden in der Ausstellung aus, bevor wir uns um 14 Uhr zum Mittagessen in das zugehörige Bistro begeben. Hier schlage insbesondere ich noch mal richtig zu: Ich nehme neuseeländischen Hoki sowie als Nachtisch einen üppigen Teller mit süßen Pancakes zu mir. Danach bin ich mehr als pappsatt! Ich kann den Bauch gar nicht mehr richtig einziehen… Das war etwas des Guten zuviel.

Nachdem wir uns noch etwas in dem unvermeidlichen Souvenirshop des Antarctica-Zentrums umgeschaut haben, fahren wir um 15 Uhr zu einer Tankstelle direkt neben der Maui-Station, die sich bestimmt eine goldene Nase verdienen, weil alle Wohnmobile hier erst mal auftanken. So auch wir. Der Tankwart äußert dann auch seine Begeisterung über den heutigen Tag: „Campervan, Campervan – what a day!“

Die Rückgabe des Wohnmobils geschieht dann völlig unproblematisch und blitzschnell. Als ich die Papiere abgebe, frage ich bei dem Angestellten nach, ob vielleicht jemand Verwendung hat für unsere zusammengepackten Überbleibsel. Er zuckt zunächst mit den Schultern und zeigt mir dann einen Touristen, der gerade sein Wohnmobil abholt. Ein Amerikaner, stelle ich fest, als ich ihn anspreche. Ich zeige ihm die Tüte und den Inhalt, die er gerne nimmt, und er bedankt sich mit einem kräftigen Händedruck.

Ehe wir uns versehen, sitzen wir dann in einem Shuttlebus, der uns kostenlos zum Flughafen bringt. Wir haben gar nicht damit gerechnet, dass das alles so schnell geht. Es ist erst 15 Uhr 30, und jetzt haben wir doch noch richtig viel Zeit bis zum Einchecken. Der Schalter öffnet nämlich erst in zwei Stunden. Und bis zum Abflug dauert es dann noch einmal drei Stunden…

Lena langweilt sich; sie hat nichts mehr zu lesen. Aber ich – ich fange jetzt erst an! Irgendwann machen plötzlich sämtliche Läden ringsum zu; sie öffnen erst um halb sieben wieder. Also können wir hier auch gar nicht mehr stöbern…

Wir sind froh, als der Schalter dann öffnet. Das Einchecken geht recht schnell und problemlos. Unser Gepäck wiegt zusammen 45 Kilo und damit 5 Kilo mehr als erlaubt, was uns aber nicht übel genommen wird. Dafür dürfen wir aber 25 Dollar Abfluggebühr („Department Charge“) zahlen…

Zur Abflughalle kommen wir jetzt aber immer noch nicht. Als sich die Zugangs-Tore dann endlich öffnen, beeilen wir uns, um vor einer großen Gruppe Japaner hindurch zu kommen – als allererste!

Wir haben noch 4 Dollar 25 an Bargeld, das wir unbedingt los werden wollen. Ich kaufe noch einige Postkarten, den Rest werfe ich dann als Spende in einen großen Glaskasten in der Wartehalle. Im Souvenirshop habe ich aber noch etwas Hübsches entdeckt, das mehr als 4 Dollar kostet: Ein kleines flauschiges Schaf mit Bungee-Seil an den Füßen, das herzerweichend blökt, wenn man es kopfüber hinunterfallen lässt. Ein tierischer Spaß, den ich mir dann per Kreditkarte noch gönne!

Endlich, um Viertel vor neun, steigen wir in den Jumbo ein. Nach einer Stunde Flug landen wir in Auckland, wo wir tatsächlich wieder aussteigen müssen, obwohl es nach einer Stunde weitergehen soll. Es werden aber zwei draus: Zwei Passagiere fehlen plötzlich, und erst nachdem ihre Koffer wieder ausgepackt wurden, geht es um 23 Uhr weiter Richtung Seoul. Schon mysteriös.

Der Flug verläuft ziemlich ereignislos, abgesehen von der ewigen Sabbelei und dem Rumgerenne mancher Koreaner um uns herum. Nach zwölf Stunden landen wir in Südkorea, wo wir uns weitere fünf Stunden auf dem Kimpo-Airport aufhalten dürfen. Für Lena sind es fünf langweilige Stunden; ich hingegen lese während der meisten Zeit… Tut mir ja auch leid.

Wir sind dankbar, als es um 13 Uhr 15 Ortszeit endlich weiter geht. Wir steigen in denselben Flieger, mit dem wir hergekommen sind, um weitere zwölf Stunden später in Frankfurt wieder auszusteigen. Fünf Stunden vor der Landung habe ich mein Buch durch und kann sogar etwas schlafen! Das ist was ganz neues bei mir.

Bei der Landung in Frankfurt gilt wieder eine neue Ortszeit. Man kommt total durcheinander. Als wir um 18 Uhr aus dem Bauch der Boeing 747 klettern, waren wir sage und schreibe 34 Stunden unterwegs…

Nachdem wir unser Gepäck abgeholt haben (der gut verpackten Holzskulptur ist anscheinend nichts passiert), erkundigen wir uns, wann und wo der Korean-Air-Shuttle-Bus abfahren soll, bekommen „19 Uhr“ und ein „D“ genannt und warten dann geduldig am entsprechenden Ausgang. Aber nichts passiert.

Es ist eigentlich gar nicht kalt. Lena hat ihre Trekkingjacke an, aber ich stehe hier nur in meinem Lieblings-Wanderpullover. Dabei sind wir doch gerade innerhalb kürzester Zeit vom Sommer- zum Winteranfang hinübergeschliddert…

Endlich, um halb acht, komme ich dann auf die Idee, mich mal etwas umzuschauen. Vielleicht steht der Bus ja ganz woanders. Und tatsächlich. Einige hundert Meter weiter finde ich ihn. Die Beifahrerin teilt mir in mehr oder minder vorwurfsvollem Ton mit, dass man schon eine halbe Stunde hier warte…

Wir beeilen uns, das Gepäck zum Bus zu bringen, und endlich geht es los Richtung Düsseldorfer Heimat. Um 22 Uhr 20 erreichen wir die Landeshauptstadt und lassen uns per Taxi nach Hause bringen. Wir packen noch aus, bevor wir um ein Uhr nachts ins Bett fallen. Immer noch beeindruckt von der Enge des Wohnmobils fällt uns auf, wieviel Platz wir in diesem Bett haben… Mit einem merkwürdigen Gefühl der Leere dämmere ich so langsam weg. Eine wunderschöne, ganz besondere Zeit ist vorbei, aber ich werde sie mir mit meinem Reisebericht und den zahlreichen Aufnahmen, die ich gemacht habe, so oft wie möglich in Erinnerung rufen. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich könnte mein ganzes Leben so verbringen…

Eine schöne letzte Wanderung im Hooker Valley

Es ist Sonntag. Unser letzter in Neuseeland. Leider sind die Klamotten von gestern immer noch feucht, und ich schmeiße alles noch mal in einen der riesigen Trockner. Das klappt dieses mal ganz gut, und um halb elf machen wir uns auf Richtung Mt. Cook National Park, unserer letzten Etappe, bevor wir dann nach Christchurch fahren werden.

Mt Cook National Park TrekEs ist mal wieder typisch. Heute werden wir wahrscheinlich die meiste Zeit des Tages im Wohnmobil verbringen, und es ist herrlichstes Wetter. Richtig schön warm, die Sonne brennt auf uns hernieder und meint es echt gut. Aber dies hier ist schließlich auch nicht Fjordland. Da herrschen andere Gesetze.

Der Weg Richtung Norden führt uns als erstes zur Kawarau Bridge, dem Ursprung des Bungee Jumping. Natürlich machen wir Halt, um uns das Spektakel anzuschauen. Zahlreiche Fahrzeuge befinden sich an diesem Vormittag bereits auf dem Parkplatz neben dem hübschen Holzhäuschen, in dem man Andenken kaufen und sich für den Sprung anmelden kann. Einhundert Dollar kostet der Spaß, für den man sich vorher wiegen lassen muss, damit die Helfer das Seil richtig einstellen können. Lena und ich sind noch skeptisch, ob das was für uns ist; wir schauen erst mal zu.

Die Brücke spannt sich über eine schöne Schlucht, und unser Blick fällt scheinbar ins Bodenlose. Wenigstens fiele man nicht auf Stein, sondern ins Wasser, denn unter uns fließt ruhig der Kawarau River dahin. Ein kleines Schlauchboot lauert unten an einem Anleger auf die Springer, um sie wieder an Land zu bringen.

Tipps

  • Schauen Sie sich das Spektakel beim Bungee-Jumping an der Kawarau Bridge auf jeden Fall an! Wagemutige dürfen natürlich auch springen!
  • Arrowtown lohnt einen Abstecher!
  • Im Dörfchen Mount Cook gibt es nur einen kleinen Campingplatz. Fahrt rechtzeitig hin, um einen Stellplatz zu bekommen! Vorausreservierung ist wahrscheinlich gar nicht möglich, da es gar keine Rezeption gibt, sondern nur einen Wächter, der abends die Gebühr kassiert.
  • Der Hooker Valley Track ist ein Muß! Wenn das Wetter es erlaubt, dann erkundet auch die anderen Wanderwege!
  • Im Hotel „The Hermitage“ in Mt. Cook gibt es einen Mini-Shop mit leckerem Kuchen und Kaffee!

Kawarau BridgeWir stehen seitlich neben der Brücke an der Schlucht und sehen mit zunehmender Gänsehaut zu, wie sich einer (oder eine) nach dem (oder der) anderen mit einem Jauchzen oder auch mit einem gräßlichen Schrei in die Tiefe stürzt. Unten zieht dann der Bootfahrer den Mensch ins Boot, löst ihn von dem Seil und hangelt sich und das Gefährt an einem weiteren, am Fluss gespannten Seil ans Ufer zurück. Das müssen wir uns aus der Nähe betrachten und betreten die Brücke. Direkt neben der Absprungstelle können wir beobachten, wie das dicke Seil an den Füßen befestigt wird; das ist schon ein richtiges Gestell, das man da tragen muss. Witzig wird’s, als zwei junge Mädchen gemeinsam(!) springen wollen. Als die beiden da hoch oben über dem Fluss bereit stehen, scheint sie der Mut zu verlassen, und die Helfer müssen sie dreimal anzählen, bis sie sich dann doch todesmutig laut schreiend in die Tiefe fallen lassen. Überglücklich hängen sie dann knapp über dem Wasser und umklammern sich lachend. Bewundernswert. Scheint gar nicht so schlimm zu sein, denke ich mir, aber nur für einen Moment, dann schiebe ich den Gedanken beiseite, selber zu springen. Ist irgendwie doch nichts für mich. Schon die Vorstellung, da oben zu stehen, unter mir nichts… Ich glaube, mich hätten die schubsen müssen, damit ich da runterkomme. Spontan erinnere ich mich an meinen ersten (und bis heute einzigen!) Dreimetersprung im Schwimmbad. Den musste ich damals in der 5. Klasse machen, damit ich den Fahrtenschwimmschein bekomme. Es hat auch etwas gedauert, bis ich hinuntergesprungen bin – und das waren nur drei Meter…!

Aber es war auch so interessant und spaßig, sich das Geschehen hier anzuschauen. Wir fahren weiter; es geht ein Stück die Strecke zurück, die wir von der Westküste aus hergekommen sind. Als uns ein Hinweisschild am Straßenrand auf Arrowtown aufmerksam macht, das noch das Flair einer Stadt aus der Goldrauschzeit haben soll, biegen wir links ab. Wir sind zwar etwas skeptisch nach den eher enttäuschenden Erfahrungen mit Shantytown, aber Arrowtown hingegen ist eine echte, lebende Stadt. Schon bei der Einfahrt in den kleinen Ort gewinnen wir den Eindruck, dass es hier ganz hübsch ist. Nette Häuser mit üppigen grünen Gärten säumen die Straßen, und alles sieht sehr einladend und gemütlich aus. Das Zentrum der Stadt besteht im wesentlichen aus einer Hauptstraße, die für Touristen wie uns wohl am interessantesten ist. Wir stellen unser Wohnmobil auf einem nahen Parkplatz ab und machen uns zu Fuß auf Erkundungstour.

Die Gebäude sehen nur noch zum Teil aus, als könnten sie aus der Goldgräberzeit stammen. Bei vielen handelt es sich um Geschäfte mit kitschigen Andenken und Kleidungsstücken, aber auch um Galerien mit künstlerischen Gegenständen aus Keramik, Holz oder Jade, für welche Arrowtown berühmt ist. In einem Laden, der etwas zurück in einem hübsch angelegten Hof liegt, werden wir mal wieder fündig. Eine wunderschöne Holzschale findet unser Gefallen, und wir reihen sie dann auch in die Gruppe unser Mitbringsel ein. Einige Türen weiter schauen wir uns in einem Jade-Geschäft um, und Lena findet hier einen schönen grünen Anhänger, den sie prompt zu ihrem Eigentum macht.

Da heute so ein schöner, warmer Tag ist, gönnen wir uns ein Eis. Lena erwischt u.a. eine Sorte mit Kaugummis oder so ähnlich drin – nicht so prickelnd. Aber ansonsten ist das Eis lecker. Wir müssen schnell lecken, da es in der warmen Sonne schnell schmilzt. Wir kommen fast gar nicht nach, die Suppe läuft schon an den Fingern runter… In der Nähe des Parkplatzes finden wir anschließend eine urige Bäckerei, in der wir uns noch mit wohlschmeckenden Kleinigkeiten und einem kräftigen Brot versorgen, das nicht so fluffig aussieht wie sonst überall, bevor wir auch hier Abschied nehmen.

Als wir die Obst-Stadt Cromwell passieren, die uns mit überdimensionalen Früchten begrüßt, verlassen wir die Route, die uns hierher gebracht hatte. Dieses mal fahren wir am Ostufer des Lake Dunstan entlang, wo wir an einem netten Picknickplätzchen einen Stop einlegen. Wir machen uns saftige Sandwiches und recken unsere Hälse ein wenig in die Sonne. Ah, so lässt es sich aushalten!

Lindis ValleyAuf der Weiterfahrt durchqueren wir das Lindis Valley und begegnen hier einer sehr abwechslungsreichen Gegend. Überall links und rechts blühen riesige Wiesen kunterbunter Lupinen – ein herrlicher Anblick inmitten des Grüns. Aber kaum nähern wir uns dem Lindis Pass, weicht diese Üppigkeit einer etwas trostloseren, aber nicht weniger reizvollen Landschaft: Braunrotes Tussockgras breitet sich über die flachen Hänge aus, die Straße ist zum Teil staubig und heftiger Wind macht sich unangenehm beim Fahren bemerkbar. In Omarama sehen wir in der Ferne die berühmten weißen Klippen, die uns aber nicht locken können. Unser Weg führt weiter über Twizel, wo wir erst mal tanken und eine Karte vom Mt. Cook National Park kaufen. Wir wissen ja noch gar nicht so richtig, was uns da erwartet. Ich habe gelesen, dass es sich nur lohnt, in den Park zu fahren, wenn man am Lake Pukaki den Mt. Cook sehen kann. Wenn dort schon schlechtes Wetter ist, dann kann man sich den über fünfzig Kilometer weiten Weg in die Sackgasse des Highway 80 schenken.

Aber wir haben Glück. Auf einem Parkplatz am Südende des langgestreckten Sees halten wir an, um einen ersten Blick auf die ferne Berggruppe um die höchste Erhebung Neuseelands herum zu werfen. Es sieht tatsächlich so aus, als ob wir in den letzten Tagen hier in Aotearoa noch einmal gutes Wetter haben, und wir sind schon ganz aufgeregt. Gletscher und eine schöne Wanderung erwarten uns.

Die Weiterfahrt führt uns an Schafherden vorbei und an einem direkt am See gelegenen Campingplatz auf halber Strecke zu dem kleinen – eigentlich winzigen – Örtchen Mt. Cook. Endlich lassen wir die ruhig daliegende Fläche des großen Sees hinter uns, und im Osten erheben sich die Burnett Mountains. Vor uns öffnet sich ein Talkessel, in dem sich der Ort Mt. Cook befindet, umgeben von schnee-, eis- und gletscherbedeckten Bergen. Das Tal liegt schon halb im Schatten der langsam untergehenden Sonne, schließlich ist es schon später Nachmittag. Da wir uns aber noch nicht für die Nacht einquartieren wollen, biegen wir vor den Bergen rechts ab Richtung Tasman Gletscher, um im letzten Tageslicht noch einen Blick auf ihn werfen zu können.

Das Ende der sehr holprigen Straße erreichen wir nach einigen Minuten Fahrt etwa um 18 Uhr. Eine kurze Wanderung bringt uns an den kleinen Blue Lakes (die eigentlich grün sind) vorbei zu einer Aussichtsplattform, die wir regelrecht erklettern müssen. Von hier aus haben wir einen großartigen Blick auf den äußerst schmutzigen Gletscher vor uns und die Berge ringsum. Man erkennt kaum, wo sich der Gletscher eigentlich befindet. Das Problem ist offensichtlich bekannt, denn vor uns steht ein erklärendes Schild mit dem Titel „Wo ist der Gletscher?“…

Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit wollen wir auf jeden Fall noch einen Platz auf dem einzigen Campingplatz in Mt. Cook, dem White Horse Campground ergattern. Daher treten wir alsbald den Rückweg an und fahren wieder zur Hauptstraße zurück. Noch vor dem Ort biegen wir wieder rechts ab, und bald gelangen wir auf den kleinen, schmucklosen, aber fast gefüllten Campground. Die Stellplätze sind recht großzügig, aber nicht zahlreich, und wir haben Glück, dass wir am Ende des Geländes noch einen freien Platz erwischen. Direkt in der Nähe des nicht einladend wirkenden Toiletten- und Waschhauses. Sonst bietet der Platz wirklich nichts. Und wo um alles in der Welt müssen wir die neun Dollar Gebühr bezahlen? Kein Kassenhäuschen, kein Briefkasten zum Einwerfen – nichts. Dann eben nicht!

Während wir uns für den Abend und die Nacht einrichten und unser Abendessen zubereiten, bewundern wir den eigentümlichen grünen Bus, der mit Wäscheleinen behängt den benachbarten Stellplatz verziert. Starkes Gefährt. Sieht aus, als stünde es immer hier.

Schließlich setzen wir uns an den Tisch, um unser leckeres Abendmahl aufzunehmen. Wir erschrecken fürchterlich, als es plötzlich an der Tür klopft. Wer mag das denn sein? Ich öffne vorsichtig, und vor mir steht ein großer, etwas mitgenommen wirkender Mann mit runder Brille und lässig übergeworfener Uniformjacke, die auch schon gelitten hat. Hinter ihm äugt ein etwa dreizehn Jahre alter Junge über seine Schulter. Der Mann stellt sich als „Park-Warden“, also Wächter des Campingplatzes vor und möchte die Übernachtungsgebühr kassieren. Wir bekommen eine Quittung, während der Junge das Geld einsackt. Die beiden verabschieden sich und machen ihre Runde. Schließlich beobachten wir, wie die beiden in den riesigen Bus nebenan einsteigen. Aha. Hier haust der Parkwächter also. Die ganze Saison über? Oder vielleicht wohnt er hier sogar richtig? Abends hier zu kassieren ist aber doch bestimmt nicht alles, was er macht, oder? Und der Junge…?

Außer mit dem Fabulieren von wilden Vermutungen verbringen wir den Rest des Abends mit Rummikub spielen. Außerdem darf Lena sich mit ihrem Heuschnupfen-Niesen rumplagen. Schließlich ist hier auf der anderen Seite der Erdkugel jetzt Frühling…!

Am nächsten Morgen starren wir erst einmal entgeistert und amüsiert aus den Fenstern. Heute ist der 6. Dezember, und draußen laufen tatsächlich einige der Camper mit Nikolausmützen auf dem Kopf herum! Bereits gestern sind wir auf der Herfahrt etwas auf Weihnachten eingestimmt worden, als wir einen deutschen(!) Radiosender mit Weihnachtsmusik gehört haben…

Hooker ValleyIch bin überzeugt, an einem 6. Dezember haben wir noch nie solch ein herrliches Wetter gesehen! Nachdem sich die anfänglich vorhandenen Wolken verzogen haben, ist es einladend warm draußen, der große Energiespender am Firmament hat gute Laune und erleuchtet fröhlich den Talkessel. Wir packen unsere Wanderklamotten zusammen, denn wir wollen das Hooker Valley erforschen. Der Hooker Valley Track soll eine sehr schöne Kurzwanderung sein, die am Hooker River entlang bis in die Nähe des Mt. Cook führt, zum Hooker Lake, in den der gleichnamige Gletscher mündet.

Zusammen mit einigen anderen Wanderern erreichen wir den Beginn des Tracks, und sofort wird uns etwas beklommen zumute. Am Rande des Weges steht leicht erhöht ein Gedenkstein, das „Alpine Memorial“, auf dem an die drei Bergsteiger erinnert wird, die bei der Besteigung des Mt. Cook Anfang 1914 in einer Lawine tödlich verunglückt sind.

Der Weg ist sehr gut zu gehen, hat nur leichte Aufs und Abs und führt in ein herrliches Tal hinein. Bald sehen wir unter uns den grauen Hooker River dahinfließen, überspannt von einer großen Hängebrücke. Links von uns erstreckt sich der ebenfalls dreckiggraue Mueller-Gletscher in das Tal. Von dieser Stelle hat man einen fantastischen Rundumblick in das Hooker Valley. Der Track führt von nun an immer am Fluss entlang bis hin zum Hooker Lake, dem dieser entspringt.

Die Hängebrücke ist die größte, die wir bisher gesehen haben. Einem Schild entnehmen wir, dass sie für 20 Personen geeignet ist. Die meisten, die wir kennen gelernt haben, sollten immer nur von einer Person überquert werden! Bald erkennen wir vor uns aber auch den Grund dafür, hier solch eine stabile Brücke hinzusetzen. Eine langgezogene Gruppe Japaner jeden Alters zieht sich vor uns über den Weg. Im Gänsemarsch wandern sie daher, und wir sind überzeugt, über die Hängebrücke sind sie genauso gegangen. Da muss diese ja was aushalten. Wir überholen die Gruppe und bewundern die teilweise uralten Leute, die hier über Stock und Stein kraxeln. In dem Alter möchte ich das auch noch können!

An einer schönen Stelle machen wir eine Pause am Wegesrand und essen einige Sandwiches. Während ich mich fast in den Fluss stelle, um einige schöne Aufnahmen von demselben mit dem Mt. Cook im Hintergrund zu machen, zieht die Vorhut der Asiaten schon wieder an uns vorbei und wünscht guten Appetit. Beim Fotografieren stelle ich fest, dass der Mt. Cook fast wie ein Gesicht aussieht, und zwar wie ein Nikolaus mit Bart und Zipfelmütze. Passt ja zum heutigen Tag. Lena meint aber, das Gesicht schaue zu grimmig drein für einen Nikolaus, es sehe eher aus wie „Jabba the hut“ aus Star Wars…

Wir passieren eine Schutzhütte und gelangen um 13 Uhr an den Endpunkt der Wanderung, einen milchigen See voller kleiner Eisberge, die zum Teil recht witzige Formationen und Türmchen darstellen. Langsam fließen sie davon, in den Fluss hinein, und stürzen dabei um…

Eine Riesenschar Japaner lagert am See, und wir werden Zeuge, wie sich jeder einzelne vor dem Mt. Cook ablichten lässt. Ich habe Mühe, ein Bild zu machen ohne einen der Asiaten drauf!

Lena ruht sich auf einem langgestreckten Stein in der warmen Sonne aus, während ich meinen Fotorundgang mache. Zur Ruhe komme ich kaum…

Kurz nach 15 Uhr kehren wir zufrieden auf den Campground zurück und bereiten uns auf die Weiterfahrt vor. Vor der Abfahrt wollen wir aber zunächst noch dem winzigen Ort Mt. Cook einen Besuch abstatten. Er besteht aus nicht viel mehr als dem großen Hotel „The Hermitage“ (wo wohl die ganzen Japaner übernachten; erinnert mich irgendwie an das Chateau Lake Llouise in den kanadischen Rockies…), einem Touristen-Informationszentrum und einigen wenigen Häusern. Im Hotel finden wir so etwas ähnliches wie einen Shop: Im „Coffee & Grocery“ stöbere ich einige Leckereien auf, während Lena draußen im Wohnmobil wacht. Da es hier nicht viele Parkplätze gibt, mussten wir uns ordnungswidrig vor das Hotel stellen… Mit Kuchen und Kaffee kehre ich zurück, und wir stärken uns ein bisschen. Besonders lecker ist der Peanut-Cake!

Schließlich schauen wir uns noch in dem recht großen Visitor Centre um und können auf einem schönen Modell der Umgebung gut unsere Wanderung nachvollziehen.

Um 16 Uhr begeben wir uns wieder auf den Highway 80, der uns zurück auf die Straße Richtung Christchurch bringt. Hinter uns zieht sich der Himmel zu, und der Mt. Cook, der bei den Maori Aoraki heißt, ist plötzlich nicht mehr zu sehen. Wir denken kurz an die Wanderer, die uns auf dem Rückweg noch entgegen gekommen sind und freuen uns einmal mehr, dass wir dieses Mal richtig Glück mit dem Wetter hatten. Und schon fängt es auch an zu gießen!

Die Schafherde auf der Straße scheint das aber gar nicht zu stören. Wir reihen uns hinter zwei Autos ein, die sich nicht trauen, die Tiere etwas anzutreiben. Hinter uns nähert sich ein Bus, dem das alles zu lange dauert. Er setzt langsam zum Überholen an und drängelt sich durch die weiße flauschige Menge, die laut blökend auseinander birst. Ich nutze die Gelegenheit und steuere uns in den Windschatten des Busses, damit auch wir schneller durch die Schafherde kommen…

Lake TekapoAuf dem weiteren Weg zum Lake Tekapo bleibt das Wetter schlecht. Heftiger Wind schüttelt uns auf dem ungeschützten Highway durch, und Regen klatscht unaufhörlich gegen die Windschutzscheibe. Um halb sechs erreichen wir den Ort Tekapo mit der berühmten kleinen Kirche am See, die zahlreiche Postkarten schmückt. Wir tanken erst einmal und kaufen bei der Gelegenheit im benachbarten Shop gleich noch ein paar Kleinigkeiten für den Abend ein, bevor wir das kurze Stück bis zur „Church of the Good Sheperd“ weiterfahren. Es hat zwar aufgehört zu regnen, aber es ist nicht viel Sonne da. Dafür aber umso mehr Menschen, die sich das unscheinbare turmlose Gebäude mit den trüben Glasfenstern anschauen wollen. Schön ist sie nicht, diese Kirche, aber idyllisch gelegen auf einem kleinen Hügel am Lake Takapo, von dem aus man einen schönen Blick auf die Berge hat – bei schönem Wetter wohlgemerkt!

Wir fahren wieder ein Stück die Straße zurück, um auf einem nahegelegenen Campground zu übernachten, an dem wir vorbei gekommen sind. Er liegt unweit des Sees auf einer Anhöhe. Hier finden wir einen schönen Stellplatz mit Blick auf den See und einige Jachten, die vor uns in einem kleinen Hafen liegen. So ein kleines Boot wäre schon was…

Den Rest des Abends verbringen wir im Regen, oder besser, wir im Wohnmobil und der Regen draußen. Wenigstens kann ich mich im Waschraum endlich meines in den letzten Tagen gesprossenen Bartes entledigen…

Action und Spaß im Zentrum der Südinsel

Unser nächstes Ziel ist die Gegend von Queenstown, dem „St. Moritz“ Neuseelands. Glücklicherweise erfuhren wir in Punakaki, dass sich die Hochwassersituation dort normalisiert hat, und dass die Straßen frei sind. Es muss dort schlimm gewesen sein; in einer Zeitung haben wir einmal ein Bild von einem Kajakfahrer gesehen, wie er durch eine Einkaufspassage paddelt…

Queenstown ist berühmt für die vielfältigen Möglichkeiten der touristischen Zerstreuung von Bungee Jumping über Paragliding bis zum Jet-Boat-Fahren. Letzteres wollen wir auch unbedingt ausprobieren. Diese Spezialboote scheinen interessant zu sein.

Highway 6Zunächst jedoch führt uns der Highway 6 am streckenweise sehr windigen und staubigen Flussbett des wenig Wasser führenden Haast River entlang. Wir entdecken sogar eine Windhose und bewundern den Wirbel. Die Strecke ist aber nichtsdestotrotz sehr schön und bietet herrliche Blicke auf die Berge der Southern Alps und des Mt. Aspiring Nationalparks, an dessen nördlichen Rand sie entlang führt. Nach etlichen Kilometern knickt der Highway nach Süden ab, direkt in den Nationalpark hinein. Plötzlich sind drei bis vier Touristenbusse um uns herum, und Dutzende Touristen – vor allem Deutsche! – marschieren auch zu den Wasserfällen, die wir uns anschauen. Das ist einfach zu viel. Wir fahren bald weiter zu den Gates of Haast, den berühmten Stromschnellen, die wir aber nicht so eindrucksvoll finden, und überqueren den Haast Pass. Hier geraten wir in eine wunderbare Bergwelt, und da es noch ein langer Weg bis nach Wanaka ist, legen wir einen Snack-Stop auf einem idyllisch am Makaroa River gelegenen Campingplatz ein, der einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge bietet. Die Luft ist großartig, und das Wetter spielt weiterhin mit! Toll hier.

Tipps

  • Schauen Sie sich etwas genauer im Mt. Aspiring National Park um! Ich werde es beim nächsten Besuch in Neuseeland auf jeden Fall tun.
  • Fahren Sie auf den Gipfel des Ben Lomond und amüsieren Sie sich während einiger Fahrten mit der Luge! Das ist lustig! Und anschließend eine Runde Minigolf am Fusse des Berges! Für die ganz Tollkühnen muss ein Paraglider-Flug oder ein Bungee-Sprung von diesem Berg aus großartig sein.
  • Jet-Boat-Fahren im Shotover Canyon macht Spaß, ist dann aber doch wenig für’s Geld. Ich würde beim nächsten mal eine Jet-Boat-Tour in den Mt. Aspiring National Park hinein machen!
  • Nehmen Sie eine Auszeit im Botanischen Garten, den Queenstown Gardens, und schauen Sie sich von dort den Sonnenuntergang über dem Lake Wakatipu an. Anschließend ein Ale im nahen Pig&Whistle-Pub; – herrlich!

Weiter geht’s, vorbei an saftigen grünen Berghängen, auf denen zahlreiche Schafe und Rinder weiden, und als wir den Lake Wanaka erreichen, der durch sein Hochwasser für die Überschwemmungen verantwortlich sein soll, finden wir immer noch im Wasser stehende Bäume vor. Stellenweise ist die Straße am Ufer abgerutscht und wird repariert. Wir überqueren einen kleinen Pass und geraten auf die hübsche Uferstraße des benachbarten Lake Hawea, bis wir wieder an den Lake Wanaka gelangen, der übrigens der größte See der Südinsel ist, und in den Ort Wanaka hineinfahren. Es ist bereits viertel vor fünf nachmittags, und wir erreichen das Visitor Centre kurz bevor es schließt. Man teilt uns hier mit, dass wegen des Hochwassers in dieser Gegend alle Jet Boat-Fahrten eingestellt wurden. Vielleicht würden wir direkt in Queenstown mehr Glück haben.

Wir nehmen nicht die direkte, kurze Strecke nach Queenstown, sondern die besser ausgebaute über Cromwell. Allerdings führt sie zunächst durch eine staubtrockene, ausgedörrte und trostlose Landschaft. Kaum zu glauben, dass unweit von hier alle unter Wassermassen gelitten haben…

Lake DunstanBald erreicht die Straße den Lake Dunstan, und an seinem südlichen Ende finden wir zahlreiche Obstgärten und Verkaufsstände, sogar richtige Hallen, bei denen wir auch endlich wieder auf Touristenbusse treffen. Anscheinend gehört für viele ein Stop bei den Obstplantagen dieser Region zum Programm. Wir halten jedoch nicht, und in der engen, aber schönen Kawarau-Schlucht finden wir uns plötzlich zwischen zahlreichen Bussen und Lkws wieder. Die Schlucht ist tief und die Straße zum Teil sehr schmal. An einigen Stellen wird sie gerade ausgebessert. An Weinbergen vorbei gelangen wir schließlich nach Queenstown mit seinen zahlreichen kleinen Vororten. Über eine windige Brücke fahren wir in die lebendige Stadt hinein, die für neuseeländische Verhältnisse schon recht groß zu sein scheint. Wir haben keine Ahnung, wo wir jetzt einen Stellplatz für die Nacht finden, und so halte ich erst einmal an einer Tankstelle mitten in der Stadt, fülle Kraftstoff nach (ja, Diesel!) und kaufe einen Stadtplan. Wir entscheiden uns dann für einen Campingplatz, der etwas oberhalb des Stadtzentrums am Hang von Queenstowns Hausberg Ben Lomond liegt.

Nachdem ich etwas habe warten müssen, da die Rezeption auch Buchungsstelle für Ausflüge und Unternehmungen aller Art ist, bezahle ich 22 Dollar für einen schönen Stellplatz mit Blick über die Stadt. Ansonsten ist es auf dem Campingplatz ziemlich beengt und voll. Den Abend verbringen wir vor Ort und gönnen uns eine leckere Portion Tandoori mit Pappadums und Wein. Schnell besorge ich noch etwas Informationsmaterial über Jet-Boat-Fahrten, das wir anschließend durchsehen. Für welche Tour sollen wir uns nur entscheiden? Es gibt Dutzende…

Am nächsten Morgen buchen wir eine Fahrt auf dem Shotover River, wo es mit atemberaubender Geschwindigkeit durch enge Schluchten gehen soll. Für diese Tour brauchen die Fahrer eine spezielle Lizenz, weil sie so schwierig ist… Bevor wir uns gegen 16 Uhr diesem todesmutigen Abenteuer stellen, schauen wir uns aber noch in Queenstown um. Einen kurzen Fußmarsch vom Campground entfernt liegt die Talstation der Bergbahn, mit der wir hoch zum Gipfel des Ben Lomond fahren, vorbei an einem Bungee-Sprungturm, der aus der Felswand ragt. Oben angekommen gewinnen wir einen Eindruck davon, was für ein Wahnsinnsgefühl das sein muss, von diesem Turm abzuspringen, den wunderschön, aber neunhundert Meter tiefer gelegenen Lake Wakatipu und die kleine Stadt unter sich… Verrückt.

Lake WakatipuEine wirklich herrliche Aussicht hat man von hier oben. Das blaue Band des schmalen Sees windet sich zwischen den Bergen hindurch, die Queenstown umgeben. Im Hintergrund ragen die ihrem Namen alle Ehre machenden „Remarkables“ in die Höhe. Plötzlich rauscht es über unseren Köpfen: Gleitschirmflieger stürzen sich von einer Plattform in die Tiefe. Zahlreiche Schirme schweben plötzlich in der Luft, hoch über dem Tal, und ein schriller Schrei löst sich bei einer huckepack mitfliegenden jungen Frau. Hinter uns ertönt eine Stimme, und ein junger Mann mit einem gigantischen Rucksack vor den Füßen fragt uns, ob wir nicht auch mitfliegen wollen. Aber wir lehnen dankend ab. Dabei hat Lena doch immer davon geschwärmt, auch mal mit so einem Ding durch die Luft segeln zu wollen…

Eine andere Attraktion lockt uns hier oben: die Luge, eine putzige Rodelbahn mit zwei Spuren: eine für Anfänger und eine für Profis, die schon etwas aufregender aussieht: kurvenreicher und steiler. Bei unserer ersten Fahrt müssen wir, wohl aus Sicherheitsgründen, die Einsteigerbahn nehmen. Wir amüsieren uns königlich: Total albern sehen wir aus mit den merkwürdigen Helmen, und die Strecke ist schnell geschafft. Wir brauchen doch etwas mehr Nervenkitzel und stürzen uns daraufhin gleich noch zweimal die Profistrecke hinunter. Das macht gleich viel mehr Spaß, und ich gerate in einen kleinen Geschwindigkeitsrausch. Unten angelangt, müssen wir unweigerlich schmunzeln, als wir sehen, wie sich eine japanische Gruppe abmüht, um vorwärts zu kommen. Denn das Lenk- und Bremssystem ist gar nicht so unkompliziert: Drückt man den Lenker nach vorne, so ist das, als wenn man die Handbremse anzieht. Zieht man den Lenker zu sich heran, so bremst man zusehends. Eine gelungene Mittelstellung sorgt hingegen für eine rasante Abfahrt. Damit haben unsere asiatischen Freunde ernste Probleme, und sie blockieren die ganze Anfängerstrecke. Aber sie nehmen das mit Humor und lachen sich dabei schlapp.

Nachdem wir uns einen kleinen Snack gegönnt und uns etwas in dem Souvenirshop umgesehen haben, fahren wir wieder hinunter ins Tal. Auf dem Weg haben wir eine interessante Minigolfanlage gesehen, die wir sofort aufsuchen, aber hier will man nur Cash. Da wir nur noch 5 Dollar in der Tasche haben, gehen wir direkt weiter in den Ort hinein, um uns dort etwas umzusehen und die Bargeldvorräte aufzufrischen.

Die Innenstadt ist z.T. recht hübsch. Überraschend wenige Souvenirshops wetteifern mit unzähligen Büros, in denen man Ausflüge und Aktivitäten buchen kann, und buhlen um die Kunden. Restaurants aller Art vom Chinesen bis zum unvermeidlichen McDonalds säumen die Straßen. Eine kleine Fußgängerzone zieht sich fast bis zum See hinunter. An ihrem Ende entdecken wir die Spuren, die das Hochwasser hinterlassen hat. Einige Straßen sind abgesperrt und mit Gerümpel übersät. Die Erdgeschosse der Häuser sehen regelrecht verwüstet aus, und überall wird repariert. Im Hafen erkennen wir, dass der Lake Wakatipu immer noch Hochwasser führt; ein Holzsteg führt etwa eine Handbreit unter der Wasseroberfläche vom Ufer weg.

Vom Visitor Centre sind wir etwas enttäuscht. Wir fragen nach Wanderungen im Fjordland Nationalpark, die auch für Tagesausflüge geeignet sind, aber man nennt uns lediglich den Kepler-Track und „The Divide“, die man ohne Vorausbuchung begehen kann. Anschließend genießen wir am Seeufer bei schönem Sonnenschein riesige Muffins und einen leckeren Kaffee. Leider werden wir von Enten und anderen Vögeln gierig beäugt, und weil wir ihnen nichts abgeben, werde ich im Vorbeiflug auf dem Rücken beschissen…

Um 16 Uhr warten wir vor „The Station“, dem Sammelplatz für den Jet-Boat-Ausflug. Niemand sonst erscheint, und gerade als wir hineingehen wollen, um dort nachzufragen, werden wir auch schon hereingeholt. Wir hätten drinnen warten sollen! Immer diese Missverständnisse…

Shotover CanyonZusammen mit einigen anderen Abenteuerlustigen werden wir mit einem nicht mehr ganz jungen Bus zum 15 Fahrminuten entfernten Shotover Canyon gekarrt. Hier finden wir als Basiscamp ein kleines Gebäude vor, das etwas oberhalb des idyllisch dahinfließenden Shotover Rivers liegt. Links davon türmen sich die Felswände zum berühmten Shotover Canyon auf. Unten am Wasser geht dann alles ganz schnell. Kaum dort angelangt, dürfen wir uns lange, wasserdichte Kittel und Schwimmwesten anlegen. Plötzlich ertönt ohrenbetäubender Lärm aus dem Canyon, und eines der Jet-Boote rauscht heran. Wie ein Pfeil schießt es über die Wasseroberfläche, hüpft dabei leicht auf und ab. Kurz vor dem Bootsanleger dreht es aus voller Fahrt um 360 Grad, und einige von uns erleben die Flussfeuchtigkeit jetzt schon am eigenen Leibe! Das wird bestimmt ein Spaß!

Als wir einsteigen, meint Lena, der Blondschopf am Lenker erinnere sie an einen Schauspieler. Jedenfalls scheint das ein ganz lustiger Naturbursche zu sein. Zwölf Personen passen in das rote Boot, und ich sitze hinten links in der Ecke. Gleich bei der ersten 360-Grad-Drehung, die uns dann nach rasender Fahrt zuteil wird, spüre ich den Nachteil dieses Sitzplatzes: Während der Drehung bleibe ich trocken, aber in dem Moment, wo das Boot zur Ruhe kommt, stürzen die Wassermassen auf mich ein. Nach mehreren Rotationen läuft mir das Nass bis in den Nacken und den Rücken herunter, und ich bin froh, als der Fahrer die Drehung endlich einmal anders herum ausführt. So lustig find ich das dann auch nicht mehr. Aber die rasante Fahrt durch den Canyon ist wiederum ganz aufregend. Nur eine Handbreit trennt uns bei aberwitziger Geschwindigkeit von den Felswänden, und ohne das Können des Lenkers würden wir gnadenlos zerschellen… Alles in allem ist das ganze aber dann doch eher etwas enttäuschend. Zwischen den Sprints und Drehungen, die sich dann einfach nur wiederholen, werden kleinere Smalltalk-Pausen in ruhigerem Gewässer eingelegt, und bereits nach 25 Minuten ist der Spaß vorbei. Etwas durchgeweicht entledigen wir uns der Schutzbekleidung, die ihrem Ruf nicht so ganz gerecht wurde, und holen uns im Shop die Fotos ab, die man von uns geschossen hat. Natürlich sind die nicht umsonst, sondern ein lukratives Nebengeschäft: 20 Dollar löhnen wir für zwei Bilder, aber immerhin sind es einmalige Dokumente… Die Tour selber hat auch schon siebzig Dollar pro Person gekostet; also kein ganz billiger Spaß, das ganze! T-Shirts und andere Andenken kann man hier auch noch erstehen, aber das geht uns dann doch zu weit. Die müssen sich hier dumm und dusselig verdienen…!

Zurück in Queenstown gehen wir dann der etwas gemütlicheren Beschäftigung nach, die uns am Mittag entgangen war: Minigolf. Eine wirklich hübsche Anlage mit liebevoll gestalteten Kunstrasenbahnen nötigt uns unser ganzen Können ab. Die Tatsache, dass ich jahrelang aktiv in einem Bahnengolfverein gespielt habe, macht sich doch bemerkbar, und ich zocke Lena ab…

Anschließend gönnen wir uns im einladend wirkenden Pig&Whistle-Pub ein Dark Beer, das uns gut mundet, bevor der Hunger im Wonton-Noodle-Restaurant gestillt wird. Gott, sind die Singapur-Nudeln scharf! Das muss die Original-Version sein, nicht die lasche europäische… Nachdem ich von Lenas Hühnchen mit Cashew-Nüssen gekostet habe, kehren mein Gaumen und die Geschmacksnerven zu den Lebenden zurück.

Pappsatt begeben wir uns zu einem Verdauungsspaziergang in die wunderschönen Queenstown Gardens, dem Botanischen Garten der Stadt. Ein hübscher See mit vielen interessanten und ungewöhnlichen Bäumen wie dem Monkey-Puzzle-Tree drum herum bietet Idylle zum Entspannen. Der Park wird durch einen schmalen Seitenarm des Lake Wakatipu vom Zentrum Queenstowns getrennt, und als die Sonne sich langsam dem Horizont nähert und dabei auf wundersame Weise immer weiter nach links wandert, setzen wir uns an das steinige Ufer, um diese Augenblicke zu genießen. Ich kann das natürlich nicht, ohne Fotos von diesem atemberaubenden Anblick zu machen, und Lena kramt wieder ein Buch hervor… Aber es ist wirklich herrlich hier. Gegenüber in der Stadt beginnen die Lichter anzugehen, und ein dünnes Band aus Leuchtpunkten übersät das Ufer.

Auf dem Rückweg in die Stadt sehen wir, dass der Uferweg mit viel Treibholz verschüttet ist, ein weiteres Überbleibsel des Jahrhundert-Hochwassers. Anscheinend haben wir wirklich eine außergewöhnliche Zeit hier erwischt: In Rotorua tagelang Regen wie seit Jahren nicht mehr, und hier im Süden sogar Überschwemmungen. Wäre gar nicht nötig gewesen, diese Ehre…

Das schlimmste hier ist aber Gott sei dank vorbei. Obwohl in der Presse anscheinend immer noch in der Art berichtet wird, als herrschten hier katastrophale Bedingungen. Jedenfalls hat sich die Frau im Kiosk der Minigolfanlage darüber beschwert. Die ganzen Touristen bleiben weg, klagte sie. Aber wenigstens wir sind da…!

Den Abend beenden wir mit einem weiteren leckeren Bier im schon bekannten Pig&Whistle-Pub, das wir an der frischen Luft zu uns nehmen. Irgendwann wird es uns dann aber zu frisch, und wir erklimmen die Steigung zum Campground und die Stufen in unser mobiles Heim. Das war wirklich ein ereignisreicher Tag heute…

Atemberaubendes Fjordland erleben während des Urlaubs

Um zehn Uhr machen wir uns auf den Weg zu einem weiteren Highlight unserer Neuseeland-Tour: Wir wollen heute noch den berühmten Milford Sound erreichen und auch dort eine Kajaktour machen. In den einschlägigen Büchern findet man die Empfehlung, abends dort anzureisen, um dann bereits den nächsten Morgen zur vollen Verfügung zu haben, bevor die Touristenmassen in Dutzenden, in der Hochsaison sogar bis zu 70(!) Reisebussen pro Tag herbeiquellen.

Bevor wir losgefahren sind, habe ich noch einmal den Toiletteninhalt geleert und bemerkt, dass uns die Chemikalien ausgehen. Leider bekommen wir im Shop des Campingplatzes und auch in einem Outdoor-Laden in der Stadt nichts. Bleibt zu hoffen, dass wir in Te Anau erfolgreicher sein werden, ansonsten löst sich das ganze stinkende Zeug in der Plastikpfanne unter der Kloschüssel nicht auf… Unangenehmer Gedanke.

Lake WakatipuBei strahlendem Sonnenschein verlassen wir Queenstown, anscheinend eine Schönwetter-Oase mitten auf der Südinsel, wenn nicht gerade Hochwasser herrscht… Die Strecke am südlichen Ufer des Lake Wakatipu und den Ausläufern der Remarkables entlang bietet viele wundervolle Aussichten, allerdings wird es zusehends windiger, und es ziehen Wolken auf. Irgendwann werden wir von einer Schafherde, welche die Straße blockiert, aufgehalten. Durch abwechslungsreiche Landschaft aus Bergen, Wiesen, Feldern und weiten Steppen mit Tussockgras, vorbei an kleinen und noch kleineren Ortschaften erreichen wir um 12 Uhr Te Anau. Auch ein sehr kleiner Ort, der immerhin einen großen Supermarkt bietet, in dem wir unsere Vorräte für die nächsten paar Tage auffrischen, einen Imbiss, in dem wir wohlschmeckende Quiche erstehen, und eine Reihe von Shops mit Souvenirs und Campingartikeln. Und hier bekommen wir tatsächlich auch unsere „Toilet Chemicals“. Die täglichen Sitzungen sind gerettet…

Milford Sound StraßeIm Visitor Centre wird uns bestätigt, was man uns schon in Queenstown erzählt hat: Es gibt einige Campervan-Stellplätze direkt im Milford Sound. Laut Reisehandbüchern ist das nicht der Fall. Wir reservieren einen Platz für heute abend und auch gleich eine begleitete Kajaktour, die uns morgen früh durch den Sound führen wird. Wir interessieren uns auch für eine Tour im wilden Doubtful Sound und erkundigen uns, ob man so etwas auch alleine machen kann. Daraufhin klärt man uns auf, dass es weniger darauf ankommt, wie oft man schon im Kajak unterwegs war, um solch eine Tour auf eigene Faust zu machen, als auf die Kenntnis der Umweltbedingungen, was das Wasser und Wetter angeht. Okay, da haben wir natürlich noch wenig Erfahrung. Und so bleiben wir bei dieser einen geführten Tour. Aber irgendwann…

Tipps

  • Richten Sie es so ein, dass Sie abends am Milford Sound ankommen und dann den ganzen nächsten Tag Zeit haben!
  • Es gibt tatsächlich Campervan-Stellplätze im Milford Sound! Die acht Plätze der Milford-Lodge können zumindest vom Visitor Centre in Te Anau aus reserviert werden, was auch ratsam ist!
  • Kajaktouren im Milford oder Doubtful Sound bucht man im Visitor Centre in Te Anau.
  • Falls Sie sich länger entlang der Milford Road bewegen wollen, dann kaufen Sie in Te Anau noch einmal richtig ein, und tanken Sie voll!
  • Besorgen Sie sich frühzeitig Toilettenchemikalien für den Campervan! Die gibt es nicht in allen Outdoor-Läden. Am besten gleich bei Abholung des Wohnmobils nach einer Zusatzpackung fragen! Sonst steht man irgendwann da und weiss nicht wohin mit dem Sch…
  • Am Lake Gunn gibt es einen „wilden“, kostenlosen Platz zum Campen am Kieselstrand.
  • Der Lake Marian Walk ist anstrengend, wird aber belohnt. Wer sich abschleppen möchte, sollte Zelt mitnehmen, eine einsame Nacht am See verbringen und das Morgenerwachen erleben! Bitte berichtet mir dann davon!
  • Im Milford Sound sind die Sandflies so lästig wie sonst nirgends! Schützen Sie sich gut! Selbst die einheimischen Mittelchen wirken immer nur für Minuten. Am besten schützt lange Kleidung und eine Mütze!
  • Eine Kajaktour im Milford Sound lohnt sich selbst bei mäßigem Wetter!
  • Der Key Summit Walk belohnt mit einer grandiosen Sicht auf die umliegende Bergwelt. Man gerät unweigerlich ins Staunen!
  • Hübsch gelegen ist der Kawarau Falls Campground am Rande von Queenstown. Besonders geeignet ist er, wenn man nicht in die Stadt möchte. Ansonsten sind die beiden Plätze in der Stadt am Fusse des Ben Lomond zu empfehlen.

Um kurz vor zwei fahren wir weiter Richtung Milford Sound, vorbei am Startpunkt des berühmten Tracks, für den man lange im voraus buchen muss. Wir haben es gar nicht versucht, muss ich zu meiner Schande gestehen. Ein unentschuldbares Versäumnis, aber auch ein Grund, noch einmal herzukommen, um dieses sicherlich einmalige Erlebnis nachzuholen…

An mehreren Stellen wird die Straßendecke geteert, und bald erreichen wir die erste Attraktion der Milford Road: die Mirror Lakes, bekannt durch ihre Spiegelungen. Aber kein Vergleich mit dem Lake Matheson! Und die Oberfläche ist auch viel zu unruhig. Vielleicht muss man hier auch sehr früh morgens bereitstehen.

Die „Divide“ scheint ihren Namen zu Recht zu tragen, denn hinter diesem Pass ändert sich die Landschaft und wird spektakulärer. Die Straße, stellenweise von nicht ungefährlichen Auswaschungen verunstaltet, windet sich an hohen, steilen Felswänden entlang, und wir gelangen zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen herrlichen, weiten Blick über das Hollyford Valley hat. Irgendwo dort unten muss auch der entsprechende Fluss dahindümpeln, begleitet von dem Hollyford Track, der bis an die Westküste der Südinsel führt.

Plötzlich bekommen wir Besuch: Ein papageiengroßer, grüner Kea hüpft um unser Wohnmobil herum und knabbert an den Reifen! Wir können ihm gerade noch entkommen…

Lake MarianDie Straße ist ziemlich belebt. Sage und schreibe 27 Reisebusse zählen wir, die uns aus dem Fjord entgegenkommen! Bevor wir aber dorthin fahren, machen wir noch einen Abstecher zum Lake Marian. In einem der Reiseführer habe ich schöne Bilder dieses in einem hochgelegenen Talkessel versteckten Bergsees gesehen: Dort will ich hin. Lena kann ich nicht überreden, mitzukommen, erst recht nicht, als sie hört, dass der Weg nicht ganz einfach sein soll. Es ist fast 16 Uhr, und für eine Strecke soll man etwa eineinhalb Stunden brauchen. Ich kündige Lena an, dass ich schneller sein werde, und mache mich samt Fototasche und kleinem Snack auf den beschwerlichen Weg. Über eine wackelige Hängebrücke und vorbei an den Stromschnellen des Marian Creek, wo der Pfad noch gut sichtbar und mit Holzstegen ausgebaut ist, geht es schnell tief hinein in den Dschungel. Der Weg wird bald nicht nur zusehends schwieriger zu begehen, sondern auch zu finden! Nicht selten muss ich mich erst ein paar mal umschauen, um die entsprechende Markierung ausfindig zu machen! Der Pfad ist stellenweise so schmal und windet sich zwischen den Bäume hindurch und den Hang hinauf, dass man ihn kaum erkennt. Wahrhaft abenteuerlich! Ich durchquere ein trockenes, steiniges Flussbett, wo ich den Weg fast endgültig verliere, und denke alle fünf Minuten: Jetzt bin ich aber oben! Aber Pustecake. Dennoch gelange ich tatsächlich schneller als angegeben ans Ziel: Um zehn nach fünf erreiche ich schwer atmend eine Lichtung, und vor mir öffnet sich der Talkessel. In grünlichem Blau spiegelt der wildromantische See die umliegenden Berggipfel wieder, und ich werde wieder einmal von meiner Fotoleidenschaft gepackt. Ich bin hier oben ganz allein, es ist herrliches Wetter, der Himmel fast wolkenlos. Eigentlich ein ideales Plätzchen für eine Zeltnacht unterm Sternenhimmel. Ich stelle mir vor, wie es wäre, morgens vor solch einer Kulisse aus dem Zelt zu treten und die herrlich kühle Bergluft einzuatmen, umgeben von absoluter Stille… Solche Momente der Zweisamkeit mit der Natur muss man eigentlich nutzen. Ein andermal, sage ich mir, und kehre seufzend zu Lena  zurück.

Die Strecke bis zum Homer-Tunnel bietet weitere faszinierende Ansichten. Die Berglandschaft um uns herum wird zunehmend wilder und atemberaubender. Der enge Tunnel selber soll eine richtige Wetterscheide sein, und wir sind gespannt, was uns dort erwartet. Auf dieser Seite ist es herrlich, und auf der anderen… diesig. War ja klar. Bei unserem Glück!

Milford LodgeÜber mehr als einen Kilometer führt die schmale Straße in zahlreichen Serpentinen zum Fjord hinunter, den man aber von hier aus nicht einsehen kann. Schnell erreichen wir die Milford Lodge, wo sich auch unser reservierter Stellplatz befindet. Aber irgendwie hatten wir uns unter einer Lodge etwas anderes vorgestellt. Die Behausung kommt uns eher etwas behelfsmäßig vor; sie besteht aus einem Haupthaus mit einigen Schlafsälen und einer Art Café sowie zwei Anbauten mit den Waschräumen und weiteren Unterkünften. Wir sind froh, nicht in einem dieser Schlafräume übernachten zu müssen, denn die Fenster stehen weit offen, und schon beim Aussteigen stürzen sich Abermillionen der kleinen Plagegeister, auch Sandflies genannt, auf uns. Wir können uns ihrer kaum erwehren. Es steht zwar geschrieben, dass es hier am Fjord ganz schlimm sein soll mit diesen lästigen Insekten, aber man kann sich das so schlecht vorstellen. Bis man dann die Viecher nicht mehr los wird und beim Ein- und Aussteigen höllisch aufpassen muss, dass sie nicht ins heilige Innere unseres Rolling Home eindringen… Leider kann man das trotz aller Vorsicht nie ganz unterbinden. Sind halt klein und flink, die Bestien! Und manchmal scheint’s, als wollten sie einen auffressen! Das merken auch die Jugendlichen, die nur ein paar Minuten lang versuchen, auf dem Vorplatz der Lodge Frisbee zu spielen. Dann geben sie es entnervt auf…

Insgesamt acht Stellplätze für Wohnmobile gibt es hier, jeweils vier rund um einen Pfahl mit Stromanschlüssen herum angeordnet. Man muss halt irgendwie geschickt einparken, damit alle heran- und auch wieder wegfahren können.

Wir nutzen das restliche Tageslicht, um dem Fjord heute noch einen Besuch abzustatten. Es ist nicht mehr weit, nur ein paar Minuten, bis wir die hochtrabend Milford Sound Town heißende Ansammlung von wenigen Häuschen und einem Hotel erreichen. Hier ist nix mehr los. Kein Mensch ist zu sehen, so dass sich der atemberaubende Fjord in aller Stille vor uns ausbreiten kann. Selbst bei diesem Grau in Grau kann man seine Schönheit erahnen. Links und rechts ragen fast senkrecht die Felswände empor. Krampfhaft halten sich Bäume an den Hängen fest. Zahlreiche kahle Stellen deuten darauf hin, dass nicht alle Pflanzen dieses lange aushalten. Das Wasser ist etwas unruhig, obwohl keines der Ausflugsschiffe mehr unterwegs ist; alle ankern bewegungslos im nicht weit entfernten kleinen Hafen. Hoffentlich ist das Wetter morgen wieder etwas freundlicher hier unten…

Am nächsten Morgen klingelt das Handy um 7 Uhr und reißt uns aus unseren Träumen, denn bereits um 8 Uhr 30 werden wir von einem Kleinbus abgeholt. Bei der Buchung des Kajaktrips haben wir gleich angegeben, dass wir von hier mitgenommen werden wollen, denn eigentlich beginnt die Tour in Te Anau! Aber da wir ja bereits vor Ort sind, wäre alles andere Quatsch gewesen.

Die Wolken hängen tief an diesem Morgen; das war ja fast zu befürchten nach den gestrigen Eindrücken. Nahezu pünktlich biegt ein kleiner japanischer Minibus auf den Parkplatz der Milford Lodge ein. Der Fahrer, ein großgewachsener Blonder mit schulterlangem, welligem Haar begrüßt uns mit etwas mürrischer Miene und lässt uns zusteigen. Wir begrüßen die anderen Fahrgäste, die sich als neuseeländische Zwillingsschwestern, einem amerikanischen Pärchen und einem weiteren, jungen Tourbegleiter des Veranstalters herausstellen.

Einige Minuten später halten wir am Deepwater Basin. Hier gibt es einen flachen Strandabschnitt, der ideal ist für das Zuwasserlassen der Kajaks. Während der Blonde – ich hab seinen Namen gar nicht richtig verstanden und nenne ihn mal Bob – und sein junger Kollege Ted die Kajaks vorbereiten, dürfen wir anderen etwa 1000 Klamotten anziehen. Erst putzige Ganzkörperkleidung als Grundierung, dann unsere eigenen kurzen Hosen und T-Shirt oder Pulli, und schließlich die Schwimmwesten mit Triller-Pfeife und einer Snack-Notration. Zu guter Letzt stülpen wir uns wie Pommestüten aussehende Fleece-Mützen à la Lappland über den Kopf. Diese Kappen sind nicht als Kopfschmuck gedacht, sondern als Schutz vor Wind und Wetter, denn es kann sehr ungemütlich in dem Fjord werden, wie Bob uns mitteilt.

In dieser Montur bieten wir ein Bild für die Götter! Mit Paddel in der Hand posiere ich noch kurz wie ein einheimischer Krieger für das Fotoalbum, bevor wir uns ausgiebig mit Mückenschutz einreiben. Abermillionen der kleinen Monster sind nämlich ebenfalls schon früh am Morgen aktiv und attackieren uns während unserer Tourvorbereitungen ständig. Bob stellt uns in Aussicht, dass sich die Mückenplage auf dem Wasser relativieren wird. Dort sei es nicht mehr ganz so schlimm, versucht er uns zu trösten.

Endlich lassen wir die Kajaks zu Wasser. Lena und ich fahren wieder gemeinsam in einem Zweier; das hat ja im Abel Tasman Nationalpark auch ganz gut funktioniert. Ich sitze hinten und steuere das Bötchen durch die Wellen. Hey, bereits die ersten Schläge verheißen Spaß, aber wir merken sofort, dass das Boot anders ist als jenes, mit dem wir im Abel Tasman Nationalpark gefahren sind. Die ersten Meter sind noch etwas wackelig und unruhig, aber dann haben wir uns daran gewöhnt und ziehen gekonnt durch das Wasser. Die beiden Zwillinge geben ordentlich Gas und düsen vorneweg.

Bald treibt uns Bob zusammen, um uns Unterricht in „Wie klettere ich nach dem Kentern ins Boot zurück?“ zu erteilen. Hoffentlich müssen wir das Gelernte nicht gleich umsetzen; bisher sind wir ja ohne Kentern ausgekommen. Aber irgendwann ist ja bekanntlich immer das erste Mal. Und Bob teilt uns mit, dass wir während unserer Tour den Fjord einmal quer durchfahren werden, wobei das Kreuzen der Wellen und die vorbeifahrenden Ausflugsschiffe zum Problem werden können. Die Schiffe sind dann auch der Grund, warum man hier niemanden alleine mit dem Kajak fahren lässt, sondern nur geführte Touren anbietet.

Gemeinsam geht es zunächst am südlichen Rand des Fjords entland Richtung Westen. Es macht wieder enorm viel Spaß, und das Paddeln fällt uns richtig leicht. Meine Schultern schmerzen dieses mal nicht; anscheinend habe ich jetzt die richtige Technik.

Trotz des mäßigen Wetters – es ist diesig und die Sonne durchdringt die Wolkenschichten nicht, aber immerhin gibt es keinen Regen – bestaunen wir die steilen Fjordwände, die neben uns hoch aufragen. An einigen Stellen ergießen sich Sturzbäche in den Fjord, und Bob erzählt uns eine Menge über die hiesige Natur. Zum Beispiel, dass das eigentliche maritime Leben im Fjord erst in 5 Metern Tiefe beginnt, weil das Wasser darüber zu wenig salzhaltig ist. Das resultiert aus den hohen Niederschlägen, die für eine ständige Schicht Süßwasser auf dem Fjord sorgen. Oder dass die Bäume, die an den granitenen Felswänden wachsen, sich nur in kleinen Ritzen halten können und irgendwann hinunterstürzen, auf den Meeresboden sinken und dort zu Nahrung werden.

Mitre PeakNoch weit vor dem Mitre Peak, welcher mit 1692 Metern Höhe der größte Berg der Welt ist, der aus dem Wasser herausragt, bereitet uns Bob auf die Überquerung des Fjords vor. Er erklärt uns, wie wir unsere Kajaks in die Wellen hineindrehen und diese kreuzen können. Mittlerweile sind die Ausflugsboote ausgelaufen und tuckern in ausreichender Entfernung an uns vorbei. Mit leichtem Nervenkitzel, aber letztlich ohne Probleme erreichen wir die nördliche Fjordseite und landen auf einem kleinen Kieselstrand, um eine Pause einzulegen. Es gibt nicht viele Gelegenheiten im Fjord, um anzuhalten, und diese hier ist die einzige während unserer gesamten Tour. Beim Aussteigen zeige ich leichte Koordinierungsprobleme, verfange mich mit meinen Trekkingsandalen zwischen den großen Kieseln und falle auf den Allerwertesten.

Kaum haben wir es uns etwas gemütlich gemacht und unseren Mittags-Snack ausgepackt, stürzen sich erneut Unmengen kleiner Flugbestien auf uns und versuchen, uns bei lebendigem Leibe aufzufressen. Wieder schmieren wir uns mit dem schrecklichen, einheimischen Mückenmittel ein, dass wir im Visitor Centre von Punakaiki erstanden haben. Immerhin zeigt es eine Zeit lang Wirkung.

Auf dem Rückweg lernen wir auch noch die Fauna des Fjords kennen: einige gelangweilt auf Felsen dösende Robben sowie zwei kleine Rotaugenpinguine, die vor uns flüchten. Vorbei an den 160 Meter in die Tiefe stürzenden Bowen Falls erreichen wir wieder das Deepwater Basin, von dem aus wir gestartet sind. Lena  und ich haben uns noch mal so richtig ins Zeug gelegt und die Zwillinge hinter uns gelassen. Das hat richtig Spaß gemacht, und ich kam wir fast wie ein Profi vor. Auf den letzten Metern lassen wir es dann noch einmal ruhig angehen, und wir unterhalten uns noch etwas mit Bob, so von Boot zu Boot. Er zeigt ein ehrliches Interesse an unserer Herkunft und die Wiedervereinigung Deutschlands und erkundigt sich ausführlich, was wir denn in der Heimat so machen. Schließlich wünscht er uns ein gutes nächstes Jahrhundert. Mensch, der Junge ist ja richtig nett und aufgeschlossen, stellen wir dabei fest. Wo er uns zuerst so mürrisch und selbstverliebt vorgekommen ist…

Um halb drei ist die trotz des nicht perfekten Wetters sehr schöne Tour zu Ende, und nachdem unsere Mitstreiter uns an der Milford Lodge abgesetzt haben und sich auf die 119 Kilometer lange Fahrt nach Te Anau begeben, können wir uns schon eine ausführliche Dusche in den (natürlich getrennten) Waschräumen der Lodge gönnen. Anschließend brechen wir unsere Zelte, oder besser das Wohnmobil, ab und fahren noch einmal in den Fjord hinein, um in dem einzigen Café des winzigen Ortes noch eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen.

Es ist viertel vor fünf, und alles liegt wieder still und ausgestorben vor uns. Nur eine Handvoll Menschen sind noch hier, die Massen sind schon wieder weg; außer den Schiffen auf dem Wasser haben wir nichts von ihnen mitgekriegt! In dem leeren Selbstbedienungsrestaurant genehmigen wir uns Kaffee und Kuchen sowie eine kleine Tüte Chips(!), während in der Ferne das letzte Ausflugsschiff in den Hafen zurückkehrt. Der Hafen liegt etwa einen halben Kilometer Luftlinie entfernt auf der anderen Seite eines kleinen Seitenarms des Fjords, und so bekommen wir hier nicht viel von dem Geschehen dort mit.

Draußen stellen wir fasziniert fest, dass es hier eine reguläre Buslinie gibt, welche die vier Stationen Hafen, Hotel, Airport und Parkplatz anfährt. Zumindest Hotel und Parkplatz liegen aber so nahe beieinander, dass eine Fahrt mit dem Bus nun wirklich nicht lohnt. Aber wo um alles in der Welt ist der Flughafen…?

Schließlich machen wir uns auf den Weg und verlassen den Fjord. Schade, dass wir dieses Highlight Neuseelands nicht bei schönerem Wetter erlebt haben, aber da wir ja schon so viel Pech hatten, fällt das fast gar nicht mehr auf.

Bevor wir den Homer-Tunnel erreichen, legen wir noch einen Stop bei „The Chasm“ ein, einer kleinen Schlucht mit surrealen Felsformationen, ausgespült durch einen der hier zahlreich fließenden Bäche. Als wir den Homer-Tunnel erreichen, bietet sich uns ein faszinierendes Bild: Die umliegenden Gipfel sind von dichten Nebelschleiern verhangen. Wie Geister, die einem Gefängnis zu entfliehen versuchen, klettern die Wolken an den steilen, scheinbar endlos in die Höhe wachsenden Felswänden empor…

Als wir in der Ebene hinter dem Tunnel eine kurze Rast einlegen, gesellt sich sofort einer unserer neuen gefiederten Freunde zu uns. Während ich ein Foto der Umgebung mache, setzt sich ein Kea auf den Außenspiegel der Beifahrerseite und beobachtet Lena, die im Wohnmobil geblieben ist. Man könnte meinen, er lauere auf Beute und warte nur, bis Lena herauskommt… Vielleicht ist es dann aber doch meine Gegenwart, die ihn wieder vertreibt. Was für ein neugieriger Kerl!

Lake GunnWir passieren The Divide und suchen uns auf dem Campingplatz am Lake Gunn einen guten Stellplatz. Eigentlich ist es nur ein Rastplatz, eine freie Fläche am kieseligen Ufer des Sees, die man nach einigen Metern Fahrt durch den Wald erreicht. Kein Campingplatz mit Bewachung und Service und so… Aber dafür umso romantischer, wilder, aufregender. Endlich sind wir quasi Wild-Camper, und außer uns befindet sich nur noch ein weiteres Fahrzeug hier, ein Pkw, der von seinem Fahrer fast ins Gebüsch gesteuert wurde.

Es ist schön hier am See. Die Berge im Hintergrund bieten ein wundervolles Panorama für einen ruhigen Abend mit Nachos und Regen. Da wir hier leider keinen Strom haben, funktioniert die Mikrowelle nicht, und wir können die mexikanischen Chips nicht mit Käse überbacken. Dafür haben wir aber noch Guacamole und Salsa-Soße von „Aztec“ und „Craig’s Chili Beans“ (lecker!). Nach ein, zwei Flaschen von Speight’s Old Dark, einem Malt Ale, und einigen Partien Rummikub haben wir dann auch genügend Bettschwere, um den Abend abzuschließen.

Das erste, was wir am nächsten Morgen sehen, ist strömender Regen. Seufz. Eigentlich wollten wir noch ein Stückchen des Hollyford Tracks laufen, aber bei dem schäbigen Wetter packen wir lieber wieder die Rummikub-Steine aus und spielen nach dem Frühstück weiter. Eine richtige Spielsucht erfasst uns, bis wir dann um 11 Uhr beschließen, doch noch loszufahren. Um halb zwölf erreichen wir nach einigen Kilometern auf einer holprigen Seitenstraße der Milford Road den Anfangspunkt des Tracks: eine etwa zwanzig Meter lange Hängebrücke über den Hollyford River. Wir wollen bis zur Hidden Falls Lodge wandern und dann zurückkehren; ein etwa vierstündiger Marsch. Mit wetterfester Ausrüstung, Fototasche, Stativ und Snacks marschieren wir dann auf dem gut markierten und ausgebauten Weg, immer den Fluss entlang. Ein richtiger Urwald, aber von anderer Art als diejenigen im Abel Tasman oder Paparoa Nationalpark umgibt uns. Überall ist es feucht, und der ruhig dahinfließende Fluss leuchtet stellenweise in herrlichem Blau und Grün. Weit hinter dem gegenüberliegenden Ufer ragen im Dunst des Nieselregens die Berge Fjordlands in die Höhe. An manchen Stellen führt der Weg über Holzbohlen, die an einer Felswand angebracht wurden; ein etwas heikles Stück des Weges, zumal teilweise repariert werden müsste…

Irgendwann erreichen wir die tatsächlich recht versteckt liegenden Wasserfälle, und da alles ringsum rutschig und matschig ist, komme ich nicht einmal an eine gute Stelle für ein vernünftiges Foto. Nachdem wir eine weitere Hängebrücke überquert haben, erreichen wir die Lodge, wo wir uns ein Mittagessen zubereiten wollen. Schließlich brauchen wir bei dem erneut einsetzenden Nieselregen ein Dach über den Kopf, um im Trockenen kochen zu können.

Die Hütte sieht richtig heruntergekommen aus. Innen riecht es muffig, und die zur Verfügung stehenden, reichlich angefressen wirkenden Schlafplätze würden wir nie verwenden wollen. Da ist Zelten auf jeden Fall besser!

Wir sind nicht alleine hier. Ein wortkarger Eremit, etwa Mitte dreißig, mit Vollbart und zerschlissenen Schuhen hat Feuer gemacht und brutzelt sich irgendwas. Irgendwie fühlen wir uns nicht animiert, ein Gespräch mit ihm anzufangen, und so beginnen wir unsere Nudeln zu kochen. Der Primus-Gaskocher will irgendwie nicht so recht Funken werfen und das Gas entfachen. Auf dem Herd neben dem Öhi sehe ich einen Stapel Streichholzpäckchen, stehe auf und greife mir eines davon. Den Seitenblick des putzigen Kerls bemerke ich kaum. Mit den Hölzchen kriege ich das Gas dann problemlos zum Brennen. Plötzlich stellt Lena in den Raum, ob die Hölzer denn nicht vielleicht dem Bärtigen gehören, und ich stutze. Artig frage ich diesen dann und entschuldige mich, aber er winkt höflich ab. Na sowas; ist doch eigentlich gar nicht meine Art – ich hab einfach gedacht, die Streichhölzer gehören zur Hütteneinrichtung…

Bei den Nudeln handelt es sich wieder um solche, die in Milchsuppe zubereitet werden müssen. Doch entsetzt registrieren wir, dass wir keine Milch dabei haben. Und müssen zähneknirschend feststellen, dass nur mit Wasser zubereitet diese Fertigmahlzeit überhaupt nicht gut schmeckt…

Der Hinweg zur Hütte kam uns recht lang vor, länger als in der Literatur beschrieben, doch ich habe ja auch mal wieder so einige Fotos gemacht. Zurück sind wir schneller und erreichen um 18 Uhr 15 unser Wohnmobil. Auf dem Rückweg zum Campingplatz am Lake Gunn halten wir kurz am Parkplatz von „The Divide“, dem Startpunkt des Routeburn und des Greenstone Tracks, von dem man auch den „Key Summit“ beginnt. Ich studiere etwas die ausgehängten Karten in dem Holzunterstand, der wohl eine Bushaltestelle darstellen soll, werde aber nicht schlauer. Einige Leute machen sich an den Aufstieg, und da man Deutsche schon von weitem erkennt, komme ich sofort mit einem jungen Wanderer ins Gespräch, der mit seiner Freundin den Routeburn-Track begehen will. Er gesteht mir, dass er nicht der Aussicht wegen wandert, sondern wegen der Qual… Die arme Freundin – ob die weiß, worauf sie sich einlässt…?!

Den Abend verbringen wir dann erneut am Lake Gunn. Morgen will ich den Key Summit bestreiten, der einen fantastischen Blick über das Hollyford Valley bieten soll, und so hoffe ich inständig auf besseres Wetter. Wir sind ja eh nur noch ein paar Tage in diesem schönen, aber feuchten Land…

Der erste morgendliche Blick nach draußen lässt gleich hoffen. Als ich die Vorhänge beiseite schiebe, sehe ich über dem See und den Bergen wunderbar blauen Himmel, doch als ich aus den restlichen Fenstern schaue, entdecke ich wieder Wolken und trübsinniges Grau direkt über uns. Also spielen wir das gleiche Spiel wie gestern und warten bei einigen weiteren Runden Rummikub, bis das Wetter sich um kurz vor elf gebessert hat. Dann heißt es: Nix wie los, und nach ein paar Minuten erreichen wir den schon bekannten Parkplatz. Lena hat nicht so recht Lust auf den nicht ganz leichten Marsch, der hin und zurück etwa drei Stunden in Anspruch nimmt, und bleibt mit ihrer Lektüre als Bewachung im Wohnmobil zurück. Ich schnappe mir mein wichtigstes Utensil – meine Fototasche – und stapfe los.

Es geht nur aufwärts. Allerdings ist der Weg gut ausgebaut, teilweise geteert und überaus gut begehbar. Es geht aber eben nur nach oben. Nun, ich wollte es so. Bisher ist noch jede Plackerei belohnt worden. Ich bin nicht alleine unterwegs hier, und entgegen meiner Gewohnheit überhole ich sogar ein paar Wanderer, die allerdings mit schwerem Gepäck gehandicapt sind. Mit gewichtigem Rucksack wäre ich sicherlich noch langsamer als diese Gruppe vorangekommen. Mit Respekt marschiere ich an einer Oma vorbei, die sich ebenfalls an den Aufstieg gemacht hat. Wenn ich das in dem Alter noch kann, dann wäre ich zufrieden.

Ich komme ganz gut voran, und nach 45 Minuten erreiche eine Abzweigung. Geradeaus führt der Routeburn Track in die Bergwelt hinein, und eine magische Hand zieht mich in diese Richtung. Eigentlich würde ich gerne weitermarschieren, vier Tage durch die Wildnis, nur mit Zelt, Fotoausrüstung und Milchnudeln. Und Lena. Tja, und die sitzt unten am Fuß des Berges. Also nehme ich den Pfad nach rechts, einen schmalen Weg, der richtig steil zum Gipfel hochführt. Hier werde ich zum Angriffsobjekt für den heftigen Wind, der über die Flanken zieht und Wolken mitbringt. Hoffentlich bleibt es wenigstens trocken, denke ich mir.

Nach einigen anstrengenden Minuten erreiche ich das Gipfelplateau. Der Blick in die Ferne ist überwältigend, und hätte es das Wetter besser mit mir gemeint, hätte ich mich sicherlich erst einmal hingehockt und gestaunt. Vor mir Richtung Norden erstreckt sich das weite Tal des Hollyford River, vor 14000 Jahren von einem Gletscher geformt. Wäre er noch da, so stünde ich 500 Meter unter(!) seiner Oberfläche. Kaum vorstellbar. Links vor mir, also Richtung Westen, ragen die Darran Mountains in die Höhe, und in ihrer Mitte erkenne ich eine glitzernde Fläche. Plötzlich reiße ich die Augen auf, als ich erkenne, dass es sich dabei um den Lake Marian handelt, der in jenem hängenden Tal liegt. Wahnsinn! Da bin ich gewesen! Und von hier aus kann ich direkt in das Tal hineinsehen. Es ist einfach atemberaubend!

Langsam konzentriere ich mich wieder auf meine nähere Umgebung. Auf dem Hochplateau ist ein schöner Nature Walk angelegt, und zahlreiche Erläuterungstafeln beschreiben die alpine Vegetation, die man hier oben bewundern kann. Als ich mit Fotografieren beginne, fordern mich drei am Wegesrand sitzende Frauen mittleren Alters auf, sie ebenfalls abzulichten. Seien ja auch Blümchen…

Trotz der wieder trüber werdenden Licht- und Wetterverhältnisse genieße ich den Aufenthalt in dieser Höhe, bevor ich mich an den Abstieg mache. Gegen zwei Uhr erreiche ich dann den Parkplatz, auf dem gerade eine Busladung Touristen abgeladen wurde. Und sofort erkenne ich einige Exemplare dieser Gesellschaft wieder. Es ist eine der Gruppen, die wir im Mt. Aspiring Nationalpark getroffen haben. Die Welt ist klein…

Lena freut sich über meine Rückkehr, schließlich hat sie bald nichts mehr zum Lesen. Frohen Mutes jagen wir dann mit dem Campervan über die Milford Road nach Te Anau, wo wir erst einmal ein paar Einkäufe tätigen und uns mit leckerem Kuchen stärken. Schließlich geht es auf die letzte Etappe des heutigen Tages nach Queenstown zurück, wo wir auf dem nächstbesten Campingplatz übernachten wollen. Wir sind mit unserem Fahrzeug nicht die schnellsten auf der Strecke, obwohl ich längst nicht mehr so schonend und zögerlich fahre wie zu Anfang. Drei große Reisebusse ziehen locker an uns vorbei, bevor wir den Kawarau Falls Campground vor den Toren von Queenstown erreichen. Er liegt idyllisch am Wakatipu-See, und wir quartieren uns für die Nacht ein. Auch hier kann man noch Spuren des Hochwassers erkennen.

Das Abendessen müssen wir uns erst hart verdienen. Zunächst bringe ich meine Nase mit den wohlriechenden Düften beim Dumpen wieder zum Verzweifeln, und anschließend ist noch große Wäsche angesagt. Irgendwie werden die Klamotten aber selbst im Trockner nicht so richtig trocken. Bestimmt haben wir zu viel auf einmal reingeschmissen. Wir breiten einige Kleidungsstücke im Wohnmobil aus, damit sie sich über Nacht von ihrer klammen Feuchtigkeit trennen können, und konzentrieren uns anschließend auf einen kulinarischen Genuss der besonderen Art: Es gibt „Creamy Tandoori Chicken“ von „Roselli“. Natürlich wieder Fertigessen, aber echt lecker! Ja, diese Aromastoffe… Das stärkt mich derart, dass ich anschließend ein Rummikub-Spiel nach dem anderen gewinne.

Pfannkuchen und Dschungel an der Westküste

Was für ein Wochentag ist denn heute? Donnerstag. Mensch, jeden Tag muss man neu überlegen. Aber es ist ein gutes Zeichen, wenn man die Zeit vergisst. Finde ich jedenfalls.

Heute verlassen wir Marahau und den Abel Tasman Nationalpark. Der Abschied fällt schwer, weil wir hier sehr schöne Tage verbracht haben, aber schließlich gibt es noch unendlich mehr zu sehen auf der Südinsel. Wir wollen weiter an die Westküste, und um 11 Uhr fahren wir los. Zunächst müssen wir uns allerdings noch etwas mit Proviant ausstatten, und so führt uns der erste Gang gleich noch einmal in den bereits bekannten Supermarkt in Motueka.

Buller GorgeDer Weg Richtung Westküste ist nicht besonders spektakulär. Das schönste Stück führt uns durch die Buller Gorge, die Schlucht, durch die der Fluss Buller fließt. Diese Gegend ist landschaftlich wirklich herrlich!

Die Westküste erreichen wir am späten Nachmittag bei wunderbarem Wetter. Die Sonne scheint, und die felsige Küste bietet einen traumhaften Anblick. Zahlreiche Fotostops sorgen dafür, dass ich meine Nikon F90-X gut beschäftigen und Lena in ihrem Buch weiterlesen kann…

Unser erstes Ziel ist der kleine Ort Punakaki mit den berühmten Pancake-Rocks, den Pfannkuchen-Felsen, die aus übereinander geschichteten Steinplatten bestehen. Ich habe mir vorgenommen, sie bei Sonnenuntergang zu fotografieren. Um 19 Uhr 40 erreichen wir das kleine Informationszentrum von Punakaki, das dem Eingang zu dem kleinen Park mit den an der Küste gelegenen Felsen direkt gegenüber liegt. Nach einem kurzen Spaziergang durch einen üppig grünen Park mit betoniertem Fußweg, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist, stehen wir direkt an den faszinierenden Felsen. Die Sonne senkt sich langsam dem Horizont entgegen, und die fiesen kleinen hungrigen Fliegen machen sich unangenehm bemerkbar. Ich lasse mich davon nicht beeindrucken und stelle das Stativ an einer günstigen Stelle auf. Ein goldgelber Schein liegt über den Steintürmen unter uns und taucht sie wie ein kleines Manhattan in abendliches Licht. Ein toller Anblick. Ich bin begeistert – die Bilder werden bestimmt super! Erst als die Sonne untergegangen ist, kann ich mich von der Szenerie lösen.

Tipps

  • Nehmen Sie sich etwas Zeit für die Buller Gorge, ein wirklich hübsches Stück Neuseeland!
  • Besuchen Sie die Pancake Rocks bei Sonnenuntergang, und erleben Sie tolle Augenblicke!
  • Der Campingplatz in Punakaki ist gute Basis für den Paparoa Nationalpark. Nett ist der nahe Pub an der Straße.
  • Wenn Sie den Pororari River Track nicht vollständig laufen wollen, dann gönnen Sie sich wenigstens eine Stunde auf dem durch faszinierenden Dschungel führenden Pfad!
  • Den Pororari River kann man auch per Kajak erleben! Probiert es aus! Ich würde es beim nächsten mal tun.
  • In der Umgebung von Punakaki kann man sich ruhig etwas aufhalten, insbesondere wenn das Wetter gut ist! Hier ist es nämlich meistens feucht!

Pororari River TrackAuf dem Campground in Punakaki finden wir einen Stellplatz für die Nacht. Dabei haben wir noch Glück, denn es sind nicht mehr viele frei. Der Platzwart erzählt mir, dass sehr viele Deutsche hier seien. Das glaube ich sofort.

Der Campingplatz ist großzügig angelegt und befindet sich direkt an der Küste. Vor dem Abendessen gehe ich noch etwas an die frische Luft und genieße den Sternenhimmel. Um ihn unbeeinträchtigt von den hellen Lampen betrachten zu können, marschiere ich die Straße hinunter, die Richtung Strand führt. Als ich den Kopf in den Nacken lege, wird mir erst so richtig klar, dass wir uns hier auf der anderen Seite der Erdkugel befinden. Eigentlich habe ich das Kreuz des Südens gesucht, aber mein Blick bleibt fasziniert und staunend an dem Orion hängen, der knapp über dem Horizont steht – und zwar auf dem Kopf! Das Schwertgehänge zeigt nach oben! Ich kann den Blick kaum lösen, so unglaublich erscheint mir das. Die Erde ist also doch keine Scheibe…

Um diese Feststellung zu feiern und als genussreiche Zutat für das Abendessen brauchen wir noch etwas Bier, dass ich aus dem Pub besorge, der direkt an der Hauptstraße liegt. Recht interessant sieht es dort drinnen aus, und ich überrasche Lena mit je zwei Flaschen Lion Ice und Steinlager, die uns bisher sehr gut geschmeckt haben.

Seit dem Kajakfahren quält mich mein linker Arm, den ich wohl überanstrengt habe. Lena schmiert Salbe drauf und bandagiert ihn, und ich hoffe, dass ich ihn bald wieder voll einsetzen kann. Kaum zu glauben, dass ich vielleicht die Kamera nicht mehr heben kann!

Den Abend beschließen wir dann mit leckeren Nachos mit Salsa- und Guacamole-Soße – ein göttlicher Snack nach einem kilometerreichen Tag!

Am nächsten Morgen fahren wir noch einmal zu den Pancake Rocks, um sie bei Tageslicht begutachten zu können. Gestern abend haben wir auch nichts von den vielzitierten Blowholes gesehen, in denen das Meerwasser wie gigantische Fontänen in die Luft spritzen soll. Aber auch zu dieser frühen Stunde – okay, es ist auch schon wieder zehn Uhr – ist der Wasserdruck nicht groß genug. Immerhin der Touristendruck ist größer als gestern abend, wo nur eine Handvoll Sonnenuntergangsinteressierte den Abgang des Lichtspenders genossen haben.

Truman TrackEine Empfehlung aus einem der zahlreichen Neuseelandbücher ist der Truman Track, ein Spaziergang auf der anderen Seite von Punakaki, der uns durch schönen Regenwald an die Küste führt, wo wir die Gischt des Meerwassers gegen die Felsen ankämpfen sehen können. Total begeistert bin ich anschließend von dem Pororari River Track, dem wir etwa eine Stunde folgen. Am schönsten ist aber das Stück, das man die erste halbe Stunde kennen lernt. Hier bieten sich dem Auge wunderbare Blicke auf erhabene Steilwände aus Kalksandstein. Man wandert durch einen ursprünglichen Regenwald, der eine ganz andere Qualität hat als z.B. im Abel Tasman Nationalpark. Die Sonnenstrahlen, die durch das dichte Dach aus Palmenblättern zu uns herabdringen, verleihen der Szene etwas Zauberhaftes. Der Fluss neben uns gurgelt leise, und ab und zu erlangt man den Eindruck, dass es hier tatsächlich nicht ungefährlich sein könnte. Es wird nämlich ausdrücklich davor gewarnt, die Wege zu verlassen, denn es können urplötzlich Flüsse aus irgendwelchen Sinklöchern treten oder in ebensolche verschwinden. Wir hören es hin und wieder verdächtig rauschen und plätschern, als Wasser plötzlich irgendwo unterhalb des Ufers austritt und sich in den Fluss ergießt. Schon alles sehr merkwürdig, aber faszinierend.

Bei jener Holzbank, die man nach einer Stunde Marsch erreicht, bietet sich ein herrlicher Anblick über den Fluss, den ihn umgebenden Regenwald und die Felsen, die alles hoch überragen. Ein idealer Platz für eine Pause. Weiter zu marschieren lohnt sich allerdings nicht, und der Weg wird zunehmend schwieriger.

Um 15 Uhr 30 verlassen wir Punakaki Richtung Süden und erreichen um viertel vor fünf Shantytown, jenes Freilichtmuseum, das einer Goldgräberstadt nachempfunden ist. Leider hat es bereits geschlossen, und so suchen wir uns in Greymouth auf dem nächsten Campingplatz ein Nachtlager. Der Platz ist längst nicht so schön wie in Punakaki, aber es wird trotzdem ein gemütlicher Abend. Die Sonne meint es noch mal gut mit uns, und wir können unser Abendessen im Freien zu uns nehmen.

Neuseelands Eiswelt im Grünen

Um zehn Uhr fahren wir auf das Gelände von Shantytown und halten bis halb eins hier aus. Es reißt uns nicht vom Hocker, was wir hier sehen: Zum Beispiel ein nachgebauter Bahnhof mit einer alten Dampflok, mit der wir auch ein Stückchen fahren können. Eine Bank. Eine Post. Eine Kirche, in der heute nachmittag sogar geheiratet wird.

Das erfahren wir von einer Frau, die das Innere mit Blumen schmückt und uns interessiert fragt, wo wir denn herkämen und wie uns alles gefalle. Wir hätten hier – also im Ort, nicht in der Kirche – nach Gold schürfen können, aber das muss nicht sein, das kenne ich schon aus meiner Kindheit aus dem Hansapark, einem Freizeitpark irgendwo in Norddeutschland.

Okarito LaguneHokitika ist da schon interessanter. Es ist vor allem bekannt für seine Glasbläserkunst. Uns faszinieren aber wieder mal mehr die Holzschnitzereien. Hier finden wir ein paar schöne und dieses mal auch praktische Andenken: Käse- und Butterbretter sowie eine hübsche Schreibtischuhr aus einheimischen Hölzern. Mit einer großen Pizza bekämpfen wir dann unseren mittäglichen Hunger. Als wir am Nachmittag die Okarito-Lagune erreichen, hat sich der Himmel zugezogen und versenkt uns in seinen Wassern. Irgendwann musste es ja mal wieder regnen. Eigentlich sollte man hier eine schöne Kajaktour zu Reiherkolonien machen können, aber bei dem Wetter haben wir dazu keine Lust. Der Ort selber ist auch ziemlich trostlos, und das Informationszentrum besteht nur aus einer einsamen Bretterbutze am Wasser. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen. Die erwähnte Kajaktour muss man wohl von Whataroa aus buchen.

Nach einer Kaffeepause im Wohnmobil führt unser Weg uns in das kleine, aber lebhafte Örtchen Franz Josef Glacier, das nach der gleichnamigen Attraktion benannt ist und auch von ihr lebt. Mehrere Hubschrauber-Unternehmen buhlen hier um die Gunst der Touristen. Gleich drei liegen an der Hauptstrasse direkt nebeneinander. Wir werfen uns unsere regensicheren Trekkingjacken über und besuchen erst einmal das Informationszentrum samt Souvenirshop. Anschließend erkundigen wir uns bei einem der Fluganbieter nach den Preisen für einen Rundflug und schlackern dann mit den Ohren: Zwanzig Minuten kosten schon über hundert Dollar! Aber bei dem miesen Wetter können wir uns noch nicht entschließen, etwas fest zu machen. Wir warten bis morgen früh ab und schlagen dann sofort zu. Statt dessen tätigen wir einen kleinen Einkauf im örtlichen Supermarkt und machen noch einen kurzen 10-Minuten-Marsch zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man den Franz-Josef-Gletscher in einiger Entfernung über ein gigantisches Geröllfeld hinweg erkennen kann. Hubschrauberflug hin oder her, morgen werden wir auf jeden Fall zu dem Gletscher hinmarschieren. Aber für heute ist es genug, und wir buchen eine Nacht auf dem Black Sheep Campground, der mit zu den ungemütlichsten gehört, die wir bisher kennen gelernt haben. Aber er tut’s.

Beim Frühstück am nächsten Morgen frohlocken wir mal wieder: Das Wetter überrascht uns mit herrlichem Sonnenschein, die Regenfälle vom Vortag sind vergessen. Ideal für einen Hubschrauberflug über die Gletscher und die schneebedeckten Berge. Nachdem ich es meiner armen Nase beim Dumpen noch einmal so richtig gegeben habe, machen wir uns auf in den Ort. Wir bekommen einen Flug bereits um 11 Uhr, den wir uns mit einem Pärchen aus Stuttgart(!) teilen. Dreißig Minuten für sage und schreibe 190 Dollar – eigentlich Wahnsinn. Aber man ist ja nicht so oft hier, und man hat Urlaub – also was soll’s. Wahrscheinlich kommen diese Preise aber auch deshalb zustande, weil viele Urlauber so denken.

Tipps

  • Shantytown muss man nicht gesehen haben. Ist vielleicht ganz liebevoll angelegt, aber hat mich nicht besonders beeindruckt.
  • In Hokitika gibt es schöne Souvenirläden mit Glasbläser- und Holzschnitzkunst!
    Besucht sowohl den Franz-Josef– als auch den Fox-Gletscher! Letzterer ist schöner als sein Ruf besagt! Allerdings ist der Marsch zum Franz Josef spektakulärer.
  • Die Rundflüge über die Gletscher sind sauteuer, aber eine tolle Sache! Entscheiden Sie sich spontan je nachdem, wie das Wetter ist.
  • Praktisch gelegen ist der Campground direkt im Ort Fox Glacier. Übernachtet man dort, kann man abends noch in einen netten Pub gehen!
  • Ein Muß bei schönem Wetter ist der Besuch des Lake Matheson in aller Herrgottsfrühe! Im November hat 5 Uhr aufstehen gereicht, um zwei schöne Stunden Tagerwachen zu erleben. Wenn es schon hell ist, ist es zu spät!
  • Macht Halt bei Ship Creek! Der Rundgang, die Lagune und der Strand lohnen einen Besuch.

Franz Josef GletscherDer Flug ist herrlich. Ein tolles Gefühl; der Pilot lenkt den Flieger, an dem nicht viel dran ist, sicher per Joystick an den Hängen der Berge entlang Richtung Fox Glacier, der unser erstes Ziel ist. Lena darf vorne sitzen, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollte. Aber sie sieht begeistert aus. Die Gletscheroberfläche wartet mit vielen kleinen blauen Rissen und würfelförmigen Schnee- und Eisgebilden auf. Irgendwo in den Bergen landet dann unser Pilot, und wir dürfen aussteigen und eine Schneeballschlacht machen. Es ist gar nicht so kalt, stellen wir fest. Nach ein paar Minuten geht es weiter, und wir überfliegen den Franz-Josef-Gletscher. Dabei kann man wunderbar sehen, dass die Meeresküste gar nicht so weit entfernt ist, und dass die Eismassen auf ihrem Rückzug eine gewaltige Geröllspur zurückgelassen haben. Die 30 Minuten sind schnell vorüber – zu schnell – und der Tag hat doch gerade erst angefangen…

Das schöne Wetter nutzen wir noch zu einer kleinen Wanderung. Schließlich müssen wir uns den Gletscher auch noch aus der Nähe ansehen. Wir machen uns einige Sandwiches als Snack, ich schnappe meine Fotoausrüstung samt Stativ, und wir machen uns auf den Weg über das Geröll zum „Terminal Face“ des Franz-Josef-Gletschers. Wir sind nicht die einzigen, die diese Idee haben. Eine geführte Gruppe, die offensichtlich zu einer Eiskletterei auf dem Gletscher aufbricht, marschiert kurz vor uns los und vergrößert den Abstand zu uns sehr schnell. Gott, können die rennen! Aber ich mache zwischendurch ja auch noch meine Fotos. Wenn ich dabei wäre, würde ich die wahrscheinlich nur aufhalten…

Wasserfälle stürzen aus dem Regenwald, der den Gletscher säumt, und wir müssen ein- oder zweimal einen kleinen Bach überqueren, der vom Gletscher gespeist wird. Der Weg über das Geröll ist nicht leicht, und man muss aufpassen, wo man hintritt. Den Fuß kann man sich hier leicht verknacksen, aber das ist mir ja schon auf dem Tongariro Crossing Track gelungen.

Das Endstück des mittlerweile wieder wachsenden Gletschers ist mit Seilen abgesperrt, und Warnschilder deuten daraufhin, dass man ohne offizielle Führung nicht weiter gehen soll oder darf. Es ist noch weit bis zu dem gewaltigen Torbogen, aus dem sich immer wieder Eisbrocken lösen und mit Getöse in die Tiefe stürzen, aber Lena verbietet mir, weiterzugehen. Schmollend gebe ich nach und versuche von unserer Position aus das beste draus zu machen. Wir verzehren unsere Sandwiches und machen uns dann auf den Rückweg. Eine weitere Gruppe kommt uns entgegen, und hier treffen wir unsere Flugbekanntschaften aus Stuttgart wieder. Ich positioniere mich mit meinem Stativ anschließend halb im Fluss, um die fußballgroßen Eisbrocken im Wasser zusammen mit dem Gletscher auf’s Bild zu kriegen. Ein Allgäuer spricht uns daraufhin an und lichtet Lena und mich zusammen ab. Wirklich nur Deutsche hier!

Fox GlacierUm halb vier fahren wir weiter nach Fox Glacier. Der Ort ist noch kleiner als der vorherige, und wir genehmigen uns als erstes unser Lieblingsgetränk, einen Latte. Eigentlich wollte ich auch mal eine Pavlova probieren, eine süße Spezialität, aber die gibt es erst abends! Dann will ich mich mal gedulden. Fahren wir also erst einmal zum Fox-Gletscher selbst. Der soll zwar nicht so spektakulär sein wie der Franz-Josef-Gletscher, aber als wir ihn aus der Nähe betrachten können, finde ich ihn sogar viel faszinierender. Vielleicht liegt das aber daran, dass wir näher an ihn herankommen. Es gibt zwar auch eine Absperrung und Warnschilder, aber als dahinter eine Gruppe Japaner mit Kleinkindern erscheint, die vom Gletscher zurückkommen, findet auch Lena kein Argument mehr dafür, dass wir hier bleiben sollen, und klettert noch vor mir hinunter.

Uns bieten sich hier fantastische Anblicke der gewaltigen Eisberge, die hoch über uns aufragen. Das Grün des Regenwaldes dahinter bietet einen herrlichen Kontrast zu dem eisigen Blau. Auch dieser Gletscher weist einen Torbogen auf, aus dem Wasser herausfließt. Im ganzen ist der Gletscher aber kleiner als der Franz-Josef. Zurück auf dem Parkplatz halten wir Ausschau nach den Keas, diesen gummifressenden Papageien, die uns bereits bei der Anfahrt aufgefallen sind. Hier sehen wir sie zum ersten mal in natura, und tatsächlich: Sie machen sich am Schmutzfänger der Reifen zu schaffen und trampeln auf der Klimaanlage herum. Und ganz schön groß sind sie, die Viecher, und mit kräftigen Schnäbeln ausgestattet. Angeblich sollen sie auch hin und wieder alte und kranke Schafe zu Tode hetzen und dann vernaschen…

Auf dem Campground des Ortes haben wir uns bereits nach dem Kaffeegenuss einen Stellplatz für die Nacht reserviert, zu dem wir nun zurückkehren. Heute abend gibt es nur Nudeln, aber anschließend gehen wir noch in das Cook Saddle Cafe, um ein würziges, frischgezapftes einheimisches Bier zu uns zu nehmen. Außerdem bekomme ich endlich meine Pavlova: süßes Zeug aus Baiser, das so richtig an den Zähnen klebt. Nicht schlecht, aber etwas zu süß, selbst für mich.

Ich freu mich schon auf den morgigen Tag, denn ich möchte mal wieder sehr früh aufstehen, um die berühmten Spiegelungen auf dem Lake Matheson zu sehen – und natürlich zu fotografieren. Schweren Herzens stellen wir den Handywecker auf fünf (!) Uhr – eigentlich ein Wahnsinn im Urlaub! Aber die Spiegelungen sollen kurz nach Sonnenaufgang am schönsten sein, und ich will auf keinen Fall etwas verpassen. Also lieber etwas früher als zu spät aufbrechen. Schließlich sind auch noch sechs Kilometer Fahrt und ein Marsch um den halben See zu absolvieren, bis man die Aussicht genießen kann. Ich bin gespannt…

Und das Handy verpasst seinen Auftritt nicht. Gnadenlos fängt es um fünf Uhr morgens an, Geräusche von sich zu geben. Für einen Moment zweifele ich an meinem Vorhaben, denn es ist kalt und noch stockfinster. Aber als ich den Vorhang leicht zur Seite schiebe und den klaren Sternenhimmel sehe, besinne ich mich und schlüpfe schnell in meine Klamotten. Nachdem ich unser fahrendes Heim abgekoppelt habe, setze ich mich hinter das Steuer und drehe den Zündschlüssel um. Bestimmt schrecken die anderen Campingplatznutzer jetzt aus ihrem Schlaf, aber das ist mir egal. Nach einer kurzen Fahrt fahre ich fast an der Abzweigung zum See vorbei. Lena wird hinten im Bett ganz schön durchgeschüttelt, als ich in die Eisen gehe und wieder zurücksetze. Bald erreichen wir den Parkplatz, wo sich bereits ein Wohnmobil befindet. Noch ein Frühaufsteher?

Ich raffe meine Ausrüstung zusammen, stecke mir noch einen kleinen Snack ein, und verabschiede mich dann von Lena , die versucht, wieder einzuschlafen. Es ist halb sechs, als ich den Pfad betrete, der zu den empfohlenen Aussichtspunkten wie „Queens View“ und „View of Views“ führt. Ein Schild weist mich darauf hin, dass es 45 Minuten bis zum „View of Views“ und sogar 50 Minuten bis zu „Reflection Island“ sein sollen.

So langsam wird es etwas heller, der Tag beginnt. Es ist ein unbekanntes, aber wunderschönes Erlebnis, so einsam durch den frühmorgendlichen Wald zu marschieren. Die Luft ist feucht und frisch und meine Augen dick. So richtig wach bin ich noch nicht, aber der Tag wacht ja auch gerade erst auf…

Reflection IslandNach 25 Minuten erreiche ich eine Holzplattform direkt am See: die „Boat Jelly“. Leichter Nebel liegt über allem, und die Spiegelungen zeigen den Waldrand im Wasser, dahinter die schneebedeckten Berge der Südalpen, über die wir am Vortag noch mit dem Hubschrauber geflogen sind. Ich baue mein Stativ auf und mache die ersten Bilder. Bald bin ich nicht mehr alleine. Ein weiterer Fotograf gesellt sich zu mir, ebenso zwei Japanerinnen und ein junges Pärchen mit Pocketkamera. Es wird mir hier zu voll, und ich marschiere weiter. Dies kann auch noch nicht der beste Platz gewesen sein, sage ich mir. Weitere 15 Minuten umrunde ich den See, marschiere über Holzstege, die über das Wasser führen, und erreiche schließlich oberhalb des Weges den Aussichtspunkt „View of Views“, wo allerdings Bäume den Blick auf den See verdecken. Nach weiteren fünf Minuten erreiche ich eine Plattform, die direkt am Wasser liegt, nur wenige Zentimeter über der Oberfläche. Das ist das „Reflection Island“. Hier richte ich mich ein, verfolge das Erwachen des Tages und verewige die fantastischen Reflexionen. Als die Sonne über die Berge steigt, wird der Nebel auf dem Wasser golden erleuchtet, und als die erste Ente erwacht, ist es mit der ruhigen Seeoberfläche vorbei. Sanfte Wellen lassen das Bild der Berge verschwimmen. Insgesamt zwei Stunden verharre ich am See, zwei fantastische Stunden, die ich nie vergessen werde. Den Tag so erwachen zu sehen, in dieser traumhaften Umgebung und idyllischen Ruhe ist ein wahres Geschenk!

Andere Leute gesellen sich zu mir und beobachten die Szenerie. Alle sind leise wie in einer Kirche und genießen die Augenblicke. Als ich zusammenpacke und zu Lena zurückkehre, kommen immer noch Leute, die aber für die wahrhaft schönen Augenblicke bereits viel zu spät dran sind. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Auch der Rückweg zum Wohnmobil, der mich einmal rund um den ganzen See führt, bietet Tolles für’s Auge. Der Mond steht noch hoch am Himmel, und die Sonne erleuchtet die grün-silbrig-weiße Szenerie von der anderen Seite. Ich kann mich kaum losreißen.

Weitere Touristen kommen mir entgegen, und als ich den Parkplatz erreiche, kommt gerade ein ganzer Reisebus voller Leute an. Tja, auch Ihr kommt zu spät, summe ich fröhlich in mich hinein. Lena erwartet mich schon. Schlafen konnte sie nicht mehr, sagt sie, denn der Parkplatz war plötzlich voller Leben. Er hat sich tatsächlich merklich gefüllt.

Der Tag hat schon so wundervoll begonnen, da muss er auch mit einem guten Frühstück weitergeführt werden. Zurück im Ort stärken wir uns mit einem leckeren Omelette im Café Neve, bevor wir auf der Westküstenstraße nach Süden weiterfahren. Bei Knights Point machen wir Halt und genießen den tollen Blick über die Tasmanische See und die Brandung. Zahlreiche weitere Touristen, auch ein Bus gefüllt mit Japanern, gesellen sich zu uns. Für uns Anlass, uns nicht allzu lange hier aufzuhalten.

Ship CreekShip Creek ist unser nächster Haltepunkt, den wir eigentlich nur zufällig im Vorbeifahren entdecken. In keinem der Bücher, die ich durchgewälzt habe, war von ihm zu lesen. Und es lohnt sich, hier einige Zeit zu verbringen. Von einem Hochstand kann man gut über den schönen Sandstrand blicken, und in der Nähe beginnt der Lake Dune Walk, der durch üppige Vegetation, an einer schönen Lagune vorbei über den Strand zurück zum Hochstand führt. Natürlich geht mir Lena bei meiner Fotografiererei wieder einmal verloren. Als ich an eine Weggabelung gerate, werde ich endgültig unruhig und befürchte, sie nicht mehr wiederzufinden. Aber an der Lagune wartet sie dann doch auf mich. Puh!

Als wir über den Strand schlendern, gewinnen wir den Eindruck, dass Dali hier Werke seines surrealistischen Schaffens hinterlassen hat. Faszinierende Steinformationen, die wie riesige Fußknochen aussehen, trennen Strand und Düne!

Kurz vor Haast, wo der Highway die Küste verlässt und ins Landesinnere abbiegt, überqueren wir die längste One-Lane-Bridge Neuseelands: Auf mehr als 700 Metern, die von zwei Ausweichbuchten unterbrochen werden, führt uns die Brücke einspurig über das weitgehend trockene Flussbett des Haast River. Hier ist das Überqueren dieser Brücke noch recht simpel; kritisch wird es erst, wenn man sich die einzige Spur noch mit der Eisenbahn teilen muss, so wie wir es irgendwo hinter Greymouth erlebt haben…

Drei herrliche Tage in der Wildnis von Neuseeland unterwegs

Als wir am nächsten Morgen, am Montag, dem 22.11., selbstgemachte Sandwiches und abgepackte Cerealienportionen in die Rucksäcke quetschen, scheint die Zeit dann doch noch knapp zu werden. Aber als wir bei strahlend blauem Himmel abmarschbereit am Old-MacDonalds-Office stehen, tut sich noch nichts. Das Wohnmobil konnte ich auf einem abgeschlossenen Areal des Campingplatzes abstellen, so dass wir für die nächsten Nächte, die wir auf dem Wanderweg verbringen werden, keinen Stellplatz auf dem Campingplatz bezahlen müssen.

Um 9 Uhr geht es dann endlich los. Wir sind die ersten, die auf den Anhänger des blauen Treckers steigen dürfen. Nachts hat es mal wieder geregnet, und der Naturbursche von Fahrer schüttelt die Abdeckplane, die als Dach fungiert, erst einmal richtig aus, bevor wir lostuckern. Mit Dieselgestank in der Nase geht es zum Park Café, wo die nächsten Passagiere zusteigen. Anschließend führt die Fahrt weiter bis zum Bootsableger an der Sandy Bay, von der heute morgen nicht viel zu sehen ist: Es ist Flut. Und es dauert noch etwas, bis das Schiff kommt, teilt man uns mit. Indes bestaune ich die Reihe der Traktoren, die da mitsamt ihrer Anhänger zu dieser frühen Stunde und ob des Wasserstandes arbeitslos am Straßenrand stehen. In Reih und Glied glänzen sie in der Vormittagssonne.

Schließlich kommt unser Boot doch. Um 9 Uhr 35 schippert man uns mit einem kleinen Motorboot zu der recht großen Fähre – zu groß, um selber an dem Steg anlegen zu können. Dabei stelle ich fest: Es ist verdammt noch mal nicht ganz einfach, mit einem prall gefüllten Rucksack im Nacken und einer Fototasche vor dem Bauch in eine schwankende Nussschale wie diese einzusteigen!

Bis 12 Uhr 30 tuckert das Schiff die Küste hoch; es ist wirklich ziemlich langsam. Hinzu kommt, dass an den zahlreichen Anlegestellen nicht nur Passagiere aussteigen, sondern auch neue aufgenommen werden. Und dafür muss das kleine Motorboot z.T. mehrmals zwischen Küste und Linienschiff hin- und herkreuzen. Dabei geht eine Menge Zeit drauf. Währenddessen begnügen wir uns damit, den schrecklichen Instantkaffee der minimalistischen Bordküche zu genießen (so weit man das sagen kann), und misstrauisch und mit dem Schlimmsten rechnend dem Treiben der Schulklasse an Bord zuzusehen. Immer wieder reißt einer aus dem Haufen an dem riesigen Berg Gepäck und Zeltmaterial auf der anderen Seite des Ganges herum, so dass einige Teile sich verdächtig bewegen und langsam auf unsere Rucksäcke zielen. Und da sind verdammt spitze Teile dabei! Da ich das Unheil schon kommen sehe, bringe ich unsere Rucksäcke erst mal in Sicherheit.

Tipps

  • Den Abel Tasman Coastal Track begeht man am besten wie folgt: Man fährt mit dem Schiff oder Wassertaxi nach Totaranui, lauft über den Gibbs Hill und der Whariwharangi Bay zur Anatakapau Bay, welche ein idealer Platz für die erste Übernachtung ist. Dann geht es weiter südwärts bis nach Marahau. Unterwegs gibt es zahlreiche Zeltplätze, sodass man sich die die Etappen nahezu beliebig einteilen kann.
  • Bucht die Schiffsfahrt und kauft Zeltplatztickets im Office von Old MacDonalds Farm!
  • Die meisten Wanderer fahren nach Totaranui und laufen sofort wieder Richtung Süden, verpassen aber das wunderbare Stück des Weges im Norden! Lassen Sie es sich nicht entgehen; Sie sind dort wahrscheinlich fast alleine unterwegs!
  • Für den Fall, dass Sie die Wanderung vorzeitig abbrechen wollen oder müssen, erkundigen Sie sich im voraus nach den Abfahrtsorten und -zeiten der Wassertaxis!
  • Besorgen Sie sich eine Tidentabelle für die Überquerung des Awaroa Inlets! Achtung: Ganz trocken wird es nicht! Nehmen Sie sich Sandalen mit, gehen Sie nicht barfuss über die scharfkantigen Muscheln!
  • Steht einmal früh auf und genießt einen Sonnenaufgang am Strand!
  • Das Stück vom Awaraoa Inlet zur Onetahuti Bay ist nicht zu unterschätzen. Kommt man von der Anatakapau Bay, ist der Weg zu lang. Tretet kürzer und macht Stop an der Awaroa Hut! Überhaupt: Nehmen Sie sich Zeit, und setzen Sie sich mal hin; genießen Sie die Umgebung!
  • Belohnen Sie sich nach der Rückkehr mit einem schönen Abend im nett gestalteten Park Café! Hier gibt es leckeres Essen und Getränke aller Art.

Totaranui ist die letzte Station, die das Schiff anläuft, und so steigt auch die Schulklasse vor uns aus – und das dauert vielleicht einmal! Wenigstens bemühen die sich und bilden eine lange Kette, um die Unmengen Gepäck schnell aus dem Schiff herauszubekommen. Dieses mal kann das Schiff glücklicherweise direkt bis an den Strand fahren. Man stelle sich nur vor, die Dutzende Rucksäcke, Zelte, Vorräte und was sonst noch alles dazu gehört hätten mit dem kleinen Motorboot an den Strand gebracht werden müssen…!

Endlich erreichen wir unser Ziel und finden dort einen schmalen Strand und ein kleines Info-Häuschen des D.O.C. vor. Unser Weg führt direkt von dem Strand weg in die Wildnis hinein, erst ein Stück der sandigen Straße folgend, bis er sich langsam, aber stetig den Gibbs Hill hinaufwindet. Vierhundert Höhenmeter liegen vor uns, und es ist ganz schön warm heute! Aber über die Temperatur wollen wir uns nicht beschweren, wir haben ja lange genug darauf gewartet, dass es mal so kommt.

Wainui BayDer Weg hinauf gestaltet sich als einfach, aber wirklich anstrengend. Die Last auf unseren Rücken macht sich doch bemerkbar, und wir brauchen 2 Stunden bis zum höchsten Punkt, wo wir erst einmal eine Mittagspause einlegen. Gott, tut das gut! Von hier oben haben wir eine herrliche Sicht über das versandete Wainui Inlet in der gleichnamigen Bay. Riesige Baumfarne säumen den Weg hinunter Richtung Whariwharangi Bay. Endlich wird das Laufen angenehmer. Weiter geht es durch schattenspendenden Wald, bis wir die Whariwharangi Hut erreichen, wo wir erstmals unseren Katadynfilter verwenden, um Trinkwasser zu filtern. Das klappt auch prompt sehr gut, und nach einer kleinen Pause legen wir noch die letzten Meter bis zum Strand zurück. Besonders schön ist der aber nicht, über und über mit Holz bedeckt, aber eben richtig ursprünglich. Ein auf einen Holzstumpf gemalter Fuß bringt uns wieder auf den richtigen Weg, der uns erneut einen Hügel bezwingen lässt. Als wir den aber geschafft haben, sehen wir die goldene Sichel des Strandes an der Anatakapau Bay vor uns liegen: ein wahnsinnig schöner Anblick. Der Abstieg geht schnell vonstatten, und wir stellen fest, dass wir hier in diesem kleinen Stück Paradies ganz alleine sind!

Es gibt nicht viel Platz zum Zelten, und der Boden ist nicht besonders geeignet, aber wir haben ja die freie Auswahl. Einige Meter neben der hölzernen Tisch-Sitzbank-Kombination, die wir auch hier vorfinden, bauen wir unser blaues Tatonka-Tunnelzelt auf und breiten alle Rucksackinnereien auf der Tischplatte aus. Nicht weit entfernt ist auch eine Baustellentoilette aufgebaut, und ein Wasserhahn mit ungefiltertem Wasser ist ebenfalls vorhanden. Gut ausgestattet ist der Platz hier! Das haben wir gar nicht erwartet.

Bevor wir das Abendessen zubereiten, ist aber ein Strandspaziergang Pflicht! Der sandige Strand ist bestimmt zehn Meter breit, aber anhand der angespülten Vegetation erkennen wir, dass das nur an der Ebbe liegt. Zahlreiche Fußspuren verunstalten den reinen Sand und rauben ihm seine Unschuld, und wir tragen auch noch dazu bei.

Plötzlich zischt etwas an meinem Kopf vorbei, und Lena zeigt begeistert auf den Kormoran, der vermutlich seine Abendgymnastik macht und hier Kreise zieht. Und dann fällt mein Blick auf den großen Baum, der direkt am Strand steht: Vier dieser schönen Vögel hocken im Geäst und lassen sich von uns überhaupt nicht stören, sondern machen sich anscheinend für die Nachtruhe bereit. Natürlich werden die sofort Opfer meiner Fotografierwut…

Am südlichen Ende des Strandes ragen einige Felsen aus dem Wasser, und Lena  kann es nicht lassen – sie muss auf ihnen herumklettern! So langsam sinkt die Sonne dem Horizont entgegen, und wir machen uns auf den Weg zurück zum Zeltplatz, wo wir dann einmal mehr Fertignudeln in heiße Milch einrühren. Das ist nicht besonders einfallsreich, aber praktisch, einfach und gut zu transportieren. In Ruhe essen können wir aber nicht, denn scheinbar Abertausende von Sandfliegen und kleinen Mücken wollen sich gleichzeitig an uns laben… Lästige Angelegenheit, das!

Kaum verschwindet die Sonne hinter dem bewaldeten Hügel, von dem wir herabgestiegen sind, kommt heftiger, frischer Wind auf. Als ob er nur darauf gewartet hätte! Wir müssen echt kämpfen, dass uns nicht die ganzen Tüten weggeweht werden, die wir hier so schön ausgebreitet haben!

Im Nordosten geht gerade der Mond auf, und ich ahne, welch schönes Motiv das geben könnte: Der Schatten eines auf einem Ast sitzenden Kormorans vor der hellen Mondscheibe, dazu das von der gerade untergegangenen Sonne erzeugte rötlichblaue Licht… muss ein Wahnsinnsanblick sein. Schnell hole ich mein Stativ und postiere mich mehr oder weniger direkt unter dem riesigen Baum. Mit einigen lauten Tönen scheuche ich die Vögel etwas auf, damit sie den Kopf heben – wirkt auf dem Foto doch viel besser! Einige Minuten verbringe ich so bei den gefiederten Gesellen und lasse sie noch nicht zur Ruhe kommen, aber dann begebe ich mich auch zum Zelt zurück, wo Lena sich schon so langsam auf die Bettruhe, nein: Isomattenruhe vorbereitet. Es ist schnell sehr frisch geworden draußen, und ich ziehe mich auch in meinen kuscheligen Schlafsack zurück. Morgen will ich nämlich früh aufstehen, um den Sonnenaufgang über unserer einsamen Bucht zu erleben…!

Es ist barbarisch früh, als der Handy-Wecker klingelt. Um 5 Uhr 35 reißt er mich aus dem Schlaf. Noch trunken von demselben raffe ich meine Trekkingklamotten zusammen und mummele mich gut ein, denn draußen ist es saukalt! Schnell noch meine Fototasche samt Stativ geschnappt, und ab geht’s zum südlichen Ende des Strandes, wo sich so langsam die Sonne über der hügeligen Küste bemerkbar macht. Lena überlasse ich derweil weiter ihren Träumen.

Es wird wieder ein herrlicher Tag werden, das sieht man jetzt schon. Am Himmel sind keine Wolken zu sehen, was in Neuseeland äußerst selten der Fall ist. Die ersten Sonnenstrahlen streicheln bereits die Küste südlich des Strandes, und je später es wird, desto mehr wandert die Grenze des nächtlichen Schattens auf dem goldenen Strand in meine Richtung. Mein Stativ habe ich in der Nähe der muschelbewachsenen Felsen aufgestellt, noch innerhalb des Schattens, den die Küstenlinie wirft. Fast wäre ich gar nicht bis hierher gekommen, denn zwei kleine schwarze Vögel mit gefährlich dolchartig aussehenden orangefarbenen Schnäbeln haben mich auf meinem Weg nahe an das Wasser herangetrieben. Ihr hektisches, aggressives Geklapper und die scherenartig schnappenden Schnäbel haben mir Respekt abgenötigt, so dass ich einen weiten Bogen um die beiden Tiere gemacht habe. Sie schützen ihr Gelege, habe ich dabei festgestellt.

Mitunter findet man ja interessante Dinge am Strand. Heute morgen ist es eine Neonröhre, die mit gelbweißen Muscheln übersät ist, deren Innenleben in der Morgensonne immer wieder aus den Schalen herausleckt. Ich positioniere mich mit meinem Stativ direkt über dem Schauspiel und warte, bis der erste Sonnenstrahl die Tiere erfasst hat, und drücke den Auslöser. Um mich herum warten schon die ersten Möwen darauf, dass ich ihr Frühstück freigebe…

Bis 7 Uhr 30 halte ich am Strand aus, staune, dass die Sonne immer weiter nach Norden wandert statt nach Süden und fange die begeisternde Stimmung des erwachenden Tages ein. Schließlich kehre ich zu Lena zurück mit dem Gedanken, jetzt könne ich sie endlich wecken. Aber von wegen – sie hockt schon hellwach vor dem Zelt und wartet auf mich, damit wir endlich frühstücken können.

Als wir gerade unsere Sachen zusammenpacken wollen, um unseren Weg fortzusetzen, erscheint ein Parkwächter an der Bucht und kontrolliert unsere Parktickets, die wir bei Old MacDonalds Farm gekauft haben. Ein junger Bursche ist es, der offensichtlich zu Fuß hierher gekommen ist; eine andere Möglichkeit gibt es ja nicht. Respekt! Er erkundigt sich noch, ob wir alleine hier gewesen seien und macht sich dann wieder von dannen. Dies ist wirklich der letzte Ort, wo wir erwartet hätten, kontrolliert zu werden. Wahnsinn!

Eine halbe Stunde später machen wir uns wieder auf den Weg die Küste entlang, weiter Richtung Süden, zurück in die Zivilisation. Nachdem wir uns an den erneut laut klappernden Vögeln vorbei gemogelt haben, erreichen wir die hübsche Anapai Bay, wo wir einen Felsen entdecken, der den Figuren auf den Osterinseln alle Ehre gemacht hätte. Der weitere Weg verläuft oberhalb der felsigen und manchmal steilen Küste, bis wir gegen Mittag wieder Totaranui erreichen. Hier kühlen wir unsere gequälten Füße unter eiskaltem Wasser und füllen unsere Wasservorräte auf. Hier ist das kostbare Nass sogar gefiltert, teilt mir die Dame im Info-Centre mit.

Awaroa InletsDie Sonne scheint kraftvoll auf uns herab, und entsprechend ist unser Flüssigkeitsbedarf. Das nächste Stück Weg führt u.a. durch das Awaroa Inlet, das nur bei Ebbe zu durchqueren ist. Ich habe bereits im Info-Centre von Motueka eine Tidentabelle eingesteckt, damit wir uns auf die Gezeiten einstellen können. Anhand dieser Tabelle sehen wir, dass wir noch genügend Zeit haben, und dehnen unsere Mittagspause entsprechend aus. Um 13 Uhr marschieren wir dann gemächlich weiter und teilen uns den Weg nun mit zahlreichen anderen Leuten, die ihre Wanderung in Totaranui begonnen haben.

Wir brauchen nur etwa eine Stunde, um die Awaroa Bay zu erreichen, und müssen noch eine weitere Stunde ausharren, bis die ersten Wanderer mehr oder weniger trockenen Fußes drüben angelangt sind. Also schnallen um viertel nach drei auch wir unsere Wanderstiefel an die Rucksäcke und schlüpfen in die Sandalen. Die Hosen noch schnell hochgekrempelt, dann marschieren wir über den sandigen und nassen Untergrund der Bucht. Es knackt laut bei jedem Schritt – Millionen von Muscheln bedecken hier das Watt, und immer wieder sieht man kleine Miniaturkrebse zwischen ihnen hin und her flitzen. Ohne Sandalen schneidet man sich bestimmt an den Muscheln die Füße auf, und so manch anderer Wanderer, der die Bucht hier durchquert, hat offensichtlich keine Latschen dabei…

Das Wasser reicht uns teilweise doch bis an die Waden, und nach etwa zwanzig Minuten, in denen wir nicht besonders schnell vorangekommen sind, erreichen wir das andere Ufer in der Nähe der Awaroa Hut. Hier heißt es Füße sauber machen und trocknen, und dann geht es weiter, am Sawpit Point vorbei, stetig die Hügelkette hoch. Ein sehr anstrengendes Wegstück bis zum Tonga Saddle, zumal wir auch schon einige Kilometer hinter uns haben. Die Entfernung vom Awaroa Inlet zur nächsten Zeltmöglichkeit an der Onetahuti Bay haben wir offensichtlich unterschätzt. Das letzte Stück des Weges führt durch den tiefen Sand der Bucht, und ich schleppe mich nur noch mühsam vorwärts, während Lena einige hundert Meter vor mir marschiert. Mein im Tongariro National Park umgeknickter Fuß macht sich auch mal wieder bemerkbar und schmerzt leise vor sich hin… Aber ich tröste mich damit, dass auch andere Wanderer schlapp machen und sogar hinter mir zurückfallen.

Onetahuti BayUnd dann, endlich, um 18 Uhr 15 erreichen wir nach einem langen Tag den Zeltplatz. Hier sind wir leider nicht mehr allein, es befindet sich schon etwa ein Dutzend Zelte dort. Direkt neben uns campt ein anderes deutsches Pärchen, deren Abendessen aus selbstgepflückten Muscheln besteht. Gemüse und alles haben die auch dabei und veranstalten eine richtige Koch-Session. Als die beiden endlich fertig sind mit dem Putzen der Zutaten, liegen wir fast schon satt im Zelt. Natürlich gehe ich nicht schlafen, ohne noch einige schöne Fotos versucht zu haben. Der Mond steht tief über der Bucht, und mit dem gerade angekommenen Kajak im Vordergrund könnte er ein schönes Bild liefern.

Das Pärchen, das noch so spät am Abend mit dem Bötchen hier eingetroffen ist, teilt mir kurz darauf mit, dass hier Possums herumstreifen, und als ich anschließend mit der Taschenlampe vom Zelt zur Wasserstelle unterwegs bin, huscht solch ein Viech an mir vorbei. Schnell halte ich den Strahler in seine Richtung, und wie vom Blitz getroffen bleibt das Tier in Männchenhaltung stehen. Putzig sieht es aus mit seinen großen roten Augen und spitzen Ohren. Und ziemlich groß, bestimmt einen halben Meter lang, den Schwanz nicht mit eingerechnet! Ich mache das Licht aus, und prompt setzt sich das Tier wieder in Bewegung und beginnt, flink einen Baum hinaufzuklettern. Sofort schalte ich die Lampe wieder an und halte erneut drauf. Und wieder stoppt das Tier brav im Lichtkegel und schaut mich groß an. Bisher haben wir die Tiere immer nur in plattgefahrenem Zustand auf der Straße gesehen; hier bietet sich somit eine seltene Gelegenheit, die Tiere einmal lebendig zu erleben. Aber eigentlich muss das auch nicht sein, denn die Viecher sollen Diebe sein und Dinge aus den Zelten herausziehen. Wir stopfen also alles möglichst in und unter die schweren Rucksäcke und hoffen, am nächsten Morgen noch alles vorzufinden…

Zu späterer Stunde im Zelt hören wir es denn auch manchmal im Laub rascheln, aber mehr quälen mich meine juckenden und kribbelnden Beine. Es fühlt sich an, als ob im Schlafsack Unmengen der kleinen Sandfliegen sind, die uns schon beim Abendessen so gequält haben. Trotzdem gelingt es uns irgendwie, einzuschlafen…

Am nächsten Morgen entdecke ich dann das Unheil. Meine Füße sind übersät mit Tausenden Mückenstichen und Fliegenbissen. Und das juckt! Meine Güte, so schlimm hab ich das ja noch nie gehabt. Seit wann bin ich denn Opfer dieser Untiere? Das ist doch sonst nur Lena… Kein Wunder, dass ich so schlecht geschlafen habe. Und nach einem Blick vor’s Zelt stellen wir fest, dass das Wetter heute auch dazu passt: grau in grau zeigt sich der Himmel zwischen den Baumkronen, und leichter Nieselregen senkt sich auf die bunten Planen ringsum.

Was soll’s, nützt ja alles nichts. Frühstücken und zusammenpacken können wir noch halbwegs im Trockenen, aber als wir dann gegen halb zehn aufbrechen, haben wir aus unseren Erfahrungen gelernt und gleich die Regenhosen angezogen. Kurz darauf öffnen sich die Himmelsschleusen.

Auf unserem Weg Richtung Bark Bay hört es nicht auf zu regnen. Es ist viertel nach elf, als wir auf der High Tide Route, die teilweise auch schon unter Wasser steht, die wunderschöne Bucht umrunden und die Bark Bay Hut erreichen, in der sich zahlreiche Wanderer tummeln. Auch wir treten ein und wärmen uns etwas auf. Dabei kommen wir mit einem netten deutschen Pärchen ins Gespräch. Wir haben keine Lust, bei diesem Wetter zu zelten und beschließen, mit dem Wassertaxi nach Marahau zurückzukehren; wir sind eh total durchnässt.

Allerdings weiß keiner so genau, wo das Boot anlegt. Einige hundert Meter von der Hütte entfernt liegt eine kleine Campingstelle, und dorthin marschieren wir im Laufschritt, denn das Wassertaxi kann jeden Moment ankommen. Auf dem schmalen Landstrich finden wir eine bewohnte Hütte vor, wahrscheinlich die des Campingplatzwartes. Dort erhalten wir die Auskunft, dass das Boot in zehn Minuten kommt. Da haben wir ja noch mal Glück gehabt. Aber es kann immer noch sein, dass für uns kein Platz mehr im Taxi ist und wir zu Fuß weitermarschieren müssen. Doch erneut haben wir Glück! Es sind noch Plätze in dem kleinen Schnellboot frei, und barfuss stapfen wir durch den nassen Sand und das niedrige Wasser, um einsteigen zu können. Irgendwie fühlen wir uns wie Schiffbrüchige, die gerade gerettet werden. Im Eiltempo geht es zurück Richtung Marahau. In der Bucht von The Anchorage werden weitere Schiffbrüchige aufgenommen, aber bei denen scheint der Begriff zu stimmen. Es handelt sich um ein Pärchen, das mit einem Kajak unterwegs war. Das Kajak wird hinter der letzten Sitzbank quer über das Boot gelegt und festgezurrt, und weiter geht’s. Hoffentlich hebt das Wassertaxi jetzt nicht ab, wo es doch Flügel bekommen hat…

Im Windigen Garten werden wir wieder per Traktor durch den Ort kutschiert und steigen am Park Café aus, nicht weit von Old MacDonalds Farm entfernt. 40 Dollar hat der Spaß gekostet, aber das war er uns wert. Nun können wir erst mal herrlich warm duschen…

Anschließend belohnen wir uns selber: Zuerst mit dem letzten Stück Mud Cake aus dem Supermarkt in Motueka und anschließend mit einem herzhaften Abendessen im netten Park Café, das mit würzigem Bier heruntergespült wird. Und zum Nachtisch ein Riesen-Banana-Split, den ich kaum alleine auf kriege. Ah, lecker! Ein krönender Abschluss für unseren Besuch im Abel Tasman Nationalpark!

Beu gutem Wetter auf nach Abel Tasman

Nach dem anstrengenden Tag gestern, wo wir durch Regen und Matsch laufen mussten, schlafen wir erst einmal lange und lassen den Tag langsam beginnen. Leider muss ich mich vor der Weiterfahrt schon wieder mit dem Dumpen herumschlagen. Immer wieder ein Quell der Freude und beruhigend für die Nerven – nee, nee!

Heute ist der 19. November, und wir haben einen Tag im Wohnmobil vor uns: Wir wollen auf jeden Fall heute noch den Abel Tasman Nationalpark erreichen, wo wir dann auch endlich eine Kajaktour machen wollen. Wir hatten schon überlegt, hier in den Marlborough Sounds solch eine Tour zu buchen, aber bei dem Regen haben wir uns dagegen entschieden. Hoffentlich wird das Wetter endlich mal besser!

HavelockAber nein, es regnet schon wieder – oder immer noch. Der kurvenreiche Queen Charlotte Drive, der durch eine bei sonnigem Wetter sicherlich sehr attraktive Gegend führt und immer wieder herrliche Blicke über die Sounds bietet, führt uns zunächst nach Havelock. Unsere Mägen verkünden uns, dass es Mittagszeit ist. Direkt an der (einzigen) Straße gibt es ein hübsches Muschelrestaurant, aber Lena möchte da nicht rein, wenn ich nichts mit esse. Aber dazu kriegt sie mich nicht. Noppen, Ärmchen und schleimiges Getier sind nichts für mich. Also beschränken wir uns auf einige Stücke Quiche, die aber auch sehr lecker sind, trinken anschließend in einem netten kleinen Café je eine große Schale unserer beliebten Lattes, und schauen hinaus in den Regen.

Tipps

  • In Havelock lohnt ein Snack-Stop. Quiche, Muscheln (wer mag) und Café Latte.
  • Macht einen Strandspaziergang in Nelson!
  • Idealer Campingplatz in Marahau ist Old MacDonalds Farm! Hier kann man auch Buchungen vornehmen und Kleinigkeiten einkaufen.

Nachmittags erreichen wir Nelson, den größten Ort im Norden der Südinsel, und hier scheint tatsächlich die Sonne. Nelson liegt an der Tasman Bay, wo sich offensichtlich schon das im allgemeinen warme und freundliche Klima der Tasmanischen See bemerkbar macht. Frohlockend machen wir hier unseren ersten Strandspaziergang auf der Südinsel, essen anschließend noch ein Eis und sind plötzlich guter Hoffnung, dass wir in den nächsten Tagen mehr Glück mit dem Wetter haben werden.

Gegen 18 Uhr erreichen wir Marahau, den „windigen Garten“, das Tor zum Abel Tasman Nationalpark. Es ist ein sehr kleines Tor; im wesentlichen eine Straße am Strand entlang, von der nur eine weitere abzweigt. In diese fahren wir aber nicht hinein, denn direkt am Beginn des berühmten Abel Tasman Coastal Track soll ein Campingplatz liegen, und der ist noch einen Kilometer entfernt. Also folgen wir der Straße, bis wir rechts das „Park Café“ sehen, direkt am Startpunkt des Wanderweges, und links ein Schild zu zwei Campingplätzen. Denen folgen wir, fahren an dem ersten vorbei und gelangen zu „Old MacDonalds Farm“! Und der Name ist wirklich Programm, ’ne Menge verschiedener Viecher laufen hier herum: Lamas, Hühner, Wildschweine samt Ferkel, hässliche weibliche Pfauen sowie auch ein wunderschöner männlicher, und, und, und. Die Farm hat ein hübsches Office, wo man auch Kleinigkeiten einkaufen, sogar Buchungen für Unternehmungen vornehmen und auch Informationen einholen kann. Eine alte Frau nimmt meine Buchung für erst einmal eine Nacht entgegen; morgen sehen wir weiter, wie lange wir bleiben wollen. Bezahlen kann ich noch nicht, denn die Leitung für die Kreditkarte ist besetzt. Aber das könne ich ja auch noch morgen nachholen, meint die Frau.

Es ist hübsch hier auf der Farm, auch die Pflanzenwelt ist ziemlich bunt. Der Campingplatz für die Caravans liegt noch vierhundert Meter weiter auf dem riesigen Gelände, und dort können wir uns einen Platz aussuchen. Um diese Jahreszeit ist noch nicht viel los, aber genauso haben wir uns das ja auch vorgestellt! Ich kann den Abend hier aber nicht beginnen, bis ich nicht doch wenigstens einmal an den Startpunkt der Wanderung gegangen bin, die wir auch machen wollen. Also stapfe ich los, und der Weg ist weiter als gedacht. Es wird schon dunkel, als ich am Park Café ankomme, einem netten Bistro im Holzhüttenstil, dem vielleicht einzigen Treffpunkt hier in der Nähe. Gegenüber liegt ein kleines Häuschen, das mit riesigen Holzschnitzereien auf sich aufmerksam macht. Aber ich interessiere mich mehr für den Steg, der über das sumpfige Gelände nebenan führt, über niedriges Gras hinweg in die Wildnis hinein… Morgen stehe ich früh auf, sage ich mir, um genau hier den Sonnenaufgang zu fotografieren. Manchmal muss man halt Opfer bringen…

Die Astrolabe Tour im Abel Tasman Nationalpark

Um halb sechs macht sich dann auch Lenas Handy unangenehm mit seinem Weckton bemerkbar, und ich quäle mich aus dem Sitzeckenbett heraus, steige über Lena hinweg und in meine Klamotten und bin nach einer Katzenwäsche mit meiner gesamten Fotoausrüstung draußen.

Und da sehe ich dann das Malheur: Der Himmel ist weitestgehend bedeckt, wahrscheinlich kommt gar kein morgendlicher Strahl hindurch. Aber nun bin ich schon mal auf, und vielleicht ergibt sich ja doch was. Also los. Stativtasche über die Schulter gehängt, und ab geht’s. Irgendwie bin ich ruckzuck am Parkeingang. Es ist noch fast ganz dunkel, und aus einem Mülleimer bei den Informationstafeln höre ich ein Rascheln. Als ich näher hinschaue, erkenne ich dort ein Exemplar einer Art Sumpfhuhn, das dort drinnen herumscharrt und nach Nahrung sucht!

Ich konzentriere mich wieder auf den Sonnenaufgang und baue mein Stativ auf dem Holzsteg hinter dem Park Café auf. Überraschenderweise ergeben sich einige interessante Augenblicke, als am Horizont die Wolkendecke aufreißt, und prompt klebt mein Finger am Auslöser. Leider fängt es dafür direkt über mir an zu regnen! Auch das noch. Es nieselt zwar nur leicht, aber es reicht zum nass werden, denn ich habe zwar meine Jacke dabei, aber nicht die Regenhose. Seufzend packe ich zusammen und marschiere zu Lena zurück. Irritierenderweise erscheint mir der Rückweg dabei ungleich länger als der Hinweg. Kurz nach sieben bin ich wieder im Trockenen, und da sich scheinbar wieder alles gegen uns verschworen hat, lege ich mich wieder zu Lena ins warme Bett.

Heute scheint wieder so ein trostloser Tag zu sein, der zu nichts besonderem einlädt. Wir hatten uns so auf eine Kajaktour hier im Abel Tasman Nationalpark gefreut; Freunde von uns hatten schon davon geschwärmt. Vielleicht wird das Wetter ja morgen besser, dann ist ja auch Sonntag!

Tipps

  • Einen Großeinkauf macht man am besten in Motueka. An der Hauptstraße befindet sich ein großer Supermarkt. Besonders zu empfehlen: leckerer schokoladiger Mud-Cake!
  • Abel Tasman Kajaks in Marahau ist eine gute Wahl, wenn man vor Ort Kajaktouren machen möchte.

Da wir eh einkaufen müssen für die nächsten Tage und die Unternehmungen, die wir geplant haben, fahren wir nach Motueka zurück, das etwa 15 Kilometer vor Marahau liegt. Alles liegt irgendwie vor Marahau, denn der windige Garten liegt am Ende der Welt.

Abel Tasman Coastal TrackBei der Einfahrt in den kleinen, aber geschäftigen Ort entdecken wir schnell das Hinweisschild auf das Visitor Centre und folgen ihm. Nicht weit von der einzigen Hauptstraße finden wir das Gebäude und erkundigen uns drinnen nach dem Wetter für die nächsten Tage, den Kajaktouren und den Bedingungen auf dem Abel Tasman Coastal Track. Der junge Angestellte meint, das Wetter würde besser werden und nickt verständnisvoll ob unserer Besorgnis über matschige Wanderwege, als ich ihm von meiner kleinen Verletzung auf dem Queen Charlotte Walkway erzähle…

Wir erkundigen uns danach, ab wann man geeignet dafür sei, alleine mit dem Kajak zu fahren. Das sollen wir am besten direkt mit den Verleihern absprechen, erhalten wir als Auskunft. Die können das am besten abschätzen, auch, welche Tour die beste ist, wenn man nicht alleine fahren möchte. Also werden wir nach dem Einkaufen direkt zu Abel Tasman Kajaks fahren, die ihre Basis in Marahau haben. Wir glauben uns blass daran zu erinnern, sie gestern auf der Herfahrt gesehen zu haben.

Kurz darauf schieben wir einen großen Einkaufswagen durch die Gänge eines der beiden Supermärkte des Ortes. Wir haben denjenigen mit dem größeren Parkplatz gewählt, das ist bei unserem Fahrzeug immer ein gutes Argument. Allerlei Leckereien packen wir ein: Obst, weißes Brot (gibt ja nix anderes!) und eine Fertig-Würzmischung für eine Pilzpfanne. Dann einen sehr schokoladig aussehenden Mud-Cake, bei dessen Anblick mir schon das Wasser im Munde zusammenläuft… Und so weiter, und so weiter. Man kann sich daran gewöhnen, dass man hier in jedem Supermarkt mit der Kreditkarte bezahlen kann. Unser Bargeldbedarf hält sich echt in Grenzen. Nie habe ich mehr als 200 Dollar auf einmal am Geldautomaten – oder „Money Machine“, wie sie hier heißen – gezapft.

Es ist schon früher Nachmittag, und wir haben Hunger. Die meisten Läden haben geschlossen; Samstag nachmittags ist das wohl nicht so üppig mit den Servicezeiten. Aber da: ein Fisch-Imbiss hat offen. Drinnen bestellen wir uns Fish&Chips zum Mitnehmen und erhalten zwei Riesenportionen in Papier eingewickelt. Die lassen wir uns im Wohnmobil gut schmecken. Mhm, so richtig dicke Pommes sind das, und dazu die Sandwich-Soße aus Mayo-Senf-Mischung – richtig lecker!

Abel Tasman KajaksAuf diese Art gestärkt machen wir uns auf die Suche nach der Basis von Abel Tasman Kajaks. Irgendwo vor Marahau (klar!) fahren wir rechts ab, denn von hier sind wir gestern gekommen, und wir glauben, dass sie dort irgendwo am Berg liegt. Aber wir irren uns. Nirgendwo ist was von Kajaks zu sehen, und wir landen bald in dem kleinen Küstenort Kaiteriteri, wo es auch Kajakverleiher gibt. Aber da wir eh nach Marahau zurück müssen und uns von allen Prospekten die Touren von Abel Tasman Kajaks am besten gefielen, kehren wir um und durchqueren ganz Marahau, bis wir am Ortsausgang schließlich das Lager entdecken, keinen Kilometer vor Old MacDonalds Farm! Meine Güte, das hätten wir heute mittag auf der Fahrt Richtung Motueka doch sehen müssen! Nicht zu fassen. Aber nun gut. Wir stellen unser Gefährt gegenüber den großen Schuppen ab, wo viele Kajaks stehen und zahlreiche junge Leute am Werkeln sind: Kajaks reinigen, Utensilien zusammenräumen und dergleichen. Ziemlich viel los hier. Wir betreten das Office und teilen unser Anliegen mit. Zwei Touren kommen für uns in Frage. Die eine endet an der Bucht „The Anchorage“, von wo aus wir mit dem Wassertaxi nach Marahau zurückfahren würden, bei der anderen würden wir anschließend von der Torrent Bay aus auf dem Coast Track zu Fuß weitermarschieren. Für uns also nur die Frage, was uns besser passt. Schließlich entscheiden wir uns für einen trockenen Abend nach der Kajaktour, denn wer weiß, wie das Wetter morgen ist. Wir ziehen es vor, dann übermorgen früh auf jeden Fall gut getrocknet die Wandertour beginnen zu können, und melden uns für die sog. „Astrolabe-Tour“ bis „The Anchorage“ an.

Sandy Bay MarahauVor dem Abendessen machen wir noch einen Spaziergang in der Sandy Bay, am ortseigenen Strand von Marahau, wo wir das einmalige Schauspiel betrachten können, wie die Wassertaxis bei Ebbe von Traktoren aus dem Watt auf die Straße gezogen werden. Die Trecker stehen dabei im kniehohen Wasser, die Boote fahren auf die Anhängerladefläche, werden irgendwo festgehakt, und schon tuckert die Zugmaschine los. Auf der Straße bleibt das Boot auf dem Anhänger und die Fahrgäste im Boot; der Trecker fährt die Leute dorthin, wo sie abgesetzt werden wollen. Hier liegt ja alles nicht weit auseinander, da macht sich die Langsamkeit eines Traktors nicht so negativ bemerkbar. Im Gegenteil: Sie wirkt richtig beschaulich. Fürwahr ein faszinierendes Schauspiel, das wir da staunend betrachten. Mit Interesse beäugen wir auch die Kajakfahrer, die ihre Boote auf vierrädrigen Karren aus dem Watt mitbringen. Scheint anstrengend zu sein…

Endlich stehen wir wieder auf unserem Stellplatz bei Old MacDonald. Tatsächlich auf dem gleichen wie gestern. Das war gar nicht so sicher, denn hier ist freie Platzwahl zu dieser Saison. Bald brutzelt unsere Pilzpfanne auf dem Gasofen, und wir lassen es uns mal wieder so richtig gut gehen. Dann noch der Mud-Cake als Nachtisch – und der Abend ist perfekt und wir pappsatt.

Am nächsten Morgen ist es mal wieder früh für uns. Um sieben Uhr schwingen wir die Keulen aus den Federn und machen uns für unsere erste Kajaktour auf neuseeländischem Boden, oder besser in neuseeländischen Gewässern, bereit. Viertel vor neun sind wir an Ort und Stelle und stehen parat mit Handtuch, Fotoapparat und Sonnenschutzmittel, die wir in dem kleinen Rucksack, der eigentlich zu meiner Fototasche gehört, verstaut haben.

Es ist ein herrlicher Tag, die Sonne lacht, und wir scheinen endlich mal Glück zu haben. Hoffentlich bleibt es heute so! Wir werden zu einem runden Tisch geschickt, wo bald Rich zu uns stößt, der für heute unser Begleiter sein wird. Dann treffen auch die anderen ein, die an der Tour teilnehmen wollen: Ein US-amerikanisches und ein Schweizer Pärchen sowie ein Engländer und eine Amerikanerin komplettieren unser Team. Nach der Anfangsbesprechung erhalten wir unsere Kajakbekleidung wie Spritzdeckchen und Schwimmwesten und die anderen Dinge, die man noch so braucht auf dem Wasser: die Paddel natürlich, und ganz wichtig, zumindest für mich: eine wasserdichte Box für den Fotoapparat. Da ich aber ein vorsichtiger Mensch bin, habe ich trotzdem nur meine alte automatische Kamera eingepackt, nicht meine neue Nikon F90X, die ich mir rechtzeitig für diese Reise zugelegt habe. Bloß kein Risiko eingehen, nicht bei dem Preis, den ich dafür bezahlt habe!

Und dann geht es los. So wie wir es gestern gesehen haben, schieben heute wir unsere Kajaks auf den putzigen Karren Richtung Strand. Gott sei dank herrscht hier morgens Flut, so dass wir es nicht weit haben bis zum Wasser!

Ist das ein Gefühl, mal wieder in so einem kleinen Bötchen auf dem Meerwasser zu treiben! Nur mühsam gehen die ersten Paddelschläge von der Hand, und bald schmerzt meine linke Schulter enorm. Irgendwas mache ich falsch. Aber ich versuche, nicht daran zu denken und mich auf das Paddeln zu konzentrieren. Lena sitzt hinten und lenkt unser Zweierkajak. Obwohl wir uns nach unserem Kajakabenteuer in Kanada vor zwei Jahren gesagt haben: „Nie wieder Zweier!“, sitzen wir schon wieder im selben Boot! Ist aber eigentlich auch besser so, und es klappt auch besser als gedacht. Dieses mal kommen wir uns nicht mit den Paddeln in die Quere.

Zunächst gleiten wir gemächlich aus der Bucht von Marahau heraus. Der Name „Sandy Bay“ hat Berechtigung, denn bei Ebbe ist der Strand sicher hundert Meter und mehr breit. Unter uns entdeckt Rich einen riesigen Schwarm Fische, der einen unheimlichen Schatten im Wasser erzeugt…

Fisherman Island und Adele IslandUnsere ersten Ziele sind die beiden der Bay vorgelagerten Insel Fisherman Island und Adele Island, die wir dann auch umrunden. Es ist fantastisch, auf dem grünblauen Wasser dahinzugleiten! Bald sehen wir die goldgelben Strände vor uns liegen, drum herum das Grün des Urwalds… eine wahre Wonne! Auf Adele Island machen wir einen Picknick-Stop, und es gibt einen heißen Drink, der an Kakao erinnert, aber keiner ist. Sehr lecker. Nach einer halben Stunde sitzen wir wieder in den Booten, die sehr stabil und gut zu fahren sind. Lena und ich haben getauscht, so dass ich jetzt die Füße am Ruder habe, das mir gleich Probleme bereitet. Ich ziehe und zerre an dem Verbindungsseil, aber es will und will sich nicht ins Wasser senken. Bis dann unser Schweizer Freund mir hilft. Das Zugseil wird beim Landgang immer festgezurrt, dafür gibt’s extra eine metallene Lasche, in der das Seil festgehakt wird. Tja, und da hakte es halt bei mir immer noch… Aber nun geht es weiter. Rich führt uns um Felsen herum, durch schmale Passagen hindurch, bei denen unser Boot unweigerlich Felsberührung bekommt – ein schreckliches, scharrendes Geräusch am Rumpf. Aber die Kajaks sind ja stabil und halten was aus! Kein Riss, kein Leck entsteht so schnell, wenn man mal auf Grund läuft oder über Steine schleift.

Es ist großartig! Meine Schulter beruhigt sich so langsam, obwohl wir nun auch einige Strecken haben, auf denen wir kräftiger paddeln müssen. Die See wird etwas unruhiger, als wir uns der Te Pukatea Bay nähern, wo wir lunchen wollen. Dort angekommen, bereitet Rich uns ein Festessen zu. Was er nicht alles an Behältern aus den Kajaks zaubert! Schließlich sitzen wir alle um einen lecker gedeckten Mittags“tisch“ herum: Es gibt Pita mit Lamm, Tofu und diversen Salaten und Gemüsen. Und Chow-Chow, eine süßsaure Soße, die superlecker schmeckt. Munter kauend meine ich so zu Rich, dass bei uns in Deutschland „Chow-Chow“ ein kleiner Hund sei. Wär’ ja ein Spaß gewesen, wenn er geantwortet hätte: „Bei uns auch…“

Wir lassen uns das Essen gut munden und langen kräftig zu. Schließlich ist das im Preis inbegriffen. Alleine sind wir hier am Strand allerdings nicht; es ist noch eine weitere Gruppe Kajaker hier gestrandet. Sowieso ist hier von einsamen Stränden nicht viel zu merken. Wo man mit dem Kajak hingelangen kann, da finden sich auch Leute.

Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Ausflug in die Umgebung. Rich hat von einem Pfad erzählt, der oberhalb der Bucht herführt und einen tollen Blick auf den Strand bietet. Und tatsächlich: Nach wenigen Minuten Steigung erhaschen wir durch den dichten Blättervorhang der üppigen Vegetation einen famosen Blick auf den halbmondförmigen, gelben Sandstrand unter uns. Einsam liegen die Kajaks am Wasser und warten darauf, wieder in die Wellen geführt zu werden…!

Kaum sind wir wieder unten bei den anderen, geht es auch schon weiter. Wir müssen um den Pitt Head herumfahren, durch ein rauhes Stück See, was einige Kraft kostet, aber wahnsinnig viel Spaß macht. Hier kann man sich mal so richtig ins Zeug legen…

Schließlich erreichen wir die große weite Bucht von The Anchorage. Hier lassen wir unsere Kajaks zurück und besteigen das 16 Uhr-Wassertaxi, mit dem wir nach Marahau zurückkehren. Die Kajaks werden später abgeholt.

Mit einem Mordstempo schießt das Boot, in dem etwa 15 Menschen Platz haben, über das Wasser. Ein Dach hat das Taxi nicht, und jeder Fahrgast muss eine Schwimmweste tragen. Könnte ja sein, dass man rausgespült wird… Jedenfalls schluckt man ganz schön Wind, und für einen kurzen Moment wird mir etwas übel, obwohl ich mit Seekrankheit gar nichts am Hut habe. Aber in Marahau angelangt, ist das vergessen, und nun sind wir dran, mit dem Traktor quer durch den Ort gefahren zu werden. Ein witziges Gefühl! An der Abel Tasman Kajak-Basis werden wir abgesetzt, und nachdem wir noch einen Abschiedssaft getrunken haben, verlassen wir die Runde und kehren zurück zu unserem Campingplatz.

Ein herrlicher Tag war das, und trotz der Beschwerden in der Schulter hat das Kajakfahren mal wieder enorm viel Spaß gemacht! Und das Wetter hat endlich mal mitgespielt! Wir freuen uns schon auf morgen, wenn wir unsere drei- bis viertägige Wanderung auf dem Abel Tasman Coastal Track beginnen. Das wird bestimmt gigantisch, wenn das Wetter so bleibt! Wir haben vor, morgen mit dem Wassertaxi so weit wie möglich nach Norden zu fahren, nach Totaranui, um von dort aus dann einen Bogen über den Gibbs Hill zu schlagen und anschließend an der Küste entlang nach Marahau zurückzukehren.

Old MacDonalds FarmVor dem Abendessen marschiere ich noch mal hinunter zum Office von Old MacDonalds Farm, um die Bootsfahrt zu reservieren. Ich treffe dieses mal den Alten selber an, und er bestätigt mir, dass die Route, so wie wir sie geplant haben, die beste sei. Die ganze Strecke kann man auch problemlos in drei bis vier Tagen schaffen. Als er beim Wassertaxi-Unternehmen anruft, um den Transport für morgen vormittag dingfest zu machen, müssen wir allerdings feststellen, dass das kleine Boot ausgebucht ist, so dass wir auf das langsamere, aber komfortablere und größere Schiff der Abel Tasman Enterprises zurückgreifen müssen. Das ist nicht so schlimm, denn es ist auch noch einige Dollars günstiger. Schließlich löse ich pro Person noch je zwei Tickets, damit wir im Nationalpark zelten dürfen. Also: Morgen früh um viertel vor neun geht es hier direkt vor dem Office los…

Nach dem Abendessen packen wir die Rucksäcke, und ich sortiere noch einmal meine Fotoausrüstung. Essen für den Trip wollen wir morgen früh einpacken. Muss reichen. Lieber noch ein wenig entspannen und faulenzen vor den -zig Kilometern, die wir da vor uns haben!

Streifzug durch Neuseelands Hauptstadt

Uah, war das eine kalte Nacht, und ich habe verdammt schlecht geschlafen; meine Füße und Beine haben die ganze Zeit gekribbelt, haben wahrscheinlich immer noch die 17 Kilometer gespürt. Um 7 Uhr 30 wachen wir auf, erneut ohne Handy. Der Wecker hat’s wieder nicht getan! Was ist nur los?

Bevor wir uns um halb elf auf den Weg Richtung Süden machen, entleeren wir noch einmal den Schmutzwassertank. Das ist eine Qual! Der Schlauch ist echt sch… – äh, ungeeignet, meine ich. Zwei Knicke hat der, und das Dreckwasser staut sich immer genau dort. Und bei der dicken und steifen Schlauchwandung ist das richtig anstrengend, ihn geradezubiegen. Lena bleibt dann immer mit dem Fuß auf einem Knick stehen. Den anderen halte ich mit der Linken gerade, während ich mit der Rechten aufpasse, dass der enge Schlauch nicht von dem Auslassventil abrutscht. Macht echt keinen Spaß!

Fähre zur SüdinselHeute ist Sonntag, der 14. November, und am Dienstag morgen geht unsere Fähre hinüber zur Südinsel. Somit wollen wir uns schon auf den direkten Weg nach Süden machen, um am Montag noch etwas Zeit für Wellington zu haben. Wir nehmen die in den ADAC-Broschüren empfohlene Strecke über einige Maori-Dörfer am Wanganui-River entlang, bereuen dies aber bald. Die Dörfer sind total uninteressant und der Highway eine schreckliche Schotterpiste. Sage und schreibe 64 Kilometer legen wir auf dieser unbequemen Straße zurück, die wir keinem weiterempfehlen können! Fahrt lieber den direkten Weg Richtung Wanganui. Auch der Fluss selber ist nicht besonders schön. Wir jedenfalls sehen nur braunes Brackwasser!

Stadt WanganuiEndlich erreichen wir die Stadt Wanganui, und unseren Hunger stillen wir um 13 Uhr 50 im Pizza Hut. Schon komisch: Lena meinte, sie habe Hunger auf eine Pizza, und daher sind wir auf Deubel komm raus in die Stadt hineingefahren, Ausschau haltend nach Pizza Hut. Und gerade als wir aufgeben wollten und um eine Ecke fuhren, haben wir das rote Schild gesehen. So ein Zufall aber auch!

Das Essen ist reichlich; zur großen Wagenrad-Pizza mit dünnem Boden gibt es eine Schale Pommes als Beilage. Nur sauberer könnte es hier sein; beim Verrücken meines Stuhls greife ich in irgendwas Klebriges – bah. Schnell die Hände gewaschen.

Unser nächstes Ziel ist die Kapiti Coast, das angeblich schönste Stück Westküste hier auf der Nordinsel. Wir machen einen Abstecher Richtung Otaki Beach, um heute wenigstens noch etwas vom schönen Wetter zu haben. Es ist mal wieder typisch: Heute sind wir fast den ganzen Tag im Wohnmobil unterwegs, und es ist herrlichstes Wetter! Schön warm, sonnig und vor allem trocken!

Am Strand ist es herrlich. Ein Kanu tanzt hier auf den Wellen, ein paar Rettungsschwimmer machen Übungen und zwei Jugendliche jagen mit ihren Mofas über den groben Sand, eine stinkende Benzinfahne hinter sich herziehend. Die Idylle verschwindet spätenstens, als wir beinahe über eine tote Robbe stolpern…

Tipps

  • Nehmen Sie vom Tongariro National Park nach Wanganui die direkte Strecke über den Highway 4! Die 64 Kilometer lange Schotterpiste über die kleinen Maori-Dörfer kann man sich beruhigt schenken! Lohnt nicht, ist stellenweise äußerst eng und schlecht zu befahren. Macht keinen Spaß!
  • Zwischen Wanganui und Wellington braucht man sich nicht lange aufzuhalten. Eine Stippvisite am Strand genügt.
  • Der Wellington am nächsten liegende Campingplatz ist derjenige im Vorort Lower Hutt. Gute Busverbindung zur Hauptstadt.
  • Bus-Haltestellen erkennt man an einem kleinen grünen Verschlag oder Häuschen am Straßenrand!
  • Besuchen Sie das Museum Te Papa! Hier wird einem vieles geboten, und der Eintritt ist gratis! Und im zugehörigen Souvenirshop werden Sie vielleicht fündig, dort gibt es schöne Sachen!
  • Ein Bummel durch Wellingtons Innenstadt ist nett. Fahren Sie mit dem Cable Car zum Botanischen Garten hinauf.

Weiter geht es nach Waikanae, wo wir einen Campingplatz für heute nacht zu finden hoffen. Als wir aber direkt vor dem Deich stehen und nicht weiterwissen, halten wir am Straßenrand und studieren unsere Karten. Plötzlich klopft es am Türfenster, und ein älterer Mann bietet uns seine Hilfe an. Er habe vom Balkon aus gesehen, dass wir wohl etwas suchen würden. Und dann empfiehlt er uns den Campground in Lindale, einige Kilometer weiter den Highway 1 hinunter.

WellingtonHier, nur wenige Kilometer vor Wellington, ist der Verkehr zum ersten mal richtig dicht, auch für europäische Verhältnisse. Man merkt, dass wir in Großstadtnähe sind. Um kurz nach sechs erreichen wir den hübschen Campingplatz und finden eine lustige Barbeque-Stimmung vor. Der alte Mann, der uns die Stellplätze zeigt, ist schon etwas angeheitert und kommt mit der Kreditkartenmaschine nicht zurecht, so dass ich zum ersten mal freiwillig bar bezahle. Auch hier kostet es uns 20 Dollar für die Nacht. Das scheint hier so der Durchschnittspreis zu sein.

Am Abend haben wir weiterhin tolles Wetter, und wir können unser Abendessen sogar draußen auf der hölzernen Sitzecke zu uns nehmen, die zum Stellplatz dazugehört. Den Campingtisch und die -stühle, die wir bei Maui gemietet haben, haben wir bis heute nicht ein einziges mal gebraucht!

Am nächsten Morgen sind wir mal wieder spät dran, und erneut finden wir Wolken am Himmel. Um 11 Uhr machen wir uns auf Richtung Wellington. Unser Ziel ist zunächst ein Campingplatz im Vorort Lower Hutt, der am nächsten zur ort liegt. Von dort aus wollen wir dann mit dem Bus nach Wellington hineinfahren.

Nachdem wir einmal die Ausfahrt verpasst und uns schon fast im Zentrum der Hauptstadt wiedergefunden haben, erreichen wir gegen Mittag den Campingplatz. Probleme haben wir anschließend auch, die Bushaltestelle zu finden, die irgendwo an einem nahegelegenen Kreisel liegen soll. Hier ist nichts, was auf eine Bushaltestelle hindeutet! In einer Imbissbude ziehen wir Erkundigungen ein, und man weist uns auf einen kleinen grünen Unterstand auf der anderen Seite hin – dort halte der Bus. Meine Güte, das muss man auch wissen!

Museum Te PapaDer Busfahrer ist nett, und er bringt uns fast bis vor den Eingang von Neuseelands neuestem, größtem und teuerstem Museum: Te Papa, das mit freiem Eintritt lockt. Und ein Besuch lohnt wirklich. Die Ausstellungen zeigen eine Menge über die Siedlungsgeschichte in Neuseeland, aber auch über die Naturphänomene und die Tierwelt. So gibt es hier zum Beispiel ein kleines Häuschen, das alle paar Minuten wie bei einem Erdbeben wackelt. Das ist ein Gefühl! Draußen finden wir neben einem künstlich angelegten Dschungel mit einer Hängebrücke auch eine Nachbildung der Glühwürmchenhöhlen vor. Zur Stärkung bietet sich ein Besuch der Cafeteria an, die u.a. mit leckeren Sandwiches und Muffins sowie Café Latte aufwarten kann. Zum Abschluss betreten wir noch den Souvenirshop im Museum, ohne Hoffnung, etwas wirklich interessantes zu finden. Aber da täuschen wir uns. Neben dem üblichen Kitsch finden wir jeder etwas Tolles: Ich begeistere mich sofort für einen herrlichen großen Teller aus Rimu-Holz, der an einem Rand mit drei Opal-Einlagen und am anderen mit drei schwarzen Holzeinsätzen versehen ist. Fantastisch! Ein toller Blickfang. Lena ist mehr von den kunstvollen Anhängern fasziniert, welche die Maori nach „Bonecarving“-Art herstellen. Lena kauft sich ein sehr hübsches Exemplar. Aus Knochen wohlgemerkt!

Nachdem wir einige Stunden hier im Museum verbracht haben, beginnen wir am späten Nachmittag, durch die Innenstadt und die Einkaufsstraßen zu bummeln. Lena schaut sich etwas in einem CD-Laden um, in dem die gepressten Scheiben sogar zum Teil teurer sind als bei uns. Ansonsten ist das Preisniveau ähnlich wie zuhause. Das praktische Umtauschverhältnis von fast eins zu eins zwischen D-Mark und Neuseeland-Dollar macht das Einkaufen dann noch leichter. In einer Passage finden wir unser beliebtes „Starbucks Coffee“ vor: Idealer Augenblick und Ort für eine Latte- und Muffin-Pause. Der riesige Schoko-Muffin, den ich mir gönne, ist einfach göttlich!

Cable CarMit dem Cable Car fahren wir dann den Berg hoch, an dem die Innenstadt Wellingtons liegt, und spazieren nach einem staunenden Blick über das unter uns liegende Szenario durch den hier beginnenden, sehr hübschen Botanischen Garten wieder hinunter Richtung Zentrum. An einem bunten Rosengarten vorbei erreichen wir wieder die Hauptstraße Lambton Quay, wo wir um 19 Uhr, als schon alle Geschäfte geschlossen haben, in der schummrigen Bar der Restaurant-Kneipe „Paris“ mit Käse überbackene Nachos und Potato-Wedges mit einer leckeren Salsa-Soße zu uns nehmen. Dazu ein leckeres Bierchen – ach, uns geht’s gut!

Auf den Bus müssen wir dann bis halb neun warten, aber dafür beeilt der sich anschließend richtig, fährt fast schon ein Rennen gegen sich selbst. Gott sei dank erreichen wir den Campingplatz heil! Tja, dies ist unser letzter Abend auf der Nordinsel; morgen früh fahren wir mit dem Interislander über die Cook Strait zum angeblich schöneren Teil Neuseelands hinüber. Wir hoffen, dass es das Wetter dann auch besser mit uns meint!

Ankunft auf der Südinsel und Queen Charlotte

Der Handy-Wecker funktioniert, und wir stehen wunschgemäß früh auf. Unsere Fähre legt ja schon um halb zehn ab, und wir müssen erst noch ein Stückchen Richtung Wellington fahren. Lena versucht, etwas zu treiben, aber ich meine, wir haben noch Zeit genug.

Tipps

  • Nicht zu spät Richtung Fähre los fahren! Zwischen Lower Hutt und Wellington muß man morgens mit Stau rechnen!
  • In der High Street in Picton gibt es einen Laden mit herrlichen Holzschnitzereien! Ein Besuch lohnt sich!
  • Der Blue Anchor Campground in Picton ist sehr empfehlenswert!
  • Der Queen Charlotte Drive ist ziemlich kurvig und stellenweise recht schmal. Man kommt nicht schnell voran.
  • Wenn Sie sich auf eine mehrtägige Tour begeben, nutzen Sie über das Visitor Centre den Service, Ihr Fahrzeug sicher unterbringen zu lassen. Kostet fast nichts.
  • Bei und nach ausgiebigen Regenfällen ist der Queen Charlotte Track stellenweise sehr schwierig zu gehen! Nehmt Wanderstöcke mit!

Als wir aber dann vor der Ausfahrt auf den Highway im Stau stehen, sehe ich das schon wieder etwas anders. Dennoch erreichen wir den Fährhafen rechtzeitig. Wir müssen auch gar nicht lange warten, bis wir in den Bauch des großen Schiffes hineinfahren können. Witzig ist hier, dass die Campervans vor uns am Bug der Fähre drehen und auf der anderen Seite wieder Richtung Heck fahren müssen. Es geht wohl nur hinten rein und auch wieder raus! Das hatten wir auch noch nie.

Cook Strait FähreDie Fähre ist ganz schön voll und die Fahrt selber ziemlich unspektakulär. Drei Stunden dauert die Überquerung der Cook Strait, und angeblich soll der Wellengang oft sehr rau sein. Heute haben wir „nur“ heftigen Wind, der einem aber fast den Atem raubt.

Während der Anfahrt auf Picton, dem Tor zur Südinsel, erlangen wir einen ersten Eindruck der grüngewellten Marlborough Sounds. In Picton angekommen, gelangen wir recht schnell an Land. Der Ort ist, wie die meisten in Neuseeland, nicht sehr groß, nur einige Tausend Einwohner. Zentrum ist die High Street mit ihren zahlreichen Geschäften vom Supermarkt bis zum Liquor Store, vom Angelgeschäft bis zum Andenkenladen, und diversen Cafés. In einem kleinen Bistro mit dem fantasievollen Namen „Le Café“ gönnen wir uns einen leckeren Snack zum Mittag. Und finden erneut ein tolles Souvenir: Ein kleiner Laden mit vielen aus Holz geschnitzten Kunstgegenständen hat es uns angetan. Im Schaufenster stehen drei wunderschöne Skulpturen, die schwimmende Delfine darstellen. Ich erinnere mich wieder an den Kanada-Urlaub, wo wir in einer Mall in Victoria ähnliche Schnitzereien mit Walen gesehen haben, die mir damals aber zu teuer erschienen. Anschließend habe ich mich jedoch geärgert, nicht solch eine Skulptur gekauft zu haben. Diesen Fehler wollen wir nicht noch einmal begehen. Also gehen wir hinein und kaufen das schönste und größte Exemplar mit drei Delfinen. Dabei lernen wir den Künstler selber kennen, einen netten kleinen Mann mittleren Alters, der sich darüber wundert, dass bei den vielen Arbeitslosen in der Gegend so wenig künstlerisch tätig sind. Er packt uns das Kunstwerk gut in einen riesigen Karton ein. Hoffentlich kriegen wir den heile mit nach Hause. Lena sucht sich noch eine hübsche Holzschale und ein Schmuckkästchen aus, und dann geht es zum Großeinkauf in den Supermarkt. Schließlich müssen wir unsere Vorräte mal wieder aufstocken. Um 16 Uhr schauen wir dann im Visitor Centre vorbei, um unsere weiteren Unternehmungen zu planen. Wir wollen ganz gerne ein Stückchen des Queen Charlotte Walkways wandern und erkundigen uns nach den Möglichkeiten, welche Startpunkte zu empfehlen sind und was es mit den Wassertaxis auf sich hat, die regelmäßig zwischen Picton und diversen Anlegestellen in den Marlborough Sounds verkehren. Wir nehmen uns einige Broschüren mit, die wir heute abend in Ruhe durcharbeiten wollen.

Queen Charlotte DriveDa der Tag noch nicht ganz vorüber ist, wollen wir noch einige Kilometer auf dem Queen Charlotte Drive fahren, einfach ein Stück aus dem Ort hinaus, um einen ersten Eindruck von der Gegend zu bekommen. Und dieser Eindruck sagt, dass man hier nicht sehr schnell vorwärts kommt; die Straße ist zu eng und zu kurvig. Dafür bietet sie an einigen Stellen hübsche Blicke über den Queen Charlotte Sound. Am späten Nachmittag quartieren wir uns auf dem Momorangi Bay Campground ein und finden einen Stellplatz fast direkt am Ufer. Leider ist es ziemlich frisch, so dass es sich wieder einmal nicht lohnt, Tisch und Stühle herauszuholen und draußen zu Abend zu essen.

Damit das verdaute Essen auch entsorgt werden kann, muss ich erst einmal wieder unsere chemische Toilette entleeren. Da es hier keine spezielle Dumping-Anlage gibt, schütte ich den Toiletteninhalt laut Empfehlung der Eigentümerin einfach in eine Kloschüssel hinein, mit dem Ergebnis, dass ich dieses mal wirklich fast umgekippt wäre! Meine Herr’n, welch bestialischer Gestank breitet sich da unter meinem malträtiertem Näschen aus! So schlimm war das ja noch nie! E-ke-lig! Aber da muss man durch. Auch der strengste Duft verzieht sich schließlich irgendwann…

Nach dem Abendessen wissen wir, wie es morgen weitergehen soll: Wir werden eine Tour mit „Dolphin Watch“ buchen, wo man die Tierwelt im Queen Charlotte Sound kennen lernt, und uns anschließend bei Ship Cove absetzen lassen. Dort landete einst James Cook, als er die Südinsel entdeckte. Von dort wollen wir zwei Tage auf dem Queen Charlotte Walkway marschieren und uns dann von Punga Cove von einem Wassertaxi abholen lassen. Wir sind gespannt, was uns erwartet.

Vielleicht noch etwas benommen von den am vorherigen Abend wahrgenommenen unschönen Düften stehen wir wieder mal recht spät auf und kommen erst so gegen 10 Uhr nach Picton zurück. Natürlich ist es zu spät für die morgendliche Dolphin-Watch-Tour, so dass nur die um Viertel vor zwei in Frage kommt. Die nette Frau im Visitor Centre muss jedoch erst nachfragen, ob heute überhaupt eine Fahrt gemacht wird, denn auch in den letzten Tagen war das Wetter hier wohl nicht so gut, so dass die Fahrten zum Teil ausgefallen sind. Aber heute findet doch eine statt, hören wir zu unserer Erleichterung. Das Wassertaxi wird auch gleich gebucht, und da das Wohnmobil auf dem öffentlichen Parkplatz während unserer Tour nicht unbedingt sicher steht, kümmert sich ein spezieller Service darum: Wir liefern den Schlüssel kurz vor Antritt der Bootsfahrt im Visitor Centre ab, dann kommt jemand und parkt unseren Campervan auf einem bewachten Parkplatz. Und am nächsten Tag, wenn wir mit dem Wassertaxi zurückkehren, wird uns unser Gefährt rechtzeitig wieder übergeben. Und das alles für nur 5 Dollar!

Da wir noch etwas Zeit haben, packen wir die Dinge, die wir für das Wandern und Zelten brauchen, in aller Ruhe zusammen und gehen anschließend zur High Street, einige Sandwiches essen. Schließlich sind wir soweit, geben den Campervan-Schlüssel im Visitor Centre ab und werden auch schon bald von einem alten Mann in einem alten Kleinbus abgeholt. „Seid Ihr die beiden für Ship Cove?“ fragt er uns, und wir nicken. Bald steigt eine alte Frau hinzu, und ab geht es in den Hafen eines nahen Nachbarortes von Picton.

Boot nach Motuara IslandMit uns steigt noch ein junger Mann in das kleine Boot der alten Leute, die sich als Les und Zoe Butterfly vorstellen. Der alte Mann jagt das Boot über die Wellen, während seine Frau viel über die hiesige Tierwelt erzählt. Auf der Fahrt Richtung Motuara Island, einem Naturschutzgebiet mitten im Sound, sehen wir einige Pinguine, eine Lachszuchtstation mit hungrigen Robben drum herum, aber leider keine Delfine, was insbesondere Lena sehr traurig stimmt. Um 16 Uhr erreichen wir Motuara Island, wo Cook damals erstmalig die britische Flagge gehisst hat. Zoe führt uns drei einen schmalen Pfad hoch und zeigt uns in den Boden versenkte Schaukästen, in denen Rotaugenpinguine nisten. So kann man die raren Tiere gut beobachten. Wenig später stochert sie mit einem Stock im Erdboden herum und lockt damit niedliche kleine Vögel an, die auf Wurmsuche sind. Es handelt sich um Robins, eine seltene Art, die hier auf der Insel wieder heimisch geworden ist. Schließlich erreichen wir nach stetigem Aufstieg einen Steinhaufen mit einer Gedenktafel an die Errichtung der britischen Flagge durch den berühmten Entdecker. Noch einen kleinen Holzturm hinauf, dann haben wir eine großartige Sicht über den Queen Charlotte Sound.

Weiter geht es mit dem Boot Richtung Ship Cove. Zoe schenkt uns noch einen Orangensaft ein, und wir dürfen uns mit Keksen für die bevorstehende Wanderung stärken. Um Viertel vor fünf endlich legt das kleine Boot dann an einem Holzsteg bei Ship Cove an, und Lena und ich verabschieden uns schwer bepackt von den beiden netten alten Leuten und dem anderen Passagier, der wieder mit zurück nach Picton fährt. Für uns beginnt hier nun ein weiteres Abenteuer!

Bis hierher haben wir Glück mit dem Wetter gehabt. Seit heute mittag hat es nicht mehr geregnet. Der steinige Strand, an dem ein weiteres Denkmal für Cook errichtet ist, wird von wärmenden Sonnenstrahlen beschienen. Nicht weit von uns hockt ein Entenpärchen und genießt das Licht. Bald machen wir uns auf den Weg in den Wald. Sofort geht es berghoch und wir stellen fest, dass die Sonne noch nicht überall den Regen vergessen gemacht hat: Der Pfad ist stellenweise sehr schlammig und rutschig, und so manches mal haben wir Probleme, überhaupt weiter bergauf gehen zu können. Gleich zu Beginn unserer Tour kommen wir so gut ins Schnaufen! Trotz dieser Unbill kommen wir schneller voran, als in den Broschüren angegeben. Leider führt der Weg fast ausschließlich durch Wald, und es gibt kaum Gelegenheit, die Aussicht genießen zu können. Um Viertel vor sieben erreichen wir die Resolution Bay, wo es einen Zeltplatz geben soll. Bereits fünfzehn Minuten vorher haben wir eine Abzweigung passiert, die zu einer Bucht hinunterführt, in welcher man ebenfalls hätte zelten können. Wir wollten jedoch lieber auf dem Weg bleiben. Aber hier müssen wir nun auch erst einmal ein Stück Richtung Bucht hinunter. Wir kommen an einer Toilettenkabine vorbei und gelangen inmitten üppiger Vegetation schnell an ein Haus mit Bootsanlegestelle. Nicht weit entfernt befinden sich einige kleine Holzhütten, in denen man offensichtlich übernachten kann: die sogenannten „Cabins“. Aber wo ist hier wohl der Zeltplatz, den man uns angekündigt hat? Wir entdecken nur ein kleines Fleckchen mit Gras direkt vor dem Haus, neben der Bootsanlegestelle. Das kann doch nicht alles sein?!

Auf der Veranda finden wir die Rezeption, aber kein Mensch ist hinter der Glasscheibe zu sehen. Ich bimmele kräftig mit der Glocke, die hier hängt, aber niemand reagiert. Ein Versuch, die daneben befindliche Tür zu öffnen, scheitert. Am rechten Rand der Veranda sehen wir eine weitere Tür. Diese ist unverschlossen, und ich ziehe meine dreckigen Wanderstiefel aus, trete ein und finde mich in einem Speisesaal wieder. Vier junge Leute sitzen hier und essen zu Abend. Ich frage in den Raum hinein, ob jemand für die Rezeption da ist, und man schickt mich durch den Flur in die Küche, wo ich den Hausherrn vorfinde. Auf meine Frage nach einem Zeltplatz für die Nacht nimmt er mich wieder mit nach draußen und zeigt Lena und mir verschiedene Möglichkeiten. Zunächst weist er uns auf den Grasflecken vor seiner Haustür hin, den wir schon kennen, führt uns dann aber über das weitläufige Grundstück auf eine Pferdewiese, auf der ein einsames Tier grast. Überall liegen die Hinterlassenschaften des Pferdes herum, und der Mann gibt einem Apfel einen derben Tritt. Nicht besonders schön hier, um ein Zelt aufzuschlagen. Wir erinnern uns sofort an unsere Tage in den französischen Pyrenäen, wo sich ein Zeltplatz plötzlich in eine Pferdeweide verwandelt hat… Da wir nicht sofort begeistert sind, führt er uns noch weiter den Hang hoch, wo wir weitere kleine Hütten vorfinden. Hier ist ausreichend ebenerdiger Platz für unser Zelt, und vor allem ist er abgetrennt von der Pferdewiese! Hier bleiben wir. In der Nähe befindet sich auch eine Waschgelegenheit: eher ein Provisorium als einen Waschraum stellen die zwei überdachten Waschbecken dar. Anschließend führt uns der Mann in eine große Hütte, die man als Küche nutzen kann. Uralte Gasherde, ausgemusterte Regale sowie zahlreiche Tische und Bänke mimen die Einrichtung. Vor ein paar Tagen sei hier eine Schulklasse gewesen, und er habe noch nicht die Gelegenheit gehabt, hier aufzuräumen, meint der Mann entschuldigend. Aber wir sind zufrieden und bedanken uns. Hier werden wir unser Abendessen einnehmen. Wenigstens regnet es hier drinnen nicht. Bezahlen können wir später oder morgen früh, meint der Mann. 5 Dollar pro Person sind aber immer noch ein stolzer Preis, denke ich. Sei’s drum. Zum ersten mal in Neuseeland bauen wir heute unser Pyrenäen-erprobtes Zelt auf und richten uns anschließend in der Küchenhütte häuslich ein. Sämtliche Essensvorräte und Getränke, Gaskocher und -kartuschen und die neu erworbene Gaslampe werden auf dem morschen Tisch ausgebreitet. Leider haben wir nur eine Gaskartusche mit, so dass wir noch schnell im Hellen kochen müssen. Erst anschließend können wir die Lampe entzünden und hier drinnen lesen, während es draußen finsterlt.

Vor dem Essen kehre ich noch einmal zum Haupthaus zurück und entrichte den Obolus für die Übernachtung. Draußen ist es mittlerweile etwas ungastlicher geworden. Heftiger Wind kommt auf und zerrt an unserem Zelt. Aber die Tunnelform bewährt sich; es hält. Gut, dass wir uns in der Holzhütte aufhalten können; hier drinnen wärmen wir uns an unseren mit Wasser und Trockenmilchpulver erhitzten Fertignudeln, die sogar ganz gut schmecken. Dazu etwas bereits im Wohnmobil zusammengemixte Apfelschorle oder etwas Cola, die ich fast immer dabei habe, für den seltenen Fall, dass mir mal übel werden sollte. Na ja, eigentlich trinke ich sie so auch mal ganz gerne…

Draußen wird’s so langsam dunkel und der Wind lässt etwas nach. Lena muss mal aufs Klo, doch wo war das noch? Mit der Gaslampe in der Hand stapfe ich durch die leicht erhellte Dunkelheit und suche in der Nähe unserer Waschgelegenheit, finde aber nur eine ausgemusterte Kloschüssel, auf die sich nun wirklich niemand setzen kann. Das kann doch wohl nicht die Toilette sein, denke ich mir. Also gehen Lena und ich vorsichtig den Hang hinunter, und ich frage den Mann, wo denn eine Toilette sei. Überrascht erklärt er mir, dass er es uns doch gesagt hätte: rechts um die Waschbecken herum. Ja, und da ist sie dann auch, und sie ist auch akzeptabel.

Dann wird es Zeit für die Nachtruhe. Aber so ruhig ist die Nacht dann nicht; der Wind wird wieder stärker und zerrt sehr an den Zeltwänden, außerdem regnet es heftig. Was das morgen wohl gibt? Mühsam betten wir uns auf die schmalen Isomatten und kriechen in die Schlafsäcke. Ist das eine Qual auf diesem harten Boden! Zum ersten mal liege ich besser auf dem Bauch als auf dem Rücken und kann so auch einigermaßen gut schlafen.

Irgendwann höre ich wieder die Vögel lärmen. Es ist zwar schön, nicht durch einen hässlichen Weckerton wach zu werden, sondern durch das Gezwitscher und Gepfeife unserer gefiederten Freunde, aber es ist jedes mal noch so früh! Sechs Uhr ist es jetzt. Also bleibe ich liegen. Bis 8 Uhr, dann stehen wir auf und müssen feststellen, dass es draußen regnet. Schnell ziehen wir uns an, die Morgenwäsche fällt nicht sehr üppig aus. Unsere Essensvorräte haben wir in der Holzküche gelassen, wo wir dann auch unser Frühstück einnehmen: Instantkaffee und portionsweise abgepackte Cerealienmischungen, die wir in mit Wasser angerührtes Trockenmilchpulver versenken. Schmeckt lecker, aber mit dem einheimischen Pulver sind wir nicht ganz zufrieden. Das „Glücksklee“-Trockenmilchpulver, das wir in den Pyrenäen dabei hatten, löst sich viel besser im Wasser auf.

Um halb zehn haben wir das Zelt im Nieselregen abgebaut und machen uns auf den Weg. Missmutig stellen wir fest, dass der Regen dem Pfad nicht gut tut, überall ist es matschig und stellenweise äußerst rutschig. Der Regen wird immer stärker, und plötzlich gibt der schlammige Boden unter mir nach, rücklings senke ich mich dem Boden entgegen und kann mich gerade noch mit der rechten Hand abstützen, so dass ich nicht im Matsch lande. Ein kleiner Riss in der Handfläche ist der Preis, den ich zahlen muss. Meine Hände sind voller Dreck, und mit Mühe finde ich noch einen sauberen plzfel an meinem Taschentuch, mit dem ich die blutende Wunde bedecken kann.

Irgendwann in dem ewig währenden Regen erreichen wir einen Strand, wo ich das Tuch halbwegs säubern und die Wunde auswaschen kann. Mann, mann, was ist denn heute mit dem Wetter los? Das hört ja gar nicht mehr auf! Mittlerweile sind unsere Hosen klitschnass; wir hätten rechtzeitig die Regenhosen überziehen sollen – jetzt nützt das auch nichts mehr! Wir haben immer gehofft, es hört gleich auf. Und dann würden unsere Trekkinghosen schnell wieder trocken sein. Aber Pustekuchen. Zudem kommen wir heute offensichtlich viel langsamer voran als für die Strecke angegeben, kein Wunder bei den Verhältnissen! Heute macht es wirklich keinen Spaß, und als wir am Endevor Inlet angelangen, haben wir die Schnauze voll. Wir beschließen, unsere Tour bereits hier an der Furneaux Lodge, dem „Pub ohne Straße“, zu beenden und von der hiesigen Anlegestelle aus das Wassertaxi zurück nach Picton zu nehmen. Es wäre ohnehin knapp geworden, rechtzeitig bis heute nachmittag 16 Uhr auf die andere Seite der Bucht nach Punga Cove zu gelangen, von wo wir eigentlich zurückfahren wollten. Dorthin hatten wir auch das Taxi bestellt. Das müssen wir natürlich noch ändern.

Furneaux LodgeVöllig durchnässt, zumindest an den Beinen, fragen wir bei der jungen Angestellten in der Furneaux Lodge nach, ob wir uns irgendwo umziehen können. Sie schickt uns daraufhin in die öffentlichen Toiletten, die etwa hundert Meter entfernt liegen.

Schon wieder durch den Regen! Ab in die kleine Holzhütte, und schnell umgezogen und trockengerubbelt. Es ist schon ein bisschen verkehrte Welt, dass die einzigen trockenen Hosen, die wir jetzt anziehen können, ausgerechnet unsere Regenhosen sind…

Etwas durchgeweicht kehren wir zur Lodge zurück und lagern unsere Rucksäcke draußen auf der überdachten Veranda. Nun gilt es noch, die Sache mit dem Wassertaxi zu klären. Auf unserer Buchungsbestätigung finden wir eine Telefonnummer, und die junge Angestellte in der Bar zeigt uns das Telefon. Aber irgendwie komme ich damit nicht klar. Erst wählen, dann Gespräch beginnen und anschließend zahlen – aber nachdem ich die ersten Worte gesprochen und 20 Cents eingeworfen habe, ist die Leitung tot. Hm. Da hole ich doch lieber das Mädchen zu Hilfe. Schließlich übernimmt sie es dann ganz, die Reservierung umbuchen zu lassen. Das klappt dann auch problemlos.

Uns ist kalt, und wir haben Hunger. In der Bar genehmigen wir uns einige Tassen Kaffee und heiße, leckere Toasts. Irgendwie müssen wir ja die Zeit rumkriegen, bis das Boot den Anleger der Lodge erreicht. Um 15 Uhr soll es ankommen. Aber dann teilt uns das Barmädchen mit, dass das Boot einen Motorschaden hat und später kommen wird. Offensichtlich hat man hier immer Funkkontakt mit den Wassertaxis; das hört man auch an den rauschig verzerrten Stimmen, die in unregelmäßigen Abständen aus einem versteckten Lautsprecher dringen.

Wir seufzen kurz und akzeptieren, uns bleibt ja auch nichts anderes übrig. In der Zwischenzeit sind noch mehr vor Nässe triefende Gestalten aus dem Wald gekommen, haben hier Unterschlupf gefunden und warten auf das Boot. Natürlich ist auch eine Deutsche dabei, die uns erzählt, sie sei die ganze Zeit auf der Südinsel schon von Regenfällen verfolgt worden. Und das Touristenmekka Queenstown ist Opfer von Überschwemmungen geworden. Pässe mussten gesperrt werden und Touristen hingen fest; das soll ein ganz schönes Chaos gewesen sein, und es dauert noch an! Das macht uns nicht gerade Mut für die nächsten drei Wochen…

Das Taxi verspätet sich noch mehr, aber um 17 Uhr legt es dann endlich an dem hölzernen Steg an. Zusammen mit der anderen Deutschen und ihrer Begleiterin betreten wir das Boot, das von einem gemütlichen Herrn mittleren Alters gesteuert wird. Gemächlich geht es hinüber nach Punga Cove, wo noch zwei weitere Deutsche zusteigen. Während der Skipper das Boot routiniert nach Picton bringt, erzählt er einige interessante Dinge. Zum Beispiel, dass die meisten Leute, die hier in den Buchten einsam und ohne Straßenanbindung wohnen, gar kein eigenes Boot haben, sondern sich gänzlich auf den Wassertaxi-Verkehr verlassen und beschränken. Und ihm selber gehört dieses Boot auch nicht, er ist nur Angestellter. Und er hat eine Überraschung für uns: „Hollmann?“ fragt er, und als ich bejahe, überreicht er mir den Wohnmobilschlüssel. Auf meinen erstaunten Blick hin bemerkt er leicht amüsiert, aber auch mit einem gewissen Stolz in der Stimme: „Yeah, we’re organized here!“ Dem kann man nur zustimmen. Und tatsächlich: Auf dem Parkplatz am Kai in Picton steht unser Campervan und wartet schon sehnsüchtig auf uns. Oder besser: Wir warten sehnsüchtig darauf, uns für einen trockenen und gemütlichen Abend einzurichten.

Dieses mal fahren wir nicht weit. Schon wenige Straßen weiter finden wir den ausgezeichneten Blue Anchor Campground, der zu den Top Ten auf der Südinsel gehört. Genauso teuer wie alle anderen, aber wirklich gut ausgestattet. Witzig: „Blue Anchor“ heißt auch die „streichfähige Butter“, die wir uns immer auf das fluffige Brot schmieren…

Um 18 Uhr richten wir uns hier häuslich ein. Zunächst waschen wir einmal die gequälten und durchnässten Klamotten durch, duschen dann auch selber, um wieder aufzutauen, und genießen anschließend Nachos und Wein. Ah, das tut gut. Aber der Überraschungen war es noch nicht genug heute. Als ich um 19 Uhr 30 die Wäsche aus dem Trockner holen will, ist die Tür zu dem kleinen Häuschen abgeschlossen. Schnell hin zur Rezeption! Hoffentlich ist die noch offen… Leider ist schon alles dunkel, aber ich sehe noch eine Frau drinnen herumturnen, und ich klopfe an die Glastür. Sie öffnet tatsächlich, und ich berichte ihr von der eingeschlossenen Wäsche. Ihr Mann schließe jeden Abend die Türen ab, sagte sie mir, und er sei noch auf dem Platz unterwegs. Wenn ich ihn nicht sehen würde, würde sie ihm bescheid sagen, dass er noch einmal aufschließe, schlägt sie hilfsbereit vor. Ich warte einige Minuten vor dem Trocknerhäuschen, bis der Campingplatzwart auch tatsächlich vorbeikommt und mir noch einmal aufschließt. Wer weiß, anderswo hätte man sich vielleicht stur gestellt…?!

Wandern im Tongariro National Park

Der Highway 47, auf dem wir Richtung Whakapapa Village fahren, dem Zentrum des Tongariro Nationalparks, ist nicht nur eine logische Grenze, sondern bildet auch eine physische in bezug auf die Landschaftsform und die Vegetation. Während rechts der Straße noch Gras und Bäume wachsen und Schafe ihren Hunger stillen, finden sich auf der gegenüberliegenden Seite nur brauner Boden und ein paar niedrige Büsche. Die Erde dort scheint richtiger Lavaboden zu sein, auf dem nicht sehr viel gedeihen kann.

Tongariro National Park TrekAls wir auf den Highway 48 einbiegen, der zu dem kleinen Örtchen führt, geraten wir in dichten Nebel. Alles ist grau in braun und wird mystisch von einem nebligen Schleier bedeckt. Wir passieren eine Baustelle und erreichen dann auch schon den Ort, der am Fuße des Ruapehu liegt, dem mit 2797 Metern höchsten Vulkan Neuseelands. Whakapapa Village bietet nur das nötigste, aber für uns auch wichtigste: einen Campingplatz, ein Visitor Centre, ein Pub sowie als Draufgabe einige Häuser und das berühmte Hotel „Chateau Tongariro“ mit eigenem Golfplatz.

Im Visitor Centre gibt man uns im wesentlichen die uns schon bekannte Auskunft über das Wetter morgen, und so beschließen wir, früh aufzustehen, den Kopf gen Himmel zu recken und dann zu entscheiden, ob wir den Track wandern oder noch warten wollen. Dann müssen wir den Shuttle-Bus kriegen, der uns um 8 Uhr zum Startpunkt des Wanderweges bringt und nachmittags vom Endpunkt wieder abholt. Diesen Service muss man schon in Anspruch nehmen, denn der 17 Kilometer lange Tongariro Crossing Track ist keine Rundwanderung, und Anfang und Ende liegen 25 Auto-Kilometer auseinander!

Es ist noch nicht so spät, und irgendetwas muss ich noch tun. Trotz des ungastlichen Wetters wage ich dann, dick eingemummelt, einen kleinen Abstecher zu den Tawhai Falls, einige Kilometer vor dem Örtchen gelegen. Lena  widmet sich derweil wieder einem ihrer vier mitgenommenen Wälzer. Wenn sie so weitermacht, hat sie bald alle durch.

Tipps

  • Den Tongariro Crossing Track muss man wandern! Ein einmaliges Erlebnis.
  • Idealer Ausgangspunkt für die Wanderung ist der hübsche Campingplatz von Whakapapa Village. Plant von vornherein mindestens zwei Übernachtungen ein!
  • In Whakapapa Village gibt es nur einen winzigen Shop im Office des Campgrounds. Kauft besser vorher noch einmal groß ein, in Turangi etwa!
  • Nutzt den Shuttle-Service zum Tongariro Crossing Track! Er ist günstig und praktisch. 8 Uhr morgens geht es am Visitor Centre in Whakapapa Village los, zurück geht es um 16 Uhr 45 vom Endpunkt des Tracks. Es gibt auch einen Shuttle-Service von Turangi aus, aber die Anfahrt ist wesentlich länger.
  • Wer die Möglichkeit hat, sollte so früh wie möglich aufbrechen, um die Morgenstunden zu nutzen. Das Wetter ist meist noch schön, und es sind noch nicht so viele Leute unterwegs!
  • Auch wenn der Himmel morgens klar ist: Nehmt für alle Bedingungen Kleidung mit auf den Track! Auch Handschuhe, denn es kann auf den Gipfeln und in den Kratern erbärmlich kalt werden!

Um 18 Uhr quartieren wir uns endlich auf dem Campground ein. Zum Abendessen braten wir einige Hoki-Steaks in der Pfanne, und als Krönung gibt es je eine große Schale von dem mysteriösen Hokey-Pokey-Eis, das wir in Rotorua gekauft haben: Vanille mit Caramelstückchen drin – ziemlich süß, aber lecker!

Mt. NgauruhoeErneut wecken mich die Vögel mit ihrem Gezwitscher. Als erste Aktion des Tages ziehe ich den Vorhang zur Seite, und mein Blick fährt in tiefblauen, klaren und wolkenfreien Himmel. Ich bin begeistert! Es wird bestimmt allen Wettervorhersagen zum Trotz ein schöner Tag! Bereits gestern abend waren die ersten Sterne am Himmel zu sehen.

Nun, wie spät mag es wohl sein? Und warum haben mich die Vögel geweckt und nicht das Handy? Wir haben den Wecker auf 6 Uhr 30 gestellt, um uns nicht allzu sehr abhetzen zu müssen, sollte das Wetter schön sein. Ein Blick auf die Uhr treibt mir das Entsetzen ins Gesicht: Es ist 10 nach 7, und der Bus fährt schon um 8 Uhr ab! Und einige Sachen einpacken müssen wir auch noch. Vergessen sind die eisige Nacht und das kalte Kopfkissen…

Jetzt nur schnell raus, damit wir den Bus nicht verpassen. So schnell wie nie sind Lena und ich mit der Morgenwäsche fertig. Wir haben sogar noch Zeit für Kaffee und eine Schale Cornflakes, machen uns noch Sandwiches für unterwegs und checken dann um 7 Uhr 50 an der Rezeption des Campingplatzes aus. Normalerweise ist das zwar nicht nötig, aber hier haben wir gegen Pfand einen Schlüssel für die Waschräume bekommen, den wir wieder abgeben müssen.

Alles passt hervorragend. Wir stellen unser Gefährt auf dem Parkplatz gegenüber dem Visitor Centre ab, wo der Shuttle-Bus auch abfahren wird. Mit uns warten an der Haltestelle mindestens Tausend weitere Leute mit großen und kleinen Rucksäcken, mit kurzen Hosen und dicken Jacken auf den Bus. Und der kommt pünktlich um 8 Uhr. Und einige Minuten später sogar ein zweiter, wie es scheint, ein umgebauter Militärtransporter. Es dauert etwas, bis sich alle auf die zwei Gefährte verteilt haben, aber alle finden Platz, und es geht der Reihe nach und ruhig ab. Um halb neun geht es los, und etwa 25 Minuten später werden wir am Startpunkt des Tongariro Crossing Tracks abgeladen. Ich vergewissere mich beim Fahrer noch einmal, wann wir abgeholt werden, dann beginnt für uns ein weiteres großes Abenteuer hier in Neuseeland!

Vielleicht haben wir heute endlich mal Glück: noch ist herrliches Wetter, der Himmel strahlt blau über uns, und die Luft fühlt sich angenehm kühl an. Aber bereits jetzt sieht man die Wolken, die sich heranpirschen und am Gipfel des Mount Ngauruhoe hängen bleiben. Ansonsten sind weit und breit keine weißen Flecken am Himmel zu sehen.

Wir sind nicht die einzigen, die den berühmten Track wandern wollen. Außer den Insassen der zwei Shuttle-Busse machen sich noch zahlreiche weitere Wanderer auf den Weg, die ihre Wagen am Rand der schmalen Zufahrtstraße geparkt haben. So gleicht denn die Reihe der Marschierenden einem Pilgerzug durch die dürftige Lavalandschaft, immer mit Blick auf den schroffen Gipfel und die steilen Hänge des Vulkans vor uns. Rechts von uns, Richtung Süden, erkennen wir den ebenfalls wolkenumhangenden und schneebedeckten Gipfel des Mt. Ruapehu, der noch vor ein paar Jahren Rauch und Asche spuckte. Ob wir heute Zeugen eines ähnlichen Geschehnisses werden? Wäre ja schon spannend, wenn auch nicht ganz ungefährlich. Aber was ist schon ungefährlich?

Zunächst wandern wir durch eine flache Ebene, durchqueren schmale, niedrige Bäche und ersteigen kleinere Felsgruppen. An der nicht weit entfernten Mangatepopo Hut gesellen sich weitere Wanderergruppen dem bunten Lindwurm hinzu, der sich dem Sattel zwischen den beiden Vulkanen Mt. Ngauruhoe und Mt. Tongariro entgegenschlängelt. Wir wundern uns mal wieder über einige unserer Mitwanderer: In T-Shirts und kurzen Hosen wagen sie dieses Abenteuer, wobei wir uns für (fast) alles gewappnet haben. Gestern im Visitor Centre sagte man uns ja auch noch, in 1600 Metern Höhe könne heute durchaus Schnee fallen…! Aber das wollen wir mal nicht hoffen, und das Wetter heute morgen sieht ja auch nicht danach aus.

Tja, aber wo Berge sind, ist das Wetter sehr wechselhaft, und das bekommen wir auch bald zu spüren. Die wenigen Wolken, die sich an den Hängen der Berge festgeklammert haben, lassen sich nach und nach in die Ebene hernieder, und es wird zunehmend grauer und düsterer über uns. Als wir den Aufstieg Richtung South Crater erreichen, ist es fast schon neblig. Der Aufstieg ist recht steil und anstrengend, wir müssen öfter mal ein Päuschen einlegen. Wenigstens sind wir nicht die einzigen, die hier nicht leichten Fußes heraufpreschen! Fast oben angelangt wird der Nebel so richtig dicht, und die Sichtweite sinkt unter 30 Meter. Dem D.O.C. sei dank ist der Weg gut mit Holzstangen markiert, die eineinhalb Meter aus dem Boden ragen und an ihrem Kopf rot gefärbt sind. Hier oben sind die Abstände zwischen diesen Markierungen ausreichend gering, so dass man ihnen auch bei schlechter Sicht gut folgen kann.

Tongariro National ParkAls wir den Sattel erreichen, haben wir seit unserem Start etwa 500 Höhenmeter zurückgelegt, davon die letzten 260 auf dem steilen Anstieg. Hier oben zieht es mächtig, und der Nebel verwandelt sich in lästigen Nieselregen. Wir verschanzen uns hinter einem großen Felsen und machen uns wetterfest: Regenhosen an, Kapuzen tief ins Gesicht ziehen und die Fototasche mit dem Regenschutz zudecken. Von hier aus könnte man den Gipfel des Mt. Ngauruhoe ersteigen, es wären noch etwa 400 Höhenmeter durch dichten Nebel zu bewältigen, was einige unserer Mitwanderer auch zu beabsichtigen scheinen. Wir wollen uns das aber nicht antun, erscheint uns bei den Sichtverhältnissen auch nicht ratsam. Außerdem frieren uns jetzt schon fast die Pfoten ab. Das nächste mal nehmen wir für alle Fälle auch Handschuhe mit. Kaum zu glauben, kann aber echt nicht schaden! Stattdessen marschieren wir weiter durch den South Crater, durch eine karge, mystisch anmutende Mondlandschaft. Nebelschwaden kommen und gehen, und irgendwo rechts neben uns soll der Kratersee liegen, den wir aber nirgends entdecken können. Ich möchte einige Schritte seitlich des Weges mal schauen, aber Lena hat Angst, dass ich dann abstürzen könnte. Also gut, dann eben nicht. Man sieht ja wahrscheinlich sowieso nichts. Hat uns das schlechte Wetter also mal wieder eingeholt! Aber dieser graue Nebelschleier, der hier alles zudeckt, hat auch seinen Reiz und erscheint richtig geheimnisvoll. Alles sieht irgendwie verwunschen aus, aber auch trostlos. Irgendwie faszinierend.

Leute kommen uns aus dem Nebel entgegen und entschwinden wenige Meter hinter uns wieder unserer Sicht. Auf der anderen Seite des Kraters müssen wir wieder klettern. Auf zum Teil sehr schmalen Graten und Wegen geht es Richtung Red Crater. Wir begegnen eingemummelten Gesichtern, die uns freundlich lächelnd begrüßen, während wir uns an besonders engen Stellen an Felsvorsprüngen festhaltend entlang hangeln. Hier oben merkt man auch, dass Trekker eine große Familie sind: Hier grüßt fast jeder jeden Wanderfreund mit einem freundschaftlichen „Hi!“ oder „Hallo!“.

Plötzlich reißt der graue Vorhang aus kleinsten Wassertröpfchen auf, und wir erkennen unter uns im Süden den Kratersee und stellen fest, dass wir tatsächlich nur wenige Meter an ihm vorbeimarschiert sind. Wenige Augenblicke später wird der Vorhang wieder zugezogen, so als habe uns jemand nur mal schnell einen Blick gönnen wollen auf das, was uns aus nächster Nähe verwehrt geblieben ist.

In manchen Momenten zerrt der Wind richtig an uns, und wenige Minuten später erreichen wir in 1800 Metern Höhe eine weitere Weggabelung. Auf einem Holzschild wird auf den Pfad zum 1967 Meter hohen Gipfel des Mt. Tongariro hingewiesen. Wir aber marschieren weiter den markierten Weg entlang und erreichen einen ausgesetzten, schmalen Grat, der hoch über dem Red Crater liegt. Und als ob uns jemand etwas Gutes tun wollte, lichtet sich der Nebel, die Wolken scheinen kurz innezuhalten, und tief unter uns ergibt sich ein fantastischer Anblick. Wie eine blutige Wunde klafft ein gigantischer Riss im weiten Rund des Kraters und lässt die Kräfte erahnen, die hier bei einem Ausbruch walten. Ein grandioser, unvergesslicher Anblick!

Kaum haben wir den Grat, der uns erst so richtig zur Angriffsfläche für den heftigen Wind macht, überquert, scheint hinter uns eine Tür zugefallen zu sein. Denn hier ist nicht nur das Wetter wunderbar: die Sonne scheint und spendet Wärme, es herrscht kein Nebel, und die Wolken scheinen allesamt die Überquerung des bedrohlichen Roten Kraters zu meiden. Auch die Aussicht erfährt noch eine Steigerung. Vor uns liegen die berühmten grün-blauen Emerald Lakes, und in der Ferne erkennen wir das strahlende Blau des entsprechend benannten Blue Lakes. Dazwischen eine weite Lava-Landschaft, der Central Crater des Mt. Tongariro. Die schroffen Gipfel im Hintergrund machen den anmutigen Anblick komplett.

Der 100-Meter-Abstieg ist schnell erledigt; der Weg besteht mehr oder weniger aus Lava-Geröll, und wir können auf den Hacken wie auf Skiern hinuntergleiten. Das macht Spaß! An den bunten Seen angekommen, lege ich einen Fuji Velvia ein. Während andere Wanderer hier ein Päuschen machen, um ihre mitgebrachten Sandwiches zu verzehren, bemühe ich mich, die herrliche, karge Gegend aus verschiedenen Perspektiven reizvoll auf Diafilm zu bannen.

Oturere HutHinter den Seen kann man einer Abzweigung folgend zur Oturere Hut gelangen, die an dem Rundwanderweg liegt, auf welchem man die beiden Vulkane binnen dreier Tage einmal ganz umkreisen kann. Hier schlagen gerade einige Wanderer ihr kleines grünes Zelt auf, passend zur Farbe des Sees. Das Wasser hier ist allerdings nicht genießbar, weil es sehr viel Schwefel enthält. Überall an den Hängen des Berges sieht man auch Dampf aufsteigen, und oft riecht es verdächtig so wie in Rotorua bei den Schwefelquellen. Will man hier mehrere Tage unterwegs sein, so muss man sein ganzes Trinkwasser schon mitnehmen. Da ist nichts mit Filtern oder Abkochen!

Aber wir wollen ja nur einmal quer hindurch. Weiter geht es durch die weite Ebene des Central Crater. Lena ist mir mehrere Hundert Meter voraus, während ich noch versuche, mit kleinster Blende das Namensschild des Kraters und den zerrissenen Gipfel des Red Crater im Hintergrund gleichermaßen scharf auf ein Bild abzulichten. Bei diesem Anblick wird einem erneut bewusst, welch enorme Naturgewalten im Spiel sind, wenn sich die Erde Luft macht, hustet und Auswurf hervorbringt. Von hier aus erscheint es, als sei die ganze Spitze eines Berges weggesprengt worden, und nun klafft dort ein riesiges Loch. Gespenstisch.

Der Central Crater scheint eine wahre Schönwetteroase zu sein, denn während ich die Steigung zum Blue Lake erklimme und zu Lena aufschließe, kommen wieder einige graue Wolkenschleier auf. Nach der Umrundung des Sees, der seinen Namen wirklich verdient hat, beginnt der lange Abstieg Richtung Ketetahi Hut, von der aus es noch einmal einige Kilometer zu dem Parkplatz hinunter geht, wo uns der Bus um 16 Uhr 30 abholt. Die Wolken verschwinden wieder, und wir haben einen tollen Blick auf den fernen Lake Rotoaira, an dessen Ufer wir am Vortag noch im Regen Sandwiches gespeist haben. Entlang der Hänge des North Crater geht es gemächlich hinunter, und bald erreichen wir die Holzhütte inmitten weiter Tussock-Gras-Felder. Zahlreiche Wanderer pausieren hier oder faulenzen im Gras. Wir aber marschieren weiter, ein langer Abstieg steht uns noch bevor. Der letzte Teil des Weges, der Ketetahi Track, scheint auch der anstrengendste zu sein. Es geht wirklich nur bergab, und das oft über Stufen hinweg, was uns so richtig auf die Knie geht. Plötzlich knicke ich mit dem linken Fuß um. Ein höllischer Schmerz durchzuckt meinen Knöchel, und ich fluche leise. Vorsichtig trete ich auf – es scheint alles in Ordnung zu sein. Der Schmerz bleibt zwar, aber ich kann trotzdem normal weitermarschieren. Ich atme tief durch. Das fehlte noch, dass ich mir hier den Knöchel verstauche, oder gar schlimmeres…

Wir kommen an den privaten Ketetahi Hot Springs vorbei, stinkenden und dampfenden Schwefelquellen, sowie an von Algen rot gefärbten Steinen, die sich am Wegesrand von der Sonne bescheinen lassen. Oder haben sie vielleicht Sonnenbrand? Also ich bestimmt schon wieder, auch von dem bisschen Sonneneinstrahlung, das wir heute nur hatten.

Der Abstieg scheint kein Ende nehmen zu wollen, und wir glauben schon, uns verlaufen zu haben. War doch irgendwo eine Abzweigung? Aber mit einem Blick auf die Karte finde ich den Bach, an dem wir gerade in gutem Tempo entlang marschieren, direkt neben der markierten Route. Also sind wir richtig. Es zieht sich halt etwas hin. Wenn Lena einmal im Tritt ist, dann marschiert sie drauf los. Der Abstand zwischen uns wird immer größer, und als ich endlich meine Jacke ausziehe, weil mir der Schweiß schon auf der roten Stirn steht, verschwindet sie aus meinem Blickfeld. Aber 16 Uhr 20 erreichen wir dann gemeinsam den Parkplatz, wo schon Dutzende anderer Leute, die alle richtig fit und frisch aussehen, auf den Abtransport warten. Einige von ihnen waren mit uns gestartet. Sie haben aber wohl nicht so viel fotografiert wie ich. Und außerdem geht es ja nicht darum, die Strecke in Rekordzeit zu absolvieren, sondern den Weg zu genießen. Na ja, bei dem Abstieg von insgesamt 1000 Metern seit dem Blue Lake fällt das Genießen schon schwer… Ich bin jedenfalls fix und alle. Nur hinsetzen…!

Whakapapa VillagePünktlich kommt unser Shuttle-Bus, und ab geht es Richtung Whakapapa Village, wo wir uns sofort wieder auf dem hiesigen Campingplatz für den Abend einmieten. Als ich dem Mann an der Rezeption sage, dass wir „eine weitere Nacht“ bleiben wollen, fragt er mich: „Whereabouts are you now?“ Ich höre nur „whereabouts“ und glaube eine Frage wiederzuerkennen, die mir schon früher gestellt worden war. „Two“, antworte ich, ernte aber nur Kopfschütteln. Ich streiche die erste Vermutung und hole eine zweite hervor. Aber auch die Antwort „Germany“ scheint den Menschen nicht zufrieden zu stellen, und er beginnt zu erklären: Auf welchem Stellplatz wir nun seien… Und da fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren, und ich entgegne, dass wir heute morgen schon ausgecheckt hatten… So haben wir uns gegenseitig verwirrt und ich mal wieder mein großartiges Verständnis der englischen Sprache bewiesen. Aber was zum Teufel soll denn auch dieses „whereabouts“…?

Nachdem wir uns auf unserer neuen Site einquartiert haben, geht Lena erst einmal duschen. Währenddessen besorge ich einige Kleinigkeiten für das Abendessen, wie z.B. Suppe aus dem kleinen Shop des Campingplatzes und – ganz wichtig – vier Flaschen Bier aus dem Pub, der nur 800 Meter weiter südlich an der Straße liegt. Aber 800 Meter sind nach 17 Kilometern Fußmarsch weiter als man denkt, und als ich zum Wohnmobil zurückkehre, steht Lena schon frisch geduscht und erwartungsvoll vor dem verschlossenen Gefährt. Beim Abendessen ist der Durst groß und das leckere Bier schnell geleert, so dass wir anschließend gut schlafen können.

Reise zum Lake Taupo und Tongariro National Park

Während der unspektakulären Weiterreise zum Lake Taupo, der auf dem Weg Richtung Tongariro National Park liegt, machen wir einen Abstecher zu den Huka Falls. Interessanterweise finden wir hier bekannte Gesichter vor: drei Amerikaner, die auch gestern beim Hangi-Abend dabei waren und uns deshalb aufgefallen sind, weil der Busfahrer ihnen eine Extrawurst gebraten hat: Offensichtlich waren sie noch nicht fertig mit dem Koffer-Reintragen, und so holten wir erst andere Hangi-Touristen ab, bevor dann noch einmal ihr Hotel angefahren wurde…

Lake Taupo

Tipps

  • Ein kurzer Stop im Städtchen Taupo zum Bummeln und Kaffeetrinken am See könnte sich lohnen! Habe ich leider versäumt. Turangi hingegen bietet nicht viel.
  • Vorsicht vor Autodieben! Auf Parkplätzen nicht zu leichtsinnig sein!
  • Der Rundgang um den Lake Rotopounamu ist eher langweilig. Zumindest bei Schmuddelwetter.
  • Mit dem fluffigen Brot, das es in Neuseeland fast ausschließlich zu geben scheint, macht man sich am besten saftige, dick belegte Sandwiches! Göttlich! Auch ideal als Snack für unterwegs.

Auch hier tröpfelt es wieder, kaum dass wir fünf Minuten aus dem Wohnmobil heraus sind. Aber es dauert nicht lange, und wir gönnen uns ein Eis – auf dem Parkplatz steht abwartend ein Kleinbus mit reichlich Auswahl. Aber manche scheinen es ja mit den Ohren zu haben: Wir bestellen die Nummern 5 und 9, bekommen jedoch 11 und 13. Na ja. Zum Ausgleich schmeckt es dann auch nicht besonders gut.

Stadt TaupoDie Stadt Taupo macht einen recht hübschen Eindruck und erscheint uns ziemlich lebhaft. Eine Promenade am Ufer des Sees lädt zum Flanieren ein, und von den Cafés am gegenüberliegenden Straßenrand bietet sich ein beeindruckender Blick über das Wasser. Bei klarem Wetter soll man von hier aus bereits die Vulkane im Nationalpark sehen können. Leider ist uns das nicht vergönnt. Obwohl es gerade mal wieder nicht regnet, ist es sehr diesig und der Himmel wolkenverhangen. Statt uns etwas den Ort anzuschauen fahren wir gleich weiter am östlichen Seeufer entlang Richtung Turangi, wo wir übernachten wollen. Dort sollen auch interessante Kurzwanderungen möglich sein, etwa zu den „Säulen des Herkules“.

Während der Fahrt sehen wir nicht viel vom See, meistens trennen Hügel die Straße vom Lake Taupo. Kurz vor Turangi erleben wir dann eine Überraschung. Plötzlich stehen einige „Warning: Flooding!“-Schilder am Straßenrand, und in einiger Entfernung sehen wir auch den Grund dafür: Die gesamte Straße steht unter Wasser! Die hindurchfahrenden Autos spritzen das Nass in gewaltigen Fontänen nach rechts und links, und ich bin immer noch zu schnell, als wir auf die Stelle treffen. Hart klatscht das bestimmt 20 Zentimeter hoch stehende Wasser gegen den Unterboden unseres Gefährts, so dass ich Angst kriege, irgendetwas könne beschädigt werden. Schnell auf die Bremse, damit wir langsam durch die Fluten kriechen können!

Mann, wir sind doch sehr erstaunt. Da hat der Regen ja schon einiges hier angerichtet. In Turangi selbst ist von Überschwemmungen Gott sei dank nichts zu sehen. In dem kleinen Ort fahren wir sofort den nächsten Campingplatz an, oder besser gesagt, eine Art Motel mit einigen Stellplätzen für Caravans. Hier buchen wir uns für die Nachtruhe ein. Es wird ein regnerischer Abend, aber wenigstens sehen wir zwei hübsche Regenbögen, während wir eine leckere Kürbissuppe löffeln…

„It’s raining again“… Warum nur fällt mir als erstes an diesem Morgen der Song von Supertramp ein?! Wir wollen gar nicht aufstehen, macht ja auch keinen Spaß bei dem Dauerregen draußen. Heute soll auch so ein Wetter werden wie gestern, erst am Samstag ist mit Besserung zu rechnen. Also müssen wir den heutigen Tag noch irgendwie rumkriegen, wenn wir morgen den Tongariro Crossing Track wandern wollen.

Um 10 Uhr besuchen wir das hiesige Info-Centre, um uns zu unseren Plänen beraten zu lassen. Am Sonntag solle es noch besser werden, der Samstag sei noch zu unsicher, teilt man uns dort mit. Aber am besten schaue man morgens erst mal raus und entscheide dann, so der pragmatische Tipp. Im nahen Department of Conservation sagt man uns das gleiche.

Für heute hat man uns empfohlen, die etwa eineinhalbstündige Rundwanderung um den Lake Rotopounamu zu machen. Als wir unser Wohnmobil auf dem dortigen Parkstreifen abstellen, hält kurz darauf ein alter Kleinlaster ein paar Meter vor uns. Der Fahrer, ein schon etwas älterer Mann, steigt aber nicht aus. Während wir einen Tagesrucksack mit einigen Kleinigkeiten füllen und ich meine Fotoausrüstung zusammenklaube, hockt er immer noch da und scheint zu warten. Lena wird unruhig. Dennoch steigen wir aus und begeben uns auf die andere Straßenseite, wo der Weg durch den dichten Wald zum See hin aufsteigt. Der Mann sieht uns und grüßt.

Am Straßenrand warnt ein Schild vor Autodieben. Kaum sind wir ein Stückchen gegangen, hält Lena es nicht mehr aus und rechnet schon damit, dass der Alte an unserer Tür rumfingert. Die Erfahrungen auf Mallorca letztes Jahr haben schon irgendwie geprägt. Lena verschanzt sich hinter einem Baum und sieht, dass der alte Mann jetzt ausgestiegen ist und etwas herumläuft. Nach kurzer Lagebesprechung beschließen wir auf Nummer Sicher zu gehen und kehren zum Wagen zurück und tun so, als ob wir etwas vergessen hätten, indem nur Lena  hineingeht und ich draußen warte. Sicherheitshalber packt sie alle wichtigen Papiere und ihren CD-Player ein. In diesem Moment lässt der Mann seinen rostigen Laster wieder an, fährt los und verschwindet hinter der nächsten Kurve.

Tja, was hat er wohl gewollt? Wir machen uns wieder auf den Weg in den Wald und hoffen, dass er nicht wieder zurückkehrt und wir unser Gefährt wohlauf vorfinden werden.

Lake RotoairaDie Rundwanderung ist nicht besonders interessant, es geht viel durch Wald; die spärlichen Blicke über den See rufen keine Aha-Effekte hervor. Ein kleines Stückchen Ufer lädt zum Fotografieren ein, ansonsten regnet es immer mal wieder zwischendurch. Anstrengend sind die Stücke des Weges, die direkt über Sandstrand führen; dort ist doch nicht so gut laufen in den Wanderschuhen. Und er zieht sich ganz schön hin, der Pfad. Um 14 Uhr sind wir endlich am Wohnmobil zurück und finden es tatsächlich unangetastet vor. Mittlerweile sind wir auch nicht mehr die einzigen hier, was vielleicht auch ein Grund dafür sein mag.

Am Ufer des benachbarten großen Bruders des Lake Rotopounamu, des Lake Rotoaira, nehmen wir anschließend als Stärkung einige selbstgebastelte Sandwiches zu uns. Die sind immer so richtig lecker und schön saftig; mit Schinken oder Hühnchenfleisch, dazu Käse, Tomate und Gurke als Gemüsebeilage, und obendrauf ein Klecks Sandwichsoße, eine Mischung aus Senf und Mayonnaise – göttlich!

Rotorua im Regen – Schwefelgestank und leckeres Hangi

Und wirklich, teilweise ist es echt eklig! Überall schwefelt und köchelt es hier. Unzählige markierte und abgesperrte kleinere und größere Schlammlöcher speien Dampf und Gestank. Es brodelt richtig im Matsch wie in einem Kochtopf voller ungenießbarer dickflüssiger Brühe grauer Farbe. Der Ngaratoronga Cooking Pool macht seinem Namen alle Ehre: Vor lauter Schwefeldampf sieht man den ungefähr einen Meter durchmessenden, mit kochendem Wasser gefüllten Minikrater fast gar nicht. Die Ränder sind kunterbunt und schillern in einem dampfarmen Augenblick in rostigem Rot und zitronigem Gelb.

Als der leichte Nieselregen stärker wird und wir unsere Kapuzen richtig ins Gesicht ziehen müssen, erreichen wir den berühmten Pohutu-Geysir, von dem wir inmitten des dichten Nebels, den er verursacht, fast nichts erkennen. Man kann kaum einige Meter weit sehen, und fast finden wir den Weg Richtung Ausgang gar nicht. Plötzlich fährt eine Touristenbahn an uns vorbei, mit der man sich durch den Park kutschieren lassen kann. Tausende Japaner mit geliehenen durchsichtigen Regenschirmen steigen hier aus und beginnen Richtung Ausgang zu marschieren, während ich noch ein Foto mache. Als ich mich umdrehe, ist Lena verschwunden. Einfach abgetaucht inmitten eines Ozeans aus Plastikschirmen. Im stärker werdenden Regen, der meine Trekkinghose jetzt schon ziemlich durchnässt hat, laufe ich Richtung Ausgang und Souvenirshop, aber da ist Lena nicht. Ich laufe ein Stück zurück und rufe laut ihren Namen. Ein weiterer Weg führt in einer Kurve von hier aus in den Park hinein, und ich komme am Kiwi-Haus vorbei. Durch den Ausgang trete ich ein. Vielleicht hat Lena sich ja hier hinein geflüchtet, um nicht bis Asien mitweggeschwemmt zu werden. Aber hier drinnen sehe ich sie auch nicht. Plötzlich höre ich eine leise Stimme aus dem Dunkel: „Hier ist er!“ Lena ist es nicht, und sie kann auch nicht gemeint sein. Eine Angestellte will mir den Kiwi zeigen, der hier im künstlichen Nachtdunkel hinter Glas auf Nahrungssuche geht. Ich schaue ihn mir nur kurz an und frage die Maori-Frau, ob sie eine junge Touristin in gelber Jacke gesehen habe. Als sie verneint, verlasse ich schon leicht nervös und genervt den Bau. Lena kann doch nicht einfach so abhauen! Wo hat sie sich denn nur versteckt?! Ich kehre zum Pohutu-Geysir zurück, aber hier ist sie auch nicht. Also noch mal zum Ausgang. Wenn sie dann nicht da ist, dann warte ich dort halt. Durch den ganzen Park rennen bringt ja auch nichts. So läuft man nur aneinander vorbei. Ja, und dann steht das Kleinod auch endlich dort unter einem hölzernen Stand und wartet auf mich. Aufgeregt und besorgt stellen wir uns gegenseitig die Frage: „Wo warst Du denn?“ Schon erstaunlich, wie schnell man sich verlieren kann…

Tipps

  • Ein Stellplatz direkt am See wie auf dem Willow Heaven Campground hat was Romantisches!
  • Besucht die Polynesian Spas! Ich habe es bereut, dass ich nicht dort war.
  • Empfehlenswert ist das Restaurant „Zambique“ an der Tutanekai Street! Leckeres Essen, interessantes Interieur.
  • Passende Gaskartuschen erhält man in den sogenannten Hardware-Shops. Wenn Sie fündig geworden sind, nehmen Sie gleich mehrere mit! An der Tutanekai Street gibt es einen Shop, der sogar Primus-Gaskartuschen hat. Ansonsten sind die entgegen aller Erwartungen nicht leicht zu finden!
  • Der Besuch von Ohinemotu ist eher enttäuschend! Trostlose Siedlung mit einem Marae und einer Kirche.
  • Auf jeden Fall einen Hangi-Abend mitmachen! Der am Lake Rotoiti ist empfehlenswert!
  • Ein Besuch im Waimangu Volcanic Valley ist beeindruckender als ein Rundgang im Whakarewarewa Thermal Reserve, weil es ursprünglicher und naturbelassener ist!

Wir durchstöbern noch ein bisschen den Souvenirshop und kehren dann zu unserem Wohnmobil zurück, im Gepäck einige Ansichtskarten und eine Schirmmütze mit Maori-Symbolen drauf, die meine empfindliche Stirn gegen Sonne schützen soll. Wenn sie denn mal wieder auftaucht. Heute scheint dies nicht mehr der Fall zu sein, und so nutzen wir die (Regen-)Zeit, einige Kleinigkeiten in einem Diary, den hiesigen Tante-Emma-Läden, einzukaufen und genehmigen uns anschließend einen Schmaus bei McDoof, das auch hier in fast jedem zweiten Ort zu finden ist.

Willow Heaven CampgroundFür heute haben wir genug gesehen und suchen uns einen Stellplatz auf dem Willow Heaven Campground, der direkt am Lake Rotorua liegt. Er ist um diese Jahreszeit noch nicht und bei diesem Wetter schon gar nicht voll belegt, und so können wir uns eine Site direkt am Seeufer aussuchen. Mal eben rückwärts eingeparkt, und wir haben beim Abendessen einen tollen Blick auf den von einer dicken Wolkenschicht überdachten, eintönig grauen Haussee der Stadt. Einige einsame Schwäne – alles schwarze, keine weißen! – trotzen beherzt dem windigen Wetter, und als ich beim Abstellen des Gashahns die Gelegenheit nutze, in einem Anflug von Abenteuerlust auf den Bootssteg hinauszutreten – die dunklen Fluten reichen fast bis zu den knarrenden Holzbohlen empor – da weht mir die Luft ganz schön um die Nase. Am Ostufer, südlich von uns, scheint eine orangefarbene Lichtsäule über der Stadt zu stehen – ein hübscher Anblick.

Am nächsten Tag ist das Wetter erbarmungslos schlecht, und wir stehen heute so spät auf wie noch nie zuvor in unserem Neuseeland-Wohnmobil-Dasein: um 8 Uhr! Na ja, wirklich spät ist das ja nun auch nicht. Aber wir wissen auch nichts Rechtes mit uns anzufangen. Wir waschen erst mal eine Portion Kleidung, rufen zuhause an – dort gehen sie gerade ins Bett, es ist ja genau zwölf Stunden früher. Gegen elf verlassen wir den Campground und fahren hinein in das Town Centre. In der Nähe des Museum of Art and History finden wir am Straßenrand einen Stellplatz und finden uns wieder inmitten fauliger Gerüche. Über dem Erholungspark hier am Ufer des Sees liegt ein ständiger Schwefelgestank, der von den benachbarten Quellen herübergeweht wird. Vor dem Regen flüchten wir kurz in das Innere des Museums, aber so richtig Lust für eine Besichtigung haben wir nicht. Und schon sind wir wieder draußen im Regen.

Gehen wir doch einfach mal ins Info Centre! Das ist gar nicht weit. Und da können wir uns nach dem Hangi erkundigen, das wir auch kennen lernen wollen. In einem der Reisebücher habe ich gelesen, dass am Lake Rotoiti gute Maori-Folklore zu sehen sein soll. Und so ergibt es sich dann auch: Im Info Centre buchen wir direkt für heute einen Hangi-Abend mit traditionellem Maori-Tanz und -Gesang und leckerem Erdofen-Essen. Wir freuen uns schon – kann eigentlich nur das Highlight des Tages werden…

Aber was hat der Tag bis dahin zu bieten? Die Polynesian Spas sind uns empfohlen worden, aber irgendwie können wir uns dafür nicht aufraffen. Stattdessen marschieren wir los, um die alte Maori-Siedlung Ohinemotu zu besichtigen. Verrückt, gell? Statt sich in warmem Wasser zu entspannen, lassen wir uns noch mehr nass regnen und treten auch noch Asphalt! Als wir die ärmliche Hüttenansammlung dann erreichen, in der es nichts Spektakuläres zu besichtigen gibt, bereuen wir unseren Entschluss sofort. Wenigstens haben wir auf dem Weg hierher durch das Stadtzentrum noch lecker gegessen: Im „Zambique“ an der viel erwähnten Restaurant-Meile Tutanekai Street haben wir Ice Beer zum „Lamb Stack“ gegessen, einer Art Lammburger mit Feta-Pfannkuchen. Originell und lecker! Im Hintergund modernistische afrikanische Percussion und ein anziehendes Interieur machen das Bistro zu einer Empfehlung! Und wir haben auch endlich in einem „Hardware Shop“ Gaskartuschen für den Primus-Kocher bekommen. Von wegen, die gibt es überall. Bisher habe ich nur Kartuschen ohne Schraubverschluss gesehen, die wir nicht gebrauchen können. Wir haben daher auch gleich zwei genommen.

Auf dem Rückweg von Ohinemotu zum Wohnmobil peitscht der Wind den See am Ufer noch einmal so richtig durch, und die Wellen schwappen bis weit auf den Spazierweg am Wassersportzentrum der Stadt. Das ist bisher wirklich der schäbigste Tag hier. Also starten wir noch einen Großangriff auf die vollen Regale im riesigen „Pak ‘n Save“. Anschließend suchen wir den Lakeside Campground auf, von dem man uns abends abholen wird, und verbringen den Rest des Nachmittags im Wohnmobil und am Wäschetrockner des Campingplatzes. Man wird uns eine halbe Stunde früher abholen als angekündigt, haben wir aus einer Nachricht erfahren, die an der Rezeption bereits für uns vorgelegen hat. Um 17 Uhr 30 ist es dann soweit. Auf dem Wendehammer der Sackgasse, die zum Lakeside Campground führt, wartet ein großer Reisebus auf uns, und mit ihm ein sehr britisch erscheinender Fahrer mit gigantischen Segelohren, die uns an Mr. Spock erinnern. Sein Haarschnitt ist ebenso faszinierend: Was Ingo Appelt auf der Stirn trägt, das hat er sich im Nacken schneiden lassen. Seit 1980 habe es hier nicht mehr 6 Tage am Stück geregnet wie jetzt, teilt er uns mit. Das macht das ganze nur umso trauriger, finden wir.

HangiKurz darauf steigt eine Maori zu uns in den Bus: Anna, unsere Begleiterin, die uns durch den Abend führen wird. Der beginnt aber mit einer fast eineinhalbstündigen Tour, während der zahlreiche Hotels und Appartement-Anlagen angefahren werden, um die Gäste aufzusammeln. Mittlerweile ist es dunkel geworden, und der Regen peitscht an die Scheiben des Busses. Um 19 Uhr erreichen wir das Maori-Dorf am Ufer des Lake Rotoiti. Eigentlich sollte der Abend mit der traditionellen Begrüßung durch den Maori-Chief des hier lebenden Stammes auf dem Hof vor dem Marae, dem Versammlungshaus, stattfinden. Aber das Unwetter wird immer stärker und der Regen fährt wie aus Eimern schüttend in die aussteigende Menschenmenge, so dass wir uns alle im Laufschritt direkt zum Marae begeben. Vorher wird unter einem Holzdach noch traditionell nach Weiblein und Männlein getrennt, und dann treten wir ein. Rechts setzen sich die Frauen hin, links die Männer. Am Kopfende des Gebäudes befindet sich eine Bühne, auf der drei traditionell gekleidete Maori-Männer und zwei Frauen stehen. Alle von sehr unterschiedlicher Statur, und sie sehen nicht aus, als wäre ihnen zu warm. Der kleinste Mann, wohl auch noch der jüngste, führt die Begrüßungsansprache durch. Die Maorisprache hört sich schon sehr seltsam an, teilweise recht kehlig. Und die Aussprache ist noch ganz anders, als man vermuten würde, wenn man die vielen Namen und Begriffe selber ausspricht, die einem bei der Fahrt durch Neuseeland auf Maori begegnen.

Hangi AbendPlötzlich steht in der ersten Reihe ein Mann auf, einer aus der französischen Reisegruppe, die auf der Herfahrt in unserem Bus fast übermächtig zu sein schien, bittet auf Französisch um Gastfreundschaft für den Abend und stellt seinen Stamm vor. Er erklärt dabei, aus welchen Ländern der Welt seine Stammesmitglieder kommen. Dafür haben wir also vorher im Bus die ganzen Herkunftsländer gesammelt!

Offensichtlich wird uns die Gastfreundschaft gewährt, denn es geht locker weiter im Programm. Der eigentliche Chief tritt nun vor – ein üppiger, kräftiger Mann mit einer sympathischen Ausstrahlung. Er gönnt sich inmitten des Blitzlichtgewitters den Witz, dass ab jetzt auch fotografiert werden dürfe. Denn Anna hat uns vor unserer Ankunft im Dorf darauf aufmerksam gemacht, dass während der traditionellen Begrüßung das Fotografieren nicht erwünscht sei. Aber natürlich haben sich viele nicht daran gehalten. Typisch!

Anna steht nun auch mit auf der Bühne, und das Sextett verwöhnt uns mit hübschen Tänzen und schönem Gesang, der wirklich melodisch und schwungvoll ist. Sogar einige von Anna komponierte Lieder sind dabei. Hinzu kommen Stockspiele, für die auch zwei der Angereisten herhalten müssen. Aber die machen ihre Sache sehr gut. Besonders faszinierend ist natürlich der Haka, der Kriegstanz mit der berühmten Geste des Zunge-Herausstreckens und des Augen-Aufreißens. Sieht richtig mitreißend aus.

Auf dem Holzdach trommeln unnachgiebig die Wassermassen, und nach gut einer Dreiviertelstunde lädt uns der Chief an diesem „lieblichen Abend“ lächelnd zum Festmahl ein. Durch strömenden Regen sprintend geht es hinein in das benachbarte Haus, wo die Mahlzeiten eingenommen werden.

Das Essen wird wegen des schlechten Wetters dieses mal nicht in den Original-Erdöfen zubereitet, aber auf ähnliche Weise, versichert uns Anna. Zu unterst liegen heiße Steine, über die in einem Topf das Fleisch gegart wird. Darüber hängt ein weiterer Topf mit dem Gemüse. So ist der Tisch dann auch reichhaltig gedeckt, und insbesondere das Lammfleisch und das Couscous schmecken sehr gut. Die fremdartigen Kartoffeln munden mir nicht besonders, ihnen haftet irgendwie etwas Rauchiges an. Nicht mein Ding. Dann gibt es noch leckeren Nachtisch. Alkoholische Getränke muss man selber bezahlen, aber ein „Ice Beer“ gönne ich mir. Lena ist da bescheidener und bedient sich aus den auf den Tischen stehenden Wasserkrügen.

Plötzlich drängt sich ein menschliches Bedürfnis stark in mein Bewusstsein, und ich frage Anna, wo denn hier eine Toilette sei. Sie führt mich hinaus vor die Tür und zeigt auf das Marae. Und dahinter ist eine kleine Hütte, sagt sie. Ich spurte los, mitten durch den Regen, den ich total unterschätzt habe. Nach nur hundert Metern Spurt schon nass bis auf die Haut sage ich mir: Bloß schnell rein in die Hütte! Ich schaue gar nicht erst, ob ich hier richtig bin. Ich wundere mich zwar, dass es hier nur Sitzklos gibt, aber die tun es ja auch. Als ich nach dem Wasserlassen aus der Kabine komme und einer Frau gegenüberstehe, lächle ich sie beim Händewaschen entschuldigend mit einem „Sorry“ auf den Lippen an und bin schon wieder im Regen verschwunden. Einige weitere Sprünge über riesige Pfützen, in denen die Regentropfen wie Bomben Krater schlagen, und ich bin wieder im Speisesaal. Sch…, wäre ich man erst zurückgegangen, um meine Jacke zu holen. Nun sitze ich hier am Tisch, inmitten der anderen irritiert schauenden Touristen und tropfe vor mich hin. Nun ja, da steh’ ich drüber, das ficht mich nicht an!

Alles in allem war dies trotz der gewaltigen Wassermassen, die auf uns hernieder gingen, ein gelungener Abend. Und wir haben nicht den Eindruck, dass dieses hier Pseudo-Folklore für den Touristen war und dass wir irgendwie über den Tisch gezogen worden seien. Die Maori hatten selber Spaß an der Sache, das hat man gemerkt.

Nachdem die Hoteltour rückwärts gemacht wurde, können wir uns um 22 Uhr wieder in unser Wohnmobil zurückziehen und während der Nachtruhe von Sonnenschein und wärmenden Temperaturen träumen…

Und es hat etwas genützt! Die Sonne lacht schon morgens etwas. Endlich, nach zwei Tagen Dauerregen in Rotorua! Um 8 Uhr stehen wir auf und fühlen uns recht fit. Unsere Nachbarinnen in den Zelten nebenan hingegen sehen nicht so munter aus, sondern richtig verpennt. Nach dem wie immer üppigen Cerealien- und Wabbelbrot-Frühstück geht es weiter auf unserem Weg nach Süden. Erstes Ziel ist das Waimangu Volcanic Valley mit dem berühmten Frying Pan Lake, der scheinbar vor sich hin kocht. Auf der Fahrt dorthin tropft es leider doch hin und wieder aus den allgegenwärtig zu sein scheinenden Wolken über uns. Als wir jedoch um 11 Uhr auf den Parkplatz fahren, kommt wieder mal die Sonne raus und will uns so richtig eins auf den Pelz brennen. Das ist echt ein Hin und Her hier mit dem Wetter. Regenjacken nehmen wir vorsichtshalber mit, bestimmt regnet es nachher wieder.

An der Kasse erfahren wir, dass ein etwa eineinhalbstündiger Wander- oder Spazierweg durch das Tal führt, der am Lake Rotomohana endet. Dort könnte man noch eine Bootsfahrt machen, oder auch gleich mit dem Bus zurück fahren, was wir dann auch bevorzugen.

Der Weg bietet so manches Phänomen, das uns zum Staunen bringt. Da ist zum einen natürlich dieser Bratpfannensee, aber so richtig brodeln tut der nicht. Mystischer Dampf aus Schwefel- und Kohlendioxid-Schwaden steigt hier überall auf. Ein Bach ergießt sich aus dem See und wird begleitet von stinkendem Nebel. Es wird einem auch sofort wärmer, wenn man inmitten dieser Dämpfe steht. Ein kurzer Regenschauer erinnert uns daran, dass auf die Sonne hier kein Verlass ist, und bald erreichen wir ein weiteres Highlight: den Inferno-Krater, der seinem Namen alle Ehre zu machen versucht. Regelmäßig steigt hier das Wasser über mehrere Tage um einige Meter an, um sich dann gewaltig in dem kleinen Bach zu entladen, der jenen Hang hinunterfließt, den wir zum Krater hinaufsteigen mussten. Die Oberfläche des Kratersees ist nur selten zu sehen; dichtester Qualm weht ständig über ihr und gibt kaum den Blick auf das fast kochende Wasser frei. Nahezu 80°C sind es, wenn der See seinen höchsten Pegel erreicht hat und dann überläuft. Zu diesem Zeitpunkt hat er eine Tiefe von 30 Metern. Anschließend sinkt der Wasserspiegel im Verlaufe der folgenden 15 Tage um 8 Meter. Nicht nur wegen der Temperatur des Sees hätte man hier nicht lange Spaß am Baden – bei einem pH-Wert von 2,1 würde man in dem stark säurehaltigen Wasser reichlich angefressen werden…

Auf dem weiteren Weg sehen wir noch mehr interessante Dinge, z.B. die „heißen Öffnungen“, kleine Löcher am Wegesrand, umrandet von kunterbuntem Fels, aus denen es ständig herausdampft. In diesem Moment kommt der Shuttle-Bus vorbei, mit dem wir auch später zurückfahren werden, um uns den Rückweg zu sparen. Sein Fahrtwind zieht den Qualm richtig aus den Löchern heraus, und sie dampfen so richtig los! Auf der anderen Seite des Weges liegt die „Puara Terrasse“, eine faszinierende Landschaft aus rostfarbigen Silikatablagerungen.

Schließlich erreichen wir die Haltestelle am See, und um 13 Uhr 15 kehren wir zusammen mit einem Dutzend anderer Reisender mit dem Bus zum Souvenirshop und Café am Eingang zurück. Natürlich gelangt man nur durch den Shop aus dem Park hinaus, aber vielleicht finden wir ja auch mal was Hübsches. Und tatsächlich: Lena kauft für ihren Bruder und dessen Freundin T-Shirts und für ihre Eltern Blumensamen, während ich mich auch für ein witziges T-Shirt entscheide.

Rundgang in der Glühwürmchen-Höhlen und Blackwater Rafting

Gegen Mittag, als wir das Flachland vor Hamilton durchqueren, wird das Wetter besser, und beim Tanken spüre ich sogar Sonnenstrahlen auf der Haut. Doch in Otorohanga, dem „Tor“zu den Glühwürmchenhöhlen, relativiert sich das wieder. Beim Besuch des hiesigen Visitor Centres werden wir wieder mal nass.

Wir erkundigen uns nach „Black Water Rafting“, von dem wir gelesen haben: Man lässt sich auf dicken Gummireifen durch unterirdische Höhlen treiben und kann dabei die leuchtenden Würmchen bestaunen. Das wollen wir machen, haben wir uns vorgenommen. Die freundliche Dame im Informationszentrum schlägt uns zwei Touren vor: eine leichte und eine schwerere. Die zweite ist verbunden mit Höhlenkletterei und Abseilen, und das lassen wir erst mal noch sein. Uns genügt die einfache Schwimmtour. Da wir auch die Höhlen selber noch per pedes besuchen wollen, buchen wir eine Black-Water-Rafting-Tour für morgen früh um neun Uhr (das frühe Aufstehen im Urlaub ist zwar lästig, aber wenn’s sein muss…). Heute nachmittag schauen wir uns die Höhlen dann erst mal so an.

Es sind noch einige Kilometer Fahrt bis dahin, für die wir uns mit einigen Muffins stärken. Leider kriegen wir die Papierförmchen kaum von den Dingern ab, so dass wir sie gar nicht richtig genießen können. Aber der leckere Cinnamon-Donut entschädigt dafür! Um 15 Uhr erreichen wir die „Caves“ – die Höhlen von Waitomo, und die Sonne kommt schon wieder durch und brennt dieses mal so richtig auf unsere blanken Stirnen. Das Wohnmobil stellen wir fast am Ende des abschüssigen Parkplatzes ab. Es stehen doch einige Fahrzeuge – auch Campervans! – bedenklich schief auf der asphaltierten Fläche. Wenn man da auf der falschen Seite einsteigt, kippen die bestimmt um!

Tipps

  • Im Visitor-Centre von Otorohanga kann man Eintrittskarten für die Glühwürmchen-Höhlen kaufen sowie Blackwater Rafting-Touren verschiedener Couleur buchen!
  • Ein Rundgang durch die Höhlen lohnt sich! Insbesondere die Fahrt auf dem unterirdischen See mit Millionen Leuchtpunkten über den Köpfen der Besucher ist beeindruckend!
  • Gegenüber dem Eingang zu den Waitomo-Höhlen führt ein unscheinbarer Weg den grünen Hügel hinauf. Dahinter liegt ein interessantes kleines Tal, von dessen Anhöhen man einen wunderbaren Blick auf die umliegende Landschaft hat!
  • Nahe den Höhlen, Richtung Otorohanga, liegt ein hübscher Campingplatz inklusive Pub mit leckerem Eis und Bier!
  • Packen Sie gleich beim ersten Großeinkauf einen Satz Gummihandschuhe ein, die Sie dann beim Entleeren der Chemie-Toilette und des Abwassertanks überziehen! Besser ist das!
  • Blackwater Rafting sollte man unbedingt ausprobieren, wenn man nicht allzu wasserscheu oder klaustrophobisch veranlagt ist! Macht riesig Spaß!

Black Water RaftingDer Eingang zur leuchtenden Attraktion ist ganz nett aufgemacht: ein Torbogen aus dicken Baumstämmen und ein kleines Besucherzentrum. Für unsere Gutscheine vom Otorohanga-Visitorcentre, wo wir für den Besuch schon bezahlt haben, bekommen wir unsere Eintrittskarten, und schon geht es los. Ein sehr junger Mann, der maorischer Abstammung zu sein scheint, begrüßt uns und führt uns zusammen mit etwa 15 anderen Besuchern durch den niedrigen Eingangsbereich in die Höhlen hinein. Leider verstehen wir kaum, was er erzählt. Und so konzentrieren wir uns auf unsere Umgebung: die tropfenden Stalaktiten, die mächtigen Stalagmiten, die irgendwelche Figuren darstellen sollen, ein laut quengelnder kleiner Junge – halt das übliche in Tropfsteinhöhlen. Bis wir dann zum ersten mal die Glühwürmchen sehen, bzw. ihre Fäden mit dem Leuchteffekt: Von einer kleinen Plattform aus sehen wir sie zu Abertausenden an der niedrigen Decke über dem angrenzenden unterirdischen See hängen! Ein faszinierender Anblick im Dunkeln. Aber das war noch nicht alles. Weiter geht es, tiefer hinein in das Höhlensystem zur wahren Attraktion: einem unterirdischen See, über den wir mit einem kleinen Boot fahren. Als unsere Gruppe einsteigt, kriegt es der kleine lärmende Junge von vorhin mit der Angst zu tun und fängt laut an zu schreien, so dass seine Mutter mit ihm wieder aussteigen muss. Er soll ja mit seinem Geheul nicht die ganze Höhle zum Einsturz bringen. Ja, ja, erst so vorlaut, und dann Schiss inne Bucks – Memme!

Unser Führer steht auf dem Bug und steuert das Boot in die Dunkelheit hinein, indem er sich entlang kreuz und quer gespannter Seile dahinhangelt. Und dann sehen wir plötzlich Sterne über uns: unzählige Lichtpunkte an der keiner-weiß-wieviel-Meter-hohen Decke, alles Mückenlarven auf Nahrungsfang. Die leuchtenden Fäden dienen ihnen als Köder. Es ist einfach atemberaubend. Alle halten die Luft an, und leise gluckernd gleitet das Boot über das ruhige Wasser. Plötzlich hören wir ein Geräusch, so als ob etwas ins Wasser gefallen wäre. Ein Fahrgast hinter uns kommentiert dies mit einem „She finally lost patience“ und erntet leises Gelächter…

Waitomo HöhleAls wir die Höhle verlassen, scheint draußen richtig herrlich die Sonne, und wir marschieren den Hügel gegenüber den Höhlen hoch. Ein Wegweiser deutet auf einen kurzen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt hin. Natürlich nehme ich meine üppige Fototasche mit – allzeit bereit, ein oder auch mehrere schöne Fotos zu machen. Mit dem Effekt, dass Lena mir öfters einige Meter voraus ist. Als wir den Wald, durch den wir die Steigung hoch marschieren, verlassen, hänge ich einige Minuten mit Fotokamera im Anschlag vor der sich bietenden Szenerie, während Lena schon den Hang gegenüber erklimmt. Als ich sie oben wieder einhole, stehen wir vor einer mit Kühen bevölkerten Wiese und beschließen, hier eine kleine Pause zu machen und dann wieder umzukehren. Endlich mal ein paar schöne Blicke über die Landschaft, die sich uns hier bieten: überall saftiges, kräftiges Grün und darüber eine dicke Schicht flauschiger, weißer Wolken. Ein toller Anblick!

Unweit der Höhlen liegt ein Campingplatz, auf dem wir auch ohne Probleme einen Stellplatz für die Nacht bekommen. Aus dem Pub auf der anderen Straßenseite holen wir uns vor dem Abendbrot noch ein Eis und je zwei Flaschen Ice Beer und Rheinecke Lager – genau das Richtige zum Essen. Das schmeckt uns auch gleich viel besser als dieser komische australische Rotwein, den wir im Supermarkt in Auckland gekauft und an unserem erstem Wohnmobil-Abend probiert haben – richtiger Fusel war das, den wir ganz entgegen unserer Gewohnheit nicht einmal leer getrunken haben!

Lenas kurz vor dem Urlaub erworbenes Handy ist sehr vielseitig. Man kann damit telefonieren (okay, diese Bemerkung war wohl überflüssig), man kann damit aber auch Radio hören (schon interessanter, gell?!), und es dient uns als Wecker! Genial, das Teil. So stehen wir dann auch rechtzeitig auf, um vor unserer heutigen Abenteuertour (Lena ist schon ganz aufgeregt…!) das erste Mal unsere Campervan-Chemie-Toilette zu leeren, sprich: zu „dumpen“. Auch dies ist hier in Neuseeland anders als in Kanada (zumindest bei diesem Modell): Kein Schlauch, über den wir die Exkremente abfließen lassen können – hier nehme ich gleich den ganzen Toilettenkasten mit dem Zeug aus dem Wagen und kippe ihn dann über dem entsprechenden Gulli aus. Ich habe in Kanada dazugelernt und im Supermarkt gleich Gummihandschuhe eingepackt, die ich hier mal wieder gut gebrauchen kann. Boh, das stinkt bestialisch! Ich atme mit offenem Mund, damit ich hier nicht lang hinschlage… Die Chemie-Tabletten im Tank haben Exkremente und Toilettenpapier schön verflüssigt und sorgen so für einen guten Ausfluss. Schnell noch nachgespült, damit auch wirklich alles raus ist, und schnell wieder rein damit ins Wohnmobil. Selbstverständlich von außen, es gibt auf der linken Seite – hier also die Beifahrerseite – eine kleine Tür direkt unter dem Toilettensitz, wo der Kasten hingehört. Ist schon geschickt konstruiert, unser Gefährt! Übrigens hier in Otorohanga.

Um 8 Uhr 45 erreichen wir das wenige Kilometer entfernt liegende Black Water Café, wo wir uns für das anstehende Black Water Rafting einfinden sollten. Badezeug haben wir schon untergezogen, und auch Handtücher haben wir dabei. Insgesamt sind wir dann zehn, zwölf Leute, als wir abgeholt werden. Man führt uns in den Hinterhof, wo sich offenbar das Black-Water-Rafting-Zentrum befindet. Hier werden wir zunächst einmal alle begrüßt, und man erklärt uns, was uns in den folgenden Stunden erwartet. Als erstes dürfen wir uns umziehen. Jeder bekommt passende Wasserkleidung, die aus einem zweiteiligen Ganzkörperkondom, einer Schwimmweste, löcherigen Stramplern, einem Paar Gummischuhe und einem Helm besteht, wie ihn Höhlenforscher benutzen: Eine Lampe ist auch dran. Wir ärgern uns, dass wir keinen Fotoapparat mitgenommen haben, denn wir sehen bestimmt total bescheuert aus…! Aber wenigstens sind wir zweckmäßig angezogen. Noch ein Gruppenfoto, dann geht es in einen Kleinlaster, der uns zum einige Kilometer entfernten Startpunkt bringt. Hier muss sich jeder einen dicken Gummireifen nehmen, in den er sich praktisch hineinsetzen kann. Vorgeführt wird das mit viel Witz und in lockerer Atmosphäre von unseren Betreuern Jack und Katie: Man beugt sich nach vorne und zieht sich dann den prallen Reifen über den Hintern bis unter die Achseln. Ein Wahnsinnsanblick! Und dann dürfen wir hier an dem kleinen Fluss Trockenübungen machen. Es gibt zwei Sprungbretter am Ufer, und wegen des niedrigen Wasserstandes betreten wir nacheinander das untere, drehen uns mit dem Rücken und dem Reifen über dem Po Richtung Brackwasser und springen ab. Mit dem Gedanken bin ich bei Guardia, als ich mit lautem Klatsch unter der Oberfläche versinke und gleich wieder frei atmen kann. Bah, klitschnass bin ich jetzt! Aber spaßig ist es!

Als wir alle einmal das Element zu spüren bekommen haben, in dem wir uns gleich für mehr als eine Stunde bewegen werden, geht es einen Trampelpfad entlang den Berg hinauf zur Einstiegsstelle in die Höhlen.

Wir müssen über einige Felsen klettern, bis wir in einer großen Runde im Halbdunkel auf feuchten Steinen oder bereits im Wasser sitzen. Ringsum tropft es überall von der Decke, und unweit hören wir schon das leise Rauschen fließenden Gewässers. Ein witziges Gefühl, hier zu hocken. Wir kommen uns wie kleine Höhlenforscher vor, verloren in einem Felsloch.

Jack erzählt noch ein bisschen, und dann dürfen sich alle der Reihe nach vorstellen. Ich staune, wie gut alle englisch sprechen und auch zu verstehen scheinen, auch die Holländer unter uns. Neben mir stellt sich der Knabe als halb Däne, halb Holländer vor, und als ich darauf anspielend meine Vorstellung damit beginne, dass ich vollständig Deutscher bin, ernte ich amüsiertes Gelächter. Kurz darauf beginnt das Abenteuer so richtig: Nachdem wir ein Stückchen weiter in die Höhle hineingeklettert sind, müssen wir uns nacheinander im niedrigen Wasser auf den Rücken legen. Den Kopf in den Nacken, und dann werden wir von Jack über eine Strecke von zwei Metern durch eine klaustrophobische Enge gezogen: Im spärlichen Licht meiner Helmlampe erkenne ich, dass die Decke des Durchbruchs nur wenige Handbreit über meiner Nasenspitze schwebt… Da kann einem schon etwas mulmig werden. Aber ruckzuck ist dieser Moment vorüber, und Lena und ich stehen mitsamt den anderen in einer größeren Höhle, in der wir alle gut Platz haben. In Kniehöhe fließt der unterirdische Fluss, dem wir folgen werden, und vor uns geht es etwas in die Tiefe. Was uns wohl erwartet…?

Aber Jack und Katie führen unsere Gruppe gut durch die engen, nassen und rutschigen Höhlen und Schläuche. Wir springen kleine Vorsprünge hinunter (mit den angelegten Reifen, so wie wir es trainiert haben), lassen uns durch unheimliche, tropfende Kanäle treiben und schwimmen in absolutem Dunkel durch riesige unterirdische Höhlen. Und plötzlich sind über uns Abermillionen von Leuchtpunkten zu sehen: die Glühwürmchen. Ein fantastischer Anblick, der für mich nur dadurch getrübt wird, dass meine Brille ständig nass ist. Viele Lichtpunkte sind verwaschen, und ohne Brille sehe ich natürlich gar nichts – zumindest nicht im Dunkeln. Dennoch erahne ich die Großartigkeit dieses Augenblicks: Wir sind hier unten, tief unter der Erde, gefangen im feindlichen Element Wasser, nur geschützt durch Gummi- und Stoffhäute. Gott sei dank hat niemand Platzangst!

Otorohanga CampingEin putziges Spielchen treiben wir auch noch: Wir bilden eine lange Kette, indem der Vordermann die ausgestreckten Beine des Hintermanns festhält, und ziehen als Bandwurm durch das Wasser. An einer engen Stelle, wo wir alle in eine Sackgasse geraten, klettert Jack plötzlich auf einen Felsvorsprung, nestelt an seinem wasserdichten Rucksack mit der Erste-Hilfe-Ausrüstung, und plötzlich klatscht irgendetwas dicht neben mir ins Wasser. Ein Griff, und ich halte eine Art Schoko-Fisch in der Hand. Robbenfütterung ist wohl angesagt. Ja, ist schon lustig, diese Gesellschaft!

Das Gefühl für die Zeit geht hier unten irgendwie verloren, aber nach ungefähr einer Stunde sehe ich am Kopf der Gruppe zum ersten mal wieder Tageslicht. Ein kurzes Blinzeln, dann hat man sich wieder dran gewöhnt. Noch ein kurzes Stück in dem Brackwasser-Fluss, in dem wir unser Training absolviert haben, dann können wir unsere Reifen wieder ablegen, und der Kleinbus bringt die tropfende Schar zurück zum Basislager. Hier bekommen wir nach einer heißen Dusche noch eine warme Suppe und getoastete Donut-Brötchen – eben Brötchen mit Loch drin – und verabschieden uns gegen Mittag vom bunten Rest der Truppe.

Rundfahrt auf der Coromandel-Peninsula

Erste Bekanntschaft mit dem neuseeländischen Wetter
Wie es scheint, fahren wir genau Richtung Regen. Vor uns düsterer Himmel, alles grau in grau. Was soll das, he? Die Landschaft ist noch recht unspektakulär, sehr grün, aber halt nicht besonders aufregend. Leicht welliges Hügelland am Straßenrand. Dann geht es plötzlich über eine lange Brücke, und wir sind auf der Halbinsel. Die erste Stadt – oder besser: das erste Städtchen, das wir erreichen, ist Thames. Man merkt hier, dass heute Samstag ist, denn scheinbar Hunderte Autos säumen den Straßenrand, und auf einer angrenzenden Wiese findet ein großangelegtes Barbeque mit Kinderbelustigung statt. So sieht also die Wochenendidylle hier aus…

Landschaft auf der Coromandel-Halbinsel
Die kurvenreiche Straße, der Highway 25, verläuft direkt an der Küste, und bald erreichen wir Waiomu, wo wir eine Campervan-Site für heute Nacht mieten. 19 Neuseeland-Dollar kostet der Spaß.

WaiomuZum ersten mal muss ich das Wohnmobil an den Strom anstöpseln. Nach dem Rückwärtseinparken (das sehr gut geklappt hat!) öffne ich eine der zahlreichen Türchen an der rechten Seite unseres Gefährts und krame ein etwa sechs Meter langes, dickes Stromkabel heraus. Der Stecker sieht schon sehr merkwürdig aus: Im Dreieck angeordnet ragen aus der blauen Plastikverkleidung zwei dicke und ein noch dickerer Metallfinger hervor, die Gott sei dank nur auf eine Art und Weise eingestöpselt werden können. Etwas gedrückt und gerüttelt – so, das hätten wir. Und nun zu den beiden Schaltern auf der Verkleidung: Da steht einmal „Reset“ und einmal „Test“ drauf. Hm. Ich drück einfach mal einen, mal schau’n, was passiert. Lena prüft innen mit kritischem Blick, ob die Mikrowellenanzeige aufleuchtet – der beste Test dafür, ob der Strom fließt.

„Nichts“, ruft sie heraus. Ich drücke unkontrolliert die eine, dann die andere Taste, und irgendwann leuchtet das Lämpchen auf dem Stecker auf. „Jetzt ist sie an!“ höre ich. Aha, jeden Schalter einmal gedrückt, oder so, bis das Lämpchen leuchtet, dann klappt’s! Muss auch unbedingt sein, denn Heizung und Kühlung für den Wohnmobil-Innenraum funktionieren nur mit 240 Volt.

Tipps

  • Coromandel Town bietet einige kleine Läden mit ungewöhnlichen Andenken. Wenn Sie Platz im Garten haben und wissen, wie Sie sie nach Deutschland mitbekommen, dann sollten Sie sich die Skulpturen im Garten eines der Läden näher anschauen!
  • Vorsicht auf Schotterstraßen! Es ist nicht nötig zu schleichen; es geht nix kaputt. Dennoch vorsichtig und nicht zu schnell fahren, es könnte rutschig sein!
  • Unterschätzt die Fahrzeiten nicht! Die Straßen auf der Coromandel-Halbinsel sind kurvig; mit dem Wohnmobil kommt man nicht so schnell voran!
  • In Hahei kann man die Zufahrtstraße zum Startpunkt der Cathedral Cove-Wanderung leicht verfehlen. Das Schild ist sehr unscheinbar. Wenn man in den Ort hinein und auf den Parkplatz an der Küste zu fahrt, dann ist es die letzte Straße links rein!

Just in diesem Moment öffnet sich der graue Himmel und „erfreut“ uns mit kühlendem Nass von oben. Dabei war es heute gar nicht so warm, dass es unbedingt nötig täte. Und rings um uns herum streunen zahlreiche Enten und wollen anscheinend herein, oder wenigstens Brotkrumen schnorren. Aber wir sind geizig und genießen unser erstes Campervan-Abendessen allein. Dann geht es auch schon bald daran, die Sitzecke zur Schlafgelegenheit umzubauen: Tisch hochheben, einziges eisernes Standbein aus der Halterung ziehen und neben dem Schaltknüppel in der Fahrerkabine verstauen. Dann das Sitzkissen der Bank vor dem Rückfenster abnehmen und auf den Beifahrersitz legen/setzen/stellen. Tischplatte zwischen den seitlichen Sitzbänken einrasten. Rückenlehnen der seitlichen Sitzbänke auf die Tischplatte und etwas unter die Rückenlehne der hinteren Sitzbank schieben. Anschließend Laken möglichst ohne Falten, die einem Rückenschmerzen bereiten könnten, auf der Liegefläche ausbreiten und durch Anheben der flachgelegten Sitzbankrückenlehnen festzurren, Kopfkissen entweder nach rechts oder links werfen, und zu guter Letzt die Decke über die inzwischen schnell auf das Traumbett gehüpfte Lena legen. Mann, mann. Und das jeden Abend. Fünf Wochen lang. Und jeden Morgen rückwärts! Na denn, gute Nacht…

Der nächste Tag beginnt schon sehr früh. Um sechs Uhr wecken mich die Vögel – das Gezwitscher ist so ungewohnt! Nein, nicht unangenehm. Im Gegenteil: In diesem Moment fühlt man so richtig, dass man weit weg und im Urlaub ist. Zuhause hört man so etwas nämlich nicht.

Zwischen dem klassischen Zwitschern und Pfeifen hört man immer wieder mal einen Ton, der sich fast wie ein „Kuckuck“ anhört. Ist das dieser Bellbird, von dem wir schon gehört haben…?!

Nach dem Gewurschtel beim Rück-Umbauen des Bettes zur Sitzecke überlasse ich Lena unsere kleine Nasszelle, während ich mich in die zum Campground gehörigen Waschräume begebe. Ganz akzeptabel, was ich da vorfinde. Und (noch) ganz für mich allein. Da kann ich mich in Ruhe rasieren.

Nach der üblichen allmorgendlichen lästigen Prozedur können wir endlich unser erstes Campervan-Frühstück einnehmen: Instantkaffee für mich, Tee für Lena, vorneweg ein Schälchen gemischte Cerealien mit Milch und geschnittenen Kiwis (also die Früchte jetz’; schließlich gibbet ja drei Sorten Kiwis hier in Neuseeland: die Vögel, die Früchte – die ja eigentlich gar nicht von hier stammen, wie man an dem ursprünglichen Namen „Chinesische Riesenstachelbeere“ unschwer erkennen kann – und die Einheimischen), und schließlich ein oder zwei Scheiben schlabberiges Brot, das sich schon beim Bestreichen mit Butter in Krümel auflösen will. Gibt man noch eine Messerspitze Honig oder Nutella (ja, das gibt es hier tatsächlich – ist nur zwei Mark teurer als in der Heimat) hinzu, kapituliert es ganz: Ein Teil bleibt auf dem Tellerchen haften, der andere klebt am Messer… Eine wahre Freude. Aber wir haben kein anderes Brot bekommen. Wird etwa nur in Deutschland vernünftiges Brot gebacken?

Coromandel TownGestärkt geht es um 9 Uhr auf die lange Reise nach Norden, immer die Küste entlang, Richtung Coromandel Town. Nur an wenigen Sonnenscheinmomenten können wir uns erfreuen, die meiste Zeit regnet es. Hinter dem kleinen, oder besser sehr kleinen Örtchen Kereta führt der Highway von der Küste weg ins Landesinnere hinein. Die Landschaft ist schon sehr schön, unheimlich grün, und die Hänge der Hügel beinahe terrassenförmig angelegt. Die Kühe stehen fast wie auf Stufen. Die trockenen Momente nutze ich, um meine neue Kamera auszuprobieren. Zum ersten mal versuche ich mich auch mit dem Warmfilter, durch den alles wie durch meine Sonnenbrille aussieht. Für grauen Himmel scheint das sehr gut zu wirken.

So gegen 11 Uhr erreichen wir Coromandel Town, wie wir feststellen, ein sehr hochtrabender Name: Die Stadt ist eigentlich eher mickrig, im wesentlichen eine einzige Straße, an der die ganzen Läden und Restaurants liegen. Wir lassen unser Wohnmobil am Straßenrand stehen (hier hat man wenigstens keine Probleme mit der Parkplatzsuche) und begeben uns auf die Pirsch nach geeigneten Souvenirs. Im ersten Laden gibt es viel Kitsch. Hier holen wir uns lediglich einige Postkarten (ja, wir müssen ja immer reichlich verschicken!). Auch im zweiten Geschäft finden wir nichts besonderes, aber das liegt eigentlich daran, dass die interessanten Dinge draußen im Hinterhof stehen und viel zu groß und zu teuer sind: einige sehr hübsche Skulpturen, die sich im Garten sehr gut machen und so manchen Blick auf sich ziehen würden… Alles andere ist wirklich sehr ungewöhnlich hier, so z.B. die aus Draht geformten Riesenschaben… Halt Geschmacksache. Der Laden muss ein Hobby sein, denn Gewinn wirft der doch bestimmt nicht ab, denke ich mir so.

Im benachbarten Imbiss, wo es von Kuchen über Sandwiches bis zu Fish&Chips alles zu geben scheint, genehmigen wir uns eine heiße Schale Latte und „toasted sandwich“ mit Pilzen und Schinken und so. Recht lecker, allerdings eine schmierige Angelegenheit, weil die ganzen Innereien dem Toast zu entrutschen suchen…

Als der Regen wieder einsetzt, machen wir uns weiter auf den Weg rund um die Halbinsel. Wenn uns nichts Schönes aufhält, wollen wir heute möglichst noch bis Hahei an der Ostküste fahren, um die vielgenannte Cathedral Cove zu besuchen. Und da erfahren wir, was die gelbe Färbung des nun anstehenden Highway-Abschnitts im Straßen-Atlas zu bedeuten hat: 11 Kilometer „gravelroad“ beginnen kurz hinter dem Ort, aber seit dem Kanadaurlaub haben wir den Respekt vor Schotterstraßen abgelegt. Auch diese Strecke überwinden wir, nur etwas rutschig und auch matschig ist es stellenweise. Immer wieder regnet es etwas, und hin und wieder halten wir an, um Luft zu schnappen und wenigstens auf diese Weise einige Eindrücke von der Landschaft und der Natur hier zu erlangen. Als wir an die Ostküste gelangen, umfahren wir ein großes Sumpfgebiet, und immer wieder geraten Buchten in unser Blickfeld. Kurz hinter der Abzweigung nach Matarangi halten wir dann endlich an einem langen Sandstrand für einen ersten Strandspaziergang auf der anderen Seite der Erdkugel. Es ist 14 Uhr, und das Wetter spielt gerade einigermaßen mit – es regnet nicht, die Sonne schaut mal vorbei, und in den Wolken ist ein recht großes Loch zu sehen, durch das man hellblauen Himmel erkennen kann.

Ich schnalle mir meine prallgefüllte Fototasche um, Lena ihren Discman, und so machen wir uns auf Entdeckungsreise auf den Felsen und im Sand… Kleine Fische in den Pfützen zwischen den muschel- und algenbewachsenen Felsen sowie Schnecken finden sich hier, aber auch sauber abgenagte Fischköpfe und halbe Hummer… tolle Mischung. Als Highlight können wir einen Reiher beobachten, der sich auf einem Felsen in der Brandung am Kopf kratzt und ansonsten recht desinteressiert tut. Wir lassen’s ruhig angehen und kehren nach etwa einer Stunde zum Wohnmobil zurück. Lena fällt sofort meine rote Stirn auf. Eigentlich verrückt, aber sie beneidet mich. Dabei sollte man hier doch sofort Sonnenschutzcreme auflegen, wo wir uns doch extra starke mitgenommen haben, vom Hautarzt empfohlene…!

WhitiangaWeiter geht die Fahrt, und in Whitianga mit der tollen Bucht und der möglichen Überfahrt zum Mercury Beach gießt es plötzlich so richtig. Regelrechtes Sauwetter herrscht hier: ‘s ist kalt und windig. Hier bleiben wir nicht, gleich wieder rein ins Wohnmobil und weitergefahren. Dabei verlieren wir aber nicht aus den Augen, dass wir auch noch Gaskartuschen für unseren Campingkocher benötigen – schließlich wollen wir ja auch irgendwo noch mal zelten. Also rein zur Tankstelle und gefragt, aber die haben nichts: Wir sollten es mal in einem „hardware store“ versuchen, sagt man mir. Aber der hier im Ort hat zu, weil Sonntag ist. Nix 24-Stunden-7-Tage-die-Woche-Service – aber wozu hier auch.

Bei Fahrtzeiten kann man sich hier ganz schnell verschätzen. So viele Kilometer sind es gar nicht bis nach Hahei, aber die kurvige Straße zieht sich ganz schön hin. Am späten Nachmittag erreichen wir den kleinen Ort und den dahinterliegenden Strand. Irgendwo hier muss der Weg beginnen, der zur Cathedral Cove führt. Nur wo? Es gibt keinen Informationsstand, nur eine Tafel, die uns aber auch nicht weiterhilft. Gut, dass ich so viele Reiseführer eingepackt habe. Den letzten habe ich ja noch im Flugzeug durchgearbeitet, zumindest für die Nordinsel: ein Buch über die zahlreichen National- und Forestparks samt Wanderwegen sowie Pflanzen- und Tieraufkommen. Da habe ich gelesen, dass vor dem Ort eine Straße links zu einem Parkplatz führen solle. Auf der Fahrt in den Ort hinein ist uns aber kein Schild oder dergleichen aufgefallen. Also fahren wir wieder ein Stück aus dem Ort raus und fahren dann nacheinander drei Straßen links hinein. Die ersten beiden sind unmarkierte Sackgassen, und an der dritten erkennen wir schließlich ein kleines Schild an einem Zaun, der auf den Parkplatz hinweist. Die Straße zieht sich einen Hügel hoch und mündet oben tatsächlich in dem erwähnten Parkplatz. Ein Hinweisschild teilt uns mit, dass wir ungefähr 40 Minuten pro Strecke brauchen würden, und da es bereits 17 Uhr 30 ist und es hier früh dunkel wird, haben wir nicht mehr besonders viel Zeit für die kleine Wanderung. Schnell noch Fototasche und für alle Fälle Trekkingjacke umgebunden, und los geht’s.

Der Weg führt oberhalb der Küste einen mit niedrigen Büschen und roten Lupinen bewachsenen Hügel hinunter, durch einen dichten Wald und schließlich über eine Schafweide, die wir durch ein Sicherheitsgatter betreten und auch wieder verlassen. Unter der Wolkendecke ist es recht warm, und ich komme schon beim ersten leichten Anstieg ins Schwitzen. Wir sind ja auch noch gar nicht im Training, fangen gerade erst an mit unseren Urlaubsaktivitäten, von denen wir uns eine Menge vorgenommen haben: Wandern auf jeden Fall reichlich, dann auch Kajakfahren – Sea Kayaking heißt es – und Black Water Rafting… Aber alles zu seiner Zeit am richtigen Ort.

Wer bergauf wandert muss meistens auch wieder runter, besonders, wenn er an die Küste will. Die letzten Meter führen sogar über Holz-Stufen bis auf den sandigen Strand hinunter. In sanften Wellen rollt die Brandung heran und umspült einige einsame Felsen. Zu unserer Linken entdecken wir einen riesigen Durchbruch in den uns überragenden Felsen, durch den man auf den benachbarten Strand gelangen kann: das ist Cathedral Cove. Spektakulärer finde ich aber den gigantischen spitz aufragenden Steinbrocken, der nebenan den Wassergewalten trotzt, aber schon reichlich abgespült aussieht. Die Pflanzen oben drauf lassen ihn fast wie ein versteinertes Haupt erscheinen. Was im einen Moment noch etwas heikel aussieht, ist im nächsten schon wieder trivial: Um hinzukommen, müssen wir abwarten, bis sich die Wellen hinter Cathedral Cove zurückgezogen haben, und die sich dann bietenden zwei Meter nassen Sand nutzen wir, um halbwegs trockenen Fusses drüben anzukommen. Auf dem Rückweg dasselbe Spielchen. Abenteuer heute en miniature!

Hot Water BeachDie Nacht verbringen wir einige Kilometer entfernt auf dem Campingplatz am Hot Water Beach. Besondere Attraktion sind hier die heißen Pools, die man sich bei Ebbe in den Strandsand buddeln kann; die Schaufeln dafür gibt’s an der Rezeption. Ebbe ist morgen so gegen Mittag, aber da werden wir schon nicht mehr hier sein. Während unseres Abendspazierganges fängt es eh’ schon wieder an zu regnen, und morgen ist nicht mit besserem Wetter zu rechnen. Außerdem habe ich ehrlich gesagt auch gar keine Lust, mit Dutzenden Hitzesüchtiger im kalten Wind in irgendwelchen Erdlöchern zu hocken…

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Süden. Ein mögliches Ziel wäre White Island gewesen, die berühmte Vulkaninsel, die Freunde uns empfohlen hatten. Aber bei schlechtem Wetter lohnt sich die Fahrt dorthin nicht, zumal diese Attraktion ziemlich abseits unserer Route liegt. Also beschließen wir, direkt Richtung Rotorua in das Zentrum der Nordinsel zu fahren. Vulkane gibt es ja auch im Tongariro Nationalpark, und dort wollen wird dann auch wandern: den beliebten Tongariro Crossing Track, der oft auch als schönste Tageswanderung Neuseelands bezeichnet wird.

Aber bis dahin haben wir noch einige andere Ziele vor Augen – Rotorua zum Beispiel. Die Fahrt ist zäh und kurvenreich, und es regnet fast ständig. Plötzlich finden wir uns Paeroa wieder, einer Stadt, die eigentlich gar nicht auf unserer Route liegen sollte. Wir stutzen und studieren die Karte… Mist, wahrscheinlich sind wir in Waihi falsch abgebogen, aber da waren Schilder auch Mangelware! Nun, was soll’s. Wir ändern unsere Pläne kurzerhand, denn nun liegen die Waitomo Glühwürmchenhöhlen näher als Rotorua.

Reisevorbereitungen für unseren Neuseeland Urlaub

Wahnsinn, was da alles auf dem Flur steht: zwei fast aus den Nähten platzende 70-Liter-Rucksäcke, ein großer Koffer, zwei kleine Tagesrucksäcke und meine nigelnagelneue Fototasche. Dazu zwei Paar Wanderschuhe und zwei Trekkingjacken. Alles zusammen ein ganz schöner Haufen – äh – Berg Klamotten. Das, was wir nicht als Handgepäck nehmen können, wiegt schon mehr als 44 Kilo…

Aber wir bauen auf die Kulanz der Korean Air-Mitarbeiter und packen nicht noch mehr aus den Taschen heraus. Wir haben bereits eine gewichtsreduzierende Vorauswahl hinter uns, und nun ist es genug. Wahrscheinlich stellt sich hinterher wieder einmal heraus, dass wir auch dieses mal noch zu viel Klamotten mitgenommen hatten. Aber es sieht schon anders aus als bei früheren Reisen. Ich habe mir kurz vorher eine neue Kamera, eine Nikon mit allerlei Drum und Dran, u.a. einem Stativ gekauft, und die muß natürlich mit, samt 50 Diafilmen, die belichtet werden wollen… Somit nimmt die Fotoausrüstung allein schon ungefähr 8 Kilo ein… Lena schüttelt den Kopf. Wenigstens kann sie dann auf ihren Fotoapparat verzichten und noch ein Buch mehr einpacken. Wenn ich mit der Kamera auf die Pirsch gehe, will sie ja schließlich auch was zu tun haben!

Dafür haben wir an der Kleidung dieses mal echt gespart. Hauptsächlich unsere Trekkingklamotten haben wir eingepackt, dazu noch eine Jeans, zwei T-Shirts, einen Pullover und natürlich Unterwäsche. Zweitschuhe und Outdoor-Sandalen müssen auch mit… Eine von mir neu erstellte Checkliste hat uns bei der Auswahl geholfen.

Tipps

  • Korean Air bietet von Düsseldorf, Köln und Bonn einen im Flugpreis inbegriffenen Shuttle-Service nach Frankfurt an!
  • Nehmen Sie sich etwas zu Lesen mit, wenn Sie sich längere Zeit im Kimpo-Airport von Seoul aufhalten müssen! Sonst wird’s langweilig…

Es ist Mittwoch, der 3.11., und uns steht ein langersehnter Traumurlaub bevor: Für fünf Wochen geht es nach Neuseeland. Zig Reiseführer habe ich durchgewälzt und unendlich viele Notizen gemacht, um festzustellen, welche Gegenden denn am interessantesten seien und was man wo machen kann. Denn so ungefähr muß man seine Route ja schon kennen… Zum zweiten mal nach unserem Kanada-Urlaub in den Rocky Mountains werden wir mit einem Wohnmobil unterwegs sein, frei von irgendwelchem Zeitdruck, der durch Vorausbuchungen von Hotels oder dergleichen gegeben sein würde. Das einzige, was wir fest buchen mussten, ist der Tag der Überfahrt von der Nord- zur Südinsel, da die Fähre stark genutzt wird. Evtl. können wir vor Ort eine Umbuchung arrangieren, wenn wir länger – oder kürzer – als vorgesehen auf der Nordinsel bleiben wollen. So Pi mal Daumen habe ich 10 Tage für die Nordinsel recherchiert, und somit steht vorerst der 17.11. als Termin für die Überfahrt fest.

FFM Flughafen Bahn

Zum ersten mal fliegen wir nicht von Düsseldorf ab, sondern von Frankfurt. Korean Air bringt uns dann über Seoul nach Auckland. Alles in allem etwa 24 Stunden netto im Flugzeug. Hoffentlich stehen die Sitzreihen weit genug auseinander, so dass man (und frau) auch mal die gequälten Beine ausstrecken kann. Schließlich sind die Asiaten im Durchschnitt ja eher kleiner als wir Europäer, und wer weiß, wie sich das auf die Flugzeugbestuhlung auswirkt…?! Aber der Preis für den Flug war gut und die Kritiken für die Airline auch – also haben wir zugeschlagen. Positiv ist auch, dass im Flugpreis die Fahrt in einem Shuttle-Bus von Düsseldorf nach Frankfurt enthalten ist, so dass wir keinen Zubringerflug oder Rail&Fly buchen mussten.

Ein Taxi bringt uns – beladen wie wir sind – zum Worringer Platz, wo die Fernbusse starten. Es stehen schon zwei Busse dort, aber die fahren irgendwie nach Kroatien oder so; da wollen wir dann doch nicht mit. Um 15 Uhr 23 kommt endlich unser Bus. Wow, ein fetziges Teil von Neoplan, fesch und schrill aufgemacht. Außer uns steigen nur zwei weitere Paare und zwei Asiaten ein. Wahrscheinlich Koreaner, aber ich kann das nicht beurteilen… Ah, vielleicht doch Japaner, denn vor dem Einsteigen wird erst noch ein Abschiedsfoto gemacht!

Die Fahrt ist angenehm und der Fahrer sehr freundlich; man bietet uns sogar etwas zu Trinken an, aber vor so einem langen Flug will ich die Leistungsfähigkeit meiner Blase nicht überstrapazieren.

Pünktlich sind wir in Köln am Dom, wo noch ein paar Asiaten einsteigen. Zwanzig Minuten haben wir Aufenthalt (warum eigentlich?), und wir nutzen die Zeit, unsere leicht knurrenden Mägen mit McD-Futter zu beruhigen. Schließlich war der Tag bis hierhin schon recht lang, und heute mittag haben wir auch nichts rechtes gegessen. Weiter geht’s zum letzen Pick-Up nach Bonn, und um 19 Uhr steigen wir direkt vor dem Terminal 2 am Frankfurter Flughafen aus. Wir brauchen nur geradeaus in die Halle zu gehen und stehen schon vor dem Check-In von Korean Air. Das ist ja praktisch! Wir sind begeistert.

Nicht so begeistert sind wir von einem jungen Mann, der mit einem Mikrofon bewaffnet das Paar hinter uns in der (kleinen) Schlange vor dem Schalter zu dem jüngsten Flugzeugunglück vor der amerikanischen Küste befragt – ob sie denn mit einer Boeing 767 fliegen würden und so. Als er auch uns fragen will, winke ich ab – „muss nicht sein“. Natürlich weiß man, dass immer etwas passieren kann, aber darüber nachdenken möchte ich jetzt wirklich nicht. Die Maschine der Egypt Air ist erst vor kurzem abgestürzt, und ich muß schon sagen, dieses mal kam mir zum ersten mal in den Sinn, dass uns ja auch so etwas passieren könnte. Aber irgendwie schiebt man solche Gedanken dann doch wieder beiseite. Sonst kann man sich ja gleich in die Kiste legen…

Unser Gepäck von 44,1 Kilogramm wird nicht beanstandet, sehr kulant, denn eigentlich können wir nur jeder zwanzig Kilo mitnehmen – nicht viel für fünf Wochen, wenn man auch Foto- und Campingausrüstung mitschleppen muss. Wenn ich bedenke, dass wir sonst – ohne Foto- und Campingkram – auch schon jeder locker die 20 Kilo vollgemacht haben, was haben wir denn da bloß immer eingepackt?

Wir haben noch viel Zeit, schauen uns etwas um und gehen um 20 Uhr durch die Kontrolle in die Duty-Free-Zone. Der Wachmann meint zu mir: „Alles raus aus den Taschen – auch Münzen, Fishermans und so…“ Kann der hellsehen? Schließlich habe ich nahezu immer Fishermans in der Tasche… Nun, er vielleicht auch. Eine verwandte Seele…?!

Schon wieder meldet sich der Magen, aber hier gibt es echt nichts zu essen! Nur ein ultrateures Bistro in amerikanischem Stil und ein Spezialitätenladen, wo wir uns dann Wasser und ein Sandwich gönnen sowie ein Mars als Nachtisch. Was für Delikatessen!

Die Zeit wird lang, und Lena kauft sich noch ein Buch. Schließlich wird dessen Gewicht jetzt nicht mehr registriert. Ich habe auch eines in der Hand – einen Millennium-Wälzer über die zusammenbrechende Finanzwelt. Fast hätte ich ihn mitgenommen. Aber ich denke, der eine Konsalik, den ich dabei habe, genügt mir. Endlich, um 22 Uhr 20, geht es los. Gott sei dank keine Boeing 767, sondern ein klassischer Jumbo-Jet, der gar nicht so groß erscheint, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe. Die dritte Person in unserer Sitzreihe ist ein älterer Herr, der kurz nach dem Start sofort in den freien Mittelteil flüchtet. Ich weiß nicht, liegt es an den „EarPlanes“, die ich mir für den Start- und Steigvorgang in die Ohren gesteckt habe? Ich muß damit aussehen wie ein Außerirdischer mit blauen Antennen in den Gehörgängen. Lena jedenfalls amüsiert sich königlich. Oder ist es wegen meiner Füße, die erst einmal richtig Dampf ablassen, als ich die Wanderschuhe ausziehe? Nee, ich denke, es ist einfach zu eng für drei. Die Beine haben zwar Platz genug, aber meine Schultern sind wohl zu breit…

Die „EarPlanes“ sind so eine Sache – eine Apotheken-Empfehlung. Ich habe ja immer Probleme mit meinen Ohren beim Starten, vorwiegend aber nach dem Landen. Durch den Druckunterschied schließen sich die Gehörgänge, und ich höre fast nichts mehr. Manches mal wird das sogar äußerst schmerzhaft. Mein Ohrenarzt konnte nichts feststellen und hatte nur den Tipp für mich, den Kopf auf die Brust zu legen, die Nase zuzuhalten und dann kräftig Luft in die Nase zu blasen. Das würde helfen. In der Apotheke sagte man mir dann, das solle man nur bei freier Nase machen (also brauchte ich ein Nasenspray, weil mein Riechorgan eh’ immer zu sitzt) und empfahl mir die neuen EarPlanes, die den Druckausgleich in den Ohren regulieren sollten. Für 6 Euro habe ich sie einfach mal mitgenommen – s’ist ein Versuch wert.

Tja, beim Start war es ja nie so schlimm, auch wenn es ständig knackt in meinen Ohren. Als wir unsere Reiseflughöhe von 11000 Metern erreichen, nehme ich die blauen Stöpsel heraus. Ein kritischer Blick meinerseits – nein, kein gelbliche Verfärbung festzustellen. Ich habe mir heute morgen ja auch die Ohren sauber gemacht.

Ich höre alles. Nichts tut weh. Aber wie gesagt, die großen Beschwerden habe ich immer erst bei der Landung. Und wir werden zweimal landen…

Der Service an Bord ist gut und die Stewardessen jung und hübsch. Der Flug ist nicht so anstrengend wie befürchtet; ich kann sogar etwas schlafen. Nach dem Mittagessen (es gab koreanisches Pibimbab – ganz passabel) landen wir um 16 Uhr Ortszeit in Seoul. Lauter Wohntürme strecken sich uns entgegen, als wir die Landebahn anvisieren. Sieht auf den ersten Blick nicht sehr einladend aus, die Stadt.

Zwei Stunden Aufenthalt haben wir hier. Was tun? Der Flughafen selber bietet nicht viel, sieht schon recht veraltet und kalt aus. Es gibt eine Halle mit einer Reihe von Duty-Free-Ständen, wo scheinbar Hunderte von Koreanerinnen in Verkäuferuniform mit Pralinenschachteln bewaffnet auf die Reisenden einreden. Doch was ist denn das für eine Schrift auf der Leuchttafel?! Da steht ja Lotte! Ich bin entzückt. Der Duty-Free-Laden hier heißt tatsächlich wie mein Heimatort… Klein ist die Welt. Zum Beweis für diesen seltsamen und amüsanten Zufall sortiere ich eine von zwei uniformierten Verkäuferinnen zwischen meine Kamera und den Stand und drücke ab. Als Dreingabe bekomme ich ein Kaugummi mit dem historischen Schriftzug „Lotte Kimpo Airport Duty Free Shop“. Das wird einen Ehrenplatz im Fotoalbum erhalten…

Die Zeit geht einigermaßen schnell rum, und um 19 Uhr 20 Ortszeit steigen wir in die gleiche Maschine, die uns schon nach Seoul gebracht hat. Weitere 10 Stunden Flug, diesmal über Japan, die Philippinen, weite Strecken des Pazifik und Neu-Kaledonien ertragen wir ehrenvoll, dazu das gleiche Essen wie auf dem ersten Flug (komisch, obwohl wir nur sitzen, haben wir doch immer Hunger…), bis schließlich unter uns Land erscheint, total von Wolken bedeckt. Das muss Aotearoa sein – das Land der langen weißen Wolke: Neuseeland, denn schließlich sind es nur noch wenige Minuten bis zur Landung. Es ist schon witzig: Über der See keine einzige Wolke, aber über dem Land tummeln sie sich alle.

Kurz vor 10 Uhr morgens Aucklander Ortszeit stoßen wir dann aus etwa 11 Kilometern Höhe auf die Landebahn herunter und ich mir die EarPlanes in die Hörmuscheln. Die Landung ist perfekt, aber dieses mal erlebe ich wieder meinen typischen Hörsturz: Die eigene Stimme höre ich dann am schlechtesten, wie durch gigantische Wattebäusche hindurch; alles andere geht einigermaßen. Wenigstens habe ich keine Ohrenschmerzen, das ist ja auch schon was wert.